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Central-Verein-Zeitung · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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SS „De« letzt« Sturm" Oie Nationalsozialisten erstreben das Heichsinnen- und das Neichswehrministerium Die Nationalsozialisten rüsten zu einem „Wahlkampf, wie ihn Deutschland noch nicht gesehen hat". So wenigstens verspricht es der rührige Dr. Goebbels, der seine Mannen zum „letzten entscheidenden Sturm" aufgerufen hat. Geldmittel stehen ihnen in ungeheurem Maße zur Verfügung. Dafür sorgt schon Herr Obersinanzrat Dr. Bang, der Mittelsmann zwischen den Hitler-Leuten und jenen schwerindustriellen Kreisen, die mit dem Gedanken der Rechtsdiktatur spielen. Für diesen Zweck ist ihnen der Pakt selbst mit Sozialisten — versteht stch: „National-Sozialisten" — nicht teuer genug. Allerdings haben diese merkwürdigen Sozialisten, deren Programm unverblümt Anleihe in Moskau gemacht hat, Schwierigkeiten, ihre Forderungen auf Enteignung und Verstaatlichung vor einer mißtrauischen Wählerschaft zu rechtfertigen. Die Geldgeber muß man freundlich stimmen, indem man versichert, das Privateigentum nicht antasten zu wollen. Die Erwerbslosen und die Kleinrentner aber finden die Parole der Enteignung und der Verstaatlichung sehr zugkräftig. Die Konkurrenz der revolutionären Nationalsozialisten um Otto Straffer, die heute schon unter dem Beifall kommunistischer Versammlungen zur Revolution gegen oas Kapital, aufrusen, schafft einiges Unbehagen; denn „Der Nationale Sozialist" des Dr. Otto Straffer kritisiert jeden Umfall der Hitler-Partei, jeden Verrat an den sozialistischen Grundsätzen so rücksichtslos, daß Hitler und die Seinen, wie man in der Volksversammlung sagt, überhaupt nur noch „Eiertänze" aufführen können. Einmal versichert man vor gutbürgerlichem Publikum deutschnationaler Herkunft, man werde das Privateigentum nicht antasten. Dann, wieder fordert der „Völkische Beobachter" (31. Juli d. I.) unter der Riesenüberschrift: „Marneschlacht 1914 bis 1930": „. . . man müfle die Geisteswaffen schmieden, mittels welcher allein die grauenhafteste Geißel der Menschheit — der Kapitalismus — zu zerschlagen ist." Inzwischen dröhnt die Reklametrommel, und in ihrem Getöse gehen solche Mißklänge unter. Man fühlt sich stark bis zum Größenwahn und spricht in aller Oeffentlrchkeit, wie es der „Donaubote" in Ingolstadt am 5. August d. I. getan hat, von „Künftigen Judenpogromen": „Es dürste wenigen Jngolstädtern bekannt sein, daß die Juden aus Ingolstadt schon einmal herausgepeitscht wurden. Nun scheint der Zeitpunkt gekommen zu sein, daß in Bälde die Juden wieder aus Ingolstadt heraus müssen" und so weiter. Dies ist eine Probe der besonderen Art von Antisemitismus, mit der auch der „S t ü r - m e r" und der „W e st deutsche Beobachter" in Köln immer noch Leser finden, obwohl sie aus dem eigenen Lager so charakterisiert werden: Der „Na ti o n a l e S o z i a l i st" veröffentlichte am 15. Juli d. I. einen mit Grete Z. Unterzeichneten Brief. Die Verfasserin erklärte darin, warum sie stch, obwohl gesinnungsmäßig Nationalsozialistin, der Hitler-Partei nicht anschließen wollte. Sie schreibt unter anderem:. „Die widerliche und für jeden denkenden Menschen lächerliche Soldatenspielerei, die absolut reaktionäre Einstellung der meisten Organe der NSDAP, zu allen 'modernen Kunsterscheinungen unseres Lebens, geradezu ekelerregende Preffeerzengniffe . (-Stürmers), die unter dev Flagge der Nationalsozialisten segeln, hinderten mich am endgültigen Eintritt." Und am 18. Juli d. I. schrieb der „Nationale Sozialist" in einer Auseinandersetzung mit der Hitler-Presse: „Aus der Byzantiner Presse, die, im Gesinnungseifer sich überschlagend, ganze Jauchebatterien aufsührt, wollen wir nur einen herausgreifen. Der Mestdentsche Beobachter', jenes prominente Organ eines sehr tüchtigen Geschiistsantisemitismns, den wir — und mit ihm seinen Zwillingsbruder, den -Stürmer' — bereits vor Jahren in den ,Nationalsozialistischen Briefen' festnageln mutzten, da er lediglich dem Centralverein Beweise zu liefern schien für die Behauptung, der Nationalsozialismus sei eine Bewegung von Dnmmköpfen." Und später heißt es in dem gleichen Artikel, wieder mit Bezug auf den „Westdeutschen Beobachter": „Außerdem sind wir aber mit dem Spezialorgan für Ritualmorde (sogar der arme ermordete Daube aus Gladbach mußte für eine fette Ueberschrift herhalten) sehr zufrieden." Die gehobene Schicht der Agitatoren, der der Gassenantisemitismus nicht wirkungsvoll genug ist, gefällt sich in ihrer Wahlpropaganda in Zukunstsprophezeiungen. So verfügt die NSDAP. Berlin in dem Agitator Dr. von L e e r s über einen Mann, der von Zeit zu Zeit die Katze aus dem Sack läßt. Kürzlich hat er wieder aus der Schule geplaudert und erzählt, wie die Nationalsozialisten von Thüringen aus systematisch den Umsturz vorbereiten. Am 23. Juli verteidigte er in einer.. Versammlung in Berlin-Tempelhos die Kopfsteuer und erklärte dabei: „Und dann kommt «biß ungeheuerlichste Steuer, die ungerechteste, die es gibt, die Kopfsteuer. Man wird mir einwenden, daß ja auch unser Minister Frick in Thüringen diese Kopfsteuer eingeführt hat. Hier handelt es sich aber auch darum, mit dem Aufkommen dieser Steuer etwas zu erreichen, einmal eine kraftvolle Machtposition, von der aus wir den Kampf weiterführen können." " ' Wie das gemeint war, das hat Dr. v. L e e r s in einer anderen nationalsozialistischen Versammlung in Berlin-Friedrichshagen am 5. August ängedeutet. Er sagte dort: „Die Einführung der Kopfsteuer hat in Thüringen seinen ganz bestimmten Grund. Als Innenminister hat man gewisse IlllllllllllllllllllllllllllllllMIIIIIIIIl/lIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIllllHIlllllllllllllllllllllllllllllllllllllll „Der Antisemitismus ist unchristlich, denn der wahre Christ empfindet keinen I Hass gegen Andersgläubige J Er ist külfurwidrig, denn wer wahre, Kultur besitzt, wertet den Nebenmenschen nach dessen persönlichen (Eigenschaften und Leistungen, nicht aber auf Grund von Vorurteilen« Er ist innenpolitisch schädlich, den|i er verbittert noch mehr den ohnehin iSchon bedauerlich schärfen Streitder1 l^firteien. Er ist aussenpolitisch schädlich, denn er verhindert die Bildung einer Einheitsfront im Kampfe uni die Wiedergewinnung politischer, militärischer und wirtschaftlicher Freiheit des deutschen Volkes " Maximilian Graf Montgelas (Gen. d. Inf. z. D.). Machtbefugnisse auch über Dinge, die die Oeffentltchkeit nicht zu wissen braucht. Da kann man Dinge anschaffen, die man nun nicht gerade zum Spazierengehen braucht. Näher brauche ich mich wähl hierüber nicht zu erklären." Mit dürren Worten: die Nationalsozialisten bereiten nach den Erklärungen des Dr. v. L e e r 8 von Thüringen aus den Umsturz vor und scheuen sich nicht, der Bevölkerung die „ungerechteste und unsozialste aller Steuern" aufzuerlegen, um für ihre dunklen Pläne Mittel in die Hand 31t bekommen. Dr. v. Leers hat aber auch verraten, wie er sich die Weiterentwicklung der Dinge denkt. Am 4. August erklärte er in einer nationalsozialistischen Versammlung in den Passage-Bierhallen rn Berlin: „Wenn dann eines Morgens die Herren alten Formats in der Wilhelmstraße erscheinen, werden wir ihnen mitteilen, daß wir für sie keine Arbeit mehr haben. Ueber Nacht haben die Nationalsozialisten diese Stellen mit ihren Leuten besetzt. Man nennt dies dann einen kleinen Staatsstreich. So etwa denken wir uns die Zukunft." Nach den eigenen Worten des Dr. v. L e e r 3 sind also Vorbereitungen zu einem ausgesprachen hochverräterischen Unternehmen bereits im Gange. Der Staatsanwalt sollte sich einmal für diese nationalsozialistischen Pläne interessieren. Außerhalb Berlins wandeln sich diese Prophezeiungen zu folgender Zukunftsschilderung ab: Herr Kasche aus Sorau, stellvertretender Gauleiter des Gaues Ostmark der NSDAP., hat stch am 6. August in Landsberg (Warthe) vor 800 Personen, Beamten, Akademikern und vielen Mittelständlern, hören lasten. Er hat versichert, daß die Nationalsozialisten am 14. September einen großen Wahlsieg erringen würden. Dann bekämen sie das Reichsinnen- und das Reichswehrministerium. ' Das bedeute eme reale Macht (diese Ansprüche werden von der Partei, wenigstens in der Agitation, schon jetzt angemeldet). Sie. würden dann einen Parteitag W Berlin veranstalten, bei dem die Polizei sie züi schützen hätte und die Reichswehr. vor■ ihrep?Führern in der Wilhelmsträße präsentieren müsse. Bet dieser Gelegenheit würden dann 500 ausgesuchte S.A.-Lente in den Reichstag geschickt; diese hätten ein Gesetz vorzulegen, wonach der Reichstag Adolf Hitler zum Reichskanzler mit Diktatnrvottmacht ernennt. So käme man legal znr Macht. Wenn der Reichstag sich weigere, würde man erklären:; .u [ i „Ihr habt Erfüllttngspolitikl getrieben, weil angeblich die Franzosen-marschieren. Wenn ihr jetzt nicht erfüllt, dann marschiert die S. A., die es ja viel nähep HM alsl die Franzosen. Nach der Machtübernahme' wjrd mit Reichswehr und Polizei^egierck Die «SA. wird auf dem Land -und -in den kleinen Städten eingesetzt, um dort die-Vieleckdemokratischen- und rüdischey Misthaufen äuszm misten." " t '' 1 : Wir. führen unseren Lesern absichtlich diese Zitate nationalsozialistischer Agitatoren - vor Augen, um daran zu zeigen-, in welcher Art die Massen beeinflußt werden, welche-Geistesblüten man sich widerspruchslos anhört, und wie'durch die ständige Wiederholung der. gleichen Phrasen jene Stimmung und jene ^Ueberzeugüng entsteht, die die Nationalsozialisten, als Voraussetzung ihrer revolutionäres!PlM^ erMben. Was in unseremHrLfttrz-Heht^MWti'in diesem Wahlkampf 'von uns eingesetzt werden: Unsere;Volksgenossen ^werden oie Wahrheit über die Reklamepartei Hitlers erfahren. AM wir sind der Ueberzeugung, daß es zwar nicht den letzten, aber einen entscheidendest Sturm gilt. Deshalb rufen wir unsere Freunde aus, stch in unsere Abwehrfront einzureihen und uns zu helfen. Die Wogen nationalsozialistischer Agitation sollen unser Vaterland zu fernem dauernden Schaden nicht überfluten. Wir wollen ihnen einen Damm setzen. Rei.

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