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Central-Verein-Zeitung · 1930-03-01 · Heft 3 (März 1930) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 3 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Hindenburgs Aufruf an das deutsche Volk und sein Widerhall in der Presse Reichspräsident von Hindcnburg hat zum gesamten deutschen Volke und insbesondere zur-deutschen Jugend gesprochen. Rein menschlich sagt er uns, dass er es als Unwürdig empfindet, eine Verantwortung entscheidender Art von sich abzuschieben. Lernen wir daraus: Liebet die Wahrheit, aber liebet nicht die feige Ruhe! Hindenburgs Mahnung liegt in einem Doppelten: Halten wir uns jederzeit vor, welche Pflichten wir gegenüber dem Vaterland und der Nation haben, und sorgen wir, dass alle Deutschen das Trennende und Gegensätzliche dadurch überwinden, dass sie sich im gemeinsamen Wirken fiir unsere Zukunft zusammen finden. Sollen diese Worte nicht nur leerer Schall bleiben, so müssen in vielem die Parteigrenzen überwunden werden. Und hier liegt für uns die grosse Aufgabe: Lassen wir uns aus keinem Lager die Freude an unserer Aufgabe, nämlich dem Dien st am inneren Frieden, verleiden. Wie weit wir von diesem inneren Frieden noch entfernt sind, mögen nachstehende Aeusserungen nationalsozialistischer Führer und nationalsozialistischer Zeitungen beweisen. Diese Aeusserungen zeigen einen solch unerhörten Tiefstand des politischen Kampfes und eine so ungewöhnlich aggressive Stimmung, dass sie jeden Menschen von anständiger Gesinnung darüber aufklären müssen, w elcher Geist diese „Retter Deutschlands“ in Wahrheit beseelt. Der nationalsozialistische Neichstagsabgeordnete, Hanptmann a. D. Goering, erklärte am 11. März in einer Versammlung in Berlin-Schöneberg: Das Tollste auf diesem Gebiet hat sich heute im Reichstag abgespielt bei der Abstimmung über den Young-Plan. Bis auf Wenig aufrechte, Wirklich deutsche Männer haben fast ausnahmslos alle .Vertreter des deutschen Volkes* ' Zugestimmt' Und diese Verlumpung hat bereits die höchsten Stellen in Deutschland ergriffen und sie schuld Werden lassen am Verrat am deutschen Volke durch Bearbeitung der Verantwortlichen Männer. Hindenburg scheint ganz vergessen zu haben, welche Parteien ihn auf seinen Platz erhoben haben, daß es die Nationalen gewesen sind, die er jetzt durch Bearbeitung des Zentrums in gemeinster Weise verraten hat. Daher sei mit dem. heutigen Tage das Tischtuch Zwischen den Nazis und Hindenburg endgültig zerschnitten'. Aus Hochachtung ist Haß geworden, ein Kampf bis aufs Messer ist entbrannt, in dem es ein Zurück nicht mehr geben kann. Der nationalsozialistische Reichstagsnbgtovdnete Goebbels überbietet diese Hetze noch in einer Versammlung am 14. März in Berlin-Wedding. Er erklärt dort u. a.: Durch dieses Eingreifen ist das Tischtuch zwischen dem Reichspräsidenten und den Nazis zerschnitten, die große Attrappe sei zerfallen, nur noch Haß tonne das Empfinden gegen ihn sein. Hindenburg hat aufgehört, ein Mann, eine achtunggebietende Persönlichkeit zu sein. . . . Dazu dann noch die niederträchtige Mahnung an das deutsche Volk, um die Unterschrift zu begründen. Jeder einzelne Satz sei eine Niederträchtigkeit. ... Es wäre ein Skandal, daß ein Mann von über 80 Jahren, der schon mit einem Bein tut Grabe stehe, Generationen, die noch nicht einmal geboren seien, derart versklavt hätte. . . . Die langersehnte Freiheit sei auch so ein Gebilde, das nur im Gehirn eines Greises bestehen könnte. . . . Und nun in der großen Schule der Pflichterfüllung, tu der Armee*, da habe Hindenburg scheinbar nichts gelernt. Später nennt, er ihn den Marsch all „V o r w ä r t 8", d. h. den Marschall für den „Vorwärts", und bezeichnet die Tatsache, daß Hindenburg zur Einigkeit des deutschen Volkes mahne, als eine Dreistigkeit. Dann sagt Dr. Goebbels: Für ein Deutschland über alles* im Hindcnburgischen Sinne bedanke sich das Volk. Wie diese unerhörten Angriffe der Führer bei den nationalsozialistischen Anhängern wirken, dafür sind ein deutlicher Beleg die Zwischenrufe, die, in dieser Versammlung fielen und die weder von den: Versammlungsleiter noch voll Dr. Goebbels selbst gerügt wurden. Einer der Zwischenrllfer rief: „Hindenburg hat Gehirnerweichung, er ist völlig verblödet!" Ein anderer rief, als der Name Hindenburg zun: ersten Male fiel: „dieser Verräter". Den Vogel schoß aber ein dritter Zwischenrufer ab, der sich nicht scheute, die ungeheuerlichste aller Verleumdungen in die Welt zu setzen, indem er rief: „Hindeliburg hat für die llnterschrift unter dein Doung-Plan von den Sklareks Geld bekommen." Die nationalsozialistische Presse ist natürlich auch nicht müßig. Nach dem geschmacklosen Vorbilde der „Deutschen Zeitung" bringt auch, der Jngolstädter „Donanbote" die Tatsache der Unterzeichnung des Uoung- Plaus durch Hindenburg mit einem großen Trauerrand und der Ueberschrift: „Wehe, Hindenburg, wehe!!" Der „Völkische Beobachter" nennt Hindenburgs Botschaft ein „Dokllnlent des schlechten Gewissens" und schreibt dann in Fettdruck: „Der Staatsgerichtshof des kommenden .Dritten Reiches* wird die Köpfe derjenigen fordern, die diese Gesetze mit ihrem Namen gedeckt haben." In einer späteren Nummer (Nr. 63) des „Völkischen Beobachters" schreibt dann dessen Chefredakteur Rosenberg einen Artikel mit der Ueberschrift: „Hindenburgs Abschied von Deutschland." Darin heißt es: „Wir stellen ohne jede Sentimentalität fest, daß der Reichspräsident von Hindenburg Abschied von Deutschland genommen und sich für die Poung-Kolvnie entschieden hat. Deshalb hat das erwachende Delltschland allch Abschied von ihm genvllllllell." Die Zeitllng des nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Gregor Straffer, „Der Nationale Sozialist" bringt in ihrer Aufgabe von: 16. Mürz am Kopf des Blattes eine Karikatur Hindenburgs mit folgendem Begleittext: „Reichspräsident von Hilldenbllrg hat durch seine Unterschrift die Versklavungsvertrüge in Kraft gesetzt. — Für uns ist Hindenburg damit gestorben." Die maßloseste Hetze aber .entfaltet natürlich wieder der „Angriff" des Dr. Goebbels. Dort heißt es in Nr. 22 in einer politischen Wochenschau des Herallsgebers: „Herr voll Hindenburg hat sich selbst zlml Poung-Patrioten gestempelt." Dabei ist Herr Dr. Goebbels inkonsequent genug, um wenige Sätze vorher sestznstellen, „daß inan zuviel voll Hindenburg verlangt, lveml mall fordert, er solle die Unterschrift -unter die Haager Geschäfte verweigern." In einem anderen Artikel, der sich nur gegen Hindenburg richtet, und die kennzeichnende Ueberschrift: „Laßt schlafen nun den Alten!" führt, heißt es: „Tie Bahn, die die nationale Opposition jetzt 31t gehen hat, ist nunmehr ganz klar und unzweideutig vorgezeichnet. Hindenburg ist der Chef der . deutschen Erfüllungspvlitik geworden. In seinem Namen wird in den künftigen Jahren das Millwnenheer der Arbeitslosen hungern. In seinem Namen werden Zehntausende alljährlich sich in ein besseres Dasein hinüberstehlen, weil ihnen die Hölle des Daseins im Young-Deutschland unerträglich erscheint. In seinem Namen werden deutsche Bauern von Haus und Hof Vertrieben, werden Millionen noch ungeborener Kinder hingemordet werden, weil sie in diesem Detttschland nicht Atem, Lust noch Raum finden. Herr von Hindenburg hat entschieden, * auf welche Seite er sich stellen will. Er hat die Seite derjenigen gewählt, die Deutschland ans immer unter das Sklavenjoch zwingen wollen." In der „Dialektecke" der gleichen „Angriff-Nummer endlich wird noch um einen Ton robuster und gemeiner gegen Hindenburg gehetzt. Auf der Titelseite bringt der gleiche „Angriff" einen Artikel mit der Schlagzeile „Landesverrat", in dem unter Hervorhebung des Namens Hindenburg der Erlaß des Nepnblikschutzgesetzes und seine bevorstehende Unterzeichnung durch Hindenburg gekennzeichnet wird. In der „Ueberbündischen Wochenschrift der deutschen Jugend", „Die Kommenden", herausgegeben von Ernst Jünger und Werner Laß, 5. Jahrgang, 12. Folge, vom „21. Lenzmond" 1930, schreibt Detlef L n e r s s e n eine „Absage an Hindenburg!". Darin heißt esu. a.: „Herr v. Hindenburg hat die Verantwortung übernommen. — Er die Verantwortung? Kann ein Greis denn überhaupt die Verantwortung fürderartige Abmachungen übernehmen? Kann ein Greis verantwortlich zeichnen für eine Jugend, deren Mannesalter er nicht mehr erleben wird? Wie lange, so fragt die Jugend, glaubt denn der Reichspräsident, daß er noch leben werde? Sechzig Jahre? Nimmermehr! Er wird es nicht mehr miterleben, w i'e fürchterlich sich seine Unterschrift auswirkt. Drei Jahre Atempause für unsere Wirtschaft, daran setzt er sechzig Jahre Zukunft des Reiches. Denn keine andere Besserung bringt der Young-Plan. Nach drei Jahren wird das Kartenhaus zusammenbrechen, mutz es zusammenbrechen Herr v. Hindenburg wird dann vielleicht nicht mehr sein. Aber wir werden voraussichtlich noch sein! Und wir sehen den Tag kommen, an dem Der Fluch eines ganzen Volkes über das Grab eines alten Mannes hinweggellt . . . Zn wem wagt Herr v. Hindenburg denn so etwas überhaupt zu sprechen? Zur Jugend etwa? Nein! Solche Redensarten ziehen heute nicht mehr. Der Nimbus deS Namens Hindenburg ist vom Träger dieses Namens und seiner Umgebung vertan worden. Das hilflose Gestammel des Reichspräsidenten läßt nns kalt. Young — diesen Namen werden wir stets wie einen Fluch auSfprechen. Aber mit diesem Namen ist der Name Hindenburg auf ewig verknüpft ..." Diese Blttienlese könnte beliebig vermehrt werden.

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