Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 9 (September 1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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H4 r c Sle Me »er jcneoecer Sltts nationalsozialistischett Wahlreden. Versammlung der NSDTlP., Gan Berlin, am Freitag, 18. August 1930, im großen Saal der „Neuen Welt", Neukölln. ... Gibt.es denn, heute noch einen aufrechten Deutschen, der, wie der Müller von Sanssouci, an die Unabhängigkeit der Gerichte glaubt, nachdem man die Justiz zur Dirne der Politik herabgezogen und gestempelt Kat? Mögen sie uns heute zu Strafen verur-, teilen, wie sie wollen, eine derartige Strafe schändet heute nicht mehr, sie ist eher ein Ehrenkleid. Und das möchte ich diesen Herren Rrchtern noch sagen. Mögen sie ruhig acht Monate Gefängnis verhängen, wer glaubt denn noch, daß sie abgesessen werden! Aber eins möchte ich den Herren Richtern auch noch zu bedenken geben. Wir sind gelehrige Schüler, die es nicht vergessen werden, wie man mit derartigen Maßnahmen seine Feinde niederzwingen kann, welch harte Strafe man verhängen kann. und. auch das haben wir gelernt, wie man sie wissenschaftlich begründen kann! An all dies werden wir uns erinnern, wenn der Tag der Abrechnung, der Rache und der Vergeltung kommt, und er kommt wohl eher, als mancher es sich träumen läßt. (Stürmischer Beifall.) Aus einer Versammlung der NSDAP«, Freitag, 22. August, im KriegervereiuShause. ... Es wird hier allerdings scheinbar mit einem gewissen Recht der Vorwurf gegen uns erhoben, daß wir in Thüringen die Kops st euer eingeführt haben, die mit die ungerechteste Steuer ist. Wir erkennen das auch an, können aber nur darauf entgegnen, daß es sich in Thüringen für uns darum handelte, uns eine Machtposition zu verschaffen, von der aus einst Deutschland in den Endkampf eintreten wird. Wenn dann die Be- < freiung Deutschlands erfolgt ist, wird uns kein Thüringer den Vorwurf machen, daß wir ihm ja eigentlich auf eine nicht gerade schöne Weise drei Mark abgeknöpst haben. In der Politik darf man nun einmal nicht über Zwirnsfäden stolpern. Aus einer Versammlung der NSDAP«, Sektion Schmargendorf, Dienstag, 18. Angust 1930, im Forsthaus, Schmargendorf. Und wir Nationalsozialisten haben gar kein Interesse daran, es zu einer Beruhigung kommen zu lassen. Das heutige System darf nicht zur Ordnung und Ruhe kommen. Dem hetzerischen Treiben der bisherigen Machthaber kann nur mit gleicher Münze gedient werden. Der Durchschnittsbürger wird ja wohl schlaflose Nächte haben, wenn er nur das Wort Revolution hört. Aber der, der ein gutes Gewissen hat, hat. auch keine Furcht vor der Revolution. Wir Nationalsozialisten wollen nicht nur eine Revolution, die das bestehende System verschwinden läßt, wir wollen mehr, wir wollen bewußt eine. Diktatur unter unserem großen Führer Adolf Hitler. Dr. v. Leers am 29. 8. 30 in Berlin- Wilmersdorf. Der Reichstag ist unter dem Druck der marschierenden Bataillone der S.A.- Leute .auseinanoergejagt worden . . . Wir werden uns hüten, vor einem parlamentarischen „Festfahren", Kompromisse kennen wir nicht, wer sich unserem Willen nicht beugt, den schicken wir eben mit „blauen Veilchen" nach Hause. Nationalsozialistische Versammlung in Tittling bei Pafsan (Niederbayern) am 23«. 8. 30. Die Franzosen würden bei etwaigem deutschen Widerstand gegen die Erfüllung unserer Verträge nicht einmarschieren, sobald die Nazisozi fünf bedeutende Juden an die Wand stellen. Nationalsozialist Hilter am 21. 8. 30 in einer Versammlung in «Hannover. Alle Gegner der Nazis werden nach dem 15. November aufgebaumelt, und zwar zehn Zentimeter über dem Erdboden. Nationalsozialist Appler in nationalsozialistischer Versammlung in Gunzenhausen, Mitte August 30. Die Särge sind in Bereitschaft! Der Kamps kann beginnen! Gauleiter Loeper (Anhalt) am 20. 8. 30. in Berlin, Wahlversammlung der Sektion Uvrk. Wir sind die Herren und wir schreiben den anderen Leuten'vor, was wir getan wissen wollen. Und so wie hier in den Versammlungen, so werden wir auch in nuferem zukünftigen Reich bestimmen, und zwar nur wir, was geschehen soll. Wer nicht pariert, wird an die Wand gedrückt. An diesen Gedanken werden sich die anderen eben gewöhnen müssen. Wir wollen nicht für jeden das gleiche, sondern unser Wahlspruch lautet: Jedem das Seine! Aber was das „Seine" sein wird, bestimmen and) wir. „Juden und Polen haben keinen Zutritt" Maulhelden und Helden der Tat« A. H. In der deutschen Ostmark, in M e s e - r i tz, laden die Nationalsozialisten zu Wahlversammlungen ein und versehen die Aufforderungen mit dem Vermerk „Inden und Polen haben keinen Zutritt". Wahrscheinlich wollen die Nationalsozialisten die Meseritzer Juden und die deutschen Juden überhaupt als Feinde Deutschlands charakterisieren, als die sie die ihnen nachbarlichen Polen ansehen. Es ist von den Nationalsozialisten gerade in dieser Gegend und in solche m Zusammenhänge sehr unvorsichtig, die Juden diffamieren zu wollen. Denn als man von Nationalsozialisten in Deutschland noch sehr wenig wußte, spielten sich bereits einige für Deutschland außerordentlich wesentliche außenpolitische Ereignisse ab: nämlich die Volksabstimmungen in Oberschlesien und in Ost- und Westpreutzen über die Frage, ob gewisse deutsche Landesteile an Polen fallen oder bei Deutschland bleiben sollten. Damals stellten sich mit so einmütiger Entschlossenheit die deutschen Juden in die Abstimmungskämpfe hinein, daß der Vorsitzende der Verbände heimattreuer Oberschlesier, Landgerichtsrat Ernst, feststellen konnte: „Mehr als 99 v. H. der oberschlesi scheu Juden widersetzensichdemAnschluß an Polen, und es steht fest, daß wir die feste Unterstützung nach Aussage unserer Kreisgruppenvorstände gerade seitens der I u d e n' erfahren haben, während andere Kreise, die sich sonst gern als national bezeichnen, sich ängstlich zürückhalten. Darum kann auf die Mitarbeit der Inden auf keinen Fall verzichtet werden." Die Juden haben damals unter teilweise sehr unerfreulichen, ja sogar gefährlichen Umständen rhren Willen zum Deutschtum durch d i e T a t bewiesen. Die Nationalsozialisten führen in den gefährdeten Grenzgebieten, wo es heute noch auf jeden deutschgestnnten Menschen ankommt, das-große Wort. Da, wo es sich aber um Taten handelte, haben sie versagt. So Haberl sie auf Südtirol, das dem Deutschtum zurückzusordern Schwierigkeiten bereitete, verzichtet und dafür von seiten des Andreas-Hofer-Bundes die Quittung empfangen müssen! Dieser Bund hat nämlich erklärt, daß „das Verhalten der Nationalsozialisten als eine unerhörte Provokation allerTiroler und der Freunde Tirols" ausgesaßt werden muß. Wir können, gerade weil es sich um M e s e - r i tz handelt, noch eine weitere Erinnerung feiern. Bei den Stichwahlen zum Reichstag 1908, als es sich darum handelte, ob ein Pole, der judenfrerrndlich, oder ein Konservativer, der mindestens den Juden kühl gegenüverstand — es handelte sich um Graf Westarp —/ gewählt werden sollte, stellten sich die Juden um der deut^ scheu Sache'willen entschlossen hinter Westarp. Er erklärte damals in einem Schreibell, er lvisse selbst, „daß die jüdischen Stimmen für d e ll Sieg der deutschen Sache ein erwünschter Zuwachs, aller Voraussicht sogar absolut nötig s i ll d". Die Nationalsozialisten beschimpfen also mit dem Vermerk: „Juden und Polen ist der Eintritt verboten" nicht uns, sondern nur sich selbst! Me deutsche Fra« - bürgerliches „ 77 ".“1 Mit Frauenfragen, insbesondere mit der Stellung der Frau in Beruf und Staat, beschäftigt sich der Nationalsozialismus höchst selten. Im Punkt 21 des voll Alfred Rosenberg herausgegebenen Programms ist vom Schutz der Mutter als Voraussetzung und Förderung der deutschen Volksgesundheit die Rede, aber das ist auch alles. In der nationalsozialistischen Bewegung tritt die Frau kaum hervor, lveibliche Versammlungsrednerinnen sind bisher in verschwindend kleinem Ausmaß ausgetreten. Allenthalben herrscht das männliche Element vor, ja es beherrscht sogar. Man merkt dem Nationalsozialismus überall einen offensichtlichen Patriarchansmus an. Das geht allein schon aus der Tatsache hervor, daß z. B. der Nationalsozialistische Studentenbllnd, einen: Befehl seines obersten Führers gemäß, die Auf ll ah me von S t u d e n t i n n e n untersagt. Die Frau ist im System des Nationalsozialismus keine gleichberechtigte Staatsbürgerin, sondern nur „Magd und Dienerin". Schrieb doch noch an: 26. Juni d. I. die in Nürnberg erscheinende „Flamme": „Die Juden haben uns die Frauen gestohlen durch die Form der Geschlechtsdemokratie. Wir Jungen müssen Ausziehen und den Lindwurm töten/ damit wir wieder zum Heiligsten kommen, dos es auf dieser Welt gibt. Zur Frau, die Magd und Dienerin ist. Weg, Wille und Ziel dazu heißt aberr Nationalsozialismus!" Das hilldert aber Hunderttausende von Frauen nicht, die Säle der NSDAP, zu füllen und ihnen ihre Stimmen zu geben, ja für sie deutlich Propaganda zu machen. So erscheint seit kurzer Zeit allwöchentlich eine nationalsozialistische Frauenzeitung, „Opferdienst der deutschen Frau" benannt, ein Kampfblatt) das vom Deutschen Frauenorden (Ber - l i n) herausgegeben wird. Diese Zeitung enthält im wesentlichen kleine Politische Berichte und Notizen, Stimmungsbilder, wiedergegeben von jungen. Nationalsozialistinnen, und sucht nicht zuletzt die. Frauen in der uns bekannten Art und Weise über die „jüdische Rasse" und ihre, wie man sich auszudrücken Pflegt, „Schmutzmoral" „aufzuklären". Der „Opserdienst" wird neuerdings auch als Wahlpropagandamittel benutzt; hundert Exemplare dieses Blättchens werden zun: Preise von drei Mark abgeseyt — eigentlich, wenn man Inhalt und Niveau betrachtet, viel zu hoch bewertet! „Frauen und. Mädel. Wählt Liste 9!" heißt es im „Opferdienst" vom 31. August. „Auch an den. Deutschen Frauenorden stellt die Wahl größte Ansprüche. Für die Verwundeten, die der Wahlkampf leider bringen wird, müssen Mittel beschafft werden. Wir appellieren an den Opfersinn unserer Mitglieder. . .!" Statt also für einen vernünftigen, sachlichen, von Roheiten und Gewaltakten befreiten Wahlkampf zu sorgen, rechnen diese Frauen mit Verwundeten — und billigen es! Auf diese Frauen trifft Hitlers Bemerkung über das „bürgerliche Mahlstimmvieh" (Adolf Hitler, .Mein Kampf", München 1930, S. 375) wirklich z:i! —tll— 05482202