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Central-Verein-Zeitung · 1930-03-01 · Heft 3 (März 1930) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 3 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1$ Betrieb gerichtet sein, bnntit die Arbeiterschaft sich daran gewöhnt, in den Nationalsvzialistell diejenigen zu erblicken, die für das kleinste Leiden der Arbeiter Zeit und Aufmerksamkeit haben, lieber alle solche Geschehnisse ist gleichzeitig an den Ningführer beim Gau zu berichten, damit solche Vorfälle in „lohnender Weise" in öffentlichen Kundgebungen für die Arbeiter usw. ausgenuht werden. Die Mitgliedschaft der Betriebsgruppen usw. kann jeder deutsche Arbeiter erwerben, der zur Verwirklichung oes Nationalsozialismus beitragen will. Selbstverständlich erheben die Gruppen, Zellen usw. auch Beiträge, die m o n a t l i ch m i n d e st e n s e i n e n Stundenlohn betragen sollen. Von diesen Beiträgen sollen falls eine genügende Höhe erreicht wird — auch bei Streiks sogar Unterstützungen gewährt werden. Man sieht also: um in der Arbeiterschaft zu Werbern, scheuen sich die .Nationalsozialisten gar nicht, mtd) eine Solidarität im Streitfalls vorzutäuschen, während sie bei anderer Gelegenheit immer wieder daraus Hinweisen, daß die voll den Gewerkschaften „inszenierten" Streiks - nur dazu dienen, uni die Arbeiterschaft zu verhetzen und fester in die Macht der „vaterlandslosen, undeutschen" Gewerkschaften zu bringen. Die Skrupellosigkeit der nationalsozialistischen Agitation setzt sich über solche Widersprüche mit Leichtigkeit hinweg. Wenn es ihnen Paßt, predigen sie auch den Kampf gegen die Arbeitgeber genau so, wie sie bei anderer Gelegenheit eintreten für die Betrrebsgememschaft und den Wirtschaftsfrieden. Um F u n k t i o n ä r e zu werben, anszubilden und mit Agitationsmaterial zu versehen, haben die Ningführer vor allen: in den Betrieben zu werben und zu arbeiten. Durch die Betriebszellen und Betriebsgruppen sollen genügend Teilnehmer für die vorn Ningführer einzurichtenden S ch ll l u il g 8 a b e n d e gewonnen werden. Jll btcfcn Schnlnngsabenden muß für die Ideell der Nationalsozialisten durch Redner, durch Schristelwerteilung und Propagandazettel geworben werdeil. Immer wieder konullt in beit Anweisunsc u tmb Richtlinien zum Ausdruck, daß mit.allen Mitteln darauf hingearbeitet werden müsse, in starkem Umfange in der Arbeiterschaft der Betriebe für die NSDAP zu werben. Der Ringführer ist auch dem Gau, d. h. der p o l i t i f dy e n Par teilet tun g gegenüber, verantwortlich. Er macht Vorschläge zur Besetzung der Fnnktionärstellen, er ist verantloortlich dafür, das; nur geeignete Parteimitglieder zu Zellenitnb Gruppenführern ernannt werden, ihm liegt es ob, bei Betriebsratswahlen die Kandidatenlisten zusammenznstetten. Bisher sind die Erfolge dieser neuen Organisation noch hinter den Erwartungen der Führer zurückgeblieben. Aber täilschen wir uns nicht. Der nicht zu leugnende Auftrieb, den die Natiorlalsozialisten durch das für sie günstige Ergebnis der Kommunalwahlen;n Preußen erhalten habeil, wird sie alles daranseßen lassen, sich lllit verstärktem Eifer der Propagandaarbeit auf diesem Gebiete zuzuwenden. Gewiß braucht man die Gefahr nicht zu überschätzen, beim der deutsche Arbeiter ist durch die jahrzehntelange Erziehungsarbeit der Gewerkschaftcu in seiner Masse wirtschaftlich und politisch aufgeklärt genug, um den Phrasen der Nationalsozialisten widerstehen zu können. Die Gefahr ist aber, daß auch kleinere nationalsozialistische Zetten ulld Gruppen in den Betrieben in erregten Zeiten Mitläufer an sich ziehen werden, die dann in der Oeffentlichkeit ein Bild starken Verlvurzeltseins in der Arbeiterschaft Vortäuschen. Und noch auf eins sei Hingelviesen. Die katholische Kirche jüöisch — die evangelische Kirche verjuöet... sagt Dr. flrtur Vinter. Dr. Artur Dinter, der, seit geraumer Zeit in Feindschaft mit Hitler, sich nur seinen religiösen Erneuerungsbestrebungen widmet, hat nicht nur in Nürnberg, dem Vororte dieser Bewegung, starken Zulaus ans völkischen Kreisen. Er dringt auch in andere Teile Deutschlands vor. Neuerdings ist auch in Berlin eine Ortsgemeinschaft gegründet worden. In dem neuesten Hefte seines „Geistchristentums", der „Monatsschrift zur Vollendung der Reformation durch Wiederherstellung der reinen Heilandslehre", Heft 26, Februar 1930, werden die Ausführungen verschiedener Teilnehmer beider Berliner Gründungsversammlung zusammengefaßt. Wir geben im folgenden einen Absatz daralls lvieder, weil wir meinen, daß selbst besonnene völkische Elemente stutzig werden müssen, wenn sie hier hören, worauf Dinter und seine völkischen Anhänger hinaus wollen. Aehnlich wie General Ludendorff predigt Dmter eine schrankenlose Bekämpfung der katholischen Kirche bis zum letzten; darüber hinaus aber kennzeichnet und bekämpft er sogar die evangelische Kirche der Gegenwart als verjudet. So lesen lvir im „Geistchristentum": „Die überstaatlichen Machtgruppen haben uns politisch, wirtschaftlich und geistig in ihre Gewalt bekommen, und nun sind sogar Bestrebungen im Gange, die allgemeine katholische Weltkirche zu errichten. Alle Menschen sollen unter den jüdischen Glauben gestellt werden! Die katolische Kirche ist selber nichts anderes als eine Zurechtmachung der jüdischen Religion für Nichtjuden. Der Jesuitenorden soll seine Abgesandten sogar bei dem jüdischell Sanhedrin haben; seit Lainez ist er in seiner Aufmachung und seinen Zielen völlig verjudet. Die Niederhaltung des Protestantismus und der deutschen Volksseele war und ist heute noch seine Aufgabe. Auch innerhalb der Luther-Kirche wirken seine Abgesandten ... Wie überall, so hat sich auch bei den deutschen Freimaurern, die ursprünglich hohe Ziele hatten, der Jude festgesetzt und sie 31t Werkzeugen seiner Ziele gemacht. In Sowjet-Rußland treiben Bolschewismus und Tscheka das Volk zur Verzweiflung. Die Not soll dort bis > zum äußersten getrieben werden, damit sich der Uebertritt der griechisch-orthodoxen Bevölkerung zur jüdischrömischen Papstkirche automatisch vollzieht. Diese soll dann dem russischen Volk als die einzig mögliche Rettung erscheinen. In diesem Sinne allein ist der Aufruf des Papstes gegen die bolschewistischen Greuel zu verstehen. Bisher hat er dazu geschwiegen, jetzt hält er die Zeit -er Ernte für gekommen. Die evangelische Kirche ist fast restlos verfreimaurert; in ihr herrscht ebenso wie in der katholischen der jüdische Geist." Der Hitler der Gegenwart hat zwar wegen dieses Kampfes Dinter aus der nationalsozialistischen Partei ausgestoßen, aber es darf daran erinnert werden, daß sich schon wiederholt führende Köpfe, die heute den Nationalsozialisten nahestehen, in stärksten Gegensatz zu den herrschenden Kirchen stellten. Heute wird davon nicht gesprochen, weil, man aus taktischen Gründen die Anhänger, die Iren zur christlichen Religion stehen,, oder solche, die man gewinnen Nult, nicht kopfscheu machen darf. fi.vndesdw!wchek) Die gleiche Arbeit, wie sie die Nationalsozialisten für ihre Parteipolitik und Agitation in den Betrieben durch Vertrauensmänner, Betriebszellen und Betriebsgruppen zu betreiben versuchen, sollen sie auch in der Prerrtzischert Schutzpolizei und in der Reichswehr unternehmen. Die Verhaftungen im U l m und in Kassel beweisen, daß die Nationalsozialisten diese Zersehnngsarbeit durch Vertrauensmänner in der Reichswehr nicht ganz ohne Erfolg betrieben haben. Ebenso gehen sie anch durch Vertrauensmänner "daran, vor allem die Bereitschaften der Preußischen S ch u tz P 0 l i z e r zu durchdrittgen. Wir wissen, daß die Preußische Schutzpolizei in ihrer übergroßen Masse fest und unerschütterlich auf dem Boden der Republik steht. Gerade deshalb muß auf dieses nationalsozialistische Beginnen w a r n e n d hingewiesen werden, damit die Behörden ihr schärfstes Augenmerk auf diese unheilvolle Tätigkeit richten. Die Preußische Schutzpolizei, die preußische Polizei überhaupt hat sich in den 11 Jahren des Bestehens der deutschen Republik als republikanisches Bollwerk hervorragend bewährt. Wir glauben nicht, daß die nationalsozialistische- Propaganda und die nationalsozialistische Zellenmethode wesentliches daran ändern werden. Aber jede nationalsozialistische Zelle innerhalb der Schutzpolizei würde erheblich dazu beitragen, das Vertrauen der B e v ö l k e r u n g z u r Polizei zu minder n und zu u n t.e r - grabe n. Der republikanische Staat selbst hat edn Lebensinteresse daran, dem mit allen Mitteln entgegenzütreten. Gerade für dieses Machtinstrument, dem der Schutz der Verfassung und des Staates anvertraut ist, heißt es mehr als woanders: prineiMs obsta! Dr. zrick als Raffenzüchter. Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Dr. Fr ick, der zurzeit das Innen- und Kultusministerium in Weimar verwaltet, hat namens seiner Fraktion einen Ergänzungsantrag zum Republikschützgesetz eingebrachk, der folgenden Wortlaut hat: „Wer es unternimmt, die natürliche Fruchtbarkeit des deutschen Volkes zu schädigen und diese künstlich zu hemmen, oder in Wort, Schrift, Druck und Bild oder in anderer Werse solches fördert, oder wer durch Vermischung mit Angehörigen der jüdischen Vlütsgemeinschaft oder einer farbigen Rasse zur rassischen Verschlechterung und Zersetzung des deutschen . Volkes beiträgt oder beizutragen droht, wird wegen Rasseverrats mit Zuchthaus bestraft."- Frick als Nachfolger Goethes irn Amte eines thüringischen Ministers hat bei der Formulierung dieses Antrages sicherlich nicht daran gedacht, daß die Rassenschnüffler Goethe selbst als Mischling mit jüdischem Blukeinschlag feststellen zu können glauben, daß also einer der Vorfahren Goethes nach Frick ins Zuchthaus gehört hätte. Aber auch der Vater des von Herrn Frick und seinen Freunden so verherrlichten Eisner-Mörders Graf A r e 0, der eine Jüdin heiratete, der Vater des Ozeanfliegers v 0 n Hünefeld, über den der „Völkische Beobachter" vor einigen Jahren spaltenlaug berichtete, die Nachkommen des Begründers der konservativen Weltanschauung, Stahl, alias Schlesinger', müßten ins Zuchthaus, um nur einige wenige von denen zu nennen, die Frick und seinen Freunden in Gegenwart oder Vergangenheit nahegestanden haben. Rassenvcrrat? Verrat am Geist! A. H.

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