Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 3 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Lungen übersehen aber, das; nicht nur „mehrere -Minsker Rabbiner", sondern miclj der Metropolit Sergius, und zwar dieser schon vorher, gegen den päpstlichen Appell Stellung genommen hatte. Jeder unbefangene Leser, der auch nur eine Ahnung von den Zuständen in Rußland hat, mußte zwischen den Zeilen lesen, daß die beiden Proteste sicherlich nicht ganz freiwillig entstanden sind. Es ist natürlich der russischen Regierung nicht angenehm, daß ihr Borgehen gegen die Kirchen einen so starken Widerhall in der ganzere Welt findet. Die Zeitung „Der Mittag" in Düsseldorf dürfte daher auch mit ihrer Feststellung recht haben: „Es bedarf keines besonderen Scharfsinns, um zu' erkennen, daß der Wortlaut dieser Kundgebung (der Rabbiner) genau so wie des Erzbischofs Sergius von der G. P. 1t. aufgesetzt worden ist. Niemand im Ausland wird sich davon täuschen lassen." Auch der Direktor der Exekutive des American Jewish Congress, Bernard G. Richards, veröffentlicht, wie wir der Jüdischen Telegraphen-Agentnr (ITA) entnehmen, eine Er- Jn der Letzten Sonntagsnummer des „Berliner Lokalanzeigers" finden wir einen Aufsatz, der sich unter anderem auch mit der Beschmutzung von Gotteshäusern in Berlin beschäftigt. „ . . . Die Kundgebungen gegen die Kirche, die mu 19. März nach der Aufforderung der - Bvlschewistenblätter veranstaltet wurden, haben dazu geführt, daß die Kirchenmauern mit riesigen Inschriften in roter Farbe besudelt, daß an den Wänden Schmähungen gegen die Geistlichkeit angebracht wurden. Es ist hier nicht der Ort, alle Zerstörungen aufzuführen, die in bübischer Werse gegen Kirchengebäude verübt wurden. Der Berliner Leser kennt diese traurigen Vorkommnisse zur Genüge arrs der Zeitung. Aber der Trauer und-dem Schmerz darüber soll Ausdruck'gegeben werden, daß derartiges in Berlin, einst die Stadt des Lichts und freiheitlichen Denkens, überhaupt möglich ist. Welcher Wandet der Zeiten, welcher Niedergang der Sitten! . . . Die Polizei hat bisher bei der Ertappung der Frevler, der berüchtigten Klebekolonnen, keine glückliche Hand gehabt. Die Bürgerschaft hat aber ein Recht darauf, daß ihre Gotteshäuser, ob Tag oder Nacht, gegen derartige verbrecherische Angriffe geschützt werden. Begrüßenswert ist es, daß sich aus der Zahl der Gemeindemitglieder bereits freiwillige Wachen gebildet haben. Nichts ist freilich so kennzeichnend für die augenblickliche Unsicherheit in politischer Beziehung, als daß die Einberufung Freiwilliger zum Kirchenschutz notwendig ist. Die neue Kultur! . . Mit vollem Recht hat der „Berliner Lokalanzeiger" diese Untaten kommunistischer Schmierfinken gegeißelt; es ist dem Herrn Artikelschreiber, obwohl die Nachrichten durch die ganze Presse gingen, aber leider entgangen, daß auch N a t i o n a l s o z i a I i fl e n als gemeingefährliche Schmierfinken geraume Zeit in der Reichshauptstadt ihr Unwesen trieben. Die nationalsozialistische Führung hat oft genug verflicht, die Schuld von Angehörigen ihrer Partei bei der Schändung jüdischer Kultstätten abzuleugnen. Man denke an Hitlers pathetische Entrüstung in Schweidnitz, an Strassers mißglückte Versuche in Oranienburg und an die nationalsozialistische Presse, wie die „Nelle Front", die „Neichssturmfahne", die sich sogar so weit verstiegen, die Täterschaft jüdischen Provokateuren zuzuschreiben und zu behaupten, daß Friedhofsschändungen u. dgl. von „geklärung, ill der die Authenzitat dieser Rabbinererttärung bestritten wird. Er weist nus Widersprüche in dieser angeblichen Ableugnullg hin und lellkt die Aufmerksamkeit auf ein vor mehreren Jahren voll 31 russischen Rabbinern in Minsk erlassenes ähnliches Dokument, das, lvie später enthüllt wurde, unter einem seitens der Behörden ansgeübten Druck unterzeichnet wurde. * Die vorstehend gemeldete Bemalllng der Shllagoge und des katholischen Pfarrhauses in Hannover wie der evangelischen unb katholischen Kirche in Berlin werfen ein starkes Schlaglicht auf die politische Natur auch der russischen Kirchenverfolgungen. Die deutschen religiösen Kreise aller Richtungen sollten sich rechtzeitig der ganzen Tragweit dieser Bewegung klar werden. Es bedarf keiner beonderen Erwähnung, daß wir über die Beudelungen der evangeischen und katholischen Gotteshäuser genau so empört sind wie über die Schändungen jüdischer Kultstütten. kauften Mietlingen" ausgeführt worden seien. Diese Ableugnungstaktik ist nun endlich als ein unwahr-hastiges Manöver entlarvt loorden. Durch die Presse ging bereits die Notiz des Berliner Polizeipräsidillnls, daß vier der Burschen, die die Shllagoge am Kottbusser Tor lllit zinnoberroter Anilinfarbe beschmiert haben, llach vierwöchentlicher umsichtiger Arbeit der Berliner Kriminalpolizei gefaßt worden sind. Seheil lvir uns diesen Fall näher an. Während man int' allgemeinen annimmt, daß es sich bei solcher Art von Attentätern um heruntergekommenes, lichtschelles Gesindel handelt, für dessen Rolvdytlnn keine Partei verailtlvortlich 31t machen ist, muß in diesem Falle festgestellt lverdell, daß der Bäckergeselle W ü st e ll b erg, der Stellmachergefelle Otto Rnba, der Bäckergeselle Karl Meckelb ll r g und der Koilditor Erich D ö h r i n g, die all der Synagogenschändnng beteiligt sind, keilleslvegs arbeitslos sind, sondern i h r e ll B e r ll f aus ü b e ll u n b ä ußerli ch eine ll d n r ch a il s w 0 h l e r z 0 g e it e n Eindru ck m a ch e ll. Sie haben ill der Sturmabteilung 27 der NSDAP., die der Standarte 4 untersteht, eine ausgezeichnete Ausbildung genossen: sie leugneten standhaft, bis sie ü b e r - f ü h r t w a r e n. Uebrigens gehörte auch die Stllrntabteilllng 29, auf dessen Konto die grallsigeli Bluttaten in Röntgental 31t setzen sind, zur Standarte 4 (Görlitzer Bahnhof). Wie k a m e n äußerlich w 0 h l e r z 0 g e n e I u il g e ll d a r n u f, die Synagoge zu besude l ll? Ans der Pressenotiz könnte man entnehinen, die Bnrschell hätten auf einem „Lulnpenbatt" im „Wieiter Garten" etlvas über den Dllrst getrmlkell nlld ihre Tat unter starker Einwirkung des Alkohols ansgeübt. Das ist durchaus nicht der Fall. Im Polizeibericht heißt es: Der „Wiener Garten", Wiener Straße 10, ist, wie alls dem Mittellungsbatt der NSDAP. Sektion Südost, herausgegeben voll der Sektionsleitung, hervorgeht, Geschäftsstelle der Sektionsleitung, die dort telephonisch 31t erreichen ist und ihre Sprechstunden abhält. Die Burschen hatten Farbtöpfe Und Pinsel vor Beginn des Lumpenballes in dem Parteilokal, „Wiener Garten", untergestellt' sich mit ihren Parteigenossen bis drei Nhr morgens die Zeit vertrieben, ohne Alkohol zu sich zu nehmen. Lanöesverban- Hessen-Nassau unü Hessen. Wlr bitten alle diejenigen Empfänger nnferer Morratsarisgave, die unseren Fragebogen nicht beantwortet haben, um gefällige Benachrichtigung mittels Postkarte, ob die tostenlose Zusendung der „C. B.-Zeituug" weiterhin erwünscht ist. Adresse r Frankfurt a. M., Steiuweg 9, Zimmer 111. mld bann unauffällig den etwa zehn Minutell langen Weg bis zur Synagoge angetreten. Einige derselben standen Schnliere, denn' die Sicherung der Kottbusser Brücke vor Begiull des Bubenstreiches zeigt, wie eifrig sie dem Jnstruktionsunterricht ill ihrer Sturmabteilling gefolgt lvaren. Die Sicherung klappte vorzüglich, so daß sie eine Stunde lallg, bis der letzte Tropfen Anilinfarbe verschmiert war, ihre Arbeit zu Ende führen konnten. A u ß e r 0 r d e n t l ich w i ch t i g i st die F e st st e l l u n g, d a ß d i e B u r s ch e n, nachdenr sie sich zu dein Eingeständnis der Tat bequernen mußtell, offen zugestanderr Haben, f i e Hütten a u s I u d e n h a ß gehandelt. Als sie nämlich gefragt wurden, weshalb sie denn zehn Minuten lv eit gegangen seien, ll m gerade die S y n a g 0 g e z ll b e s ch m i e r e n , erklärten sie, daß sie aus ihrer a n t i s e m i t i - scheu G e s i n n u n g h e r a u s durch die Aufschriften: „Juda verrecke! Juda den Tod —Die Rache naht!" den I u d e n eins a u s w i f ch e ll wollten. Es besteht in diesem Falle also gar keilt Zweifel darüber, daß hier von Haus aus anständige, berllfstatige Handwerkerjungen durch die Lektüre nationalsozialistischer Zeitungen, durch wiederholten Besuch nationalsozialistischer Versammlungen mtd durch ihre Einquartierung bei einem dem Nationalsozialismus sehr nahestehenden Wirt zu dieser Synagogenschändung reis gemacht worden waren. Zweifellos hat auch der fünfte Täter, ein arbeitsloser Kaufmann Rudi Steinle, gleichfalls eine Zierde der Sturmabteilung 27, der sich noch verborgen hält/ einen schlechten Einfluß auf die vier jungen Menschen gehabt. Man kann der Berliner Polizei nur herzlich dankbar sein, daß sie die Nachforschungen so eifrig durchgeführt hat. In diesem Falle werden auch die Verdrehungskunste der Führung der NSDAP, und ihrer Presse nichts nützen. Artur Schweriner. „Ghristliche Friedhöfe werden nicht geschändet, sondern jüdische. Die das ausführen, sind — nein, Christen sind es natürlich nicht. Aber doch „Christen“ vermutlich ihrer äusseren Zugehörigkeit nach, getaufte, konfirmierte oder gefirmelte Zugehörige christlicher Kirchen. Man wird kaum fehlgehen, wenn man annimmt, dass die offiziellen Vertretungen des christlichen Volkes, am Ort überall irgendwie ihren Abscheu ausgesprochen haben. Aber nachgerade genügt es dieser Epidemie gegenüber nicht. . . . uns dünkt, es wäre Zeit, dass Deutscher Evangelischer Kirchenausschuss, Evangelischer Bund usw* sich der Ehre der evangelischen Christenheit in dieser Sache annehmen sollten.“ Aus der „Christlichen Welt“ Nr. 4 vom 15. Februar 1930. Am 21. Februar berichteten wir über die Schändung der Synagoge Kottbusser Tor in Berlin, die in der Nacht vom 15. zum IS. Februar mit Hakenkreuzen und Inschriften beschmiert worden war. Es ist jetzt gelungen, als Täter fünf Nationalsozialisten zu ermitteln.