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Central-Verein-Zeitung · 1930-02-01 · Heft 2 (Februar 1930) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 2 (Februar 1930)
Date
1930-02-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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<5 „Unseren gefallenen Kameraden.” Gedenkbudi für die im Weltkrieg gefallenen Münchener Juden. In der nationalsozialistischen Presse werden die Beschimpfungen unserer jüdischen Gefallenen immerfort wiederholt. Es gibt kein besseres Mittel zur Entkräftung der niedrigen Verleumdungen unserer Helden, als die Veröffentlichung ihrer Briefe, deren einfache Sprache wirksamer, als grosse Lobreden es vermögen, den Geist wiedergeben, in dem die jüdischen Soldaten für ihr Vaterland in den Krieg gezogen und gefallen sind. Die Ortsgruppe München des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten hat kürzlich ein derartiges Erinnerungsbuch erscheinen lassen. Nachstehend würdigt Reichswehrminister a. D. Dr. Otto Gessler in schlichten Worten dieses kleine Werk. Die Schriftleitung. Das ungeheure Geschehen des Weltkrieges hat das Einzelschicksal in seinem Leben und Sterben, seiner Pflicht und seiner Ehre, seiner Not und seinem Tod scheinbar ganz verschüttet. Das Symbol dieser Tatsache ist das Denkmal des unbekannten Soldaten. Allein dem Bedürfnis der Anhänglichkeit und der Treue gegen unsere Toten vermag dieses Abstraktum nicht zü genügen. Wir sehen deshalb überall, je mehr wir uns von dem unmittelbaren Erleben des Krieges entfernen, das Streben, dem einzelnen in dem Verband, in dem er lebte oder starb, sein Recht zu wahren. Nicht nur in Denkmälern von Stein und Erz, sondern noch lebendiger in dem Bemühen, die Erinnerung an die persönliche Leistung den Nachfahren zu erhalten. Diesem Bedürfnis verdanken wir zahlreiche Geschichten einzelner Truppenteile, die schöne Sammlung der Kriegsbriefe gefallener Studenten, demnächst eine Sammlung aus den Werken gefallener Dichter und Künstler. Schon im Jahre 1920 hat der Nürnberger Rabbiner Dr. Freudenthäl, besten Sohn im Weltkrieg sich die goldene Tapferkeitsmedaille errungen hat, ein Gedenkbuch der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg herausgegeben: neben schlichten Lebensbeschreibungen der Toten sehr eindrucksvolle Auszüge aus Briefen und Tagebüchern. Dem Nürnberger Beispiel ist jetzt auch die Münchener Ortsgruppe des Neichsbundes jüdischer Frontsoldaten gefolgt. Ihr Erinnerungsbuch: „Unseren gefallenen Kameraden" soll sein ein Buch der Erinnerung, des Dankes, der Mahnung und des Trostes. Das Buch ist ein wertvoller Beitrag zu dem tapferen Kampfe, den der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten seit Jahren für die Ehre der im Weltkriege gefallenen deutschen Juden führt, und ich habe es gern übernommen, dieses Buch hier anzuzeigen. Jedem, dem es um des Vaterlandes willen ernst ist mit der Befriedung unseres politischen Lebens, wird sich über diese würdige Art der Abwehr freuen müssen. Ich habe das Buch mit größter Teilnahme durchgelesen. Neben manchen bekannten Namen habe ich auch einzelne vermißt von gefallenen Münchenern, so daß die Zahl der Blutopfer der Münchener Juden kaum erschöpft sein dürfte. Immer wieder drängt sich beim Lesen gerade solcher Bücher die Frage auf nach dem letzten Sinn des Weltgeschehens und des Sterbens dieser Jugend, das wir erschüttert erlebt haben. Resigniert möchte man mit dem Dichter sagen: „Ja, der Krieg verschlingt die Besten, denn Patroklus mußte sterben und Thersites kehrt zurück." Aber lehnt nicht gerade auch dieses Buch in seiner schlichten Einfachheit, in dem festen Glauben, der aus den Kriegsbriefen spricht, diesen Gedanken müder Resignation ab, und die schöne und starke Einleitung spricht als Mahnung deutlich aus, daß es Sache der Ueb erl eb e n d en ist, d afü r So rg e zu tragen, den Tod der Gefallenen nicht als vergeblich erscheinen zu lassen: „Wir können heute und in Zukunft nichts Besseres tun, als diesen Blättern zu entnehmen, wie schlichte Lebensführung, treue Pflichterfüllung die Menschen zu einer heiligen Gemeinschaft einen kann." Eine derartige Gemeinschaft wäre in der Tat unzerbrechlich, und ein Volk, das auf diesem Grunde die Grenzen der Gemeinschaft ziehen kann, hätte die beste Garantie seiner Zukunft. Ich weiß nicht, wie weit das Beispiel von Nürnberg und München Vorläufer oder Nachfolger gesunden hat. Mir schiene dies wichtiger zu sein als viele eitle Klopffechtereien des Aber Siegfried antwortet ganz unverhüllt: Goldes walten will ein jeder, ' 'Stets bis an den einen Tag des Sterbens. Noch einmal warnt der Sterbende. Und Siegfried, aufrecht, kühl, bewußt den Machtbesitz über die Gefahr stellend: Rat ist mir geraten; ich reite dennoch Zu dem Hort auf der Heide. Die Vögel selbst aber, die Sprecher der elementaren Naturweisheit, singen Siegfried zu: Mit den roten Ringen bereise dich! Um Künftiges sich kümmern ziemt Königen nicht. Ein Weib weiß ich, ein wunderschönes. Goldbegabt: wär' sie dir gegönnt. Der Kreis ist geschlossen: der Kreis der Wahrheit. Und er umschließt das Gegenteil von dem, was völkische Philosophie als germanischen Glauben — ausgeben möchte. Wenn ich diese Eddazitate einem vertrauensvollen Bangert-Leser gebe, und zwar, ohne ihre Herkunft zu verraten, und wenn ich dann frage: Welcher Geist spricht aus ihnen? — die Antwort kann nur lauten: Dtzr böse Dämon des goldgierigen Juden, wie ihn Bangert dem reinen Germanen gegenüberstellt . . . Aber die Edda sieht tiefer und wahrhaftiger als alle Bangerts und alle die Tausende, die sie predigen, aber nicht soviel Ehrlichkeit und Begeisterung aufbringen, dies große Dokument auch zu lesen: Schwert und Gold sind beide männliche, schöpferische Zeichen — in Männerhand. Goldfurcht ist nicht der Wesenszug der Edda-Zeit, sondern der Bangert-Zeit. Die völkischen Menschen sollten nach vielen Worten nun anfangen, die Coda zu lesen. Aber vielleicht steht sie auf dem Parteiindex. Weil sie ersichtlich zu sehr antivölnsch ist. Dr Müller-Claudius. Religionzgefchichtllche Probleme der hellenistischjüdischen Seit. Im Rahmen von Austauschvorträgen zwischen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums zu Berlin und der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Gießen hatte der bekannte Professor der Theologie D. Dr. Heinrich Frick im Wintersemester 1928/29 an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums eine Vorlesung über das Wesen das Protestantismus gehalten. Nun stattete Rabbiner Dr. B a e ck am 28. und 29. Januar d. I. der Theologischen Fakultät Gießen den Gegenbesuch ab und hielt eine Vorlesung über das Thema: „Neligionsgeschichtliche Probleme der hellenistisch-jüdischen Zeit in ihrer historischen Wirkung." Am 27. Januar hatte Dr. Baeck bereits in der Theologischen Fakultät Marburg gesprochen, wo Professor Dr. Frickder früher in Gießer: war, seit vorigem Jahre lehrt. An beiden Tagen war eine große Hörerschaft erschienen. Man sah neben den Professoren und Studenten der Fakultät auch Dozenten anderer Fakultäten, Philosophen und Historiker vor allem, dann aber auch Geistliche aller Religionen und eine Anzahl Hörer anderer Stände. Dr. Baeck gab in der knappen ihm zur Verfügung stehenden Zeit einen Gesamtüberblick über die Probleme der hellenistisch-jüdischen Epoche, mit denen er das Verständnls für das Judentum zu wecken und zu vertiefen verstand. Wenn der Dekan der Fakultät in herzlichen Worten den Gast empfing und ihm später bewegt dankte. und wenn Dr. Baeck mit dem Dank für die gewährte Möglichkeit des Gedankenaustausches den Wunsch verband, daß der begonnene Austausch fortgesetzt werden möge, so möchten wir auch der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Austauschvorlesungen zu einer ständigen Einrichtung würden! Dr. Baeck führte aus, daß in der hellenistischen Zeit zum erstenmal der jüdischen Gemeinschaft die Aufgabe gestellt war, ihre Eigenart inmitten des ersten großen kulturell und sprachlich zusammengefaßten Weltreichs zu bewahren. Das Judentum hatte in seinem Anfang ein ganz neues Prinzip, nämlich das theozentrische (Gott ist der Mittelpunkt alles Seins und Geschehens), also nicht das monotheistische schlechthin, aufgestellt. Mit dem neuen Prinzip ringen die großen Männer der jüdischen Geschichte, erleben und verpersönlichen es: die Propheten. Ihr Wort überlebt sie, wird Buch: „Das Buch." Eine Gemeinschaft, die mit einem so ganz Neuen einen Fortschritt in die Geschichte bringt, muß sich in der Folge herausgehoben fühlen: auserwählt in dem Sinne, daß sie selbst damit sich Verpflichtungen auferlegt. Es wurde nun gezeigt, wie das Judentum im Pharisäertum die Gefahren bannte, die sich aus der Situation jener Zeit ergaben: daß einerseits das „Buch" etwas Letztes, nicht mehr Lebendiges, werden könnte, anderseits die religiösen Anschauungen jenes hellenistischen Weltreichs, die Lehre von der Schicksalsbildung der Gestirne, eine wissenschaftliche, astronomisch-mathematisch fundierte Religion gerade der Gebildeten jener Zeit, das jüdische Denken von seiner prinzipiellen Erkenntnis des Einen Gottes abbringen könnten. An Hand von sprachlichen Erklärungen wurde gezeigt, wie Orient und Okzident aufeinander einwirkten, wie auch die Lehre von den Gestirnen in das jüdische Denken einzog in der Form der Engel-Lehre, wie die Erlösung, ja der Erlöser, am Ende der Tage bisher erwartet, nun von oben und für die Gegenwart erhofft wurde, wie ferner „Das Buch" durch die Uebersetzung der Septuaginta das Buch für alle, für die ganze damalige Welt wurde. Man hat alle Gefahren

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