Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1930
- Issue
- Heft 2 (Februar 1930)
- Date
- 1930-02-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der „Sumpf" gegen unsere GoiieshLnfer nnd KiedM. Serlin. In der Nacht vom 15. zum 1b. Februar wurde die Synagoge Kottbuser Tor von bisher unbekannten Tätern in einer Weise besudelt, wie dies bisher weder in Berlin noch irgendwo im ganzen Reiche der Fall war. Zwanzig Hakenkreuze in Höhe von einem Meter bedecken die ganze Front des Gotteshauses und seine Türen. Ueoer die ganze Breite der Fassade erstrecken sich die Worte: „Juda verrecke! Judas den Tod! Die Rache naht!" Die Empörung über das Bubenstück ist eine allgemeine. Keiner geht vorüber, ohne seiner Entrüstung über die Tat laut Ausdruck zu geben. Es ist zu hoffen, daß die Täter recht bald gefaßt werden, damit gründlich festgestellt werden kann, welchen politischen Kreisen sie angehören. Der Verdacht ruht natürlich auf jenen Kreisen, deren Schmierkolonnen nächtlicherweise an Zäunen und Häusern der Großstadt bereits häufiger, besonders in Mahlzeiten, älmliche Parteiabzeichen anzumalen pflegten. Was zur Ermittlung der Täter in unserer Kraft steht, ist bereits veranlaßt worden. Spandau. Fast gleichzeitig erhalten wir die Nachricht von Synagogenbesudlungen in Spandau, Plauen und Hannover. Dort wurde, nachdem bereits tagelang Zäune und Eisenbahnübergänge in allen Teilen der Stadt systematisch mit Niesenaufschriften wie: „Des Juden Gut ist des Volkes Blut" beschmiert worden waren, die Synagoge mit einer ätzenden Flüssigkeit beschmiert, wie das untenstehende Bild zeigt. Die Schmierfinken scheinen mit den üblen Burschen in Verbindung zu stehen, die auch in den anderen Teilen Berlins neuerdings ihr Unwesen treiben und ganze Häuserreihen mit „Hitler - Hoheitszeichen" bemalen. In einer P r o t e st v e r f a m m l u n g unserer Ortsgruppe Spandau am Die Spandauer Synagoge. Synagoge Kottbuser Tor. 20. vorigen Monats, in der Syndikus Artur Schweriner referierte, wurde einstimmig nachstehende Entschließung angenommen, die sämtlichen Bezirks- und Polizeiämtern Groß- Berlins zugeleitet wurde: „Die Ortsgruppe Spandau des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erhebt flammenden Protest gegen die Besudlung der Spandauer Synagoge sowie von Häusern, Zäunen und Eisenbahnübergängen der Stadt Spandau mit judenseindlichen Inschriften und Hakenkreuzen. Der neuerdings bekannt gewordene Fall der Beschmutzung der Synagoge Kottbuser Ufer läßt darauf schließen, daß es sich um systematische Umtriebe judenfeindlicher Ele^ mente handelt. Die Ortsgruppe Spandau bittet die Bezirksämter und Polizeibehörden, auf dieses schandbare Treiben verhetzter Rohlinge ihr besonderes Augenmerk zu richten. Das Ansehen der Reichshauptstadt in <den Augen der gesamten Kulturwelt steht letzten Endes auf dem Spiele " Plauen. Der Synagogenneubau in Plauen wurde, wie uns gemeldet wird, zweimal auf häßliche Weise geschändet. In der Nacht zum 12. Februar wurde die Synagoge, die vollständig unter Dach und Fach ist, erbrochen und ein verendetes Ferkel im Innern niedergelegt. In der Nacht zum 17. Februar wurden 14 Fensterscheiben des Neubaues zertrümmert. Hannover. Am Spütabend des 29. Januar wurde eine Fensterscheibe des Sitzungssaales im ersten Stockwerk des Gemeindehauses in Hannover durch einen Steinwnrf zerschlagen. In der Nacht vom 18. Aum 19. Februar wurden kurz nach Schluß einer nationalsozialistischen Versammlung, die nur wenige Minuten vom Gemeindehaus entfernt stattfand, durch drei Steinwttrfe zwei Doppelfenster nnd ein einfaches Fenster zertrümmert; die Annahme eines ursächlichen Zusammenhanges liegt nahe. Außerdem wurde am Sonnabend, dem 15. Februar, der Abendgottesdienst in der Synagoge dadurch gestört, daß im Vorraum der Synagoge von drei Burschen mit Schüler Mützen eine sogenannte Kinder - Fliegerbombe geworfen wurde, durch deren Knallen die verhältnismäßig wenigen Teilnehmer am Gottesdienste erschreckt wurden. Das Polizeipräsidium hat eine Belohnung von 500 Mark für die Feststellung der Täter ausgesetzt. Unsere Ortsgruppe Hannover hat alle in ihrer Hand liegenden Möglichkeiten zur Aufdeckung der Tat in dankenswerter Weise ausgeführt. Georgensgmünö. Allch der „Kampf" gegen die Gräber hat noch immer kein Enoe gefunden. Am 21. Januar wurden auf dem israelitischen Friedhof Georgensgmünd bei Nürnberg Grabsteine nmgeworfen, beschädigt nnd beschmutzt. Nur wenige Tage später wurde der gleiche Friedhof in weit schlimmerem Maße beschädigt. In der Nacht von: 28. zum 29. Januar wurde an einem Grabstein die hebräische Inschrift herausgebrochen, dafür wurden, wie aus dem untenstehenden Bilde ersichtlich, die Worte „Sara, dn stinkst" eingekratzt. Bei zwei weiteren Grabsteinen wurde das Wort „San" ebenfalls mit einem spitzen Gegenstand eingekratzt. Obschon sofort nach Entdeckung der Tat die Ortsgendarmerie und Kriminalbeamte der Polizeidrrektion Nürnberg die Verfolgung aufnahmen, auch Fingerabdrücke sestgestellt und ein Polizeihund auf die Spur gesetzt wurde, konnten die Täter noch nicht ermittelt werden. Die nationalsozialistische Ortsgruppe Georgensgmünd hat bereits nach dem ersten Verbrechen hundert Mark Belohnung für die Auffindung des Täters ausgesetzt. Sie will damit offenbar deutlich von der Tat und dem Täter abrücken. Sie hat das um so mehr nötig, als Georgensgmünd einer der Orte ist, wo die nationalsozialistische Bewegung stark agitiert und der „Stürmer" viel gelesen wird. Hoffentlich wird hier die Auffindung des Täters die Schuldfrage klären. Beschmierter Grabstein in Georgensgmünd.