Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1930-04-01 · Heft 4 (April 1930) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 4 (April 1930)
Date
1930-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2571117-2571168-2571172--449-2571781
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

«ntral «rein Blätter für Heutfrktum und Judentum Nlonatsausgabe ^prtt 1-3d tzryan tes tenlralVereiasöeutfetter^ EtaatsbüryerMvifeken ölaudens e.v. ^Utzemeine 2situnH clss luäsnturns Angriff auf den gefunden Menschenverstand. wer trägt „Partekpolitlk" in -ie Schüler Wir kennen bereits den Ton zur Genüge, den die nationalsozialistischen Schüler, Jungen im Alter von 14 bis 19 Jahren, in Wort und Schrift in eigenen und gegnerischen Versamm- . lungen anzuschlagen Pflegen. Wir wissen auch, wie diese Jugend, der das kommende Deutschland gehören soll, den bestehenden Staat verunglimpft und ihre Träger lächerlich zu machen sucht. Ein Blick in die Apr.ilnummer des in diesen Spalten schon mehrfach erwähnten Organs der nationalsozialistischen Schülerbünde, des „Aufmarsch", der sich im Untertitel anmaßend „Blätter der deutschen Jugend" nennt, genügt, uns in unserer Ueberzeugung zu bestärken. Wegen Teilnahme an einem nationalsozialistischen Ueberfall auf Reichsbannerleute in Röntgental im Norden Berlins war kürzlich ein Unterprimaner von der Schule verwiesen worden. Gleichzeitig wurde sämtlichen Schülern dieser Anstalt die Zugehörigkeit zum Nationalsozialistischen Schülerbund untersagt. Was Lut der „Aufmarsch"? Er dreht den Spieß um! Er> bringt wohlweislich kein Sterbenswörtchen von dem wahren Anlaß des ausgesprochenen Verbots. Vielmehr benutzt er die Gelegenheit, um den Leiter jenes Gymnasiums, der nichts als seine Pflicht tat, in niederträchtiger Weise zu beschimpfen und damit den erwiesenen Sachverhalt zu vertuschen. - In großer Aufmachung, sch warzum rändert, todesanzei genähnlich verkündet der „Aufmarsch": „Im Dienste Frankreichs! ' In der Heinrich - Schliemann ° Schule, 33crltn N, Eleimstraße 49, wurden am Donnerstag, 13. März, um 12 Uhr, sämtliche Schüler in die Aula gerufen. Daraufhin erklärte in »feierlicher' Ansprache Herr Oberstuoiendirektor Dr. Paul Hildebrandl, einer jener Leute, die sich besonders stark an der Hetze der jüdischen »Vossischen Zeitung' gegen die deutsche Jugend beteiligt hatten, daß er es von nun ab jedem seiner Schüler verbiete, dem »Nationalsozialistischen Echülerbund' anzugehören. D e u t s ch e I u n g e n und Mädel! Das geschah einen Tag nach Annahme des Young- Planes! Erst wirft man euch in Ketten und dann verlangt man, daß ihr die Versklavung mit Schafsgeduld ertragt! ..." So fteht's auf Seite 9! Danach gewinnt es den Anschein, als ob der von der Anstalt verwiesene Schüler durch seine Mittäterschaft an dem Ueberfall bewiesen habe, daß er es mit Die Lehre vom zersetzenden jüdischen Geist ist bekanntlich die hauptsächlichste und wirksamste Waffe der antisemitischen Intellektuellen. Wo das Ritualmordmärchen oder der Knüppel des Nationalsozialisten versagt, tut die Angst vor der jüdischen Wühlarbeit gegen Geist und Moral der „Wirtsvölker" immer noch 'seine Wirkung — so spekulieren die antisemitischen Generalstäbler und ihre Feldwebel. In dem Kampf gegen die jüdische Gefahr für den deutschen Geist hat nun eine gewisse Spielart des Antisemitismus nach dem alten Rezept, den Teufel durch Beelzebub auszutreiben, eine Giftgastechnik entwickelt, die dem gesunden Menschenverstand nickt weniger abträglich erscheint wie die jüdische Methode. Unserem angeblichen „Raffinement" stellt der Antisemitismus bewußt seine.„Primitivität" entgegen. Und da er uns in der Beherrschung der Psychologie der Dummheit zweifellos überlegen, ist, ist er vom Endsieg überzeugt. Im Vertrauen auf die Sieghäftigkeit seiner Methode, macht sich nun der „geistige" Antisemitismus auch an die deutschen Lehrer heran. Vor einiger Zeit lag einer Reihe führender Lehrerder Bekämpfung des „Systems von Weimar" ernst meinte, als ob er zn Unrecht bestraft und das Verbot zu Unrecht ausgesprochen worden sei.. Zwei Seiten weiter wird zu dem Verbot des Nationalsozialistischen Schülerbundes in der Provinz Hannover Stellung genommen und dabei ein Ministerialerlaß von 1925 zitiert, in dem es sinngemäß heißt: Die Schule ist nuv berechtigt einzufchreiten, wenn die Schüler die ihnen gewährleistete Freiheit mißbrauchen. Amtliche Erlasse kann man schwer in mißzuverstehender Fassung wiedergeben. Sonst wäre auch hier vielleicht der Versuch unternommen worden, den wahren Sinn der Verfügung zu entstellen. Das ist glücklicherweise unterblieben! Und damit haben die „Herren" vom Nationalsozialistischen Schülerbund unumwunden zugegeben, daß Schüler unter den genannten Umständen von der Schule verwiesen werden können. Warum also die wutschnaubende Schimpferei ob des Verbots des Nationalsoziazeitungen ein Prospekt der „Fortschrittlichen Buchhandlungen, München, Ottostraße 1" bei, der sich „vertraulich" (!!) „An die deutsche Lehrerwelt" wendet. Was hat eigentlich die „fortschrittliche" Buchhandlung den Lehrern so „vertraulich" zu sagen? Nun, auf der Vorderseite des roten Waschzettels so allerlei, was zurzeit einem großen Teil der deutschen Lehrer wirklich Beklemmungen verursacht: 'die bereits abgeschlossenen und geplanten Konkordate mit den Kirchengemeinschaften, die angeblich kommende Konfessionalisierung der Volksschule, d. h. „die Zerstörung der deutschen Staatsschule, ihre Auslieferung an die Kirche und die gewollte Vernichtung des deutschen Lehrerstandes". Dagegen gibt es nach der Meinung einer „fortschrittlichen" Buchhandlung natürlich nur ein Mittel: „Aufklärung des Volkes über 'die geschichtliche Wahrheit". Und dazu werden die nachfolgenden Schriften empfohlen: „A t l a n t i s, E d d a u n d Bibel" von Hermann Wieland; „Der biblische Moses" von Jens Jürgens, und endlich „Ein Riesenverbrechen am deutschen Volke und die Ernsten Bibelforscher" von H a n s L i e n h a r d t. listischen Schülerbundes an der Heinrich-Schliemann-Schule? In einem in derselben Nummer erschienenen Aufsatz „Schul- und Erziehungsarbeit" heißt es: „... Ich möchte hier nur ein Beispiel sagen, wie der nationalsozialistische Schüler sich praktisch betätigen kann. Es ist doch sicher ans jeder Schnle möglich, daß irgendein Schüler Fühlnng nimmt mit dem Herrn des Kolleginms, der die Schulbüchereien verwaltet. Dnrch andanerndes indirektes. Arbeiten kann hier der Schüler bestimmt großen Einfluß ans die Zusammenstellung der Bücherei ausüben und kann den immer größer werdenden jüdischen Einfluß zurttckdämmen." Aber wie könnte man es wagen, solche „Erziehungsarbeit" Parteipolitik in die Schule tragen zu nennen? Geschweige denn, wenn man in dieser für Schüler höherer deutscher Lehranstalten bestimmten Zeitschrift „Stimmen" nationalsozialistischer Führer über Hindenburg. veröffentlicht findet, in denen es heißt: „Für Hindenburg ist Horst Wessel' nicht gefallen" (Alfred Rosenberg im „Völkischen Beobachter")/» oder: „Herr von Hindenburg hat sich selbst zum Noung-Patrioten gestempelt" (Dr. Goebbels im „Angriff"). „Stimmen", die jeder anständige Deutsche stets aufs schärfste verurteilen muß. —Hi— AUS DEM INHALT: Dr. A. Eckstein, Rabbiner i. R. (Bamberg): Der Herr Major hat sich gestellt* S* 27* - Dr. Felix Goldmann (Leipzig): Das Blut in jüdischem Schrifttum und Brauch. S. 29. - Gustav Weidmann (Stuttgart): 25 Jahre Schwesterndienst. S. 30. - Professor Dr. Walter Goetz (Leipzig): Jud Süss♦ S. 3i. mm m

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.