Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 4 (April 1930)
- Date
- 1930-04-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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(„ schen Volkszeitung" verschwiegen hat. Aus welchem Grunde? Mir selbst — und wohl den meisten Lesern der „C. V. -Zeitung" — war Name und Dasein dieser seit Jahren entschlafenen Zeitung erst durch Vaumanns Artikel bekanntgeworden, und ich hatte gutgläubig angenommen, das „Zitat" Baumanns wäre quellengemüß richtig gewesen. Eine Nachprüfung des Sachverhalts hat aber das überraschende Ergebnis gezeitigt, daß Vaumanns Angaben von A bis Z auf ttnwahrheit beruhen. Hier ist der Tatbestand: 1. Nach Ausbruch des Krieges erliest der „Verband der deutschen Juden" gemeinschaftlich mit dem Centralverein einen in den jüdischen Zeitungen veröffentlichten Aufruf „An die deutschen Juden", aus welchem manchem Leser noch die Worte erinnerlich sein werden: „Glaubensgenossen! Wir rufen euch auf, über das Mast der Pflicht hinaus eure Kräfte dem Vaterlande zu widmen. Eilet freiwillig zu den Fahnen! Stellet euch durch persönliche Hilfeleistung jeder Art . . . in den Dienst des Vaterlandes!" Diesen Aufruf veröffentlichte auch die in Breslau damals erschienene „Jüdische Volkszeitung"«) in ihrer Nummer vom 7. August 1914. Darauf Bezug nehmend veröffentlichte dieselbe Zeitung in ihrer Nr. 33 vom 14. August (Jahrgang 20) folgende „B e k a n n t m a ch u n g"6 7). 3*^ Wie unsere Leser bereits aus der Bekanntmachung des „Verbandes der deutschen Juden" (in vor. Nr.) wissen, ist es eine nationale Pflicht, alles Material zu sammeln, was auf den Anteil unserer Soldaten im Heere Bezug hat. Wir bitten deshalb unsere Leser, uns alles darauf Bezügliche fortgesetzt mitzuteilen. In Betracht kommen: 1. Die Namen der Soldaten mit Angabe von Regiment und Standort, Verwundungen, Todesfälle. 2. Taten der Tapferkeit im Felde, 3. Auszeichnungen und Beförderungen, 4. Teilnahme an dem Nationaldienst, zur Pflege verwundeter Krieger und Unterstützung der Hinterbliebenen, 5. Sonstige interessante Vorgängein Krieg und Frieden. « Zunächst soll das Material gesammelt werden. Die Veröffentlichung kann erst allmählich erfolgen, wie es Zeit und Umstände und die gebotene Rücksicht auf die Sicherheit unseres Heeres erfordert. Jüdische Bolkszeitung. In derselben Nummer bereits erschien eine erste Verlustliste, eingeleitet mit den Morten: „Die erste amtliche Verlustliste bringt Angaben über Verluste unserer Truppen, die gegen Rußland und Frankreich kämpften. Von jüdischen Soldaten, welche dem 5. und 6. Arrneekorps angehören, scheinen davon zu sein (folgen vier Namen): Nähere Angaben sind uns erwünscht. Daraus ergibt sich für jeden „deutschen Leser", daß die bezüglichen Mitteilungen der „Jüdischen Bolkszeitung" aus ihrem Leserkreis stammten, privatim und gelegentlich, aber durchaus nicht authentisch waren. Das wird auch durch folgendes Auskunftsschreiben 6) Ihre Fortsetzung erscheint seit Ende Februar 1S24 als „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland" in Breslau.^ 7) Die eingerahmten Bekanntmachungen sind wortgetreue Wiedergaben der uns in der Photographie vorliegenden „Jüdischen Volkszeitung". Die Lichtbilder der Zitate aus der „Jüdischen Volkszeitung", die in der Biblwthek der Breslauer Synagogen-Gemeinde (Anger Nr. 9) originaliter nachzulesen ist, sind im Besitze der Schriftleituna und des Verfassers und können bei diesen eingesehen werden. Die Schriftleitung. des Dr. Jakob Segall, Leiters des „Ausschusses für Kriegsstatistik" (der Juden), vom 21. Dezember 1929 bestätigt: „Ich beehre mich Ihnen mitzuteilen, dost der Ausschuß sür Kriegsstatistik, welcher bald nach Kriegsausbruch begründet worden ist, kein Organ zur Veröffentltchiing seiner Ermittlungen besessen hat. Cs war im Gegenteil beschlossen worden, solange von einer Publikation abzusehen, bis das gesinnte Material Anspruch ans Vollständigkeit und Zuverlässigkeit machen komlte. Die Erhebungen begannen anfangs des Krieges und dauerten den ganzen Krieg an und wurden noch nach dessen Beendigung der Kontrolle halber weitergeführt. Mit der „Jüdischen Bolkszeitung" hatte der Ausschuß überhaupt keine Beziehung." Die B e h a u p t u n g des Herrn M a j o r a. D., daß die „I ü d i s ch e V o l k s z e i t u n g" das „O r g a n" des „I ü d i s ch e n A u s s ch u s s e s f ü r K r i e g s st a t i st i k" g e w e s e n ist und als solches „d essen Veröffentl i ch u n g" offiziell mitgctcilt h a b e, e r w e i st s i ch s o n a ch d u r ch A u ss a g e des von i h m selbst a n g c f ü h r - t e n K r o n z e u g e n a l s Nu Wahrheit! 2. Die „Jüdische Volkszeitung" veröffentlichte seit dem 14. August 1914 fortlaufend j ü d i s ch e K r i e g s v e r l u st e mit H i. n - z u f ü g. u n g von Persönlichen Einzelheiten, wie sie ihr aus ihrem Leserkreis Angegangen waren. Am 10. Mai 1917 veröffentlichte sie (in Nr. 18) die in dieser Spalte wiedergegebene Verlustliste: Der eingeklawmerte, für jeden „deutschen" Leser eindeutige, unmißverständliche-Satz erscheint in Baumanns „Zitat" frei um gedichtet in den Sah: „bis zu diesem Tage gefallen usw. 3131 Juden", so frei umgedichtet, daß vom originalen Wortlaute des Satzes nur eine einzige Silbe (bis) übrig geblieben ist, dafür aber durch den abgeänderten Wortlaut der Anschein erweckt wurde, als handle es sich um Angaben einer Gesamtst a t i ft i k des „Jüdischen Ausschusses für Kriegsstatistik". Sogar die „bisher in dieser Zeitung a u f g e s ü h r t e" Ziffer 3605 (deren Fortsetzung in derselben Nummer vom 10. Mai 1917 bis zur Verlustzifser 3640 gelangt) ist n m g e d i ch t e t in die Verlustziffer 3131, also vermindert um 474 Verluste. Die für den 10. Mai 1917 von Baumann angeführte Ziffer 3131 war in der „Jüdischen Bolkszeitung" bereits am 16. November 1916 (Jahrgang 22, Nr. 45) erreicht, also fast sechs Monate früher als angegeben, und herausgerissen mitten aus der Liste Nr. 3124—3154. - Die Behauptung des Herrn Major a., D.: „N ach der -Jüdischen Bolkszeitung v o m 10. M a i 1917. waren bis zu diesem Tage gefallen usw. 3 131 Juden" erweist sich sonach durch Aussage des von ihm selbst angeführten Kronzeugen als Unwahrheit. 3. Die letzte Veröffentlichung der „Jüdischen Volkszeitung" erfolgte am 15. November 1918 (Jahrgang 24, N. 46) und lautet: Den Heldentod fürs Vaterland starben: (Bisher in dieser Zeitung namentlich aufgeführt 3605.) .3606/07 2 Brüder: Neuwied: 16. 4. 17 ins. schwer. Verwund. Musk. i. Ers.-J.-R. 68 Siegfried Sander, 20 I., Sohn v. Samuel S. u. Frau Bertha geb. Rosenthal, heerd. 6. 5. 17 i. N.; ein anderer Bruder ist früher gefallen. Herr S. ' hat seine beiden Söhne geopfert. 3608/19 Berlin: 1$. 4. 17 Siegbert Cohn, 19 I., einz. Sohn v. Elie C. u. Frau Berta geb. Kopp, Christburger Str. 5; Mitarb. d. Fa. Benno Norden. — 14. 4. Ldstrm. Hermann Hausen, 32 I., Wwe. Margarete H. geb. Steppat, Grüner Weg 44. — 19. 4. 17 Grenad. Richard Händler (sein Bruder Paul seit Nov. 1914 vermißt), S. d. Wwe. Minna H., Wilmersdorfer Str. 72, Mommsenstr. 30. — 22. 4. 17 ins. schwer. Verw. i. Sept. 1915 Gren. Arthur Jacobi, beerd. 6. 5. mitt. 12 Uhr i. Weißensee. — 22. 4. i. Felde Kan. Hans Lichtwitz, 19 I., Bruder d. Fr. Else L.-Harzgerode, Mitarb. d. Fa. Eisner u. Kirchheim. — Fritz Loewe, 20 I., Angest. d. Fa. Heinrich Stern & Co. — 25. 4. Grenad. Sallh Marcussohn, 41 I., Wwe. Marie M. geb. Loose, Ebertystr. 35, Mitarb. d. Fa. Carl Holz, Leipziger Str. 76. — 22. 4. i. Laz. Altena ins. e. i. Felde zugezog. Lungenentz. Unterosfz. Bankier Arthur Rothschild, 43 I., R. d. E. Kr. Nr. 8657, Sohn d. Wwe. Cäcilie R. ' geb. Rothschild. Den Heldentod fürs Vaterland starben; 5825/7 (Bresl. 330). 7. 11. i. W. i. e. Kr.-Laz., Unteroff. i. e. F.-A.-R., Jaques Grünfeld, 22, I., n. f. 4j. trst. Pflerf., an d. F. e. heimt. Krankh., Pflegesohn v. Max Fuchs' u. Fr. Erna geb. Gr., K.-Wilh.-Pl. 1, Angest. d. Met. Hüttenw. Schaefer & Schael. Ans der Provinz: Rosenberg O.-S.: 13. 10. i. F. an ht. Kr. Max Böhm, 21 I., S. v. Moritz B.; Schünlarrke: 4. 11. i. Res.-Laz. Stettin n. k. sch. Krankh. Ldstrm. Siegm. Rosenberg, 39 I., Wwe. Cläre geb. Fleischer; Posen: Nach 4j. trst. Pflichterfüllung im Felde verschied, wie bereits gemeldet, in einem Kriegslazarett an den Folgen e. Grippe Rechtsanwalt Dr. Max Theodor, Leutnant der Nef. und Batterieführ., Inhaber des E. K., im 32. Lebensjahre, Sohn des Gem.- Nabb. Dr. I. T. in Bojanowo. — Ein kerniger Soldat und begeisterter Patriot,- hat er seit Anfang des Kr. auf verschiedenen Kriegsschauplätzen dem Vaterlande mit hingebender Treue gedient, bis er ein Opfer des grausigen Weltenbrandes wurde. Ein Mann freudigster. Lebensbejahung und liebenswürdigsten Humors ist 'dahingeschieden. Aufrecht und vornehm im Wesen und Wirken, klug und besonnen im Denken u. jurist. Arbeit, versprach er, ein hervorragendes Glied der Pos. Anwaltschaft zu werden. Die Rechtsanwälte beim Landgericht hat die Nachricht von dem Tode tief erschüttert. Nur eine kurze Zeit der gemeinsamen Berufstätigkeit hatte ihn mit ihnen verbunden, als ihn zu Beginn des Krieges die vaterländische Pflicht aus der heimatlichen Wirkungsstätte ms Feld ries. Schon in diesen wenigen wenigen Monaten haben leine Verufsgenosfen die vornehme Auffassung von den Pflichten und Rechten des Standes, seine lv.ahrha.ft kollegiale Gesinnung und Betätigung schätzen gelernt. Ein ehrenvolles Andenken bleibt ihm gesichert. (Schluss äes Artikels „Der Herr Major hat sich gestellt" auf Seite 30.)