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Central-Verein-Zeitung · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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54 Schöne ignorieren, so mutz ich zunächst bitten, solche „Judenblätter" zu nennen. Denn erfahrungsgemäß pflegt man in Ihren Kreisen alle Pr^seerzeugnisse „jüdisch" zu nennen, deren Richtung einem nicht patzt/ Mit solchen allgemeinen Behauptungen ist es nicht getan, auch nicht, wenn Sie sich so in Bausch und Bogen gegen die illustrierten Blätter wenden. Nennen Sie mir, geehrter-Herr Pastor, e i n illustriertes „Juden"blatt, das die Sittlichkeit Ihrer Pfarrkinder in Greiz gefährdet hat! Demgegenüber möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die nationalsozialistischen Blätter richten mit ihren sinn- und sittenlosen Beschimpfungen und Verleumdungen alles dessen, was autzerhalb ihres Kreises und ihrer Anschauungen besteht, vor allem auf den Nürnberger ,,Stürmer" mit seinen brutal-pornographischen Zeichnungen. Wenn Sie mir e i n Judonblatt nennen, das es an Unflätigkeit mit diesem Blatte anfnimmt, will ich Sie öffentlich um Entschuldigung bitten! Ganz und gar danebengehauen haben Sie aber mit Ihrer Philippika gegen die Kinos. Getreu der antisemitischen Grundeinstellung-. „Was man. nun mal nicht leiden kann, das sieht man als verjudet an", halten Sie natürlich auch die Lichtspieltheater für eine jüdische Einrichtung. — Darf ich mir darum erlauben, Ihnen, sehr geehrter Herr Pastor, zur Aufklärung einiges Material über diese Frage aus dem Jahre 1927 zu unterbreiten: Der größte deutsche Film- und Kinokonzern ist die U f a, die völlig von H u g e nb e r g beherrscht wird. Den maßgebenden Einfluß auf die U n i v e r s u m - F i l m - A. - G. hatten damals der Generaldirektor des Scherb- Verlages, Ludwig Klihsch, und Konsul Marx. Der Emelka-Konzern in München wurde von Kommerzienrat Krauß, Kommerzienrat Scheer und Justizrat Dr. Rosenthal geleitet, die Phöb u s - F i l m - A. - G. von Ernst Hugo C o r r e l l. Das sieht nun doch wohl nicht nach Judenherrschaft aus! Wenn Sie trotzdem der Ueberzeugung Ausdruck geben, daß es sich einem christlich denkenden Menschen von selbst verbiete, in die Lichtspielhäuser zu gehen, weil dort Religion . und Sittlichkeit geschändet werden, so werden Sie jetzt doch wohl zugeben müssen, daß eine demrtige Feststellung in einem offenen Brief „an die jüdischen Einwohner Deutschlands" zum mindesten nicht angebracht ist. Nun können wir die ganze Frage, die Sie aufgerollt haben, auch noch von einer anderen Seite her anfassen. Gesetzt den Fall, die von Ihnen' behaupteten schlechten Einflüsse von jüdischer Seite wären in vollem Umfange vorhanden: Haben denn die Juden demgegenüber gar keine positiven Leistungen aufzuweisen? Muß ich Ihnen, dem akademisch gebildeten Manne, vovdeklamieren, was Juden seit 100 Jahren an deutscher Kulturarbeit auf allen Gebieten des wissenschaftlichen, künstlerischen und technischen Schaffens geleistet haben? Bedeutet es denn gar nichts, daß von den etwa anderthalb Dutzend deutschen Nobelpreisträgern sieben — sieben, Herr Pastor! — von Juden gestellt sind? Muß es nun nicht jeden Menschen von objektiver und gerechter Denkart — er sei Jude oder Christ oder sonst was — in innerster Seele empören, wenn eine Persönlichkeit, die sich selbst als Neligions- und Sittenlehrer empfindet und im Interesse der heiligen Güter seines Volkes mit der Brandmarkung eMer ganzen Bevölkerungsgruppe an die Oefsentlichkeit tritt, nicht einmal den Versuch macht, das Plus und Minus'in den Leistungen der Angegriffenen gegeneinander abzuwägen? Ist das deutsch? Ist das christlich? Ist das sittlich? Der absolute Mängel jeder Einsicht in die Verhältnisse ttnb damit Ihre Inkompetenz, als öffentlicher Ankläger aufzutreten, erhellt aber erst aus Ihrem religiösen Appell an die Juden. Selbst wenn man annehmen wollte, daß die kirchlichen und christlich-religiösen Verhältnisse in Greiz zufriedenstellend sind, so ist Ihnen doch jedenfalls bekannt, daß die Klage über den religiösen Verfall heute a l l g e m e i n bei allen Bekenntnissen und in den meisten Ländern zu hören ist. Soviel ich aus den Berichten der protestantischen Synoden und kirchlichen Tagungen ersehen habe, steht die Angst und Sorge wegen der Entkirchlichung der weitesten Kreise in Stadt und Land im Vordergründe aller Betrachtungen und Diskussionen. Wie Sie bei dieser Sachlage dazu kommen, gerade den Inden Religion zu predigen, wird nicht nur mir unverständlich bleiben. Um so mehr, als Sie doch selbst sich zu dem Eingeständnis gezwungen sehen, „daß auch die christlichen Pastoren nicht ohne Schuld seien, und daß sie eine unendliche Schuld auf sich geladen haben, indem sie nicht über die ihnen anvertrauten Gemeinden und Seelen gewacht haben". Man sollte meinen, daß diese Erkenntnis Sie vor allen Dingen an das Bibelwort . erinnert hätte: „Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet!" Und darum will ich Ihnen, sehr geehrter Herr Pastor, zum Schluß einen Vorschlag machen: Ueberlassen Sie die Seelsorge für die Juden getrost ihren Rabbinern und wenden Sie dafür Ihren gewiß redlichen Eifer, und Ihren guten Willen an Ihre Schutzbefohlenen — gemäß dem guten alten deutschen Sprichwort, daß es in den Landen mn so besser stehen wird, je mehr ein jeder vor seiner eigenen Tür kehrt. Gewiß wird diese Pmxis das beste Mittel sein, Ihren herzlichen, nicht nur von allen wahren Christen, sondern auch von allen wahren Juden gehegten Wunsch, „Gott möge die Menschheit zusammenführen zu einem Volk des Friedens", wenigstens zu einem Teile der Verwirklichung entgegenzuführen. In vorzüglicher Hochachtung vr. H. Stern, Mittelschullebrer. Verteidigungswaffen auf Anfrage Zeitnngsinserate und Beilagen sind manchmal lehrreicher als der Textteil, sie widerlegen in Blättern, die es mit der Wahrheit nicht allzu genau nehmen, häufig genug die Behauptungen, die der Redakteur in seinen Artikeln dem arglosen Leser glaubhaft zu machen versucht. (Sine derartige aufschlußreiche Zeitungsbeilage ist die Preisliste 1930/31, die das Sportversandhaus Paul Arendt, Sulzbach/Oberpfalz (Bayern), den völkischen Blättern beizulegen Pflegt. Interessant schon der Kopf; da heißt es: Nationalsozialisten! Ortsgruppen! Betrifftr Uniform-Verbot! Trotz Uniform-Verbot sende ich heute meine neue Preisliste Euch zu. Kein Verbot hält den Vormarsch der Bewegung auf. Jetzt heißt es, unsere Stärke zu zeigen. Jeder Pg., auch der nicht in der S. A: ist, trage ein langes oder kurzes „Sport- und Ärbeitshemd" in brauner Farbe. Trotz Uniform-Verbot — nicht tot! Tragt Parteiabzeichen und Hakenkreuze! Jeder deutsche Mann, jede deutsche Frau trägt von jetzt ab ein Hakenkreuz! — Deutsche Jungen und Mädel tragt immer das Hakenkreuz! Wiederverkäufer verlangt sofort meine drei Wiederverkaufslisten! Dann werden die Waren in Abbildungen angepriesen und im Textteil erläutert. Es gibt alles, was der Soldat zu feldmarschmäßiger Ausrüstung gebraucht: vom Waffenrock bis zum Kochgeschirr, vom Brotbeutel bis zur Kartentasche und alles, wie ausdrücklich vermerkt wird, streng militärisch. Dieses Soldatenspielen bekommt aber einen ernsteren Charakter, wenn 1 (Lnixönibtolfofhplii man die oben wiedergegebenen Abbildungen sieht und als Erklärung dazu liest: 15. Aeburrgsrvurfkörper usw. Preis bei l'St. 3 St. Wurfkörper wie Abbildung (Handgranate) .... Seitengewehre, mit Leder- 2.50 2.30 hülle usw. Mil. Stahlhelme, Mil. echte, für 3.60 3.30 Theatergruppen usw. . . 6.50 6.60 Und an anderer Stelle in Fettdruck nochmals das Angebot: „Verteidigungswaffen auf Anfrage . . ." Wie pflegen doch die Nationalsozialisten bei Gerichtsverhandlungen immer zu sagen? „Wir haben keine Waffen, wir kennen keine Waffen." Das Sporthaus Arendt bietet zwar alle möglichen geschmackvollen „Ulkgegenstände" an, wie „Juden-Ulkkarten (Marke Knoblauch)" und dergleichen. Wir täten ihm aber doch wohl unrecht, wenn wir auch die angebotenen Stahlhelme, Beilpicken (Nr. 11), militärischen Spaten und Handgranaten nur für „Ulk" hielten! Oer D. H. V. sthliestt Nationalsozialisten aus. Der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband hat (wie der „Vorwärts" meldet) Mitglieder und Funktionäre, die der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei angehören, ausgeschlossen. Es handelt sich dabei nicht etwa uni eine örtliche Aktion, sondern um Mitglieder in Rostock, Altona, Leipzig, Schwäbisch-Gmünd, Weimar usw. Der D. H. V. fürchtet zweifellos, daß die Nationalsozialisten die sehr mühsam zusammengehaltene Einheitsfront der deutschnationalen Kaufmannsgehilfen zerschlagen. Derselbe Deutschnationale Handlungs- - gehilfenverband hat früher wiederholt auf seine engere Verbindung mit den Nationalsozialisten verwiesen, mit denen er nach seinem Programm auch in der Bekämpfung der Juden. übereirrstimmt.. Anscheinend wird er jetzt die Geister, die er gerufen hat, nicht mehr los. ,

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