Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 3 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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[«ntrat liretw Alätttt'füröeutfektum n»0 Möentum Monatsausgabe März IdZS 'dryan-es tentralVereius öeutfeke^ Staatsbüryer Möifeken ölaubens e.v. /<Utzsmeine Isiwntz clss!1u6sntums Sellenbildung. wie die NSVÜP in Betriebe» Kemter und Uasernen eindringt. von * * * von besonders unterrichteter Seite wiruns geschrieben: Der Preußische Minister des Innern G r z e s i n s k i, der kürzlich zurückgetreten ist, hat wiederholt in der Oeffentlichkeit darauf hingewiesen, daß schon der Name der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei" eine Unwahrheit und eine Lüge bedeute. Die Ziele der Nationalsozialisten seien keineswegs sozialistisch; vom Sozialismus habe die NSDAP nur den Namen und einige falsch verstandene Forderungen übernommen. Eine noch größere Lüge aber sei die Bezeichnung dieser Partei als Arbeiter- Partei, weil die NSDAP in keiner Weise die Interessen der Arbeiterschaft vertrete. Diese Wor/e Grzesinskis haben zwar einen Entrüstungssturm der nationalsozialistischen Führer entfesselt, aber sie sind deswegen reicht weniger wahr. Gewiß versuchen die Nationalsozialisten in ihrer hemmungslosen Hetze und Agitation, Anhänger in der Arbeiterschaft zu gewinnen. Und ebenso ist es richtig, daß die Nationalsozialisten hier und da mit ihren Bestrebungen, in der Arbeiterschaft Fuß 31t fassen, auch Erfolg gehabt haben. Das ist in dieser Zeit' der enormen Arbeitslosigkeit kein Wunder. Es ist leicht, hungernde und vergeblich nach Arbeit suchende Menschen mit hetzerischer Agitation zu gewinnen. Weitaus schwerer aber ist es, in der Arbeiterschaft selbst organisationsmäßrg Boden zu gewinnen. Die NSDAP weiß genau, daß es für ihr weiteres Bestehen und Anwachsen entscheidend ist, ob es ihnen gelingt, in den Kreisen der Arbeiterschaft nicht nur vorübergehend Mitläufer zu gewinnen, sondern in - Form von festgefügter Organisation Keimzellen zu gründen, von denen aus der starke Einfluß der festgefügten deutschen Gewerkschaften zu schwächen und 31t brechen ist. Das hat schon im November 1924 zur Gründung nationalsozialistischer Gewerkschaften geführt. Allerdings waren diese Grttndungsversuche völlige Fehlschläge und sind über bedeutungslose Anfänge nie hinausgekommen. Infolgedessen ist man von den: Gedanken einer nationalsozialistischen Arbeitnehmerorganisation in der Art der Gewerkschaften abgekomrnew Seit dem vorigen Jahr geht die NSDAP einen anderen Weg, der zwar picht originell ist, der ihr aber mehr Erfolg 311 versprechen scheint. Sie versucht, nach k 0 m m u - nistifchem Vorbild, nunmehr Vetriebsorganisationen aufzubatten, um auf diesem Umweg doch noch zu einer nationalsozialistischen Organisation innerhalb der Arbeiterschaft zu kommen. Aehnlich wie bei den Kommunisten soll sich diese Organisation auf den Betriebszellen aufbauen. Und es ist für die Not der Zeit und die Verwirrung der Geister bezeichnend, daß diese Bestrebungen der Nationalsozialisten gewisse Teilerfolge aufzuweisen haben. Die Betriebszelle der Nationalsozialisten ist ganz nach kommunistischem Muster als der Sanunelpunkt aller Nationalsozialisten innerhalb eines Betriebes gedacht. Je größer der Betrieb ist und je mehr er in verschiedene Werkstätten zerfällt, desto mehr Betriebszellen existieren. Die Betriebszellen des gleichen Betriebes werden in Betriebsgruppen zusammengefaßt. Alle Betriebszellen und Betriebsgruppen innerhalb eines Gaues werden in „Ringen" vereinigt, die Führer der Ringe unterstehen dem beim Gaubüro der NSDAP eingerichteten Sekretariat der Arbeiterangelegenyeiten, sie werden von diesem mit Zustimmung des Gauführers ernannt und können auch ohne weiteres von diesem abberufen werden. Also auch hier kommt das absolute Unterordnungsverhältnis, das in der NSDAP menen Aufbau nationalfozialistis ch er G e w e r k s ch a f t e n gedacht. Genau nach kommunistischem Vorbild arbeiten auch diese Ringe der einzelnen Betriebszellen und Betriebsgrüppen mit dem System der Vertrau e n s m ä n n e r „der Z e l l e n f tt h rer, der Gruppenführer und der Ringf ü h r e r. Es sind ganz genaue Richtlinien für die Arbeit niedergelegt, auch eine Druckschrift als Organ dieser Betriebszellen hat existiert, die allerdings nach zweimaligem Erscheinen infolge Geldmangels eingegangen ist. Ursprünglich hat sich der sattsam bekannte Gregor Straffer selbst eifrig dem organisatorischen Aufbau dieser Bewegung gewidmet. Seit einigen Monaten hat er diese Arbeit an den als nationalsozialistischen Versammlungsredner bekannten Agitator M 0 s s a k 0 w s k i abgegeben. Einen stärkeren Umfang hat diese Arbeiterorganisation der NSDAP bisher noch nicht angenommen. In den Richtlinien und Satzungen für die Betriebsgruppen, für die Ningführer, für die Betriebszellen und die Betriebs- Vertrauensmänner kommt aber ganz klar das Ziel zum Allsdruck, das sich die NSDAP mit dieser Organisation gesetzt hat und dessen Förderung sie sich davon verspricht. Sie wollen danrit den Kampf üm die Macht in den Betrieben beginnen, um bei Betriebsrats- Wahlen zunächst einmal mit eigen c it Liste n aufzutrete n, damit sie dann bei genügendem Erfolg in den Betriebsräten als eigene Gruppe vertreten sind, und so nach außen hin als Organisation der Arbeiterschaft in Erscheinung treten können. Und die gerade /ins öem Inhalt: tzlndenburgs Aufruf an öas -rutsche Volk. S. 21. — Rabbiner De. Zelix So!dmann (Leipzig): der Namps gegen -as Schächten. S. 22. — Gegen die Religionsverfolgungen in Rußland. S. 23. — Th. Vogel (Schweinfurt): Seele siegt. S. 24. zwischen Mitgliedern und Führern herrscht, wieder zum Ausdruck. Die Z e l l e n l e i t c x, die Ni ngfü h r e r werden eingesetzt, erhalten vom Sekretariat ihre Weisungen und müssen nach ganz bestimmten Richtlinien arbeiten. Bisher haben die Nationalsozialisten zehn solcher Ringe von Betriebsgruppen gebildet. Diese Ringe fassen die Betriebszellen der gleichartigen Betriebe zusammen, z. B. Banken, Handel, M e t a l l i n d u st r i e, Holz- und B a u - g e w erbe it. ä. Interessant ist, daß unter diesen Ringen die beiden Ringe „Post" und „Städtische Betriebe" besonders aufgeführt werden. Diese zunächst auf den Gau beschränkten Organisationen sind als die Grundlage zu f{rrif genomvor einiger Zeit vor sich gegangenen Betrrebsratswahlen bei der Berliner Verk e h r s g e s e l l s ch a f t haben -gezeigt, daß es d e n Natrona ls oziackisten gelungen i st, auf ihre L i st e rund 1 4 0 0 S t i m - men innerhalb der B V G zu vereinen. In allen Richtlinien kommt zum Ausdruck, daß es zunächst Aufgabe der nationalsozialistischen Funktionäre sein muß, alle Geschehnisse int Betrieb zu überwachen, um sie agitatorisch für die NSDAP auszuwerten. Von Mund zu Mund soll geworben werden, jeder Aülaß ist zu benutzen, nm auf die Ziele der NSDAP hinzuweisen und sie als die einzig geschlossene Partei darzustellen, die das Interesse der Arbeiterschaft wahrnimmt. Das Augenmerk der Vertrauensmänner und Gruppenführer soll auf „Recht unb Unrecht" im