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Central-Verein-Zeitung · 1930-03-01 · Heft 3 (März 1930) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 3 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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*9 Ser „Kamps" gegen unsere GottesWser nud ArleWse. FriedhofSschändungen in Fußgönnheim, LichtenfelS, Rödingen. Synagvgenschändung in Labiau. Der Revolverheld von Hannover gefaßt - und die Hannoversche Synagoge schon wieder gefchändet. Die Berliner Synagogenschänder sind Nationalsozialisten. Die aus ddr Volksverhetzuna entstehenden FriedhosS- und Synagogenschändungen nehmen kem Ende. Noch sind die letzten Friedhofsschändungen ungesühnt, und schon wieder häufen sich die Meldungen über rleue Untaten. In immer rascherer Folge mehren sich die Fälle, in denen Jugendliche, ja sogar Kinder, jüdische Friedhöfe und Synagogen schänden. Die Nationalsozialisten lehnen in solchen Fällen die Verantwortung für die Tat ab, und es ist häufig auch schwer, den unmittelbaren Zusammenhang festzu stellen. Es erhebt sich aber doch die Frage: weshalb lassen diese Krnder gerade ihren llebermut an jüdischen Friedhöfen und Gotteshäusern aus? Doch zum mindesten, weil ihnen die Ehrfurcht vor diesen geweihten Stätten fehlt, die ihnen in Schule und Elternhaus ebenso gelehrt werden müßte, wie die vor den christlichen Heiligtümern. Wenn aber in völkischen Schülerbünden, Schülerzeitungen, in Anschlägen, Vorträgen u. dergl. die Juden und die jüdische Religion als vogelsrei und bekämpfenswert hingestellt werden, dann sind auch diese Kreise moralisch verantwortlich für die Taten, die aus ihren Worten folgen. FutzgöttNheim. Auf dem alten israelitischen Friedhof wurden etwa dreißig Grabsteine umgeworfen. Die Täter konnten noch nicht festgestellt werden; angeblich sollen sie bereits Mitte Januar beinr Fußballspielen die Mauer überstiegen und im jugendlichen Ilebermut die Tat begangen haben. Lichtenfels. Fremde, die am 6. März die Gräber ihrer Angehörigen auf dein Lichtenselser jüdischen Friedhof besuchen wollten, fanden acht Grabsteine nmgeworfen. Die Nachforschnngen nach den Tätern hatten bisher noch keinen Erfolg. SB« MWH MM Rödingen. In der Nacht vom 13. zum- 14. März wurden auf bem jüdischen Friedhof in Rödingen, Kreis Jülich (Rheinland), vierzehn Grabsteine umgeworfen ltnb zum Teil erheblich beschädigt. Am Abend vorher hatte in Rödingen eine nationalsozialistische Versammlung stattgesunden. Auf die Ergreifung der Täter sind 200 Mark Belohnung ansgesetzt worden. Labiau. Der Zaun der Synagoge wurde in zwei verschiedenen Fällen erheblich beschädigt. Das Holzgitter wurde aus den gemauerten Pfeilern heransgerissen und eine Reihe der schweren Pfeiler umgestoßen. Beide Male erfolgten die Schändungen in Nachten nach völkischen Versammlungen. Als Täter konnten der 18jährige Bureaugehilfe Willi Nentel vom Arbeitsamt, der Schlosserlehrling H o f f k e und der Elektrikerlehrling Schlösser festgestellt werden. Hannover. Wie wir in der Februar-Ausgabe berichtet hatten, war der Gottesdienst in der Hannoverschen Synagoge durch Schüsse gestört worden. Inzwischen konnte der 21jührige Matrose W ü st n e r als Täter festgestellt werden. Bei seiner Festnahme gab er an, daß er antisemitisch eingestellt sei und häufiger nationalsozialistische Versammlungen besucht habe. Wüstner hat den Knall in dem Vorraum der Synagoge durch zwei Revolverschüsse verursacht. Den Revolver hat er sich zu diesem Zweck besonders geliehen. Vier Jugendliche haben ihm bei dieser Heldentat geholfen. In der Nacht vom Dienstag, dem 18., zu Mittwoch, dem 19. März, wurde am Hauptpseiler der hiesigen Synagoge folgende Inschrift in werßer Farbe angebracht: „Hier segnet das Kapital heute den Krieg." Eine Aufschrift ähnlichen Inhalts wurde an dem fünf Minuten entfernten Pfarrhaus der katholischen Clemens-Kirche angemalt. Sie Der verwüstete Friedhof in Fassgönnheim. \ : >8^ ' ''S' '•'C&S% Liditenfels. Hödingen, lautet: „Die Kirche segnet den Krieg gegen die Sowjetunion." Die etwa einen halben Meter hohe Schrift ist in primitiven Buchstaben ausgeführt. Nach polizeilichen Mitteilungen wurden auch protestantische Kirchen in derselben Stadtgegend besudelt und mit Inschriften, wie „Hier segnet die Kirche den Krieg mit Rußland", bemalt. * Ailch in Berlin sind verschiedene Kirchen von offenbar linksraoikalen Elementen-durch religionsfeindliche Inschriften geschändet worden. So wurde die katholische Kirche am Gartenplatz durch die Inschrift „Religion ist Morphium für das Volk", „Wir schützen die Sowjetunion" und „Notfront trotz alledem" beschmiert. An der e v a n g e l i s ch e n Kirche in der Turmstraße wurde kurz vor 1 Uhr nachts ein Lichttransparent, das einen Bibelspruch trägt, von mehreren jungen Burschen durch Steinlvürfe zertrümmert. Die Rowdys konnten leider entkommen. * Wir haben wiederholt über Rußlands Feldzug gegen die Religionen und auch über die Proteste der evangelischen Kirche, des Papstes und der Jllden der ganzen Welt dagegen berichtet. Durch die deutsche Tagespresse geht nun in letzter Zeit ein Aufruf mehrerer M i n s k e r Rabbiner „A n alle gläubigen Jude n", in dem gegen die Einmischung des Papstes sowie anderer religiöser Stellen protestiert wird. Diese Erklärung besagt, daß die Sowjetregierung die Religionsverfolgungen n.i ch t unterstütze und die Schließung der Synagogen mit Einwilligung der Juden erfolge. Große Teile der deutschen Presse. versuchen, diesen Protest gegen die Juden auszuwerten. Diese Zei- Synagoge Labiau. Synagoge Hannover.

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