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Central-Verein-Zeitung · 1930-05-01 · Heft 5 (Mai 1930) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 5 (Mai 1930)
Date
1930-05-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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wir- Günther Professor in ^ena! Die Universität kämpft um öie wissenschaftliche Freiheit. Der thüringische Kultusminister Frick hat den Münchener Rasseforscher Dr. Hans Günther an die Universität .Jena berufen. Abgesehen davon, daß Günthers wissenschaftlicher Nus, wie einige auf den folgenden Seiten wiedergegebene Kritiken hervorragender Wissenschaftler beweisen, die Errichtung eines Lehrstuhles für ihn nicht rechtfertigt, ist auch die Absicht, die Frick mit dieser Berufung verfolgt, eine mehr Politische als kulturelle. Der „Sächsische Beobachter", das Organ der Nationalsozialisten Sachsens, bezeichnet den Lehrstuhl, den Herr Dr. Günther innehaben soll, ganz eindeutig als „Lehrstuhl für Iudenhetze". Und der „Völkische Beobachter" schreibt in seiner Nummer 117 in einem Aufsatz: „Deutschland erwache": .. Mit der Ernennung Dr. Günthers in Jena hat der Nationalsozialismus bewiesen, daß er Ernst macht, wo er sich Machtstellen erobert. Nach und nach müssen alle deutschen Hochschulen von verfaulender liberalistisch-freimaurerisch-jüdischer Klüngelwirtschaft gesäubert werden..." Nicht nur die deutsche Judenheit und die nichtjüdischen politischen Kreise, die gegen eine solche Auffassung von den Aufgaben wissenschaftlicher Bildungsstätten sind, protestieren daher mit Recht gegen die Ernennung Dr. Günthers, sondern auch die Universität Jena selbst wehrt sich. Rektor und Senat der Universität Jena haben einstimmig Protest gegen die Ernennung Günthers eingelegt und begründen ihre Stellungnahme in einer Erklärung, der wir folgendes entnehmen: „Angesichts der wirtschaftlichen Notlage des Landes hat die Universität auf ihre Forderungen auf Errichtung unentbehrlicher Lehrstühle . . . verzichtet. Sie hat nur auf die Besetzung der zum Teil seit längerer Zeit freistehenden, für sie lebenswichtigen Lehrstühle gedrängt. Niemals konnte sie sich aber, wie es ihr nahegelegt wurde, dazu verstehen, solche Lehrstühle aufzuheben, damit für Herren, die dem Herrn Bolksbildungsmmister weltanschaulich nahestehen, Platz und Mittel freigemacht werden. Der Herr Volksbildungsminister und ihm nahestehende Persönlichkeiten haben den Schriftsteller Dr. Hans Günther der philosophischen Fakultät und einem Mitglied derselben, ferner der mathematisch-natuvwissenschafitlichen Fakultät bald als Professor für Philosophie, bald als Professor für Vorgeschichte, bald als Professor für Eugenik, bald als Professor für Rassenkunde präsentrert. Auch eine Professur der Anthropologie sollte für ihn in Betracht kommen. Da Herr Dr. Günther aus mangelnder fachlicher Eignung als Vertreter der Philosophie oder der Vorgeschichte nicht ernstlich in Erwägung gezogen werden konnte, hat auf Ersuchen des Volksbildungsministers die für jene anderen Zwecke zuständige mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät sich eingehender mit der Persönlichkeit und den Schriften Dr. Günthers befaßt. Erkundigungen ergaben, daß er eine menschlich schätzenswerte Persönlichkeit ist. Die weit überwiegende Mehrzahl der Faknltätsmitglieder aber konnte sich nicht davon überzeugen, datz Herr Dr. Günther, der ja von Haus aus Philologe ist, über die wiflenschaftliche Schulung verfügt, die man bei einem Universitätslehrer der Anthropologie oder Naflenkunde oder der Naffenhhgiene (Eugenik) als Voraussetzung für eine erfolgreiche Betätigung in Forschung und Lehre ansehen mutz. Sie konnten sich noch weniger davon überzeugen, das; in seinen bisherigen Schriften wiflenschaftliche Originalleistungen enthalten seien. Ausdrücklich hat sich aber die mathematisch-naturlvissenschaftliche Fakultät bereit erklärt, ein Gesuch des Herrn Dr. Günther um Zulassung als Privatdozent pflichtgemäß zu prüfen, falls er eine entsprechende Habilitationsschrift vorlegen würde. In einem späteren Stadium der Verhandlungen wäre die Fakultät, mn ein großes Unheil von der Universität abzuwenden, sogar bereit, der Erteilung einer widerruflichen Vorlesungsberechtigung durch das Ministerium an Herrn Dr. Günther nicht zu widersprechen. Der Inhaber einer solchen Vorlesungsberechtigung steht außerhalb des Lehrkörpers der Universität. Rektor und Senat konnten aber nach eingehender Beratung trotz der schwierigen Lage der Universität und in voller Würdigung der Opferbereitschaft der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät einem solchen Entgegenkommen ihre Zustimmung nicht erteilen. Am 14. Mai hat nun plötzlich das thüringische Staatsministerium einen Lehrstuhl für soziale Anthropologie (Raflenknnde) neu errichtet und darauf sofort Herrn Dr. Günther zum ordentttchen Profeflor dieses Faches ernannt. Damit hat es aber nun auch die völlig eindeutigen Bestimmungen der für die L'andesuniversität in gleicher Weise verbindlichen Hauptsatzungen der Universität Jena beim thüringischen Staatsministerium übergangen." Zkicks wissenschaftlicher Nanöiöat Nuge. Noch gegen eine zweite Professur hatten sich die Jenaer Hochschnllehrer zu wehren. Gegen den Versuch Fricks, Herrn Dr. Arnold Rüge, ehemals Heidelberger Privatdozent der Philosophie, als Professor oder mindestens als Privatdozent an die Universität Jena zu bringen. Die akademischen Behörden Jenas erklären darüber: „Nach eingehender Prüfung der wissenschaftlichen Leistungen des Herrn Dr. Rüge hat die philosophische Fakultät einstimmig den Beschluß gefaßt, die Habilitation des Herrn Rüge abzulehnen; unter Hinweis auf die schwerwiegenden, aus der akademischen und politischen Vergangenheit Dr. Ruges entspringenden Bedenken haben Rektor und Senat jeglicher Eingliederung Dr. Ruges in den Lehrkörper einmütig widersprochen." Ueber die politische Vergangenheit Dr. Ruges können wir noch einiges Nähere verraten. Herr Dr. Rüge spielte eine merkwürdige Nolle in dem H och Verratsprozeß Fuchs-Machhaus. Er gab damals die Anregung zur Gründung einer Tscheka, und ein Zeuge namens Hug sagte unter Eid folgendes darüber aus: „Am 17. Februar 1923 hat Dr. Rüge mich und Bau in seine Wohnung geladen und schlug wieder die Tscheka vor. Er schlug in dieser Nacht vor, mit Bau als Mitarbeiter in der Tscheka Blutsbruderschaft zu machen. Die Blutsbrüderschaft zwischen mir und Bau wurde auch gemacht. Darauf sagte Dr. Rüge: ,Jetzt sind Sie von jedem Eid, den Sie anderswo geschworen haben, entbunden. Sie sind nur an Ihre eigenen Sachen gebunden. Sie haben nur sich selbst Rechenschaft zu geben. Sie müssen noch andere Leute suchen, um die Sache aktivistisch zu machen. Die ersten, die beseitigt werden müßten, sind Dr. Heim und Dietrich Eckart/ Bon der Beseitigung Schäfers wurde in dieser Nacht nicht mehr gesprochen. Dr. Rüge zeigte uns ein Schächtelchen mit Gift vor, teilweise kleine Fläschchen mit Gift, andere mit Salz. Er sagte, die Flüssigkeit kann nur in Tee gegeben werden, sie wirke in sechs Stunden tödlich, ohne eine Spur zu hinterlassen. Das Salz wirke in Flüssigkeit wie Gift. Am nächsten Tage kamen wir wieder zu Dr. Rüge. Rüge sagte, wir brauchen ungeheuer viel Geld für die Tscheka, ich solle 31t Machhaus gehen und Geld holen. Er, Rüge, brauche IA Millionen in Devisen, um seine Familie sicherzustellen. Ich ging auch zu Machhaus, der erklärte, er werde das Geld Dr. Rüge selbst hinbringen. . . . Nach der Anordnung Dr. Ruges verpflichtete ich Weinbrecht für die Tscheka. Bau und Weinbrecht sollten Dr. Heim in Regensburg erdolchen, Dr. Rüge wollte Dietrich Eckart umbringen. Auf meine Frage, warum, erklärte Rüge, das sei der Mann, der Hitler immer aufreizt und dann wieder zügelt, er fei ein Hindernis für Hitler. Eckart sollte durch Gift beseitigt werden." Daraufhin wurde Rüge dem Zeugen gegenübergestellt. Er bestreitet trotz der eidlichen Aussage des Hug alles aufs entschiedenste. Hochdramatisch endet diese Gegenüberstellung: Hug: „Ich habe heute früh die volle Wahrheit gesagt; Dr. Rüge hat gelogen. Sie (zu Dr. Rüge) sind ein ganz gemeiner Lügner/' Rüge: „Ich habe Ihnen ja schon oft gesagt, daß Sie ein ganz gemeiner Lump sind." Vors.: „So war die Gegenüberstellung nicht gemeint." Eine ganze Reihe von Zeugen ließen sich nun über Rüge des näheren aus. Der eine nennt ihn „mental überreizt", ein anderer erklärt, „daß er jeden, der von Dr. Rüge angegriffen wird, für einen zweifellos nationalen und anständigen Menschen halte". Wieder einer bekundet: Nutze sei geistig nicht normal, sei pathologisch sehrschwer veranlagt. Er leide an Größenwahn und bezeichne sich selbst als den Vorkämpfer der völkischen Bewegung. llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll'lllllllllll!llllllllllll!lllllll!llllllllllllllllll!!illlllllllllllllllimi!lllllllllllll! Lesen Sie: Dr. Hugo Lachmauski: Das heutige und das klassische Weimar. Seite 37. — Das zersetzende Judentum. Seite 39. — Der „aufbauende“ Nationalsozialismus. Seite 41. — Der Erfurter Judeneid. Seite 42. — Tausend Jahre in Thüringen. Seite 43. — Oberstleutnant a. D. Max Bruuzlow: An meine alten Kameraden. Seite 44.

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