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Central-Verein-Zeitung · 1930-06-01 · Heft 6 (Juni 1930) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 6 (Juni 1930)
Date
1930-06-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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st /Z 9 rt SL Fähigkeiten der Frau wurden keinesivegs gering angeschlagen und niemals unterdrückt. Die Bibel enthält eine Reihe von Prophetinnen; so M i r j a m, Deborah und Huld a. Als?-rauen, die durch Wissen und Gelehramkeit hervorragten, werden im Talmud Jma Schalom, die Frau des Rabbi Elieser, Cho in a, oder die berühmte Beruria, die Tochter des Märtyrers Rabbi Chanina ben Theradion und Gattin des Rabbi Meir, genannt. Auch während des Mittelalters hören wir von jüdischen Frauen, die durch ihre Gelehrsamkeit hervor- -ragten; ja manche hielten sogar öffentliche Lehrvorträge, wie Paula de Mansi (Rom), Dolze, die Frau des Rabbiners Eleasar aus Worms, die 1214 zusammen mit ihren Töchtern Bellette und Anna von Kreuzrittern erschlagen wurde, und Dina Wahl, welche die talmudische Literatur beherrschte. Besonders Äreich sind lange vor der Emanzipation, im Blatter und in der beginnenden Neuzeit, die jüdischen Dichterinnen. So kennen wir in Spanien und Italien l8abella (Rebekka) Correra, Isabella Henri^uez, Sara de Fonseca, Donna Y. Piementel, Manuela Nunnes A1 m e i d a , Benvenuta Cohen. Rahel Ackermann und Debora Ascarelligehören in diese Reihe und vor allem die geistreiche und schlagfertige Dichterin Sara Copia-Sullam (1590—1641) aus Venedig. Der jüdischen Frau schließlich kommt auch ein großes Verdienst um die Ausbreitung der Vuchdruckerkunst Zu. Bereits 1476 gründete Estellina Könnt in Mantua eine hochangesehene hebräische Druckerei. Gütel Kohen, Czerna M e r s e l s, Sara I a f u, Reichel I ü d e l s werden als Gründerinnen von Buchdruckereien genannt. Vielfach waren die Frauen selbst Seherinnen, so sind mehrere große rabbinische Werke von Frauen gesetzt worden (zum Beispiel von Fiola aus Fürth). Alle diese Frauen sind Beweise für die selbständige und zum Teil schöpferische Macht der jüdischen Frau, deren Leistung durchaus anerkannt wurde. Erweist sich die judenfeindliche Behauptung von der „herabgewürdigten" Stellung der Frau als ein lügenhaftes Märchen, so ist der zweite Vorwurf vonder Duldung oder gar dem Gebot des Mißbrauchs von Nichtjüdinnen eine noch ungeheuerlichere Unterstellung. Der jüdischen Religion gilt jeder außereheliche Geschlechtsverkehr als verwerfliche Sünde; es wird dabei nirgends ein Unterschied zwischen Jüdinnen und Nichtjüdinnen gemacht. Die Anforderungen an die sittliche Reinheit in geschlechtlicher Beziehung sind nirgends höher als in der jüdischen Lehre. In sehr vielen alten Religionen des vorderen Orients gehörten sinnliche Orgien zum religiösen Kult (erinnert sei nur an die sogenannte „heilige Prostitution"). Das Judentum hat solche Erscheinungen niemals geduldet. Die jüdische Religion verbietet tit Bibel und Talmud jede Verletzung der Keuschheit und jede Art von Unzucht. . Der Talmud bestimmt, daß alle Verbote der jüdischen Lehre übertreten werden dürfen, wenn man einen Juden unter Todesandrohung dazu zwingt, nur bei drei Dingen muß der Tod der Übertretung vorgezogen werden. Das sind: Götzendienst, UnzuchtundBlutvergießen. (Traktat Sanhedrin 74a). „Alle Sünder kommen, nachdem sie ihre Sünden gesühnt haben, geläutert in das Paradies, mit Ausnahme der Ehebrecher" (Baba Mezia 58b), „Unkeuschheit verscheucht die Gegenwart Gottes" (Sifre zu Deuteron. 23,15). Auch in der späteren jüdischen Literatur. wird jede Unkeuschheit verboten. So heißt es im „Kleinen Buch der Frommen" des Rabbi Moses Cohen ben Eleasar: „Vermeide alle nnkenschen Gedanken , und sieh deshalb kein weibliches Wesen an, es mag schön oder häßlich, verheiratet oder ledig, groß oder klein, eine Jüdin oder Mchtjttdin sein . Bör jeder nnkenschen Anwandlung schütze dich der Gedanke, daß du Staub bist und zum Staub zurttckkehrst und daß alles eitel ist." Die jüdischen Sittenlehrer sind also weit davon entfernt, eine laxe Auffassung zu gestatten, sie fordern im Gegenteil ein höchstes; Maß. von Reinheit. Nichtjüvische Forscher, die.die Quellen des Judentums kennen, haben gerade diesen Punkt immer hervorgehoben. So sagt Wilhelm B o u s s e t in seinem Werke „Die Religion des Judentums im neutestümentlichen Zeitalter" (Seite 489): „Ein weiteres Grunddatum der jüdischen Ethik erklärt sich aus dem Gegensatz gegen das Heidentum: Die Scheu und die immer wiederkehrende Warnung vor aller geschlechtlichen Vers tt n d i g u n g u n d U n r e i n h e i t." V. In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als man den Antisemitismus vornehmlich mit religiösen Gründen zu rechtfertigen suchte, wurde die angeblich niedrige Stellung der Frau im Judentum ihrer hohen Wertschätzung un Christentum gegenübergestellt. In Ludendorffs „Volkswarte" vom 6. April , 1930 befindet sich ein Aufsatz, in dem Ludendorff als „Der.Kämpfer für deutsche.Frauenehre" gefeiert wird. Hier wird gegen das Christen tum der Vorwurf erhoben, es haue durch seine Anschauungen besonders für Die Frau entsittlichend und zersetzend getmrkt. „Ferner wurde unser Volk von seinem sittlichen Grundgesetze der Rassenreinhert durch das Christentum weggelockt", heißt'es in dem Aufsätze. . Das Christentum habe darauf , abgezielt, die „hohe urdeutsche Sittlichkeit" zu vernichten. „Da war es denn ein begreiflicher Grundsatz, die Fremdlehre gewaltsam im Volke dadurch zu festigen, daß man vor allen Dingen das Weib entehrte . . .", heißt es dann weiter. Durch das Christentum „wurde auch das, ganze Triebleben ein undeutsches, unbeherrschtes, polygamisches bei vielen Frauen und den meisten Männern". Es ist äußerst interessant zu sehen, wie die Beschimpfungen des Judentums hier in unverminderter Stärke auf das Christentum und besonders auf die katholische Kirche ausgedehnt werden. — Diese Angriffe sind natürlich ganz so unberechtigt, wie die Beschuldigungen gegen das Judentum. Die Haltlosigkeit der völkischen Anwürfe ist für uns so Mdstverständlich, daß das Christentum in diessn Blättern nicht erst verteidigt zu werden braucht. 8. W. Ja.eger. * /In die Wttrr Der Rriegsbrief eines öeutfst^fföischen Solüaten. igm Juden auch Männer sind und keine Feiglinge. Dies soll unserem. Judentum Zugute kommen, damit der Jude von keinem Deutschen mehr verachtet wird und wirkliche Gleichberechtigung erlangt. Ich denke nur an die . drei Sachen, wenn ich Nächte lang wachend im Schützengraben liege: an Dich und an die Lieben zu Hause, an die stille, glückliche Häuslichkeit, die ich schon im fernen Auslände immer entbehrte und zu der mich der. Himmel zurückführen wird, an die Jahre des Friedens, die ich in oberflächlichem Glücke verbrachte, an meine herrlichen Reisen, an all die schönen Zeiten, die glücklichen Stunden, die ich schon erlebt. Und wirklich, ich kann nicht sagen, daß mein Lebensweg ein unglücklicher war, nein, ein. überglücklicher! Oft denke ich dann an Fehlers die ich hätte unterlassen können, und so zieht im Geiste mein früheres Leben immer und immer wieder an mir vorüber. Ich denke viel, , viel hier außen, und ich habe schon vieles bereut, was ich früher getan. Dann denke ich in schwachen Stunden, o wäre ich doch zu Hause, aber sofort sagt mir eine innere Stimme: dm mußt aushalten bis zum Aeußersten, das fordert die Ehre.. Also bitte, bitte, Mütterlein, sorg' Dich nicht um mich, sei auch Du standhaft wie eine treue, deutsche Mutter. Gestern wunde , ich vom Kompagnieführer zur Beförderung eingereicht und werde wohl in drei Tagen Vizefeldwebel sein. Auch zu einer Auszeichnung. (wahrscheinlich das Bayer. Verd, mstkreuz zweiter Klasse) bin ich vorgeschlagen, doch das dauert mindestens vier bis fünf Wochen, bis es vom Kriegsministerium genehmigt isb Freut Dich das nicht ' auch? Also jetzt, liebe Mama, Kopf hoch und . auf Gott vertraut! An die Lieben. nebenan, . an alle Brüder , und Verwandte innige Grüße und Küsse. Ich umarme Dich im Geiste tausendmal und bin in treuer Liebe stets Dein Sohn F. Den im Kriege gefallenen Helden der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, hat vor nunmehr zehn Jahren Rabbiner Dr. Max Freudenthal (Nürnberg) ein Kriegsgedenkbuch gewidmet. Obwohl die Weltkriegsstimmungen nun schon länger als zehn Jahre zurückliegen und manche Stelle des hier aus dem genannten Buche (Seite 133) abgedruckten Briefes des am 22. April 1915 im Westen gefallenen kaufmännischen Vertreters Fritz Oppenheimer nur aus der damaligen Zeit heraus verstanden werden kann, geben wir den Brief, aus dem echtes Gottvertrauen, schlichtes Vaterlandsgefühl und rührende Kindesliebe spricht, hier wieder. 10. Dezember 1914. Mein innigst geliebtes Mütterlein! Heute erhielt ich mit großer Freude. Deinen Brief vom 3. ds., un»d obwohl ich beruhigt bin, daß alles wohl zu Hause ist, muß ich mich mit Dir, lieb' Mütterlein, einmal ganz offen aussprechen, denn aus jedem Deiner Ä'riefe, aus jeder Zeile, die Du mir schreibst, spricht nicht nur die aufopferndste Mutterliebe, sondern noch viel mehr die bangen Sorgen und die quälenden Gedanken, die Du Dir um mich machst. Und das ist Unrecht. Wohl befinde ich mich in steter Gefahr, wohl kann mich jeden Augenblick das Schicksal erreichen, 'doch es gibt doch einen Gott, es; gibt eine Vorsehung, .die über uns waltet, und, Mutterl, ich weiß, daß ich Euch wieder sehen soll, ich fühle es mit jedem Nerv, und die Erfahrung hat mir mehr wie einmal schon gezeigt, daß eine ganz besondere göttliche Gewalt mich behütet. Auch wenn man zu Hause ist, steht man in Gottes Hand. Er ist doch überall. Und sieh doch, liebes Mutterl,, für was ich mein Leben aufs Spiel setze! Nicht nur ich, noch viele, viele andere junge Leute! Nicht nur, daß wir unsere geliebte Heimät, den Frieden für unsere Lieben, des Vaterlandes. Ehre schützen, nein, ich und alle Juden im Heere haben eine größere Aufgabe. Wir müssen die Ehre des Judentums bewahren, müssen den andern zeigen, daß auch wir einen Begriff von Ehre und Ehrgeiz haben, ' müssen ihnen zeigen, daß Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen 1 Glaubens e. B., Berlin SW 68, Lind'enstv. 13. Verantwortlicher Hauptschriftleiter: i. V. Dr. Alfred W i -e'n e r,. Berlin SW 68. — Druck: 9t u ft o l i 931 o ff c, Berlin SW 100.

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