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Central-Verein-Zeitung · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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56 «Du deutsches Rin-, fei tapfer, treu und wahr!" Der 11. August, der Verfassungstag, bot nationalsozialistischen Schülern wieder einmal willkommenen Anlaß, ihre Wut über und gegen den bestehenden Staat auszutoben und mit seinen Trägern und Einrichtungen Spott zu treiben. Im Augustheft des „Aufmarsch", dem von uns schon oft zitierten Organ des Nationalsozialistischen Schülerbundes, werden den Hitlerjüngern auf den höheren Lehranstalten Maßregeln für ihr Verhalten am 11. August erteilt. M heißt da u. a.: „Wir fordern euch auf, alles das zu tun, was man von euch verlangt! Betretet das Schulgebäude ohne jedes Abzeichen! Wie Marder werden eure Direktoren (sprich besser Diktatoren) an diesem Tage durch die Korridore streichen und Jagd auf Hakenkreuze machen ... Also seid wie ein Schwamm und weicht aus! Und die Wut wird in den Tyrannen bleiben und keinen Abfluß haben. Und wenn man ein Hoch auf die Republik ausbringt, und die Adleraugen eurer Pädagogen richten sich auf euch, um gierig auszuspüren, wer dre Lippen nicht auseinandernahm, dann schmettert aus voller Brust das Wort, das man von euch verlangt! . . . Wenn an diesem Tage tausend Nationalsozialisten tausend schwarzrotgoldene Fahnen tragen, aufrechten Ganges und mit leuchtenden Augen, . . . dann wird ein Zittern durch die Demokratie gehen und der Kurfttrstendamm wird einem Erdbeben gleichen . . . Wenn ihr so verfahrt, daß ihr schweigend alles tut, was man von euch verlangt, dann wird die Herde der Demokraten am 11. August mit kompletten Plattfüßen ins traute Heim und nach Hause wanken ..." Das sind die Methoden der Leute, die sich mit ihrer Offenheit und ihrem Mannesmut allenthalben brüsten! Wo es aber gilt, diese Tugenden an den Tag zu legen, da heißt die Parole: Schweigen! In dieser „ehrlichen" Kamhfesart spiegelt sich aber auch die Erziehung wider, die die Nationalsozialisten der höheren Schuljugend angedeihen lassen wollen. Es fragt sich danach, was aus der kommenden Generation Deutschlands werden soll, wenn man den Keinl der Unehrlichkeit in sie schon in frühester Jugend pflanzt. Die Zellenbildungsarbeit der Nationalsozialisten war bisher, soweit Schulen in Frage kamen, im wesentlichen auf die höheren Lehranstalten beschränkt. Daß neuerdings der Versuch gemacht wird, auch die Berufsschulen mit diesem Zellensystem zu durchsetzen, geht sehr deutlich aus folgendem Aufruf hervor, der tn dem in Berlin erscheinenden „Angriff" vom 27. Juli veröffentlicht wurde: Die Berliner Hitler-Jugend trägt nun den Kampf der jungen deutschen Nationalisten und Sozialisten für nationale Freiheit und soziale Gerechtigkeit in die Berufs- und Fachschulen, die Brutstätten des volksvernichtenden Marxismus. Wir haben uns zur Aufgabe gestellt, diese Brut- Satten auszuräuchern und auf allen Schulen Zellen nationalsozialistischen Kampfgeistes zu errichten, nser Werkzeug dazu ist die Berufsschnlzetten-Orgarrisatiorr der Berliner Hitler-Jugend. Diese Organisation zu stärken und zu einem schlagkräftigen Instrumeüt, zur Eroberung der Berliner Jungarbeiter und Lehrlinge für die Ziele des deutschen Arbeiterführers Adolf Hitler zu machen. Ist Cure.Pflicht unserem armen geknechteten Volke gegenüber. Schließt Euch zusammen zu zielbewußter Arbeit in dieser Organisation. Gebt uns Eure Anschriften bekannt,! fordert Richtlinien und Aufnahmescheine. 1 Keine Berufsschule, keine Fachschule, keine Werkschule' ohne eine Zelle unserer Organisation. Die Berliner Zungarbeiterschaft der Faust und der Stirn muß unser werden. Der Kampf entbrennt nun auch auf dieser Front. Der Sieg muß unser sein! Kämpft mit gegen Reaktion und Marxisprus, für Freiheit und Brot. Jugendgenossen! hinein in die Berufsschulzellen-Organisation der Berliner Hitler-Jugend! gez. Rolf Botz Leiter der B. S. O. gez. Robert Gadetvolz Gauführer der H. J. Gau B. B. O. / In der Rubrik „Der Hitlerjunge" des Angriff" vom 10. August wird die Sprache der „Erneuerer-Deutschlands" noch deutlicher. Dort wendet nran sich nicht nur an die Jungarbeiter und Lehrlinge, sondern an Kinder von 12 bis 14. Jahren. In diesem Aufruf heißt es: „Die! 12- bis 14jährigen Jungen aller Stände werden in der Jungmannschaft der Hitler-Jugend im'' Sinne der Jugendbewegung zu? Pfadfindern des Nationalsozialismus erzogen. Dentsch-enkerrde Eltern und Parteigenoflenr Gebt eure,Kinder nur in die Hitler- Jugend stnb nicht in jene Bünde, die unter der ,natiönalen' und ,unpolitischen' Maske inte r nationale Interessen vertreten und für den Nachwuchs ,„guter Republikaner'" sorgen. — Das deutsche Mädel findet im Bund deutscher Mädels in der Hitler- Jugend jenen Kreis deutscher Frauen und Mädels, der für den Nationalsoziallsmus wirkt." Wenn wir in den Tageszeitungen lesen mußten, daß n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e Trupps am Verfassungstage als Republikaner maskiert zwischen den Reichsbannerzügen durch die Berliner Straßen gezogen sind, so wissen wir jetzt, von wem und von welcher Stelle aus diese „tapfere, treue und wahre Gesinnung" in die Herzen der neudeutschen Helden gepflanzt wird. Sie, die jede staatsbürgerliche Erziehung der Jugend als eine unzulässige Politisierung der Schule bekämpfen, lassen in diesen Aufrufen jede Maske fallen. Gefängnisstrafe für den Redakteur der „Reuen Zroirt" Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Joseph Wagner (Bochum) ist am 12. August als verantwortlicher Redakteur der „Neuen Front" von dem erweiterten Schöffengericht Essen wegen Beleidigung des Rechtsanwalts Dr. Levi (Essen) zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Zwei weitere Beleidigungsklagen gegen Wagner wurden vertagt. Gibt es „reinrassige Mer" in Deutschlan-1 Kennen die Rasse-Weisen von heute eigentlich die deutsche Geschichte? Schwerlich! Denn schon ein flüchtiger Blick in die Jahrhunderte ergibt die betrübliche Tatsache, daß die nordische Blutreinheit eine recht starke Beimischung „Fremdstämmiger" erfahren mußte. Während der Völkerwanderung wurden die Germanen arg durcheinander gewirbelt. Goten gelangten bis nach Spanien, ebenso Vandalen (nach ihnen noch heute Andalusien), sowie nach Afrika, Longobarden nach Italien (nach ihnen die Lombardei) — Angelsachsen nach Britannien. Die Burgunder am Rhein werden von den mongolischen Hunnen überrannt und mischen sich mit ihnen. (Niederschlag in der Sage: Attila, Etzel, dessen Gemahlin Kriemhild). Hunnen kämpfen mit Germanen und Römern in der mörderischen Schlacht auf den katalaunischen Feldern — aber auch auf seiten der Hunnen kämpfen Germanen. Die Nachfahren der Hunnen sind die Magyaren, wie jene aus Zentralasien, wie jene — Nicht-Arier. Trotz allen Nassedünkels sind auch die heutigen Ungarn keine Indo-Germanen, wie schon ihre Sprache erweist. - Die Magyaren dringen bis nach Sachsen vor, werden von Heinrich I. zurückgeschlagen, suchen aber bald wieder Süddeutschland heim. Erst Otto I. besiegt sie endgültig 955. Natürlich haben sich auch die Magyaren, also Nicht-Arier, mit den Germanen vermischt. — Unter den späteren Ottonen wird das mühsam germanisierte Ostelbier! eine Beute der Slawen. Ermüdende Kämpfe folgen. Ergebnis: Vis zum Meere siedelt nun ein deutsch-slawisches Mischvolk. Der Name Pommern („beim Meere") ist slawisch, Brennabor desgleichen; die Preußen stehen zwischen Germanen und Litauern. Auch die hellen Sachsen sind nichts weniger als reinrassig. — Im 30jährigen Krieg wird die deutsche Bevölkerung so stark dezinriert, daß Einwanderer herangezogen werden müssen. Von dem Völkergemisch während des Krieges macht man sich kaum eine Vorstellung. Eine wahrhaft internationale Soldateska durchflutet das unglückliche deutsche Land: Kroaten, Spanier, Franzosen, Schweden usw. Glaubt irgend jemand, daß diese wilden Scharen zur Verbesserung des deutschen Blutes beigetragen haben? Allmählich entsteht, wie überall in Europa, ein Rassenbrei, der in den Zeiten des Nordischen, des Spanischen, des Siebenjährigen Krieges und im Zeitalter Napoleons gewiß nicht besser geworden ist. Nehmen wir hinzu, daß seit Urväter Tagen in Süddeutschland Kelten sahen, in Westdeutschland Bürger des römischen Reiches, so sehen wir, daß die Anhänger und Verfechter der Reinblütigkeit um fast zwei Jahrtausende zu spät kommen, daß, wie überall in Europa, auch bei den Deutschen starke Beimischung fremden Blutes sich findet, wobei neben den französischen Hugenotten auch noch die Juden zu erwähnen sind, die, ünt Verfolgungen zu entgehen, vielfach doch auch zunr Christentum übertraten. So kann also heute niemand wissen, von wem er letzten Endes abstammt, ob nicht fremdes Blut in seinen Adern rollt, mongolisches, keltisches, ungarisches, spanisches, französisches, jüdisches! Braucht e8 noch. mehr, um zu beweisen, auf wre schwachen Füßen die völkische Ideologie steht? Aber ach, nicht einmal die Juden sind reinrassig. Zu Zeiten Christi waren schätzungsweise mehrere Millionen außerhalb Palästinas jüdische Prvselyten. Wer vermag zu sagen, wie viele von den heutigen Juden Nachkommen der damaligen Proselyten sind? So^ kompliziert sich das Rafseproblem zu einem schiev unlösbaren Rätsel! vr. Emil Behrens.

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