Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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SS Ansicht von Frau Ludendorff die katholische Moral „noch tiefer stehender" sei als die tnlmudische. Der Talmudjude müsse seine Verbrechen (M. Ludendorff: „Ein Vlrck in die Morallehre der römischen Kirche. Seite 46.) „nur auf Nichtjuden beschränken", deshalb „waltet über der grauenvollen Unmoral des Talmuds als letzter einziger Schimmer eines göttlichen Naturgesetzes der Zusammenhalt mit den Blutsgeschwistern.'' Der Liguori-Moral fehlt dieser letzte Schimmer der Naturgesetze". Und dann heißt es, die katholische Moral Sei eine „durch den Verrat an dem Bluts- »ewußtsein und den Rassepflichten noch tiefer stehende" als die talmudische. historische Phantasten Alle historischen Ereignisse, die den Völkischen nicht genehm sind, wurden bisher den Juden in die Schuhe geschoben. Bekannt ist das Gerede von dem „Sanhedrin", der angeblichen „jüdischen Geheimregierung". Fast in jeder Nummer der . judenfeindlichen Zeitungen werden neue „Entdeckungen" in dieser Richtung gemacht. Waren ursprünglich nur die Französische Revolution, der Kapitalismus, die Arbeiterbewegung und der Weltkrieg „jüdische Machenschaften", so sind allmählich beinahe alle historischen Ereignisse zu Taten des geheimnisvollen Sanhedrins gestempelt worden. Neuerdings wird nun im Zuge der Katholikenhehe dasselbe Spiel gegen die katholische Kirche angewandt. Das Papsttum, und besonders der Jesuitenorden, wird als eine konspirierende Geheimmacht dargestellt, die alle Völker unterjochen, wirtschaftlich aussaugen und entkräften will. Ein klassisches Beispiel gibt das Buch von K. Bayer „Lösung des Rätsels der jesuitischen Sphinx" (Verlag für Volkseinheit, Berlin, 1929). Die Hauptthese dieses Buches besteht in der Behauptung, der Jesuitenorden sei „ein priesterlicher Judenkonzern zur Unterwerfung und Ausbeutung Europas" (Seite 32). Wörtlich heißt es über eine Verbindung des Papsttums mit dem angeblichen „Sanhedrin": „Seit Lainez (dem zweiten Jesuitengeneral) - war jeder Jesuitengeneral' beglaubigter. Vertreter des Sanhedrins beim Papst, um die Interessengegensätze beider Religionsgemeinschaften 'miteinander in Einklang zu bringen. Dies Amt haftete am Amt, des Jesuitengenerals. (Seite 168.) Aber es bleibt nicht bei dieser mehr allgemeinen Aufstellung. In dem oben erwähnten Buche wird ganz ernsthaft von Verträgen zwischen Papst und Sanhedrin geredet. So habe der Papst aut, Zeit des Konzils -von Trient ein Bündnrs nnt dem „Sanhedrin" geschlossen, mm die Christen dem Judentum zu unterwerfen, (Seite 38.) 1917 habe der Papst tnit: der jüdischen Geheimregierung einen Teilvertrag (!) geschlossen, in dem: Europa, und insbesondere Deutschland, in eine päpstliche und eine jüdische Macht- Käre. zerlegt worden sei. Daran werden Mde! Betrachtungen geschlossen: ^Welche; Parteien auch Regierungsparteien sind, immer sind ihre Minister Judenwerkzeuge. Daß die ultramontane Partei, in Deutschland stets Regierungspartei bleibt, ist nur Ausdruck der Tatsache, daß Rom im Vertrag zur Teilung Europas 1917 souveräner Herrschet eines Teils ) von Deutschland wurde, und sein! Stück Macht gegen den Juden zu behaupten weiß. (Seite 230.) Diese „völkische" Geschichtsforschuüg treibt § manchmal merkwürdige Blüten. Das Heft 77 sder der N. S. D. A. P. sehr nahe stehenden ^Zeitschrift ,,Der Weltkämpf"> enthält einen 'großen Aufsatz von Gregor Schwartz-; B ö st u rt JesuitengefMvK Dort;pP^ftl«209)!: auSQefitf)#, daß i; NaPMonEi.^ di^gefügiges iWrkzÄg der JeWMMwar, mit; Hessen^Hilfe Wihnev bei¬?>n!<!WÄungen ^Sre.M^SMuM Mch -der Weltherrschaft"., zu verwirkllchem^ Dre _ Jesuiten, heißt es da, „schoben die rkvolu- . tionäre Größe Napoleons auf den Posten des /^eltmonarchen . . ., und die himmeltästerniden Flötengaukler von Jesuiten verstanden Ds, durch ihre Gewährsmänner ihn zu bewegen, ein Konkordat mit dem Papste abzuschließen". In dem oben erwähnten Buche von Bayer ist aber Napoleon der „Korse normannischer Abstammung, der . . . Frankreich tu seinem »Code Napoleon' gesunde Rechtsgrundlagen schuf", und er ist damit „der Schöpfer und Begründer des sogenannten bürgerlichen Staates, richtiger: des Staates altgermanischer Rechtsgleichheit". (Seite 179—180.) Und dann heißt es weiter (Seite 181): „Papst und Sanhedrin verbanden sich zum Sturze Napoleons." Also: Napoleon ist einmal das Werkzeug der Jesuiten imt> dann wieder „der Cäsar, der, das Schwert auf den Knien, nordisch-heidnisch und selbstherrlich auf seinem sebstgezimmerten Throne saß, keiner Suggestion zugänglich als seinem eigenen Machtwahn, der weder der Arm des Papstes sein wollte noch Werkzeug der Sanhedrin . . ." (Bayer, Seite 181.) Dieser Widerspruch zeigt, wohin die völkischen verhetzenden Märchen führen. Auch politischer Mord wird dem Katholizismus vorgeworsen: „Pöhner in Bayern, der bei einem Autounfall sein Leben verlor, wurde vermutlich durch jesuitische Machenschaften beseitigt, als er eben im Begriffe stand, die Freien Bayerns aus den Parteien herauszuholen und im Bunde mit dem Königsgedanken eine völkische Macht zu schassen." (Bayer, Seite 231.) In seiner „Volkswarte" (2. März d. I., Nr. 9) schreibt Erich Ludendorff: „Blutvergießen und Verkümmern der Menschen im Kollektiv regen den römischen Papst nicht auf. Die Päpste haben genug Blut vergießen lassen und selbst vergossen." lieber die Kreuzzüge heißt es in der „M ecklenburger Warte" (Nr. 12 vom 23. März d. I.): „Ilm aber auf die .Kreuzzüge' zurückzukommen, sei erwähnt, daß sieben Millionen nordischer Männer, die Blüte der weißen Rasse, durch sie zugrunde gingen, daß das Kriegsziel, für das diese Männer starben, die Eroberung des Grabes Christi, also eines leeren Grabes, war, ferner, daß diese zweihundert Jahre lang dauernden Kriegszüge in den Orient natürlich den Nebenzweck hatten, den Juden ihr Palästina wieder zu erobern, die auch damals hinter den Päpsten standen und durch ihre verkappt christlichen Brandredner die Kreuzzughysterie entfachten. Am Ende dieses unsinnigen Massenmordes teils zu Allahs, teils zu Christi Ehren, war im Osmanenreich wie im Abendland natürlich der Jude Besitzer der Völkergüter und Herr der . Situation." Ein solcher Unsinn bedarf keiner Widerlegung. Aber man darf nicht vergessen, daß solche Gehirngespinste heute gedruckt und verbreitet werden und daß von ihnen eine äußerst gefährliche Wirkung ausHeht. Selbstverständlich wird in diesen Kreisen der Weltkrieg als eine von lantzer^ßand vorbereitete Verschwörung der Juden' und Jesuiten dargestellt: j „Die jüdische Weltverschwörung, die. die Völker der Entente unter betrügerischer Vorspiegelung als Waffenträger für ihre Ziele gewann,' und in der der mitverschworene Papst Benedikt XV., umgeben von einem jesuitischen Stabe mit dem Eingeweihten' päpstlichen Staatssekretär Gaspari, eine Rolle von bedeutsamer Aktivität im Dienste der Juden spielte, unterlag unser Vaterland und Volk." (Bayer,! Seite 227.) „Der Papst . als rnoralische Autorität erhielt die Aufgabe, den Siegwillen der Deutschen! zu lähmen, sie in Frage des Kriegsziels zu entzweien. Und dies gelang..." (a. a. O., Seite 224.) „Die von den . Jesuiten in jahrzehntelanger zäher organisatorischer Arbeit ausgestellte ultrayiöntane Armee, die zu blinder Unterwerfung unter das Papsttum gedrillt war, gab das Lebensinteresse des eigenen Volkes preis!" (a. a. O.^ Seite 225.) vaterlanösoerrat unö Aersetzuns der Kultur In Ludendorffs „Volkswarte" (2. März d. I., Beilage „Die Sippe", Nr. 9) befindet sich ein Aufsatz „Der römische Papst und wir Deutschen", der u. a. folgende Stellen enthält: 1 „In der Tat, der ,Heilige Vater' war ein treuer Sohn seiner Kirche, die nichts anderes als Vernichtung aller Deutschen kennt. . . . Da8 - liegt im Wesen des Papsttums und des Jesuitengenerals, ... die keinen Mißbrauch der Religion zu politischen Zwecken kennen, weil der Gebrauch der Religion zu politischen Zwecken ihnen eine Selbstverständlichkeit ist. Darum ist es aber auch für freie Deutsche eine Selbstverständlichkeit, den Deutschen immer wieder zu sagen, solange die Beamten und Hörigen des römischen Papstes, die eng verbündet mit Juden und Freimaurern sind, in Deutschland schalten und walten, m u ß Deutschlands Verderben weitergehen, deutsches Blut immer mehr vernichtet und deutscher Grund und Boden in Polen und im deutschen Gebiet östlich der Elbe — den freien Deutschen in Polen durch Enteignung, in Deutschland durch wirtschaftliche Not — genommen werden, damit das Katholische Volk' in Polen und das Katholische Volk' in Preußen der überstaatlichen Nomkirche sich an ihre Stelle setzt." Nachdem man den Juden Vaterlandsverrat vorgeworfen hat, wird jetzt dieselbe Verleumdung gegen die Katholiken verbreitet. Ein Aufsatz in Ludendorffs „Volkswarte" (vom 16. März d. I.) trägt die bezeichnende Überschrift: „Das Christentum als K u l t u r z e r st ö r e r." Es heißt da: „Ein Schrei des Entsetzens müßte durch alle Völker Hallen über das entsetzliche Verbrechen christlicher Priester an ihnen. . . . Fürwahr, das Christentum bleibt sich immer gleich. Nie gab es einen gewaltigeren und grausameren Zerstörer alter Kulturen als dieses Christentum. Es ist nicht eine Religion der Liebe, sondern eine Religion der Vernichtung aller und alles, das ihm widerstrebt. Wann endlich werden die Deutschen sich von einer Religion abwenden, die ihnen alles genommen und das Rückgrat gebrochen hat und. täglich neu bricht?" Aus der gleichen Zeitschrift (Nr. 20 vom 18. Mai d. I.) seien noch folgende Zitate angeführt: „Nom will alle Völker unter seine Priesterherrschast stellen, das verlangt seine auf dem Wesen seines Glaubens beruhende Politik. Romherrschast bedeutet Knebelung in Politik, Glaube, Wissenschaft, Kunst, Recht und Wirtschaft, bedeutet Mißachtung des deutschen Blutes und deut-. schen freien Familien- und Sippenlebens. Sie bedeutet Leninismus' auf allen Gebieten und übertrifft die Knebelung des Bolschewismus." „Nom und Moskau" Wiederum eine Parallele zu der Judenhetze ist die Behauptung von dem Zusammengehen des Papstes mit den Sowjets: „In Rußland setzte sogleich mit der Unterdrückung des griechischen Christentums und Ermordung orthodoxer Priester und Kirchenfürsten die jesuitische Missionierung des Volkes ein, die von seiten der bolschewistischen Machthaber lebhaft gefördert wird, lieber die engen Beziehungen zwischen Vatikan und der bolschewistischen Judenregierung belehrt uns das tiefgefühlte Beileidstelegramm der Kurie an die russischen Machthaber anläßlich des Todes von Lenin, ferner der Besuch Tschitscherins beim Papst." (Bayer, Seite 238.) Der Protest des Papstes gegen die Religionsverfolgungen in Rußland wird im Kreise Ludendorsss dahin ausgelegt, daß der Papst 1924 durch Verhandlungen versucht habe, in Rußland an die Macht zu kommen, nun aber, nachdem dies mißlungen sei, bemühe sich die römischen Kirche, alle Völker gegen die Sowjets aufzuhetzen, um so einen Kreuzzug gegen Rußland zu entfachen, durch den die katholische Kirche vor allem wirtschaftlich bereichert werde (!). Aus demselben Grunde habe sie auch ein Interesse an einem Bürgerkrieg in Deutschland. Ja, es wird behauptet, der Papst sebft habe Stalin zum „Handeln", also ' zu oen Religionsverfolgungen veranlaßt, um einen Vorwand für diese Wirren und Kriege zu schaffen. Um von dieser haarsträubenden Theorie ein Bild zu geben, ist es notwendig, wenigstens einige Stellen im Wortlaut anzuführen. Erich Ludendorff selbst schreibt in seiner „Volkswarte" vom 2. März 1930 (Nr. 9) einen sehr langen Aufsatz: „Bürgerkrieg i n S i ch t." Darin heißt es: „. . . Die jüdischen Finanzmagnaten können ebenfalls keinen Umsturz in Deutschland wünschen. Sie sind schon von dem Jesuitenkapital Morgans stark an die Wand gedrückt und werden in einem römischen Deutschland überhaupt nichts mehr auszurichten haben. . . . Anders steht es bei aller Verflechtung deS Juden- und Jesuitenkapitals doch um das Kapital, das % dem Josuitengeneral und dem römischen Papst i zur Verfügung steht. Es würde durch! das Niederschlagen des kommunistischen Aufstandes unter dem Patronat der römischen Kkrche^und den anschließenden Kreuzzug in Rußland ungeheure Summen von neuem verdienen.