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Central-Verein-Zeitung · 1930-05-01 · Heft 5 (Mai 1930) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 5 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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n Das heutige und -as klassische Weimar. von Dr. Hugo Lachmanskk. Es hat einen eigenen Reiz, Gegenwärtiges anr Vergangenen zu messen, zumal in einer Zeit, die gewohnt ist, den Erscheinungen des Tages nur den iinaginüren Wert des Aktuellen beizulegen und ihre Bedeutung aus den geschichtlichen Zusammenhängen völlig loszulösen. Jede Betrachtung, die Heutiges zu Gewesenem in kontrastierende Beziehung setzt, schafft für das Urteil besondere Grundlagen, für die Wertbestimmung neutralere Maßstäbe: das Zeitgebundene verliert seine absolute Gültigkeit in dem Augenblick, wo es mit geschichtlichen Antezedenzien in Vergleich gestellt wird. Zu einer solchen vergleichenden Betrachtung regen die augenblicklichen Zustände in Thüringen, besonders in seiner Landeshauptstadt Weimar, in erhöhtem Maße an. Man vergegenwärtige sich: Weimar, die Stätte einer geweihten geistigen Ueberlieferung, das, nach einem Worte seines großen Staatsministers Goethe, niemals politisch bedeutend gewesen, ist heute politischen Leidenschaften ausgeliefert; Weimar, einst weithin leuchtende Repräsentantin deutscher Kultur, als solche nur dem Athen der Antike, dem Florenz der Renaissance verwandt, muß in diesen Tagen die kulturfeindlichen Bestrebungen von Parteifanatikern als „besonderes Los" hinnehmen; in Weimar, wo ehemals die Edelsten der Nation Weltbürgertum und Humanität als Symbole des Menschheitsgedankens -ausgepflanzt, konnte der Volksbildungsminister Herr Dr. Fr ick unlängst Pathetisch von „fremdrassigen Einflüssen" sprechen, die sich fast auf allen Kulturgebieten geltend machten und „die sittlichen Kräfte des deutschen Volkstums zu unterwühlen geeignet seien". Und, da er sich offenbar des rechten Weges zur moralischen „Ertüchtigung" des Volkes, insbesondere aber der ihm anvertrauten Weimarer Jugend, bewußt ist, so hat er, wie unwidersprochen gemeldet und in der Öffentlichkeit bereits mehrfach erörtert wurde, die Axt an den Religionsunterricht gelegt, um die fundamentalste Stütze dieses Unterrichts, das Alte Testament, ins Wanken zu bringen und an feine Stelle eine Reihe ebenso abgeschmackter wie tendenziöser Schulgebete zu setzen. ihnen Ignaz Kaup vorgehalten hat, sondern geradezu die Totengräber des Deutschtums. Zum Glück ist das Phantom, dem die Herren nachjagen, unerreichbar... Günther glaubt dem Deutschtum zu dienen, indem er den Gedanken der Nassenreinheit bis zur Sprengung des eigenen Volkes unerbittlich iiversteigert. . (S. 166/67.) Professor Richard Müller-Freienfels, „Psychologie des deutschen Mnschen und seine Kultur". (2. Auflage.) „Was die Günthersche Rassenkunde in dieser Hinsichtwinzig (Abhängigkeitder seelischen Eigenschaften von äußerlichen Kriterien) erbringt, sind vage Allgemeinheiten oder Behauptungen, für die jedes Beweismaterial fehlt. Ja, man braucht nur die Güntherschen Theorien auf seine eigenen Beispiele anzuwenden, um sie psychologisch all abLuräum zu führen . . (S. 26.) Wer in der Stadt Goethes und Herders sich zu solchen Gedanken und Maßnahmen bekennt, hat den Anspruch verwirkt, den Kulturinteressen weiterer Volksschichten zu dienen. Der Widerspruch erscheint beinahe grotesk: der „Vildungsminister" des modernen Weimar lehnt das „Fremdrassige", also das Orientalisch-Jüdische, in Bausch und Bogen ab; er null, bei der religiösen Unterweisung der Schüler, dem urältesten geistigen Erzeugnis des Orients, dem Alten Testament, seine Bedeutung als Lehrgegenstand entziehen —- und auf dem geheiligten Boden des klassischen Weimar geheil Morgenland und Abendland für Religion, Kunst und Wissenschaft eine neue, unzertrennliche Verbindung ein: Gottes ist der Orient! Gottes ist der Okzident! Nord- und südliches Gelände Ruht im Frieden seiner Hände! — so kündet Goethes milde, versöhnende Altersweisheit; und Hmnanus Herder, dessen geistiger Universalismus alle Völker, alle Religionen, alle Kulturen wie zu einer großartigen kosmischen Einheit zufamlnenfaßte, ließ aus dem Alten Testament den Geist der hebräischen Poesie wieder lebendig werden, als den Urgeist, aus dem das abendländische Christentum die stärksten Wurzeln seiner Kraft gezogen habe. Beide, der Frankfurter Juristensohn und der ostpreußische Sproß einer frommen Lehrerfamilie, wußten, was sie der ältesten Urkunde des Menschengeschlechts zu verdanken hatten. „Ich hatte überhaupt zu viel Gemüt an dieses Buch verwandt, als daß ich es jemals wieder hätte entbehren können" — dies autobiographische Goethesche Bekenntnis enthüllt die außerordentlichen Seelenkräfte, die den Dichter Zeit seines Lebens mit dem Alten Testament verbunden haben und die ihn immer wieder zu diesem lebendigen Urquell orientalischjüdischer Geschichte, Sage und Dichtung hinzogen. Schon der Knabe Goethe lernte Hebräisch, um die ersten Bücher Moses im Urtext lesen zu können; die Geschichte Josephs und seiner Brüder regte ihn zu seiner frühesten Jugenddichtung an; reifer geworden, versenkt er sich in die geheimnisvollen Bücher der Propheten, übersetzt das Hohelied Salomonis, dies „glühende Buch der Liebe", spürt dem Wirken und dem Schicksal des ReligioNsstifters Moses nach, begleitet exegetisch Israel auf seinem Zuge durch die Wüste, breitet über die lyrisch hinströmenden Gedichte des „West-östlichen Divan" den Glanz des Orients und krönt die Beschäftigung mit altbiblischen Stoffen in der Konzeption und Gestaltung seines „Faust", dessen „Prolog int Himmel" von Hiobklüngen widertönt uttb der in einer der mächtigsten Schlußszenen des Zweiten Teiles, der Grablegung Fausts, an beit sagenhaften Kampf der Geister um den Leichnam Moses erinnert. Und Herder, der mit dent inneren Blick des Sehers und Propheten das ganze Weltall durchmaß? Für ihn war das Alte Testament dichterische, vott allem Dogma losgelöste Offenbarung, in der er die „heilige Stimnte Gottes aus dent Morgenlande" zu vernehtnett glaubte; für ihn war insbesondere der Schöpfungsbericht der Genesis ein morgenländisches Gedicht, dem er sich mit tiefer Naturandacht hingab, und das er dann, wie ein begeisterter Rhapsode, zu ntächtigem Klingen brachte. In diesen Strom von Poesie bettete er auch die älteste lyrische Dichtung der Hebräer, an deren Glanzstück, den Psalmen, er seine eigene sprachgewaltige Uebersetzungskunst wiederholt erprobte; und zu einer weihevollen Symbolik des Dichterischen erhob er beit Sabbat, in dem sich für ihn das Andenken des nmmuKmtnuiüUHnmumuümmiuuuumtiiumtumimtmimimimmummmiun Ein trauriges historisches Dokument. Sa. Kmtabtatt M.IMi.t______ HDsiti «rMrtnt na. Bibatf. 4» bn Itigd maul' II. iBtfmal Btflanangtn gm imr» bl. 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Wir «mpkehlrn deobolb ml« de« lelb-oer. ftönvllchetr vatdeboll. dost döm Selbst best!«, mungarech, de, Religion,gelelllchallen und der Tlnuben». und Tewisten,(reitzelt mm kehrein und Schülern damit In (»Inei West, Tinrrag ge> lchlehl, »In de, drustchen Roi und ho>(nung g«. widmet», Ihllrlnge, Schnlgebel., «u, Linfiihrung. da» «um Beginn nad End« de, Wachrnarbeii von der Jugend «de» den Lehrern 4« iprechrn wo« E» kann dabei »In« de« fBn| kkrNwÜrf« b«. nutzt worden di, wie al» vestple!» nochstetzend bekannlgeden ^lon den Schuieälen und Keilern de, höheren und Miilellchuien erwarien wir zu negebr, oe, Zei, BrNchi. iriwiemeii nnl««m Wunsch» euilotochen worden Ist und w, Schwlerigkeiien aulgeirelen stnd Weimar, den I» «pell IVRi rh»,in,Ische« valk»bl>dnng,minllh»»ln« Das Amtsblatt, ckas die Hassgebete verkündet. iiiiiiiiiiiiiiii iiiiiiJuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiüiiiüiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiniiiiiiiiii Weltenschöpfers wie in erneut ewigen Gedächtnisgesange fortdauernd erneuerte. Aber auch auf den sittlichen Kern des Alten Testaments stieß sein forschendes Auge vor: besonders in den Spruchbüchern und Propheten fand er, im Verhältnis der Kinder zu ihren Eltern, ja in dem ganzen Familiengeiste das ausnehtnendste Zeugnis der „frühesten, süßesten Moral", und wie er die Gesetze Moses wegen ihrer Bedächtigkeit und Sittsamkeit pries, so verehrte er den Gesetzgeber selbst als einen - „Wohltäter des menschlichen Geschlechts". Nichts von schlichterer Eindruckskraft, als Herders Legende auf den Tod Moses, mit dem herrlichen orphischen Ausklang: „Da küßte der gnädige Gott seinen Kttecht und nahtn ihm im Kttsse seine Seele. Moses starb atn Munde Gottes, und Gott begrttb ihn selber, und niemand weiß die Stätte seines Grabes."- Wie die religiösen Urkunden, die mythenbildenden und Poetischett Kräfte der alttestantentarischen Vorzeit in den klassischen Geist von Weimar eingegangen sind, so konnte auch das

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