Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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BSlkWer Mldzug gegm die Katholiken Die bösen Iuöen uu- Sie bösen Katholiken. Der Verleumdungsfeldzug gegen die Juden, der als Kampf für Wahrheit und Aufklärung maskiert wird, trägt Haß und Zwietracht in das deutsche Volk, führt zu einer Verrohung des Politischen Kampfes und schädigt das deutsche Ansehen; mit Notwendigkeit muß es aber dahin kommen, daß auch andere Gruppen der Bevölkerung zu in Objekt der Verleumdung werden. Hat man nämlich einmal begonnen, die demagogischen Methoden zu benutzen, dann artet der Kampf mit jedem Gegner in verleumderische Hetze aus, selbst wenn sich diese Gegnerschaft nicht gegen die Juden richtet. So hat neuerdings dievölkischePresse, und besonders der Kreis um L ud endo r f s, einen Feldzug gegen das Christentum und vor allem gegen die katholische Kirche eröffnet, der mit den gleichen verwerflichen Mitteln geführt wird wie die Judenhetze. .Auch hier rst -es den Völkischen nicht um Wahrheit zu tun; sie wollen das Christentum, und in erster Linie den Katholizismus, als das Schlechte an sich darstellen; und so suchen sie durch Zeitungen, Broschüren, Bücher und Vorträge möglichst weite Volkskreise nach ihrer Methode „auszuklären". Und wiederum wird mit Entstellungen, mit Fälschungen und unsinnigen historischen Märchen gearbeitet. Es ist äußerst aufschlußreich, die Hetze gegen die Juden mit der gegen die Katholiken zu vergleichen; es zeigt sich', daß dabei nach demselben Schema gearbeitet wird. Katholiken raus ... Die Plakate, die zu antisemitischen Veranstaltungen einladen, tragen vielfach den Vermerk: „Juden ist der Zutritt verboten!" Man fürchtet die Auseinandersetzung und will berm Lügen möglichst unter sich bleiben. Bei den Versammlungen des „Tannenbergbundes", in denen gegen die katholische Kirche gewettert wird, sind neuerdings Katholiken ausgeschlossen. So trugen beispielsweise die Plakate, die zu einem Vortrag des Propagandaredners K u r t h über Ein Slick kn die Morallehre der römischen Kirche MathtlSe Luüeodorff ivr. von junmitf Hü ' A ' ']* au* einem tiroler Gebetbuch taufend ✓ «faietfeeeU «3 n»f., Luöen-orffs Volkswarte-Verlag»München Äorlflroflt 10/11 das' Thema: „Warum ist Ludendorff aus der Kirche ausgetreten und was unterscheidet den deutschen Gottglauben vom christlichen Gottglauben?" einluden, den Vermerk: „Juden, Jesuiten, Kongreganisten und — Mitgliedern der Bayerischen Volkspartei ist der Eintritt verboten." In der Schrift von Frau Dr. Mathilde Ludendorff „Angeklagt wegen Religions- Vergehens" heißt es über eine solche Versammlung: „Wie bei jenen drei verbotenen Versammlungen hatte der Feldherr den Jesuiten, Kongreganisten und Mitgliedern der Bayerischen Volkspartei den Zutritt verboten und infolgedessen herrschte sittliche Zucht und ernste Ruhe in der Versammlung." (Seite 5.) Angriffe auf öie katholische Morallehre. Ein Paradestück im Kampf gegen das Judentum ist die Behauptung von der angeblich tiefstehenden Moral des Judentums. Mit dem entsprechenden Argument wird jetzt gegen die katholische Kirche gearbeitet. Eine Flut von Zeitungsartikeln und Broschüren hat den ausgesprochenen Zweck, den angeblich zersetzenden Charakter der christlichen Moral zu „enthüllen". Aus der Fülle dieser Aufsätze sei nur eine kleine Auslese angeführt. In der L u d e n d o r f f s ch e n „Volkswarte" Nr. 15 vom 13. April d. I. heißt es: „W enn Deutsche heute entartet sind, so ist das allein die Folge des Christentums und der furchtbaren christlich en Moral .. ." Unzählige Zeitungsaufsätze und eine ganze Reihe vrelverbreiteter Broschüren sind auf diesen Ton abgestimmt. In Ludendorffs Volkswarte-Verlag, München, ist eine Schrift von Mathilde Ludendorff erschienen, ' dessen Titelblatt wir nebenstehend wiedergeben: „Ein Blick in die Morallehre der katholischen Kirche." Von dieser Schmähschrift sind 60 000 Exemplare ausgegeben. Darin spricht die Verfasserin u. a. von den „entsetzlichen Morallehren, die die von den Päpsten anerkannte Richtschnur für die Romkirche sind" (Seite 5) oder von „dem Sumpf der Phantasien der römischen Lehrer (Seite 27). Sie bezeichnet die Morallehren der katholischen Kirche als „abgründige Unmoral" und redet von den Schmutzergüssen Ligu-orrs und anderer römischer Morallehrer" (Seite 45). Im einzelnen wird von Frau Lüdendorss behauptet, Meineid, Diebstahl, Unzucht würden vom Katholizismus gestattet (!)., Seite 18 heißt es: „Die von her römischen Kirche als maßgebende Richtschnur eingesetzte Moral des heiligen Liguori verpflichtet die Priester in der Beichte, also als „Stellvertreter Gottes", Unwahrheit und Meineide vor Gericht in ganz bestimmter Form zu erlauben." Weiter wird behauptet, die katholische' Moral enthalte folgende Lehren: „1. Man darf andere zum Meineid ausfordern, 2. ganz allgemein ist jeder Meineid erlaubt, 3. in dem „Sakrament" der Beichte ist Meineid erlaubt, 4. Lruch des Eidversprechens ist erlaubt, 5. vor Gericht darf der Zeuge Meineid schwören, 6. der Angeklagte, darf die Unwahrheit sagen und Meineid vor! Gericht schwören." (Seite 10—20.) „Die Unantastbarkeit des i Eigentums wird von Liguori für bestimmte Hülle unterwühlt ... die Liguori-Moral erlaubt den Diebstahl Türken oder Juden gegenüber." (Seite 21—22.) Genau wie bei den Angriffen gegen die jüdische Lehre spielt auch bei der Katholikenyetze der Anwurf eine große Rolle, der Katholizismus befördere die Sinnlichkeit und Unzucht und unterwühle das Eheleben. Die erwähnte Broschüre von Frau. Ludendorff enthält ein langes Kapitel mit der Ueberschrift: „Das Z u ch t h a u s v e r b r e ch e n des Mißbrauchs des Beichtamts", das mit folgendem Passus beginnt: „Wir erwähnten schon einmal, daß die meisten Katholiken in Unkenntnis der ungeheuerlichen Moraltheologie bleiben, die von den Päpsten >,ex cathiedra", und deshalb einfür allemal als Richtschnur der gesamten katholischen Kirche anerkannt ist. So muß ihnen jede Behauptung über den Tiefstand jener Moral als Verleumdung erscheinen. Dies gilt, wenn irgendwo, so vor allem in bezug aus die Sexualmoral der katholischen Kirche." (Seite 25.) Nach dieser Einleitung wird behauptet, die katholische Lehre reize zur Sinnlichkeit, und überdies werde der Priester, der sein Amt zu unzüchtigen Handlungen mißbrauche, von der Kirche geschützt: „Die römische Kirche setzt hiermit wissend und bewußt die Frauen und Mädchen der unerhörten Gesahr aus, bei Beichtvätern weiter zu beichten, die es fertig bringen, ihr Amt in so ungeheuerlicher Weise zu mißbrauchen! . . . Der Beichtvater, der zum Mißbrauch seines Amtes, also zum Zuchthausverbrechen, fähig ist, wird sicherlich alle Mittel anwenden, die ihm die Morallehre der katholischen Kirche gibt, um sich vor der Auslieferung an das Gericht zu schützen." (Seite 31—32.) Frau Ludendorff spricht weiter von der „ungeheuerlichen Ehemoral" der katholischen Kirche, die die sittlichen Grundlagen der Ehe unterwühle. (Seite 36.) Diese maßlose Hetze zieht sich durch die gesamte hierher gehörige Literatur. In dem untenstehend wiedergegebenen Werke von Erich und Mathilde Ludendorff „Das Geheimnis der.Jesuitenmacht und ihr Ende" enthält das 'Kapitel.'„Der Triumph der jesuitischen Morallehre" (Seite 93—113) ü. a. folgende Schlagzeilen:^ ,, . _ ,/Kinderaussetzung ist erlaubt. Ehebruch ist kein Ehebruch. Die Eltern dürfen ihre Kinder prostituieren. Die Kinder dürfen ihre Eltern bestehlen. Valermord ist erlaubt/usw." Wer, die maßlose Juden hetze - des Ludendorfs-Kreises. kennt, für den hat es einen besonderen Reiz zu erfahren, daß nach Liüen-oiffs Solkmark Snlatz / Münchm.Äordtra«e >o «dUMM tl~20Taudcnd