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Central-Verein-Zeitung · 1930-05-01 · Heft 5 (Mai 1930) · page 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 5 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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H3 Tausend Jahre in Thüringen. Vom Heimalrechk -er Juden in Attttel-eutschlan-. In Thüringen bestehen zwar nicht große, aber doch beachtliche Gemeinden, die ihre Geschichte bis tief ins Mittelalter hinein zurückführen können. So sind z. B. einzelne, ganz kleine Gemeinden, wie Arnstadt, Altenburg und Saalfeld, schon in einem alten „Memorbuch" (Gedächtnisbuch der Opfer von Verfolgungen) verzeichnet. Genauere Angaben besitzen wir schon über die Inden in Eisenach und Gotha. Nach der „Thüringischen Chronik", die wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des '15. Jahrhunderts stammt, hat schon Landgraf Hermann I. (1190—1217), der sich als einer der ersten Landesherren dü>. Förderung des Handels angelegen sein ließ, Juden j. Die Erfurter Synagoge im Jahre 1357. (Nach einem Stich in der Chronik des Ratsmeisters Friese.) in die Stadt Eisenach ausgenommen. Sie erhielten Häuser in der Nähe des Marktes; die Judengasse, die heutige Karlstraße, wird in der genannten Chronik als „dy beste gaffe da" gerühmt. Später mußten die Juden diese Niederlassung gegen die Löbergasse, wo früher schon ihre Synagoge stand, vertauschen. In Gotha haben Juden schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts gewohnt; doch etzählt eine Chronik aus dem 16. Jahrhundert von einer Ausplünderung der Juden schon im Jahve 1212. Me größte und bedeutendste jüdische Gemeinde war jedoch in jener frühen Zeit schon, ebenso wre heute, die zu Er f ur t. Denn schon rm 9. Jahrhundert war Erfurt infolge seiner günstigen Lage ein wichtiger Handelsplatz: hier kreuzte sich nämlich die Straße vom Harz nach Thüringen mit der aus den slawischen Ostländern nach dem Rhein. Entscheidend für die frühe Ansiedlung von Juden in Erfurt wurde die Uebereignung der Stadt an die Erzbischöfe von Mainz, die wohl schon im 11. Jahrhundert in den Besitz der Stadt gelangt waren. In Mainz nämlich bestand seit der Zeit Karls des Großen die bedeutendste jüdische Gemeinde in Deutschland — neben denen zu Worms und Speyer. Die Legende verlegt den Beginn der jüdischen Ansiedlung in Erfurt bereits ins 9. Jahrhundert; auch die Erzählung von dem Grabstein der drei Brüder, die 1137 an den Neumondtagen dreier aufeinander folgender Monate gestorben sein sollen, ist nicht mehr als «ine Sage.' Aber aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts besitzen wir schon eine genau datierte Urkunde über die Juden in Erfurt, nämlich über die Vergebung der Judenbede (Steuer) an den Erzbischof Konrad I. von Mainz durch Kaiser Otto IV. Noch älter, wenn auch nicht datiert, ist der berühmte Erfurter Judeneid in deutscher Sprache, mit dem Erfurter Stadtsiegel versehen, der in die Zeit zwischen 1160 und 1200 zu verlegen ist. Die Bedeutung dieses Erfurter Judeneides ist auf Seite 42 dieser Ausgabe eingehend gewürdigt. Trotz schwerer Schicksale, gleich denen der Juden im übrigen Deutschland, entwickelte sich die Erfurter Gemeinde bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts zur zweitgrößten in Deutschland — die größte war Nürnberg — und zur bedeutendsten in den thüringisch-sächstschen Landen. In den Jahren 1221 und 1266 wurde sie durch Verfolgungen hart mitgenommen und 1349 durch die große Judenverfolgung im Anschluß an das „Große Sterben" — den Schwarzen Tod — völlig ausgerieben. Aber schon wenige Jahre später, 1357, erfolgte die Neubegründung, und aus dieser Zeit stammt auch die stattliche Synagoge, die wir aus der Chronik des Ratsmeisters Friese kennen. An die Blütezeit der Erfurter Gemeinde erinnern heute noch zahlreiche Grabsteine, die zum Teil zum Bau der Festungsmauern verwendet wurden, zum Teil aber auch — etwa vierzig an der Zahl — auf dem jüdischen Friedhof und im Städtischen Museum in Erfurt erhalten werden konnten. Wie heimisch sich die Juden schon im frühen Mittelalter auf thüringischem Boden gefühlt haben, beweisen die Namen der Juden, die uns aus den Chroniken und mehr noch aus den Memorbüchern bekannt sind. Da werden aus der Mitte des 14. Jahrhunderts genannt: Adelkind, Gotteskind, Hilling, Alke, Hellin, Hilke aus Erfurt, Hofelip aus Arnstadt, Lebelang, Semlin, Klhserinne, Liebecke aus Saalfeld, Kunna aus Altenburg. Bezeichnend für die Aufnahme der deutschen Kultur durch die Juden in ganz Deutschland ist die Nachdichtung jüdischer Volkslieder und Sagen nach „deutscher Weise". Eine solche Dichtung ist auch aus Thüringen überliefert.: um 1450 dichtete Rabbi Selmeli» (Salomon) den Jakar aus Erfurt ein Sabbatlied in der „Weise des Herzogs Ernst". So ist geschichtlich erwiesen, daß die Juden in dem schönen Thüringer Lande schon zu einer Zeit ansässig waren, als die Wenden noch bis an die Saale den Grundstock der Bevölkerung ausmachten. Jsak Löwenthal. Nach einer wahren Begebenheit. Anno 12. Im Aolberger Jägerregiment. Wie schwer's von der Mutter, vom Lieb sich auch trennt, Sie kamen alle dazumal. Und einer hieß Jsak Löwenthal. Sie hängten sich an den Namen mit Spott: „Lin schöner Name! Wahrhaftigen Gott! Linst grüßt ihn Odin in Walhalls Saal: willkommen, Held Jfak Löwenthal!" Das wurmt ihn, und als sie das erst entdeckt, Da ward er nur desto mehr noch geneckt. Er gab's ihnen wieder, er war nicht faul: „Schab, daß Dein verstand nicht so groß wie Dein Maul." Da forderten sie ihn mit Schimpf und Hohn. „Gin andermal, Jungens, ich stelle mich schon, wir zogen für so was doch nicht in den urieg." „Du bist ein Feigling!" — <Sv hört es und schwieg. Und ein Tag kam, und ringsum das feindliche Aorps. Der Hauptmann rief: Freiwillige vor! Und Löwenthal stellt sich als erster voran. „wer je mich gefordert, Mann für Mann, Heut fordre ich ihn. Nun» Brüder, drauf! Mir nach!" — Da stürzt er mitten im Lauf. Sie setzten auf's Grab ihm ein schlichtes Mal: „wir folgen Dir, Jsak Löwenthal." cksüob Löwenberg.

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