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Central-Verein-Zeitung · 1930-02-01 · Heft 2 (Februar 1930) · page 8

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 2 (Februar 1930)
Date
1930-02-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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16 gebannt und die eigene Art erhalten, indem mail daS „Buch" sakral nach Inhalt und Farm machte, die Pflicht statuierte, es immer neu zu verpersönlichen, zu erforschen, indem man neben die schriftliche Thora die mündliche setzte, die nicht ausgeschrieben werden sollte. Wenn inan schließlich aus mnemotechnischen Gründen später doch auch die mündliche Lehre aufzeichnete, so blieb doch alles Geschriebene nur Kommentar zu den: Einen Buch, ja sogar die großen mittelalterlichen Philosophen gaben ihren Werken nur die Form voll Kommentaren. Das „Gesetz" wird erweitert, bekonnnt neue Bedeutung, tteiteti Zweck: die Schaffung nicht nlir von sronlmen Individuell, sondern der heiligen Gemeinde. So dienen Speise-, Sabbat-, Reinheitsgesetze der Erhaltullg dieser Gclueinde Gottes. Jeder einzelne lvird Priester, der Gottesdienst in feinem Schwerpunkt ins Haus verlegt. Das JudentlMl bildete so nie eine Kirche, in die der einzelne hineingestellt wurde, sondern die einzelnen z u s a m m e n bilden die „Gemeinde". Die Schechinah, die einst ihre Stätte inl Stiftszelt und im Tempel hatte, geht mit dem Juden ills Exil, wo Juden wohnen ulld wo die Thora ist, da wohnt auch die Schechinah. E. M. (Giessen). Nationalismus und Intoleranz Aus Carlion J. H. Hayes „Nationalismus“ Aus dem Englischen übersetzt von J. F. Friedländer. Herausgegeben und eingeleitel von J. Goldstein. Man hat kürzlich viel von „Nasse" gesprochen und geschrieben. Manches davon hat wissenschaftlichen Wert, aber sehr vieles, besonders das, was unter den eifrigsten Nationalisten die größte Verbreitung findet, ist in der Hauptsache wertlos. Wir wissen bestinllnt, daß es erbliche physische Unterschiede zwischen Weißeil (Kaukasiern) und Schwarzen (Negern) und Gelben (Mongolen) gibt, aber nienrand weiß positiv, worin, wenn überhaupt, Rassen sich in bezug auf Verstandes- oder Geistessähigkeit unterscheiden. Wir wissen bestimmt, daß man die Kaukasier in Nundköpfe (Alpine), in langköpfige Blonde (Nordische) und langköpfige - Brünette (Mittelländische) einteilen kann, aber niemand kann mit Sicherheit behaupten, daß 'diese „Nassen" „rein" sind oder daß die eine der anderen an geistiger Begabung überlegen ist. Wir wissen bestimmt, daß jede Nationalität einen gewissen Grad Nassenmischung darstellt, aber es ist mehr eine Hypothese als eine erwiesene Tatsache, daß eine besondere Nassenmischung größeres und besseres Gehirn erzeugt als eine andere Mischung. Es ist eine bloße Annahme, daß die Intelligenz einer Nationalität der relativen Nassenreinheit proportional ist. Der Nationalist nun verschlingt Pseudowissenschaftliche „Rassenliteratur", — die, jedenfalls in Amerika, so reichlich vorhanden ist wie Frühstückssemmeln — und bemerkt dann, daß er und seine Nationalität an einer furchtbaren Verdauungsstörung leidet; und akzeptiert gewöhnlich sowohl die Diagnose wie das Rezept seiner Quacksalber. Wenn man ihn belehrt, daß die meisten seiner Volksgenossen blonde Langköpfe sind, und besonders, wenn er selbst ein blonder Langkopf ist, so ist er gern geneigt, mit der äußersten Ruhe die befriäügenden vorläufigen Mitteilungen entgegenzunehmen, daß blonde Langköpfe überall in der Welt andere Menschen an Mut, Intelligenz, an Adel des Charakters, an Körper, Geist und Gemüt bei weitem übertressen. Dann kommt der Schlag. Er erhält die peinliche Mitteilung, daß seine Vorfahren irgendeinmal in der Vergangenheit, als sie noch in seliger Unkenntnis der Unverdaulichkeit „minderwertiger Nassen" lebten, in seine Nationalität und seinen Nationalstaat Gruppen von blonden oder brünetten Nundköpfen und brünetten Langköpfen zuließen, die fruchtbar wie Kaninchen waren, während die überlegenen blonden Langköpfe sich nur wie vornehme Langköpfe fortpslqnzten; jetzt sind sie auf dem besten Wege, die Majorität zu werden und hoffnungslos alles reiche edle Blut in ihm und seiner Art zu verwässern und dadurch die Intelligenz und den Mut der galten Nationalität bis auf den Nullpunkt zu bringen. Was soll er tun, um sich zu retten und seine Nationalität wieder gesund zu machen? Offenbar muß er den Rat seiner Aerzte befolgen, unb zwar schnell. Er muß zuerst alle seme Volksgenossen dazu, bringen, daß sie ihren furchtbaren Zustand vollauf erkennen, sie, die so glücklich sind, noch innner Lnngköpfe zu sein, und ein blondes Ansehen zu haben; und dann muß er in Gemeincyaft mit ihnen die nötigen Schritte tun, um die giftigen Fremdkörper aus dem nationalen Organismus zu verjagen, oder, wenn es zu spät ist, einen so drastischen Heilungsprozeß herbeizuführen, zum mindesten eine Diät anordnen, die Aufnahme neuer Mitglieder „minderwertiger Nassen" vermeiden, die schon bei ihm vorhandenen isolieren und jeden Versuch, sie zu verdauen, nufgeben. Die Aerzte, auch wenn sie in bezug auf „Nasse" Quacksalber sind, sind gute Psychologen; sie schütteln ernst den Kopf, machen dunkle Andeutungen, daß die Lage zum Verzweifeln ist, hegen aber doch fast keine Hoffnung auf vollständige Heilung. Infolgedessen ist große Nachfrage nach ihnen, ihre Patienten verzweifeln wie Spieler, und setzen entschlossen alles ein, um den langen beschwerlichen Kampf gegen die nationale Dispepsie und jene „Depression" zu gewinnen. Es läßt sich manches zur Verteidigung der Nundköpfe und Brünetten sagen und vieles ist gesagt worden — besonders von ihnen selbst. Der Durchschnittsnationalist in einem Volke, das vorwiegend alpin ist, wie die Tschechoslowaken, oder in einem Volke, das vorwiegend mittelländisch ist, wie die Griechen, wird nicht zugeben, daß seine Landsleute minderwertiger sind als die nordischen Schweden oder nordischen Schotten; ganz gleich, was Pseudowissenschaftler oder was die Nordischer: sagen »lögen. Er wird selbst einen „Rassestolz" zeigen und behaupten, daß sein Volk seither eine ruhmreiche Vergangenheit durchlebt hat und die beneidenswerte Gegenwart ohne die Hilfe einer nennenswerten Menge nordischen Blutes erreicht hat. Und wenn, wie es häufig vorkommt, eine Nationalität zum Teil nordisch, zum Teil alpin und mittelländisch ist, so sind diese letzteren Elemente nicht geneigt, nordische Hypothesen und nordische Forderungen nach nationaler Differenzierung zu ihrem Schaden freundlich aufzunehmen. In der Tat zeigen sie zusammen nicht die Tendenz, Selbstmord zu begehen oder auszuwandern; sie gehen im Gegenteil gewöhnlich ihren Geschäften, nach, füllen das Land an aus ihre Weise und brechen mehr und mehr in die nordische Reinheit ein. Und das reizt die nordischen Nationalisten um so mehr. Die Juden in Nordafrika. Von Dr. h. c. Carl Ochsenius (Marburg a* d, L.) Nachfolgende Ausführungen stammen au dem literarischen Nachlasse des vor allem als Vorkämpfer für das Kali bekannten, im Jahre 1906 in Marburg a.d.L. verstorbenen Montangeologen Dr. h. c. Carl Ochsenius, der zwanzig Jahre lang in Chile gelebt und zahlreiche Reisen in Nord- und Südamerika unternommen hat. Der Aufsatz wurde uns von dem Sohne des Verfassers, Dr. med. Kurt Ochsenius (Chemnitz), der anlässlich des 100. Geburtstages seines am 9. März 1830 geborenen Vaters die Hinterlassenschaft ordnet, überlassen. Die Schriftleitu „Ich untersuchte int Jahre 1865 einen großen Teil der Regentschaft Tunis bergmännisch für den B e i und konnte zwar keine großen Mineralschätze entdecken, von denen englische und französische Ingenieure gefabelt hatten, lernte jedoch Land und Leute in mannigfacher! Richtung kennen. Dabei habe ick) auch fühlen müssen, welche peinliche Lage es ist, von der großen Masse einer Bevölkerung als „christlicher Hund" angesehen zu werden, den man ungestraft ins Jenseits befördern darf. Zwei heimtückische Schüsse aus der stellenweise um fünfzig irreguläre Reiter verstärkten Eskorte meiner Begleitung galten mir in recht eigener Person. Man sagte: „Dieser Rumi (Christ) kommt nur hierher, um für den Bei und sich Gold zu entdecken. Findet er solches, so müssen wir Sklavenarbeit in den Minen verrichten. Also, wo möglich, fort mit ihm!" Bei allen schwierigen Gelegenheiten konnte ich mich nur auf das etwa ein Siebentel der Begleitung betragende jüdische Element stützen, und nie hat es versagt. Dort habe ich die Hebräer schätzen gelernt und vieles bewundern müssen, was sie fertigbrachten. Der Kommandant des Ganzen, ein Oberst Francis, der sich gern General nennen ließ, schwankte darüber, ob man den Freitag feiern, d. h. den Marsch unterbrechen sollte; mir lag jedoch daran, so rasch wie möglich fertig zu werden. Allein. vergebens ließ ich ihm durch den Dolmetscher verdeutlichen, daß dann drei Tage in der Woche versäumt werden würden, weil ich, obschon einziger C h r i st in der ganzen Gesellschaft, doch wohl auch das Recht habe, meinen Sonntag zu Herligen, und weil dann die Israeliten ebenfalls ihre S a b - b n t r u h e beanspruchen würden. Oberst Francis ineinte, die Schwierigkeiten unter den ihnr erst tags zuvor und am Morgen unserer Ausreise Angewiesenen Mannschaften würden zu groß feilt und daher Unzufriedenheit usw. herbeiführen. Ich ließ mich deshalb mit dem intelligentesten der jüdischen Reiter, Jacob, in ein Gespräch ein — er verstand etwas Französisch und Italienisch —, setzte ihm die drei Tage Arbeitsverlust auseinander und schlug vorkeinen einzigen Feiertag zu halten, dagegen die Bezahlung sachgemäß für jeden Tag in Anspruch zu nehmen. Ich bemerkte ihm dabei, daß der Minister des Innern seiner Hoheit, des Beis, wohl so wenig von unserem in Aussicht stehenden Faulenzen erbaut sein würde, daß es nach der Rückkehr schwerlich ohne einige Bastonaden in T u - n i s abgehen könnte und ersuchte ihn daher, die Truppe zu veranlassen, auf den Vorschlag des Ignorierend aller Feiertage einzugehen. Er begehrte die Erlaubnis, die Sache gleich einem jungen Rittmeister, einem vornehmen Mauren, Vorträgen zu dürfen, und brachte sie anscheinend so ehrerbietig und überzeugend vor, daß derselbe zwar sehr wenig anwortete, aber mich salutierte und von da an mit seiner besonderen Zuneigung bedachte. Schon am selben Abend bei den Wachtfeuern verhandelte man die Angelegenheit, und Jacob gab mir alsbald zu verstehen, daß sie in meinen: Sinne entschieden sei. Doch nicht allein in Nordafrika, sondern auch in Südamerika und noch bezeichnender in Nordamerika habe ich eine günstige Meinung von den Israeliten erhalten, und ich entsinne mich nur sehr weniger Gelegenheiten, bei denen unangenehme Eigenschaften von ihnen zutage traten, dagegen sehr, sehr vieler, bei denen ihre Vorzüge, zum Beispiel Mildtätigkeit, in hervorragendem Maße sich geltend gemacht haben, und kann deshalb dem absprechenden Urteil, das von fachunkundigen, mit Vorurteilen beladenen Menschen mitunter gefällt wird, nicht beipflichten. Es ist immer ein Zeichenvon Engherzigkeit und Beschränkt-' heit, wenn eine ungünstige Erfahrung verallgemeinert wird. Bon einer solchen Verallgemeinerung seinen eigenen. Stammes¬ und G l a u b e n8 g e n o s s e n gegenüber hütet sich jeder. Warum nicht auch , Andersgläubige n gegenübe r?" Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger jttd. Glaubens e. V., Berlin SW 68, Lindenstraße 13. tauptschriftleiter: Dr. Ludwig Holländer. verantwortlich: Dr. Margarete E d e l h e i m. Beide Berlin SW 68. Druck von Rudolf Mosse, Berlin SW 106.

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