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Central-Verein-Zeitung · 1930-04-01 · Heft 4 (April 1930) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 4 (April 1930)
Date
1930-04-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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{ H — Verwundert mag sich der geängstigte deutsche Lehrer fragen,, was dies? Literatur mit den Gefahren für seinen- Stand- und seine Schule zu tun hat. Die „fortschrittliche^ Buchhandlung läßt die Frage offen; ihr lag \a nur daran, den Leser auf ihren antisemitischen Lein: zu locken. Schon damit hat sie verraten, wie sie die Intelligenz der Lehrer einschätzt. Diese Hochschätzung wirdnoch offensichtlicher, wenn wir uns die angepriesene Literatur etwas näher arischen. Mü den „Ernsten Bibelforschern" kommt nur ein alter Ladenhüter im Stile der „Weisen von Zion" zum Vorschein. Wir haben uns schon vor J.ahren mit -den diesbezüglichen absurden Behauptungen der Antisemiten beschäftigen müssen. Die ' „Ernsten Bibelforscher" sind nach ihrer Darstellung eine vondein amerikanischen Juden N u s s e l gegründete und geleitete und mit dem Gelde des amerikanischen Indem Hirsch finanzierte Gesellschaft,. die den Zweck hat, „durch eine den Juden günstige Auslegung der Bibel die christlichen Kirchen zu untergraben und die Weltherrschaft der Juden vorzubereiten".. Die „Ernsten Bibelforscher" le.ben. nun wirklich;: aber die Juden spielen innerhalb dieser Gesellschaft überhaupt keine Nolle. Wir berufen uns hier nur kurz undbündig auf die Feststellungen, des bekannten tallenser Theologen Geheim e n ates D. Dr., Friedrich Lo ofs aus dem Jahre 1925: Seinen wissenschaftlichen Forschungen zufolge ist der Begründer der „Ernsten Bibelforscher",. Rüssel, ein christlicher ante x vianischer Sektierer schottischirischer A b kunf t,. von Beruf Redakteur. Schon mit 1b Jahrenstellte er sich: der Welt als „geweihtes Kind Gottes" vor und prophezeite den Anbruch des „tausendjährigen Reiches". Kurz vor dem Kriege erschien er als' marktschreierischer. Apostelin Europa, auch in Deutschland. Seine Sekte greift die bestehenden Kirchen heftig an, schont aber die jüdische Religion. Der angeblich e j üdisch e Finanzier Hirsch existiert überhaupt nicht. Ganzneu sindauch die „Erkenntnisse" nicht, die Wieland in „Atlantis, Edda und B i b e V dem „staunenden Laien" vorträgt. Es haben, schon andere vor ihm sich bemüht, den Dünkel des „ausermähkten Volkes" durch den Nachweis zu dampfen, dast die Bibel nicht aus palästinensischem Boden gewachsen sei.. Hier wirdder Schauplatz zur Abwechslung einmal nach der sagenhaften Atlantis verlegt. Das erinnert an den geistreichen Wendrin, der vor einigen Jahren das Paradies in Mecklenburg gesunden zu haben glaubte. Man liest auch mit Interesse von dein Mondeinsturz vor' etwa 809000; Jahren (wirklich fünf Nullen) und von der 2 000000jährigen (sechs Nullen) arischen Wcltkultür. Alles exakt nachgewiefm. Auffallend erscheint nur, wo die arischen Todfeinde des jüdischen Geistes die talmvdistrfche Spitze findiAeit in der Auslegung der Bibel her haben. Dagegen erfahren wir wirklich. Nettes aus den geistreichen Untersuchungen von Jens Jürgens über den „Biblischen Mose s". Ueber Moses als Persönlichkeit, Staatsmann und Gesetzgeber ist ja schon viel geschrieben worden. Aber als „Pulver-, Sprengök- und D y n a m itfabrikant" hat ihn erst Jens Jürgens entdeckt. Diese technischen Künste hat der Jude den Aegyptern natürlich gestohlen, und damit sind auch seine verblüffenden Wunder zu erklären. So vor allein die „Darstellung seines schrecklichen Gottes aus dem Berge Sinai".. Als der ans Aegypten mitgebrachte Vorrat an Betriebsstoff. „alle geworden" war, wurde das Allerheiligste zürn .Laboratorium hergerichtet. Daher auch die Heimlichkeit! Die Bundeslade war nichts anderes als die Pulver- und Dynamitkiste. Die hauptsächlichsten Rohstoffe fürchemische Produkte waren Blut und Fett. Darum auch der Niesenverbrauch an Opfertieren.. Aus Blut und Asche machte Moses Kalisalpeter (KN03). Aus dem Fett machte er das Glyzerirröl (6g8g0Kg), das wiederum der Hauptbestandteil seines fürchterlichen Sprengwassers war, mit den: er u. a. den Felsen sprengte. Uebrigens haben auch Samuel und- Elia diese Chemikalien gekannt, und damit „das Feuer des Herrn" entzündet. Das sind also die Waffen, welche der Antisemitismus den deutschen Lehrern für ihre' geistigen Kämpfe zur Verfügung stellt. Wir Juden brauchen, uns um die Rückwirkungen dieser „Aufklärung" nicht ängstigen. Ob solche Hilfe aber der Lehrerschaft zur Ehre gereicht, das ist eine andere Frage. Wir wissen wohl, daß pro^- pagandistische Beilagen in Zeitungen und- Zeitschreisten rein geschäftliche Angelegenheiten der Verleger sind, für welche die Schriftleitungen nicht verantwortlich sind. Aber nach, den hier mitgeteilten Proben antisemitischer. Auftlärungsliteratur dürfte es doch wohl im Standesinteresse der Lehrer liegen, daß die verantwortlichen Schriftleiter auch dieser Seite des Zeitungsgeschäftes ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Nicht zuletzt auch, dassei nebenbei bemerkt, aus Rücksicht auf die jüdischen Leser der pädagogischen Blätter. MUelsebuUebrer vr. 8. Ltern. Artikel ll des nationalsozialistischen Programms. Theorie tttifr Praxis. „Abschaffung des arbeits- und mühelosen Einkommens, Brechung der Zinsknechtschaft" (Art. 11 des nationalsozialistischen Programms^ Erlaß, öes nationalsozialistischen putsch-Zinanzministers Ze-er aus -em Jahre 1923.: „Bis zur gesetzlichen Regelung des gesamten' Geld- und Kreditwesens werden alle Banken und sonstigen Geldinstitute ihres Privatrechtlichen und privatwirtschaftlichen Charakters entkleidet und unter Staatsaufsicht gestellt. Jede Veränderung, oder Verschiebung, der Vermögensbestände wird bestraft. Das Finanzfßmdtee; Gez. G. Feder." Anzeige aus -em „völkischen Beobachter" vom 9. stprkt 1930: Wir geben Parteigenossen gerne Meine langfristige Kr edite,. wenn. iangfristiges Geld auch genügend bei uns angelegt wird. Wir zahlen dafür bis- 10 O/o Zins p.a.— auch beute. Beamtenbank München 6.0. m. b. H.v.1906 Armiltetrasse 66/III / 9-4 Uhr Nüi/ilche (l.an'üMb’ttotlieS Lp.Mru.sth. Professor Vreöt über den Sigetttumsbegriss der MRlp. Professor D-. Dr. Viktor Nr edt (Marburg), Mitglied des Reichstags, der jetzt I tt ft I $ m i n i» ft c r t m Kabinett Br 11 nin, K geworben ist, veröfseirtllchts kUrzlkch in dev gaitfchrist „D a s Grundeigentum" (Derlag August Scherl G. m. b. p.)> einen Artikel, aus demwir nachstehend einige wesentliche Absätze, wiedergeben: „Es war bisher immer noch etwas unklar, wie die Nationalsozialistische Partei zmn Eigentumsbegrisf stand. In den Wahlreden, namentlich vor Kreisen des Mittelstandes, hörte man oft große Versicherungen über die. Eigentumssreundkichkeit der Partei, und es konnte zum Beispiel im Wahlkreise Düsseldorf-Ost häufig wahrgenommen werden, daß gerade die Hausbesitzer aufgefordert wurden: aus diesem Grunde die Nationalsozialistische Partei zu wählen« Jetzt scheint der Schleier endgültig gelüftet durch einen Aufsatz von Karl Wilhelm Meister in Heft 17, 1930der „Nationalsozialistischen Briefe" (herausgegeben von dem Neichstagsabgeordneten Gregor Straffer). Der Aufsatz heißt „Der organische Eigentumsbegrifs" und beginnt mit dem Abdruck des Artikels 17 des Nationalsozialistischen Parteiprogramms, der lautet: Wir fordern eine unseren nationalen Bedürfnissen an gepaßte Bodenreform, Schaffung eines Gesetzes zur unentgeltlichen Enteignung von Boden für gemeinnützige Zwecke, Abschaffung des Vodenzmses und Verhinderung jeder Bodenspekulation? Auf diesem Satze des Parteiprogramms baut sich, der weitere Aussatz auf. ,Der Nationalsozialismus muß, wenn er die bürgerliche Ordnung durchstoßen und nicht nur eine Revolte erregen, sondern einen neuen Staat schaffen, will, auch den Mut haben, die Ideen und Werke, die diese alte bürgerliche Welt des 19. Jahrhunderts stützen, ' zu vernichten, aufzulösen undan ihre Stelle' neue Werte zu setzen. Es wäre zuweilen wünschenswert, daß er sich dieser Aufgabe mit größter Schärfe und. Aktivität hingäbe', besonders, wenn das Parteiprogramm in einer bestimncken Frage noch auf diese Aufgabe hinweist/ ... Es wäre sehr wohl denkbar, daß eine Partei zwar den parlamentarischen Gedanken bekämpfe, daneben aber Den Gedanken der Privatwirtschaft und des Eigentums voll aufrechterhält. Dies war auch der Gedanke der ,völkischen' Partei, die seinerzeit mit den Nationalsozialisten zusammenging, dann aber aus dem Reichstage verschwand; diese Spaltung ging hervor aus einer Meinungsverschiedenheit in bezug aus die Eigentumssrage: Die ,Völkischen* wollten, den Eigentümsbegrifs erhalten, die. Nationalsozialisten nahmen eine andere Haltung ein. Es war nur noch nicht recht ersichtlichwie weit die Nationalsozialisten sich vom Eigentumsbegrifs entfernen wollten. Darüber werden wir aber jetzt belehrt durch den Artikel von Meister . . ." .. Das Programm der Nationalsozialisten übernimmt die Forderungen der ,Bodenreformer' in vollem Umfange, geht aber insofern noch darüber hinaus, als es seine Forderungen aus gewaltsamem Wege durchsetzen will, wäh? rend die ,Bodenresorrner' dies nur im Wege der Gesetzgebung erreichen wollen. Wie sehr es aber den Nationalsozialisten um ihre Sache zu tun ist, dies mag zum Schlußfolgender Satz aus dem Artikel der IaLionalsozialistischen Briefe' zeigen: ,Wer dem Artikel 17 (des Parteiprogramms) nicht die denkbar radikalste Auslegung gibt, kennt nicht den umfassenden Wert, der, historisch und logisch begründet, in ihm liegt. Wer das Bewußtsein dieses Wertes hat, erkenntaus der anderen Seite deutlich, daß dem bürgerlichen Eigentumsbegriff ihrem Wesen nach antivölkische- Ideen zugrunde liegen und daß er in dieser Gestalt eine wesentliche Voraussetzung der schrankenlosen kapitalistischen Entwicklung darstellt.' . . . Die ganze Einstellung der Nationalsozialisten erscheint nach diesem Artikel derartig eigentumsfeindlich, datz die Hausbesitzer ihre innere Einstellung zu dieser Parket danach nehmen müffen!-..."

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