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Central-Verein-Zeitung · 1930-09-01 · Heft 9 (September 1930) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 9 (September 1930)
Date
1930-09-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Problematik der heutigen Jagend Von Oberstudiendlrektor Df. K. Müller, Potsdam Wenn es noch eines Nachweises bedurft hätte, wie stark die heutige Jugend entwurzelt ist, so würde die zunehmende Anziehungskraft der nationalsözialistischen Bewegung auf sie diesen Nachweis erbringen. Die vollkommene Haltlosigkeit dieser jungen Menschen, ihr Verfallensein an das Schlagwort, an aufgebauschte Redensarten, lärmende Veranstaltungen, . Phantastische Verkleidung, herausforderndes. Auftreten, gewaltsames Sichdurchsetzenwollen, rücksichtsloses Sichzurgeltungbringen, ihr Mangel an Achtung vor der Mei-, nung anderer und selbst vor Heiligem . . das und noch vieles andere kennzeichnet eine Geistesrichtung, die nicht nur für die Gegenwart, sondern besonders auch für die Zukunft unseres Volkes mit größter Sorge erfüllen muß. Denn diese Jugend ist doch unsere Nachwelt, auf ihr liegt die Aufgabe, das auszubauen und weiterzuführen, was unter vielen Erschütterungen sich gegenwärtig wie an einer Zeitwende neu bildet. Es ist nicht unangebracht, den Vergleich 51t ziehen zwischen dem gegenwärtig verantwortlichen Geschlecht und dem kommenden, und mail wird dann der ganzen Tragik dieser jungen Menschen inne werden und die ungeheure Verantwortungslosigkeit derer erkennen, die sie bewußt irreführen und mißbrauche::. Auch uns erschien, als wir durch die Jahre der Reife hindurchgingen und wir sehend geworden waren, vieles an dem damaligen Staat verbesserungsbedürftig. Wir lehnten uns auf gegen das Dreiklassenwahlrecht und dagegen, daß nur'der Geldbeutel, Glauben und Stand der Väter den Aufstieg ermöglichte. Wir waren empört über die Bevorzugung gewisser Schichten bei der. Besetzung höherer Stellen im Staat. Wir geißelten es, daß jeder junge Leutnant mehr galt als der älteste und verdienteste Gebildete. Wir kämpften gegen eine Gesellschaftsordnung, die gewisse Volksteile überhaupt nicht achtete und verwenden konnte, bloß weil sie anderen Glaubens waren. Wenn diese kritischen Urteile auch stark unter dem Einfluß des Vaterhauses standen, so hielten sie sich doch in d e n Grenzen, wie sie unausgewachsenen Menschen nun einmal gezogen sind. Immer aber wog die Bejah u n g vor. Die Erkenntnis der eigenen Unzulänglichkeit beherrschte das jugendliche Gemüt, auch selbst bei dem stürmischsten Temperament. Nur ganz Vereinzelte, besonders Begabte kamen zu tieferer Kritik. Auflehnung gegen zu starke Bevormundung war zwar ebenso vorhanden wie die Meinung, den Erwachsenen in der Urteilsfähigkeit gleich zu sein. Man bildete sich wohl auch ein, Vorschläge für Abstellung aller Ungerechtigkeiten in Staat und Gesellschaft, bereit zu haben, und man lehnte sich gegen eine zu ausgedehnte Führung durch Eltern, Lehrer und sonstige Berufene mit Entschiedenheit auf. Man sah aber ein, daß ein W i s s e n vorhanden sein müsse, um richtige Entscheidungen zu fallen. Bei allem Kampf zwischen jung und alt bestimmte doch eine gewisse Hochachtung die Aeußerungsförmen der Jugend. Der Radikalismus junger Menschen ist ja meist nichts als Einseitigkeit des Urteils, Temperamentsüberschwang und der Wille, Schwierigkeiten schnell hinwegzufegen. Der Radikalismus unserer Jugend war mehr theoretischer Art; heute ist er auf Gewalt gestellt. Vor allem aberleb t e in uns ein G e m e i n s ch n f t s - und Kameradschaftsgeist, der in unseren Mi tju gend lichen vor allen: der: Weggenossen sah und nicht nach Unterschieden des Glaubens urteilte. Man saß mit Je näher die Reichstagswahlen Heranrücken, um so intensiver gestalten sich die Bemühungen der Nationalsozialisten, ihre Jugendorganisationen, die sich aus vorwiegend nicht wahlberechtigten Mitgliedern rekrutieren, in die Agitationsarbeit einzubeziehen. Sie gehen dabei von der vermessenen Annahme aus, daß diese Politisch in keiner Weise geschulten Menschen berufen sind, binnen kurzer Zeit als die Träger des „dritten Reiches" das Schicksal Deutschlands in die Hand zu nehmen. Am 24. August fand als sogenannte Jungwählerversammlung in Berlin eine von Hitler-Jugend und Nativ n a l s 0 z i a l i st i s ch e m Schülerbund veranstaltete Kundgebung mit den Themen „Fort mit diesem System!" und „Rebellierende Jugend und Reichstagswahl" statt, in der unter anderem erklärt wurde: „Unsere Bewegung ist eine revolutionäre, sie will gründlich die heutigen Verhältnisse ändern. Wir müssen uns darauf besinnen, daß wir ein wehrhaftes Volk waren, und alles das, was wir wollen, dient nur der Aufgabe, das „dritte Reich" aufzurichten ..." Wohin solche „politische Schulungsarbeit" führt, beweist wieder einmal der Inhalt eines Flugblattes, das von den nationalsozialistischen Schülern in A l l e n st e i n (Ostpr.) kürzlich verbreitet wurde. Es heißt da u. a.: „Schüler, Schülerinnen! Wir sollen uns nicht mit Politik beschäftigen, wir seien zu jung, wir verständen davon nichts! Wer sagt das? Die Vertreter der herrschenden Partei und ihre Nachbeter! Warum sagen sie das? Weil sie durch den Young-Plan das deutsche Volk aus 60 Jahre in die Sklaverei schicken, damit es dort ein Bettelleben führt, um ein paar internationalen jüdischen Finanzhyänen die Taschen m stillen ♦ « Es ist unzweifelhaft, daß solche Worte unter der halbwüchsigen, noch mitten in der Schulbildung steckenden Jugend ungeheuren Schaden stiften. Das ist schon nicht mehr als parteipolitische Aufklärung, denn als offensichtliche Verhetzung gegen einen bestimmten Teil des deutschen Volkes zu bezeichnen. Zu dem in diesen Blättern schon mehrfach erwähnten „ A ufmars ch % dem Reichsorgan des Nationalsozialistischen Schülerbundes, hat sich seit einigen Wochen eine lediglich für Berlin bestimmte Zeitschrift, der „Berliner Schul- Beobachte r", gesellt, dessen Inhalt ganz scharf auf Bekämpfung des bestehenden Staates und der Aufhetzung gegen Andersgesinnte zugeschnitten ist. Der „Schulbeobachter" stellt sich im wesentlichen zwei Aufgaben, eine propagandistische („Kein Berliner Abiturient, der. die Schule verläßt, ohne Nationalsozialist zu sein! Katholiken und Juden auf derselben Schulbank und wurde sich trotz des getrennten Religionsunterrichts nicht einmal bewußt, was das zu bedeuten habe. Der verderbliche Inhalt des Wortes „Rasse" ward niemand bekannt. Es waren eben Katholiken und Juden, die etwas anderes glaubten, die aber von uns nur insoweit beanstandet wurden, als sie etwa sich nicht als anständige Kameraden zeigten. Man spielte zusammen, trieb zusammen denselben Unfug, ärgerte zusammen feine Lehrer, aber daß z. B. Ausgenommen Juden und Schlappschwänze!") und eine erzieherische („Bürger? Nein! — Nationalsozialisten! Unsere Geisteshaltung, unsere Lebensführung sollen dereinst den Bestand der deutschen Nation sichern!"). Daß die Schulbehörden dieses Treiben der nationalsozialistischen Schüler als Schul- und Volksfrieden störende Hetztätigkeit auffassen müssen, ist klar. Zu den Verboten und Anordnungen der Provinzialschulkollegien der Provinze:: Hannover, Schle swig-H ölst e i n, B r a n d e n b u r g usw. kommt neuerdings ein Runderlaß des Provinzial s ch u l k 0 l l e g i u m s für Hessen- Nassau in Kassel, der sich mit der Frage der Zugehörigkeit der Jugend zu staatsfeindlichen Organisationen, besonders zu solchen mit nationalsozialistischer Tendenz, befaßt; er stellt fest, , daß „die erstatteten Berichte der Anstaltsleiter leider keinen Zweifel darüber lassen, daß in unsever Provinz die staatsfeindlichen Parteien an manchen Orten in bedenklichem Maße Einflntz ans die Jugend der höheren Schulen gewinnen". Das Provinzialschulkollegium macht es vor allem den A n - st a l t s l e i t e r n zur ersten Pflicht, in ihren Anstrengungen nicht zu erlahmen und für die Reinigung desSch ullebe ns von politischer Verhetzung wie auch für^ die positive Erziehung der Jugend zur deutschen Republik. durch Beispiel, Lehre und pädagogische Führung ihre volle Kraft einzusetzen. Es bleibt jedoch nicht allein bei einer politischen Gefährdung der Jugend; die sittlich einwandfreie Erziehung deutscher Kinder steht aus dem Spiel! Bietet sich doch in einem in Nr. 34 des „Stürmer" vom August d. I. veröffentlichten Inserat ein „Stürn:erlehrer" an, gefährdeten Schülern der unteren Gymnasial- und Realschulklassen sowie Schülerinnen der Höheren 'Mädchenschulen gründliche und erfolgreiche Nachhilfe zu erteilen! Unseren Lesern ist das von den schmutzigsten und niedrigsten pornographischen Texten und Bildern strotzende Nürnberger Hetzorgan des Herrn Streicher zu genau bekannt, als daß die Anzeige noch eines besonderen Kommentars bedürfte. Der Titel „Stürmerlehrer" stellt nur einen klassischen Beweis dafür dar, daß die Nationalsozialisten auch nicht das übelste Mittel scheuen, die Jugend, das wertvollste Gut der Nation, politisch zu vergiften. -th- Hitler-Jugend und Schülerbunö Bus Zeitungen und Flugblättern für die nationalsozialistische Jugend

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