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Central-Verein-Zeitung · 1930-05-01 · Heft 5 (Mai 1930) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 5 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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36 1 i Denr thüringischen Kultusminister dürste auch bekannt sein, daß im „Völkischen Beobachter" am 4. Februar 1922 eine Warnung des damals sehr bedeutenden „Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes" erschien, die eine „Dr.-Arnold-Nnge-Spende" als „ganz eigenartigen Zwecken" dienend bezeichnete; die Namen der angeblichen Unterzeichner seien wider ihren Willen unter denr Ausruf genannt worden. Rüge wird zum Schluß als „Politische F reibe u t e r n a t u r" bezeichnet. Daß Herr Rüge außerdem unter anderem auch wegen Aufreizung zum Morde ein Jahr Gefängnis erhalten und abgesessen Hat, daß er als „G e h e i m r a t Berge r" steckbrieflich verfolgt wurde, daß er im Femeausschuß des Reichstags in sehr unangenehme Zusammenhänge mit der Ermordung des Studenten Bauer durch Angehörige des Blücher-Bundes geriet, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Es spricht auch nicht gerade sehr für Herrn Ruges Moral, daß er in einem Rundschreiben Professoren der Schweiz, auch derfranzösischen,im Hinblick auf seine Notlage „anschnorrte". Man fand es naturgemäß in den Kreisen der Schweizer Wissenschaft sehr ausfällig, daß ein Mann, der in Deutschland die wildesten Haßpredigten gegen das Ausland vom Stapel ließ, sich nicht genierte, Ausländer unter ausdrücklicher Bezugnahme auf seine angebliche Zugehörigkeit zur deutschen Wissenschaft um Unterstützung anzugehen. Der Würde der deutschen Wissenschaft dürfte er damit kaum einen Dienst geleistet haben. Die wissenschaftliche Tiefgründigkeit des Herrn Dr. Rüge beweist schließlich noch ein kleines Erlebnis, das H e l l m n t von Verlach kürzlich berichtete. Verlach schrieb: Es war nicht lange nach dem Kriege, da traf ich mit Dr. Rüge auf einer öffentlichen Versammlung der Friedensgesellschaft in Heidelberg zusammen. Er hatte sich ein Dutzend völkischer Studenten als Claque mitgebracht. In seiner geistig ungemein tiefstehenden Diskussionsrede hatte er die Wendung gebraucht, daß er mir ineine Ansichten eigentlich nicht übelnehmen könne, da ich zu einem anderen Volke gehöre. Hier hakte ich in meinem Schlußwort eilt. Es entspann sich sagender Dialog: I ch: Sie haben in Ihrer Rede den Ausdruck gebraucht, ich gehöre einem anderen Volke an. Warum so geheimnisvoll? Welchem Volk soll ich angehören, wenn nicht dem deutschen? Ich unterbreche mein Schlußwort, um Ihnen Gelegenheit zur Klarstellung zu geben. Rüge (sich außerordentlich verlegen von seinem Platze erhebend): Ich meine natürlich das jüdische! I ch: Es ist mir völlig neu, daß ich samt meinen Brüdern, die Gardeoffiziere waren, Jude sein soll. Bei dem Studium meiner Familiengeschichte habe ich davon nichts gefunden. Aber Ihre Studien als die eines Mannes der Wissenschaft werden wohl gründlicher gewesen sein. Ich wäre Ihnen außerordentlich dankbar, wenn Sie mir Ihre wissenschaftlichen Beweise für Ihre Behauptungen Mitteilen wollten. Rüge: Ja, sind Sie denn nicht Jude? Ich habe das bisher immer angenommen. I ch: So, es handelt sich bei Ihrer Behauptung also nicht um eine wissenschaftlich belegte Tatsache, sondern um eine aus der Luft gegriffene Annahme. Hoffentlich haben Sie nicht früher, als Sie noch Privatdozent waren, ebenso leichtfertig Ihren Studenten Dinge als feststehend vorgetragen, die für Sie bloße Vermutungen waren. Herr Rüge ließ sich völlig belämmert auf seiner Sitzgelegenheit nieder. Die Versammlung freute sich unbändig. Worauf Rüge mit seiner sehr verlegen dreinblickenden Claque, die schon längst nicht mehr in Aktion zu treten gewagt hatte, den Saal verließ. Ms Günthers Lehre und ihrer Rritik. Günther lehrt. Günther unterscheidet in der deutschen Bevölkerung fünf Rassen, die nordische, ostische, dinarische, westische und ostbaltische. Allein die nordische ist ihm „erwünscht". Nach der Güntherschen Theorie wären 40 Millionen „minder erwünscht"; darunter 80 v. H. der im Weltkrieg gefallenen Helden. Er kritisiert die Rasten u. a. folgendermaßen: Die nordische Nasse. „All die einzelnen seelischen Eigenschaften nordischer Menschen scheinen sich mir gleichsam einzuordnen, um Kerneigenschaften des nordischen Wesens: Urteilsfähigkeit, Wahrhaftigkeit und Tatkraft ... Der nordische Mensch ist der eigentlich freie insofern, als er sich selber sachlich gegenüberzustehen vermag. Der Gerechtigkeitssinn bestimmt ihn zuerst . . . Der nordische Mensch sucht sich sein Urteil durch ruhiges Betrachten, langsames sachliches Eingehen, ja selbst durch Mißtrauen und Kälte zu bewahren..." („Rastenkunde des deutschen Volkes", S. 158, 161.) Die dinarische Zwischenrasse. „Der dinarischen Rasse scheint kriegerische Neigung und Tüchtigkeit eigen zu sein wie der nordischen, eine gewisse händlerische und kaufmännische Begabung fällt den Beobachtern auf. Sie scheint zu leichterer Erregbarkeit zu neigen, zu schnellerem Aufbrausen, ja zu Jähzorn und zu besonderer Räuslust. Der vorwiegend dinarische SÄdosten Deutschlands hat . . . eine verhättnismätzig hohe Berurteilungsziffer, und zwar gerade auch in der gefährlichen Körperverletzung ..." (®- 185/86.) Vie ossssche Parkarasse. „Als Wesenskern der ostischen Veranlagung ergeben sich zwei Eigenschaften: Erwerbsam und engherzig. Das Edle, d. h. das Großzügige, Hochtrachtende, Verschweniderische, das Heldentümliche, Leichtsinn und Großmut — das sind die eigentlich nnostischen Eigenschaften. Der ostische Mensch hat keinen oder nur wenig edlen Sinn für irgendein weitherziges Tun und Fühlen, für irgendwelchen seelischen Aufschwung, der ^ur Selbstlosigkeit hinreißen würde . . . Der ostische Mensch ist der Spießbürger dem Wesen nach, ob er nun arbeitet, Kaufmann, Hochschullehrer oder Minister sei C . (S. 190.) Die noröisch-ostifche Mkschrasse. „In manchen Fällen — meist aber wohl durch ostische Beimischung —entartet nun die Sachlichkeit der (nordischen) Raste bis zur Besinnungslosigkeit. Das Bestreben zur Gerechtigkeit, zur »Objektivität' wird dann zu widerlicher Ansländerei and sogar znr Verachtung dessen, was nicht weit her ist, also des Eigenen . . ." (S. 162.) Dar Urteil -er Gelehrten. Dr. Fritz Merkenschlager, Professor am Kaifer-Wilhelm-Jnstitnt in Berlin- Dahlem: „Götter, Helden und Günther". „Das Buch von H. F. K. Günther: „Die Raffenkunde des deutschen Volkes" ist kein Buch, das die Probleme zu Ende denkt. Um so gefährlicher ist es. Ich will hier das Buch einer Kritik unterziehen. Meine Kritik wird sich zur Anklage steigern. Ich klage das Buch an wegen eines Verbrechens am Seelenleben des deutschen Volkes." (S. 5.) „H. F. K. Günther bezeichnet das ostische und dinarische Blut als minder erwünscht ... Stellen wir uns vor, daß alles ostische Blut aus dem deutschen Volke plötzlich abfließe, ja, stellen wir uns vor, daß das deutsche Blut überhaupt entostet sei. In der deutschen Geschichte versänke Gestalt um Gestalt. Bleibt uns Goethe . . .? Wo bleibt Rembrandt, Heinrich von Kleist, wo Humboldt, wo Luther, wo Moritz von Schwindt, wo Hindenbnrg, wo Bismarck, wo Schölling, wo Tieck, wo Mörike, wo Schumann, Schubert und — o grausamer Gedanke — Beethoven, Runge, Hauff, Holbein, Schopenhauer, C. F. Meyer? . . ." (S. 14.) t „Man stelle sich vor, das deutsche Volk wird in den Rastenstreit eintreten. Wenn Rasseninstinkte geweckt werden, dann ist das Feld für edlen Wettstreit verstellt. Alles, nur nicht Schürung von Instinkten, die in uns selbst gegeneinander kämpfen müßten." (S.16.) „Wenn ich an die Toten meiner Kompagnie denke und an ihr geweihtes Antlitz im Tode, und wenn ich dabei dieses Werk von Rastenkunde in Händen halte, dann möchte in mir ein Zorn erwachen, wie ich ihn nie aufsteigen fühle. Zehn Jahre nach dem Heldenkampf, in dem ganze Regimenter von Rundköpfen versanken, in dem Franken wie Pommern aus Lausend Wunden blutete, geht so etwas durchs deutsche Volk . . (S. 62/3.) K. F. Wolf, „Rassenlehre". 1927. In der Mannns-Bibliothek, herausgegeben von Professor Dr. Gustaf Kosfinna. „Diese Benutzung (der „Rastenkunde des deutschen Volkes") darf aber nicht ohne Kritik erfolgen, denn als Lehrbuch schlechthin ist das Werk von Günther unbrauchbar. Vor allem wurde es zu früh geschrieben und zu früh veröffentlicht. . . Wenn Günther nur zwei so leicht zugängliche Behelfe wie die „Politisch - anthropologische Monatsschrift" und das „Archiv für Rasten- und Gesellschaftsbiologie" wirklich aufmerksam durchstudiert hätte, so wäre ihm klar geworden, daß das, was er für den heutigen Stand der Wissenschaft ansteht, tatsächlich nur ein schwächliches, unklares Hypothesengerüst ist ohne innere Harmonie, ohne Halt und Festigkeit . . (S. 38.) „Wenn Günther und Genossen so könnten, wie sie wollen, dann wären sie nicht nur die »Zerstörer der deutschen Volkseinheit', wie

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