Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 5 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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34 Herzens mit Gott, also intimste, innerlichste Hinwendung auf ihn. Wie aber soll der Gott aussehen, den ein betendes Kind mit gehässigem Seitenblick auf die Juden anruft? Und dieses thüringische Gebet wendet sich nicht einmal nur gegen die Juden, sondern meint auch alle, die an der „Entsittlichung des deutschen Volkes" mitschuldig sein sollen, also gegen die Anhänger des jetzigen deutschen Staates, schließlich gegen alle-,.die nicht mithassen. Die Gebetsanrede „Vater im Himmel" läßt darauf schließen, daß die Kinder in Thüringen den Christengott anrufen sollen. Aber das ist eine sachliche Unmöglichkeit und Irreführung der I u g e n d. Rachegebete .haben in dieser Religion keinen Raum, auch in keiner anderen irgendeines Kulturvolkes. Allerdings soll auch der Christ hassen. Aber nicht Menschen, sondern das Niedrige und Gemeine an ihnen. Da er dergleichen zuerst an sich selber findet, kommt er gar nicht dazu, den Splitter im Auge des Nächsten zu sehen, geschweige ihn zu Haffen. Wenn Gebete, wie diese erwähnten, deutsche Jugend vergiften, was für ein Volk soll dann in deutschen Landen heranwachsen, zerrissen in tiefster Seele, gottlos und verräterisch an den heiligsten Gütern! lkampsbunfür deutsche Kultur gegen angebliche „Mische, freimaurerische, ultramontane Einflüsse". Nach unwidersprochenen Zettungsmeldnngen hat der thüringische Knllusminister Dr. F r i ä dem Kampsbnnd für deutsche Kultur Reichsmittel zngewendet. Cs gibt eine Zeitschrift „Der Weltkamps". Ihr Herausgeber war jahrelang Alfred Nosenberg, erst seit einigen Heften zeichnet Graf E. Reventlow verantwortlich. Alfred Nosenberg ist Hauptschriftleiter des „Völkischen Beobachters", Neventlow nationalsozialistischer Reichstagsabgeordneter und Herausgeber der nationalsozialistischen Wochenzeitschrift „D e r N e i ch s w a r t". „Der Weltkamps", von dem nunmehr das 77. Hest vorliegt, widmet jedes Heft einem ein-?»eitlichen Thema, das in der bei nationalozialistischen Schriften bekannten Pseudowissenchaftlichen Art mit falschen, verfälschten und bedeuumgslosen Zitaten aus jüdischen und nilhtjüdischen Autoren behandelt wird. Hier einige solcher Überschriften: „Jüdische Weltpolitik", „Die internationale Geldherr schaf t", „Judenherrschaft über Deutschl a n d", „D e r e w i g e I u d e", „M u s i k und Judentum", „Judentum und Dichtung", „Nom und das Juden - t u m", „D e r N a t i o n a l s o z i a l i s m u s", „Die Freimaurer des Völkerbundes", „Der internationale Mädchenhandel und sein jüdisches Monopol", „Der Krieg zwischen Juda und I a P a n" , „M e n s ch w e r - düng und Schmarotzertum, eine Rassenstudie über den Menschen und das menschliche Raubtier", „Das Gesetz des Schmarotzertums", kurz, alles Uebersckristen von einer Sensationsgier, die von Kultur und anständiger Journalistik weit entfernt sind. Im 53. Heft „Der Weltkamps" vom Mai 1928 veröffentlichte Alfred Nosenberg in einem großen Artikel „Der Schicksalskampf der deutschen Kultur" eine wüste und wütende Beschimpfung des Judentums und rief am Schluß des Aufsatzes zur Gründung eines „Karnpfbundes für deutsche Kultur" auf, an dessen Spitze Männer wie Adolf Bartels, Verleger Bruckmann, Verleger Lehmann, Professor L e n a r d, Professor Schulze-Naumburg, um die bekannteren zu nennen, traten. Es handelt sich also um eine Gründung mit dem ausgesprochenen Ziel der Bekämpfung angeblicher jüdischer, frei maurerischer, ultramontaner Einflüsse. Eine Ironie will, daß das neueste, 77. Heft vom Mai d. I. sich auf fünfundzwanzig Seiten ausschließlich mit dem Jesuitenorden befaßt und aus der Feder des Russen Gregor Schwarz-Bostun Lisch maßlose Beschimpfungen auf diesen katholischen Orden häuft. Einige Zwischenüberschriften: „Heil dem Verbrechen", „Es lebe die Lüge", „Papsttum und Judentum", „Die Vorhaut Christi", „Berechtigung des Fürstenmordes"^ „Auch Vater mord ist erlaubt", „Auch Menschenfresserei ist erlaubt", „Leichenschändung ist auch nicht so schlimm", „Weibliche Brüste", „Beischlaf mit dem Beichtkind". Diese Zeitschirist ist das Organ des „K a m p f b u n d e s für deutsche Kultur"! Für diesen Kampfbund, also zu Beschilnpfungen der Juden und des Jesuitenordens, sind Reichsmittel verwendet worden! Wir stellen diese Tatsache vor der deutschen Oessentlichkeit, insbesondere vor dem Reichsinnenminister Dr. Wirth, Mitglied der Zentrumspärtei, fest. A.H. 81 geschändete Medhöse. Eine heimliche Seuche schleicht durch die deutschen Lande. Eine Seuche, die sich tief einfrißt in die menschlichen Seelen. Die Pest, die im Mittelalter unter den Menschen wütete, gegen die kein Kraut gewachsen und keine ärztliche Kunst geschickt genug schien, haben wir verachten gelernt. Und wir glaubten sogar, daß auch die Geister im Laufe der Jahrhunderte erleuchtet genug geworden wären, um Spuk und Aberglauben für immer daraus zu bannen. Wir haben uns traurig getäuscht. Denn nichts anders als ein solcher Irrwahn, wie wir ihn durch Gelehrsamkeit und fortschreitende Erkenntnis längst überwunden zu haben glaubten, ist die Seuche, die heute wiederum durch die deutschen Lande schleicht. Kein echtes Gefühl, keine Urkraft, wie man uns glauben machen möchte. Ein in engen Hirnkästen ersonnenes, von selbstsüchtiger Zweckbestimmung geleitetes, von Angst und Schwüchegefühlen eingegebenes System von Gedanken ist es, das an seiner eigenen Feindseligkeit zerbersten müßte! Haß heißt die Seuche, die die deutschen Seelen befällt, die sie mit Krankheit bedroht und mit dem Tod. Hatz, Hatz, wohin wir blicken. Kein Tag ohne Beschimpfung, Verfluchung, Ehrabschneiderei, kein Tag ohne Mord aus politischen Motiven. Haß nicht nur gegen Lebende, sondern auch gegen Tote. Kampf nicht nur gegen Meinungen, gegen Kräfte und gegen Willen, sondern gegen Friedhofs st eine, gegen Gräber. Einundachtzig — prägt euch die Zahl ein und empfindet das Grauen ganz, das sie aus ihren einundachtzig Ziffern zu einer unerhörten Anklage zusammballt — einundachtzig Schändungen sind in den letzten acht Jahren auf deutscher Erde an jüdischen Friedhöfen verübt worden. Zerstörung von Gräbern, Umwersen von Grabsteinen, Besudelungen von altehrwürdigen Inschriften haben sich in grausigem Wechsel wiederholt. Meist waren die Täter nicht festzustellen. Manchmal, wurden halbwüchsige Jungen der Tat überführt. Ost auch deuteten die Spuren auf Angehörige rechtsradikaler Verbände und zeigten so eine der gefährlichsten Quellen, aus denen Krankheitsstoff ins deutsche Volk strömt. Wir klagen die Täter nicht an. Wir klagen diejenigen an, die als die eigentlichen Träger der Krankheitskeime den Haß ins deutsche Volk tragen, den Haß der Gruppen gegeneinander, den Haß der Generationen und den Hatz der „Raffen". Sie, denen Versammlungsdemagogie, Lüge und Verschleierung erlaubte Mittel zu sein scheinen im Kampfe für vermeintliche Ideale. Es nutzt nichts, wenn jede Partei, an der Spitze die nationalsozialistische, voll moralischer Entrüstung abrückt von denen, die ihre Lehren nur zu gierig, eingesogen haben. Denn hier, in der alle Verantwortungspflicht mißachtenden Judenhetze, liegen die tiefsten Wurzeln auch dieser beschämenden Taten. Mit Genugtuung kann gesagt werden, daß der Centralverein in seinem Kampfe gegen diese Kulturschmach nicht allein steht. Die Sympathien der Gutgesinnten aller Konfessionen unterstützen ihn darin. Er begrüßt jeden Ausdruck der Gestnnungsnähe, jede moralische Hilfe. Einige der zahlreichen Stimmen, die ihm in seiner Aufklärungsarbeit beigestanden haben, seien im folgenden hier wiedergegeben. Der evangelische Gberkirchenrat gegen Sie Zrieöhofssthänöer. Wir können Ihren Abscheu gegen Schändungen jüdischer Friedhöfe nur in vollstem Matze teilen, und es bedarf keines Wortes, wie solche Untaten jeden christlichen Geist verleugnen. Von einem amtlichen Erlaß an unsere Geistlichen dieserhalb glauben wir Abstand nehmen zu sollen, da wir für ausgeschlossen halten müssen, daß christlich-kirchliche Kreise für die Täterschaft in Frage kommen, der evangelischen Kirche fernstehende Personen aber von einer Mahnung unserer Geistlichen nicht erreicht oder beeinflußt würden. vizeaSmirol von Salster. Die Friedhofsschändungen durch Hakenkreuzler und deren antisemitische Gesinnungsgenossen und die rohen Gewalttätigkeiten mit Schlagringen, Messern und Fäusten gegen friedliche Bürger, die ohne jeden Anlaß nur überallen wurden, weil sie Juden waren oder für olche gehalten wurden, verurteile ich aufs chärfste. Sie sind eine Sckiande für diejenigen, die sich dazu hergeben, uno ein böses Spiegelbild christlicher Moral. Das Gräberschänden in der Nacht und das Ueberfallen Wehrloser sind rohe und feige Handlungen, die dem Deutschtum zur Unehre gereichen. Wilhelm von Scholz. Es bedarf keines Wortes, daß die geschilderten Friedhosschändungen und Uebersälle — die man immer wieder am besten ins Reich der Fabel verweisen möchte, wenn nicht ihr Zeugnis das Geschehensein leider bestätigte — bei den Tätern den beklagenswertesten Seelen- und Charakterzustand voraussetzen., Mir ist Rassendünkel, Rnssenfanatismus indessen etwas völlig remdes, daß mein Nicktverstehen dieser oheiten fast noch meinen Abscheu übersteigt.