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Central-Verein-Zeitung · 1930-05-01 · Heft 5 (Mai 1930) · page 12

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 5 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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44 W meine alten Kameraden!/ Non Oberstleutnant a.S. Mar Brunzlow. Jedem Offizier der alten Schule war es selbstverständlich, daß er al8 Dank für die Zubilligung .besonderer Standesrechte die peinlichste Er» süllung der feinem Beruf obliegenden Pflichten zu bieten hatte. In diesen haben Gerechtigkeit und Fürsorge für die Untergebenen stets eine entscheidende Rolle gespielt. Daher mußte es uns empören, daß von gewissen Stellen aus die Leistungen der jüdischen Soldaten im Weltkriege herabzusetzen immer wieder versucht wurde. Wenn nicht nur junge, unfertige/sondern sogar ältere, erfahrene ehemalige Kameraden ihrer persönlichen Abneigung gegen die Juden — in Wahrheit sind es stets nur einige wenige Juden gewesen, die ihnen begegnet sind — dahin Worte liehen, daß sie ihren eigenen Kameraden, nur weil sie Juden waren, bewiesene Tapferkeit, Selbstaufopferung und Vaterlandsliebe trotz gelieferter Gegenbeweise abzusprechen sich die erdenklichste Mühe gaben, so kann ich dies mit tiefstem Bedauern nur als ein Sinken des alten Begriffes von Ehre empfinden. Ich habe von meinen Untergebenen nach unserer Kommißsprache das Unmögliche gefordert, damit denkbar Höchstes geleistet wurde. Ich hatte im Kriege Juden unter meinem Kommando, die mir, ohne daß ich ihr Glaubensbekenntnis ahnte, durch ihre den Durchschnitt weit übertreffenden Leistungen aufgefallen waren. Im Gedenken an diese halte ich es geradezu für meine Pflicht, Verdächtigungen von Soldaten jüdischer Konfession um der Gerechtigkeit willen zu entkräften. Vor mir liegt die Schrift von Dr. A. Eckstein in Bamberg: „Haben die Juden in Bayern ein Heimatsrecht?" Nicht diese Frage will ich beantworten.. Es kommt mir sinnwidrig vor, Menschen, dre seit tausend Jahren in Deutschland gelebt haben, denen vor hundert Jahren die Gleichberechtigung mit ihren christlichen Bürgern zuerkannt wurde, die in den unmittelbar folgenden Kriegen zur Befreiung der Heimat vom Joch Napoleons I., irr allen anderen Kriegen bis zum Weltkrieg einschließlich sich als heimatliebende. Heimattreue Mitkämpfer bewährt haben, ein Heimatrecht in Deutschland absprechen zu wollen. Die Schrift enthält aber eine Statistik in mehreren Abschnitten, die allein schon durch ihre einfache Wiedergabe voll Tatsachen beweisend wirken muß. * Aus dieser Statistik ersehen wir, daß zwei jüdische Soldaten die goldene, elf die silberne bayerische Tapferkeits Medaille erhalten haben. Eine Fälschung der Angaben ist ausgeschlossen, weil sie einen Auszug aus den Ordensakten des ehemaligen bayerischen Kriegsministeriums darstellen, daher auch mtt dem Datum der Verleihung und mit einer Tatbeschreibung, wie sie die Akten aufweisen, versehen und illustriert werden konnten. Daß man auch in Bayern, das doch seit Jahrzehnten im Gegensatz. zu Preußen Juden zu Reserveoffizieren machte, mit diesen Auszerch- Wer sich über den wahren Charakter des Judentums unterrichten will, lese die Schriften von: RIEGER: Vom Heimatsrecht der deutschen Juden. SCHAFFER: Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn. K. MÜLLER: Völkische Weltanschauung. FRITZ MERKENSCHLAGER: Götter, Helden und Günther. Dr. MAX FREUDENTHAL: Kriegsgedenkbuch der Kultusgemeinde Nürnberg. Dr. A. ECKSTEIN: Haben die Juden in Bayern ein Heimatsrecht? Professor ERIK NöLTING: Das zersetzende Judentum. Dr. URI AS (Hamburg): Die Hamburger Juden im Kriege 1914—1918. I. HEINEMANN (Breslau) : Vom jüdischen Geist. Diese Bücher werden an die Leser der Monatsausgabe kostenlos ausgeliehen. Interessenten wollen sich an das Büro des Central-Vereins, Berlin SW 68, Lindenstrasse 13, wenden. nungen nicht zu freigebig war, beweist der nächste Abschnitt. Dieser bietet das ebenfalls den genannten Akten entnommene Bild, daß 12 Sanitätssoldaten jüdischen Glaubens mit dem bayerischen Militär- Sanitäts-Oroen 2. Klasse ausgezeichnet worden sind. Der Wortlaut der nbgeschriebenen Tatberichte dient diesen Kriegskameraden" als Velvets rückhaltlosester Anerkennung. Uns allen ist noch die traurige Erscheinung in schmerzlicher Erinnerung, daß dem Frontsoldaten, also dem eigentlichen Träger des Kampfes, später eine Auszeichnung verliehen wurde, als den nicht um Leben mtb Tod ringenden Soldaten jeden Dienstgrades, daher auch die schließliche Minoerbewertung solcher wahrlich schwer genug erworbener Auszeichnungen. Da ist die nüchterne Errechnung, daß von im ganzen verliehenen 162 Militär-Sanitäts-Orden 2. Klasse auf Juden, die noch nicht ganz 1 Prozent der Gesamtbevölkerung Bayerns ausmachen, fast 7% Prozent dieser Auszeichnungen entfielen. Ein Jüngling rückte mit 16 Jahren 8 Monaten als Kriegsfreiwilliger ins Feld und siel im Oktober. 1917, ein dem Greisenalter sich nähernder Mann, der am ersten Mobilmachungstage aus Basel zu den Fahnen eilte, der aber auch schon am Kriege 1870/71 als Leutnant teilgenommen hatte, war mit 64 Jahren der drittälteste Leutnant des deutschen Heeres —- ausgerechnet zwei Juden, die mit der Gesamtheit der jüdischen Soldaten als „Drückeberger" verächtlich gemacht werden. In Dr. Ecksteins Schrift wirkt die Wucht der Zahlen, Daten und Namen aber weiter, wen jeder Zweifel hinfällig wird. 170 jüdische Soldaten sind mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse, 5818 nnt einer der in Frage kommenden Auszeichnungen geehrt worden, 30 Juden haben als Flieger gewirkt, einer von diesen hat sogar 87 Kriegsflüge ausgesührt. Um die Beweiskette zu schließen, geben amtliche Nachweisungen der jüdischen Gemeinden in Bayern die Zahl ihrer Feldzugsteilnehmer an. Hiernach haben im ganzen 9722 Juden als Soldaten, davon 816 als Freiwillige, am Kriege teilgenommen, 7204 haben in der Front gestanden, 803 sind gefallen, 206 sind außerdem gestorben, 76 vermißt, 1628 verwundet, 4194 sind befördert, davon 489 zu Offizieren, 252 zu Sanitätsoffizieren, 244 zu Militärbeamten. Diese Zahlen erhalten erst ihre richtige Bedeutung, wenn man weiß, daß es in ganz Bayern überhaupt nur 65117 Juden (Männer, Frauen und Kinder) gab. Wie die Juden ihre selbstverständliche Teilnahme an dem Kampf um das Vaterland aussaßten, dafür mag der Auszug aus einem Brief eines Kriegsfreiwilligen als Beleg dienen. In diesem heißt es: „Wer, wie wir> hinausfuhr, allüberall von unseren deutschen Männern und Frauen jubelnd begrüßt, wer den Rhein sah wie wir, in prangender Herbstschönheit, der weiß: wert ist's, sein Leben zu opfern für dieses Land, für dieses Volk, wert, süß und ehrenvoll ist die Wacht am Rhein!" Worte wie Taten und Zahlen legen ein beredtes Zeugnis dafür ab, daß die jüdischen Soldaten im Kriege ihre Baterlandspflicht in derselben Weise erfüllt haben wie ihre christlichen Kameraden. Und wie danken diese ihnen ihre Aufopferungswilligkeit, ihre Treue bis zum Tode, chre Kameradschaft? Trotz aller Beweise versuchen immer wieder fanatische Judenhasser, die Vevdienste der jüdischen Soldaten zu verkleinern, wagen sie zu schmähen, empören sich nicht gegen die Schändung jüdischer Friedhöfe, aus denen so mancher ihrer Mitkämpfer schlummert. Und die Führer der Parteien, denen diese Verbrecher angehören, finden nicht den Mut, die Geister, die sie allein rrefen, nunmehr zu bannen! , Die Einführungsorder Wilhelms I. zur Ver- .ordnung über die Ehrengerichte der Offiziere vom 2. Mai 18 74 enthält folgende Sätze: „Wahre Ehre kann ohne Treue bis in den Tod, ohne un* erschütterlichen Mut, feste Entschlossenheit, selbstverleugnenden Gehorsam, lautere Wahrhaftigkeit, strenge Verschwiegenheit, wie ohne aufopfernde Erfüllung selbst der anscheinend kleinsten Pflichten nicht bestehen." Und weiter: „Denn einen Offizier, der imstande ist, die Ehre eines Kameraden in frevelhafter Weise zu verletzen, werde ich ebensowenig in meinem Heere dulden, wie einen Offizier, lvelcher seine Ehre nicht zu wahren weiß." Uns alten Offizieren war diese Verordnung ein Heiligtum; ihre Verlesung, die alljährlich erfolgte, war stets ein Appell an die edelsten Triebe in uns und löste das stillschweigende Gelübde in uns aus, ihren hohen Lehren zu folgen. Und gerade solche alte Kameraden, die in der Wiederkehr der alten, in sich zusammengebrochenen Verhältnisse den einzigen Weg für des Vaterlandes Wiederaufbau erblicken, verletzen, so oft sie ihre Kriegsteilnehmer gänzlich unberechtigt verunglimpfen, oas heiligste Vermächtnis der vergangenen Zeit! Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V., Berlin SW68, Lirrdenstraße 13. Hauptschriftleiter i. V.: Dr. Alfred Wiener. Verantwortlich: Dr. Margarete Edelhetm. Beide Berlin SW 68. Druck: Rudolf Mosse, Berlin SW 100.

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