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Central-Verein-Zeitung · 1930-02-01 · Heft 2 (Februar 1930) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 2 (Februar 1930)
Date
1930-02-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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13 uns, auch hier die Tatsachen sprechen zu lassen, an welchen keinerlei Berichterstattung der nationalsozialistischen Organe rütteln kann: Allerdings machte der Richter im Laufe der Verhandlung die Bemerkung, daß er „persönlich eine unsittliche Handlung nicht feststellen könne", es stehe jedoch fest, daß es „eine außerordentlich schwüle Stunde" gewesen wäre. Als Münchmeyer mit schauspielerischem Pathos auf diesen Ausspruch des Richters sich etwas Besonderes zugute tat und eine Art Volksversammlungsrede in Sachen der eigenen Person zu führen begann, unterbrach ihn der sehr sachliche Richter und machte ihn höflich, aber mit bedeutsamer Betonung darauf aufmerksam, daß es sich um „eine sehr schwüle Stunde" gehandelt haben müsse. Derartige Dinge eien natürlich menschlich begreiflich, wenn es ich um Privatpersonen handele. Und er fügte )en sehr bemerkenswerten Sah hinzu: „Bei einem Priester ist es natürlich eine andere Sache, aber das geht mich jetzt hier nichts an." Herr Münchmeyer wird wohl gewußt haben, warum er sich plötzlich mit diesem Punkte nicht mehr beschäftigte und warum er ihn auch nicht zum Gegenstand der Widerklage machte. Seinen allzu eifrigen Parteigenossen, die sich gewichtig als Berichterstatter aufspielen, möchten wir aber empfehlen, in ihrem und ihres Parteigenossen Münchmeyer eigenstem Interesse etwas vorsichtiger und zurückhaltender in diesem Punkte zu sein. Wie man aus dem bisherigen Ergebnis der Verhandlung eine Niederlage des C. V. herauslesen kann, wäre völlig unbegreiflich, wären wir nicht von Blättern wie dem „Völkischen Beobachter" und dem „Stürmer" Verdrehungen, unbegründete Behauptungen und Entstellungen gewohnt. Nur noch ein einziger unter vielen ähnlichen charakteristischen Vorgängen aus der Verhandlung sei hier erwähnt, der beweist, für wen das Ergebnis und der Verlauf der Verhandlung „niederschmetternd" gewesen ist. Der Richter hielt den drei Angeklagten ständig vor, wie wenig anständig und schön sie dadurch gehandelt hätten, daß sie ihre politischen Meinungen in gehässiger und beleidigender Form zum Ausdruck gebracht hätten, und sagte einmal wörtlich: „Ich schmeichle mir nicht, Herr Münchmeyer, Sie von Ihrem antisemitischen Vorurteil befreien zu können. Aber ich vedanre — nnd wenn Sie eS nicht bedauern, so bedanre ich es für Sie —, datz man den Kampf so persönlich führt. Ich bedanre auch, daß man Menschen ihres Glaubens oder ihrer Abstammung wegen beleidigt. Sie müssen doch zugebenr das ist nicht schön." Münchmeyer schwieg betreten. Derartige Szenen gab es mehrfach. Ihr Eindruck wurde auch nicht' durch den Umstand verwischt, daß Münchmeyer sich Zuweilen künstlich ausregte und den „wilden Mann" zu spielen versuchte. Abraham Frowein antwortet den Nationalsozialisten: Der Methoden des politischen Kampfes ln Deutschland muß man sich schämen. Die Methode der Völkischen, Menschen, deren politische Richtung ihnen unangenehm ist, zu Juden zu ernennen, ist nicht neu. So behaupteten kürzlich die nationalsozialistischen Studenten Charlottenburgs in einem Flugblatt, der „Schauspieler R i e b e n s a h m" aus Königsberg, der bei der Reichsgründungsfeier der Charlottenburger Technischen Hochschule Mitwirken sollte, sei Jude. „Der große Schauspieler, der Jude Riebensahm, der Sohn des Getreidejuden Chajim Riebensahm aus Königsberg" hieß es in Fettdruck in ihrem Flugblatt. In Wahrheit ist Riebensahm Hochschulprofessor und nicht Schauspieler, heißt der Vater nicht Chajim, und sind Vater und Sohn weder Juden noch jüdischer Abstammung. Ein anderer, der immer zum Juden ernannt wird, ist der Minister Schlesinger in Mecklenburg-Schwerin. Aber selbst der Herausgeber des völkischen „Fridericus" schrieb dazu einmal (Nr. 31, 1929) in seinem Briefkästen „Nach Regenwalde": „Wie uns versichert wird, ist der Minister Schlesinger in Mecklenburg-Schwerin nicht Jude. Map muß mit der Behauptung der jüdischen Abstammung, die sich nur auf den Namen stützt, sehr vorsichtig sein. Es gibt z. V. eine Unmenge von Leuten, die Israel heißen, obwohl in ihren Adern kein Tropfen jüdisches Blut fließt. Auch gibt es eine Menge Juden, die Holz heißen, so daß ich eigentlich immer auf die Behauptung warte, ich sei Jude oder Halbjude. Ich sehe allerdings nicht so aus." Aber es gibt auch Leute, die „so aussehen" und es doch nicht sind, ja es soll sogar unter den Führern der Nationalsozialisten solche geben! Und es gibt auch Leute, die mit Vornamen Abraham, Jsaac oder David heißen und doch keine Juden sind, und was das erfreulichste ist, die „die Ernennung zum Juden" nicht etwa als Kränkung empfinden, sondern in sehr vornehmer Weise ablehnen. So geschah es, als der bekannte Industrielle und stellvertretende Vorsitzende des Reichsverbandes der Industrie, Abraham F r o w e i n, kürzlich vom Organ des Nationalsozialistischen Schülerbundes, „Der Aufmarsch" als „Erzjude" bezeichnet Wir sprechen den Lesern der Eimnonatsausgabe, die unseren Fragebogen In der letzten Nummer dieses Blattes beantwortet haben, unseren verbindlichsten Dank aus, und werden den Wünschen nach weiterem Aufklärungsmaterial in jedem einzelnen Falle durch Zusendung von entsprechenden Broschüren gern Rechnung tragen. Landesverband Hessen-Nassau und Hessen» Frankfurt a. M., Steinweg 9, Zimmer 111. wurde. Frowein machte daraufhin anläßlich einer Versammlung des Großhandelsverbandes nachstehende Ausführungen, die wir im Wortlaut hier wiedergeben, weil sie ein so außerordentlich erfreuliches Bild von der vornehmen Gesinnung dieses politisch rechtsstehenden Industriellen geben. Abraham Frowein führte aus: „Meine sehr verehrten Herren! Ich mutz zunächst den Herrn Vorsitzenden, aber hoffentlich nicht Sie, meine Damen und Herren, enttäuschen. Der Herr Vorsitzende hat mich gebeten, etwa 20 Minuten zu sprechen, diese Redezeit werde ich nicht in Anspruch nehmen. Ich mutz aber dem Herrn Vorsitzenden noch eine weitere Enttäuschung bereiten. Er hat offenbar nicht gewußt, wer ich war, als er mich bat, in diesem Kreise zu sprechen. Wenn er den „A u s m a r s ch", Blätter der Deutschen Jugend, das Organ des Nationalsozialistischen Schülerbundes, gelesen hätte, so würde er wissen, daß Herr Erich Berger in Dresden festgestellt hat, daß ich ein Großkapitalist und E r z j u d e bin. Ich sage das nicht, weil ich mich gekränkt fühle. Groß-. Kapitalist zu sein, wäre mir sogar recht angenehm," aber ich erwähne diese Angelegenheit einmal und ich hätte mich gefreut, wenn der Herr anwesend wäre, weil allmählich die Methoden des politischen Kampfes ist Deutschland anfangen so übel zu werden, daß man sich schämen mutz. Man kann vielleicht nicht von einem Herrn, der über Politik und Jugend schreibt, verlangen, daß ihm bekannt ist, daß alttestamentliche Vornamen auch heute noch in ealvinistischen Kreisen der ganzen Welt üblich sind. Als ich als junger Mann in meine Firma eintrat, hatten wir als Arbeiter drei Brüder, die Abraham, Isaak und Jakob hießen. Man kann auch wohl von einem solchen Mann nicht erwarten, daß er weiß, daß der Name Frowein altgermanischen Ursprungs ist und weder mit froh noch mit Wein etwas zu tun hat, wobei ich aber ausdrücklich unterstreiche, daß ich persönlich weder gegen den Wein noch gegen die Fröhlichkeit etwas einzuwenden habe. Aber diese Dinge gehen ja viel weiter. Wenn man nicht schon aus dem Namen aus den Erzjuden schließen darf, so erfindet man irgend etwas anderes. In den Mitteilungen der Ortsgruppe Groß-Berlin der Vereinigung der Alten Burschenschafter war kürzlich in einem Bericht über den Young-Plan folgendes zu lesen: „An die Stelle des aufrechten Dr. Vögler trat nach dessen Rücktritt der jüdisch verheiratete Geheim rat Kastl, Schwager des ebenfalls jüdisch verheirateten Dr. Strese-. mann." Sowohl die jüdische Verheiratung Geheimrat Kastls wie die Schwagerschaft mit Dr. Stresemann sind hundertprozentig erfunden. Ich wiederhole, ich sage diese Dinge nicht, weil ich sie als Beleidigung empfinde, trotzdem sie als solche gemeint sind; ich sage sie, weil es erschreckend ist, wie wenig man heute in Deutschland erkennt, worauf es für Europa ankommt. Wenn Europa sich nicht aus sich selbst besinnt, wenn es Europa nicht gelingt, durch Zusammenarbeit die furchtbaren Wirkungen des Krieges auszugleichen, so wird es sehr bald andere Rassensragen geben als die jüdische, und wir werden uns gegen Baschkiren und Hottentotten zu wehren haben. Die Leute, die solchen Unsinn schreiben wie den von mir zitierten, wissen überhaupt gar nicht, was Rassensragen eigentlich bedeuten, sie wissen nicht, wie anwidernd derartige Anwürfe gerade für diejenigen sind, die sich noch zum Christentum bekennen. Der Höhepunkt der Narretei wird allerdings erreicht, wenn Jesus C h r i st u s deshalb verleugnet wird, weil er Jude war, und wenn man anstatt des Christentums den Wotan-Kult wieder einführen will." Der gleichen Gesinnung entspringt die nachstehende Erklärung des Leiters des Neußischen Theaters, Karl Börries Friedrich Rosen, die wir in der „Ostthüringer Arbeiterzeitung" vom 7. Februar finden. Dort heißt es: „Politische Rassenforscher, die ihre Studien nach dem einwandfreien, streng wissenschaftlichen Grundsatz: „auäacter calunuüare semper aliqnid haeret" treiben, belieben seit einiger Zeit mich offen und versteckt als „Juden" zu.bezeichnen in der unverkennbaren Absicht, mich in meiner persönlichen Ehre herabzusetzen, weil nach ihrem Dafürhalten das Wort „Jude" eine Beschimpfung ausdrückt. Wäre ich einer, so würde ich mich nicht einen Augenblick bemühen, das zu verheimlichen oder zu verschleiern, da mich nach meiner primitiven Weltanschauung die Eigenschaft persönlicher Anständigkeit wertvoller und wichtiger dünkt als die chemische Zusammensetzung menschlichen Blutes. Es gibt unter allen Rassen und Bekenntnissen Schweinehunde und das Gegenteil davon. Das ist so meine Meinung, halten zu Gnaden! Es tut mir aufrichtig leid, jenen politischen Wegelagerern und Rassenschnüfflern, die in letzter Zeit gegenüber meiner Persönlichkeit so viel liebevolles Interesse bekundeten, durch folgende Angaben das Konzept verderben zu müssen. Bin am 13. 3. 1879 als Sohn des Majors in der ehemaligen Hannoverschen Armee Friedrich Rosenthal, späteren Rittergutspächters (im Königreich Hannover existierten teilweise noch Ghetto-Bestimmungen, u. a. durfte niemand jüdischer Abstammung Soldat werden — auch nicht gewöhnlicher Soldat —, Juden waren also von jeder Militär- Pflicht befreit) geboren und am 22. 4. desselben Jahres in der Schloßkirche zu Hannover von dem Abt Uhlhorn im Beisein meines Paten und Schwagers, des Freiherrn Börries von Hammerstein (vornehme Abstammung und Verwandtschaft, . was? Daraus kommt es doch wohl einzig nnd allein an?!) getauft und in derselben Kirche zu Palmarum 1895 von Konsistorialrat Alfeld konfirmiert worden. Der Vater meiner Mutter war Küster (Kirchenvogt) an der evangelischen Marktkirche au Hannover . . . Geburtsurkunden und Taufschein liegen im Original gur gesl. Einsichtnahme bereit. . ." Karl Börries Friedrich Rosen recte Rosenthal, z. Z. beauftragt mit der Leitung des Reußischen Theaters. 935681229461954861515372168918916423794767277462026455918649489962283

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