Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 6 (Juni 1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Die Stettung der Frau im Judentum. Der „Völkische Beobachter", der „Michel" und andere judenfeindliche Zeitungen machen neuerdings wiederum den Versuch, die jüdische Lehre in ihrer Einstellung zur Frau als unmoralisch uyd minderwertig hinzustellen. Irr einer großen Zahl von Aufsätzen werden zwei Angriffe erhoben: einmal behauptet mau, die Frau werde bei allen Semiten und besonders bei den Juden verachtet, ihre Stellung sei eine „herabgewürdigte", wie es in dem eigenartigen Deutsch des „Michel" heißt. Man verweist dagegen auf die angebliche Hochschätzung der Frau bei den Ariern. Zweitens wird in allen Tonarten verkündet, der Mißbrauch nichtjüdischer Frauen und Mädchen sei dem Juden gestattet oder gar geboten (!). So enthält — um nur ein Beispiel voll vielen anzuführen — der „Völkische Beobachter" vom 21. November 1929 einen Aufsatz von Karl Adam-Kappert „Die Frau im Leben der Juden" mit den fettgedruckten Ueberschriften: „Bei allen Semiten ist die Stellung des Weibes verachtet. — Die Frauen des Wirtsvolkes als Opfer jüdischer Gierl" — Diese böswilligen und demagogischen Anwürfe stellen die Wahrheit auf den Kopf. Das gesamte jüdische Schrifttum, von deuMMesten Zeiten an, ist erfüllt von MWng und Ehrerbietung vor der Fra^WDie jüdische Frau nimmt eine StelliWMin, die ihresgleichen sucht. Ebenso sMD.die jüdische Lehre höchste Änforderuügen an die geschlechtliche Sittlichkeit. VoMeiner Laxheit, wie sie von judenfeindlicher Seite behauptet wird, kann nirgends die Rede sein. II. Die völlige Gleichstellung von Mann uub Frau deutet schon die hebräische Sprache dadurch an, daß sie für beide nur einen Ausdruck besitzt. Der Mann heißt Isch, die Frau Ischah> also dasselbe Wort für beide Geschlechter, nur. das eine Mal mit der weiblichen Endung. Und die Bibel sagt gleich an ihrem Beginn: . „Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbilde, als Mann und als Weib schuf er sie, und nannte ihren Namen gemeinsam: Mensch." (Genesis V, 2.) Damit ist für das jüdische Bewußtsein festgestellt, daß erst Mann und Frau z u s a m - men den Begriff des Menschen erfüllen, daß die Frau dem Manne gleich ge st ellt und gleichberechtigt ist. Diese Achtung vor der Frau und ihren Rechten ist überall in der Bibel zu finden. Im Gegensatz zu den meisten alten Gesetzen sind bei den Juden die Frauen erbberechtigt. Diese Bestimmung wurde sogar auf Veranlassung von Frauen getroffen — ein Beweis, daß selbst in biblischer Zeit die Frau im Judentum keineswegs nur passiv war. Die Töchter Zelofchads sind es, die während der Wüstenwanderung nach dem Tode ihres Vaters vor Moses hintreten, um ihres Vaters Erbteil zu fordern und die mit diesem Verlangen auch durchdringen. (Numeri Kop. 27.) Sehr bekannt, ja im Judentum zum Sprichwort geworden, ist das Wort des Abraham: . „In allem, was Sara vir sagt, höre ans ihre Stimme/' (Genesis XXI, 12.) „Die Sprüche Salonws" enthalten in ihrem 31. Kapitel jenes herrliche Loblied auf die Frau, das in das jüdische Gebetbuch ausgenommen ist, und das die Würde und dW Wirken der Frau besingt. Viel anders ist also die Stellung der Frau bei den Juden als in vielen anderen Kulturkreisen. In Indien, also bei einem arischen Volke, wurde bis ins 19. Jahrhundert die Witwe mit anderen Lieblingsgegenständen des verstorbenen Mannes verbrannt, ein Beweis, daß die Frnu. bei diesen Ariern als Sache, nicht als Person aufgefaßt wurde. Von den alten Germanen wird berichtet, daß sie bisweilen Frau und Töchter im Würfelspiel verloren. Sicherlich kein Zeichen besonderer Hochachtung! Und bei den Griechen war die Ehefrau geradezu verachtet, wie wir aus Aeuerungen bei Platon und Tenophon wissen. HI. Auch das nachbiblische jüdische Schrifttum zeigt überall eine Hochschätzung vor der. Frau. „Die Juden verdanken ihren edlen Frauen die Befreiung ans Aegypten", sagt der Talmud (Sota 11 b). Ueber die rechtlichen Bestimmungen heißt es: „Die jüdische Lehre stellt in allen rechtlichen Beziehungen Mann und Frau einander gleich" (Traktat Kidduschin, 35 a), ein talmudischer Grundsatz, der selbst heute noch nicht in allen europäischen Staaten erfüllt ist! Aus der großen Zahl der hierher gehörigen Stellen aus dem Talmud und der talmudischen Literatur seien nur einige erwähnt: „Jeder sei vefliffen, feine Frau zu ehren; denn nur um der Frau willen kommt Segen in das Hans . . . Ist dein Weib klein, so bücke dich zu ihr, um dich mit ihr zu besprechen." (Traktat Baba Mezia 59 a,.) —- „Wer sich von seiner Frau hat scheiden lasten, soll auch nachher, wenn sie verarmt ist, nach Kräften für sie sorgen." (Tanna debe Eliahn 27.) — „Wer sein Weib liebt wie sich selbst und sie ehrt mehr als sich selbst . . . von dem heisst es: Du darfst gewiß sein, dast Friede in deinen: Zelte weilt." (Traktat Jebamoth 62 I>.) Aber mehr noch als alle Einzelzitate beweist der Gei st, der das jüdische Schrifttum beseelt, die hohe Achtung, die die Frau bei den Juden zu allen Zeiten genoß. Der Fortbestand der jüdischen Religion wird geradezu als ein Verdienst der Frau betrachtet. IV. Die Judengegner wollen die angeblich ^verachtete" Stellung der jüdischen Frau auch daraus ableiten, daß ihr Wirkungskreis im alten Judentum das Haus und die Familie gewesen sei; man behauptet, von jeder Tätigkeit auf anderen Kulturgebieten sei sie ausgeschlossen und man verweist auf die germanischen Prophetinnen als Gegenbeispiel. Es ist gewiß richtig, daß bei den Juden die Erziehung der Mädchen in erster Linie ihre Heranbildung zu tüchtigen Hausfrauen und Müttern zum Ziele hatte und daß daher etwa die rein theoretische Ausbildung in verschiedenen Wissensgebieten zurücktrat. Der Grund für diese Tatsache liegt aber nicht in einer Mißachtung der Frau oder in dem Glauben, die Frau sei zu produktiven Kulturleistungen nicht befähigt, sondern allein der Umstand, daß im alten Judentum die weitaus überwiegende Zahl der Frauen heiraten konnte; eine unverheiratete Frau gehörte zu den seltenen Ausnahmen. Daher sah man in der Gattin und Mutter das Ideal der Frau, die höchste Ehre und Achtung genoß. Die religiösen, wrssenschaftlichen und künstlerischen Der Königin-Luise-öunö als unser Kronzeuge. Opfert»- eines -eutfch-jü-ifchen Schülers. In der Bundeszeitung des Königin-Luise- Bundes Nr. 23 vom 8. Juni lesen wir in einem eigenartigen Widerstreit der Gefühle den folgenden Nekrolog: Heldentod eines Knaben. Wenn immer wir Pfingsten feiern, das wunderbare Fest in Frühlingspracht, steht vor meiner Seele ein tiefergreifendes, erschütterndes Geschehen, der Märtyrertod eines fünfzehnjährigen deutschen Knaben, Rudolf Ferdinand Hase. Im Geiste sehe ich sein Bild. Mannesmut und Unerschrockenheit sind den freimütigen Zügen dieses Antlitzes schon fest eingeprägt. „Ich weiß, was ich will," so blitzt es aus den kühnen Augen, und „was lch will, das kann ich", so stand es auf der hohen, schönen Stirne, die von vollem, dunklem Haar umrahmt war. „Eine neue Aera der Freiheit und Gerechtigkeit" versprach die „Interalliierte Kommission", als sie die Verwaltung des Abstimmungsgebietes von Oberschlesien übernahm. Und von dem allen, was dieses Versprechen umschloß, wurde nichts gehalten. Statt Ruhe und Ordnung dem Lande zu bewahren, wurde eine achthundertjährige deutsche Kultur vernichtet. Unter denjenigen, die sich hervorragend bei der deutschen Werbetätigkeit auszeichneten, war dieser Knabe, Rudolf Ferdinand Hase, geb. 7. Februar 1906. Seine ideale Begeisterung für sein Heimatland hatte den^Feinden mißfallen. Vielleicht erkannten sie in dem intelligenten Knaben einen späteren Führer? Während der Abstimmungstage, da er sich in den Dienst der deutschen Sache gestellt hatte, wurde er auf einer Fahrt ins unbesetzte Deutschland aus dem Zuge, dem schriftlich und ehrenwörtlich freie Durchfahrt gesichert war, im Beisein der englischen protestierenden Vegleitoffiziere Herausgeholt und von den Insurgenten gefangen genommen. Es war am 14. Mai 1921, und andern Tags, am 15. Mai, einem Pfingstsonntage, wurde er nach vierundzwanzigstündiger Gefangenschaft, imBeiseinsernes jüngeren Bruders, iin Walde von K omowatz erschossen. E r st a r b wie ein Held! Ein Märtyrer deutschen Volkstums, deutscher Heimatliebe! Wie einst ein französischer Feldhetr nach dem für Frankreich verlorenen Kriege von 1870/71 zahllose Meilensteine in .Frankreich setzen ließ mit der Inschrift: y pense — denke daran! — so möchte ich der deutschen Jugend ins Herz schreiben: „Gedenke daran — Ein deutscher Knabe starb den Heldentod!" O dürft' ich heute goldne Flügel haben. Daß mir für aller Welten Heilgen Sang, Dem Ehrenlied für einen deutschen Knaben, Ertöne aller Harfen Feierklang! Es stand in Jugendpracht ein junges Leben, Von Heimatliebe war sein Herz beseelt! Dem Erbe seiner Väter alles geben. War, was ihm Todesmut und Kraft gestählt! Adele Brülle, (Düsseldorf). Wie gern möchten 'wir glauben, daß sich über diesem Grabe'eines jugendlichen Helden wirklich die sonst durch Klüfte getrennten Gruppen des deutschen Volkes die Hand reichen, daß selbst der Königin-Luise-Bund diese unvergängliche Heldentat deutsch-jüdischer Heimatliebe herzlich anerkennt und die Heimattreue jüdischer Deutscher seinen Mitgliedern verkündet.