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Central-Verein-Zeitung · 1930-01-01 · Heft 1 (Januar 1930) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 1 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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4 kommen zu sein. Ans welchem Grunde sonst sollten Plötzlich die Jungdcmokratcn in Berlin auf den Gedanken kommen, ,gegen die gewissenlose Demagogie der Nationalsozialisten' eine Kundgebung zu veranstalten. Auch ihnen und ihrem Mitgliederbestand werden wir Wohl schon zu Leibe gerückt sein." Bezeichnend ist, wie der christliche Stndienrat Dr. Blankenburg, der in einer jnngdemokratischen Versammlung sprach, von Schülern dargestellt wird. „So redete er z. V. ausführlich von seinem Nundschädel, bett er der Nationalsozialistischen Partei nicht zur Verfügung stellen könne, da diese ja bekanntlich aus Grund ihrer Nassenthevrie nur Langschädel nehme. Was insofern richtig war,, als wir nur für Nundschädel Verwendung haben, in denen etwas drinsteckt. Mangels Masse unbrauchbar' hätte er im Vjörnson-Jargvn besser von seinem Schädel sagen solleil. Bolll Volksbegehren meinte er, daß die dasür benötigten Gelder zweckmäßiger für Kinderspeisungen hätten verwandt werden sollell. (Wie das zieht, was?!) Als man ihm logischerweise eine arithmetische Reihe von neurepublikanischen Korruptionisten zuries — von Sklarek über Varmat All Sklarek —, nahm er zu der allzu plumpen Lüge Zuflucht, alle Parteien feien in den Sklarek-Sumps hinein- . gezogen worden. Als man ihn daraufhin — wiederum lvgischerweise — eittett Lügner nannte, spielte er den kirchlich Empörten. Nebrigens sehr schlecht gekonnt." In einer Mitteilung nuS Stettin wird der Studienrat Dr. Tacke (Stettin) besonders aufs Korn genommen. Bon ihm heißt es: „Dieser Lugenderzieher' zeigt das wahre Gesicht dieses Systems. Merkwürdig, daß man in Deutschland noch nicht nach svwjetrussischem Muster zu Christenverfolgungen übergegangen ist." Interessant ist auch, was im „Niederdeutschen Beobachter" (Nr. 2 vom 11. Januar) als Aufruf des Gaues Mecklenburg- Lübeck, der der Leitung des Gauführers Richard Schnpke aus Ludwigslnst untersteht, unter den: Titel „Warum Nationalsozmlistischer Schülerbund?" veröffentlicht wird. Wir geben daraus die folgenden Stellen wieder: „Wir Schüler werden heute nicht mehr dazn erzogen, Deutsche zu sein, d. h. Menschen, die sich ihre Pflichten dem Volke gegenüber bewußt sind, sondern ,zu. guten Staatsbürgern', d. h. zu Menschen, die instinktlos und rückgratlos alles tun, was die Regierungsgrößen der sogen, inten ,Novemberrepublik' für richtig erachten. Wir sollen Menschen werden, die zwar viel gelernt haben, viel wissen, aber ohne weltanschauliche Lebensgrundlage ein willenloses Werk in der Hand unserer Verderber sein werden. Wir wollen Menschen werden, die zwar auch ihren Posten im Leben aussüllen können, aber zugleich eine klare Einstellung zur Vvlksgemeiuschast und zum Staat haben und diese klare Einstellung, wenn der Staat ihr nicht entspricht, in die revolutionäre Tat runsetzen." Jeder Lehrer, welcher Weltanschauung auch immer, wird, wenn er nicht Nationalsozialist ist, seine Folgerungen ans diesen Beweisen zrehen. Eine Jugend, die in einem solchen G e i st e erzogen wird, i st eine Gefahr f ü r den Wiederausbarl des Vaterlandes, und vor allem für sich s e l b st. Wir sind überzeugt davon, daß alle guten Deutschen, vom rechten bis zum linken Flügel des deutschen Parteilebens, die um das Schicksal ihres Vaterlandes besorgt sind, eine Erziehung der Jugend in diesem Sinne nicht nur verwerfen, sondern auch auf das schärfste bekämpfen werden. A. W. Die öeutsthen Minderheiten gegen Hitler« Ein bedeutsamer Deschluß -er Prager Min-erheitentagung. Der Wunsch, sich bei Mussolini anzubiedern, hat bekanntlich Hitler und seine Partei, deren Progranlm „Zusammenfassung des gesamten deutschen Siedlungsgebietes in Europa zum nationalsozialistischen dritten neuen Reich" vorsteht, nicht einmal vor einer Preisgabe Südtirols zurückschrecken lassen. Der „Völkische Beobachter" vom 2. Februar 1926 nannte die Südtiroler Frage „eine Sentimentalität, mit der die Judenpresse jetzt wieder einmal die politische Denkfähigkeit des deutschen Volkes zu umnebeln suche", und Hitler selbst hatte am 30. März 1927 den traurigen Mut, dieses vielleicht schwerste Problem deutschen Minderheitenschutzes erne Angelegenheit zu nennen, „bei der sofort alle Spießer lebendig werden". Die deütschvölkische Arbeitsgemeinschaft Südtirols hat damals in einem offenen Brief Hitler für die „zynische und freche Art, mit der er über das Leid der Deutschen in Südtirol weggehe", gebührend zurechtgewiesen. Sie hat ihm dabei vorgehalten, daß ihm die „allerbescheidenste Sachkenntnis fehle, um über derartige politische Fragen sprechen zu können; wisse er doch noch nicht einmal, wieviel deutsche Südtiroler es überhaupt gebe". Vor einigen Monaten erklärte der nationalsozialistische Parteisekretär Heidrich (Königsberg) in einer Rede in Angerburg. „Diese angebliche Bedrückung der Südtiroler sei eine von den Freimaurern erfundene Lüge; außerdem käme es nicht auf das Schicksal von einigen tausend armseligen Südtirolern an." Dies wagt ein „nationaler deutscher Politiker" in einer Zeit zu sagen, in der das ganze deutsche Volk mit tiefer Trauer teilnimmt an dem Leid der Brüder in Südtirol, deren beste Männer fern der Heimat im Fieberklima der Liparischen Inseln als Verbannte dahinstechen, denen nicht einmal gestattet wird, das Gedächtnis ihrer Toten durch Grabsteine in der Muttersprache zu ehren, deren Kindern faschistische Behörden das primitivste Menschenrecht des Gebetes in der Muttersprache zu nehmen suchen. Diese bis in die letzte, Zeit häufig in.der Oeffentlichkeit in provozierender Fornr zur Schau getragene verantwortungslose Haltung Hitlers und seiner Trabanten zwang schließlich die Führer der deutschen Minderheiten zum Einschreiten. Am 16. Dezember Vorigelz Jahres tagte in Prag unter dem Vorsitz des deutschen Abgeordneten in Rumänien, Brandsch, der Verband der deutschen Minderheiten in den europäischen Staaten und faßte einen Beschluß, der unter anderem folgende bemerkenswerten Sätze enthält: „Ter Verband der deutschen Volksgruppen in Europa stellt, fest, daß das Gefühl der volksmäßigen Verbundenheit aller Deutschen auch über die Staatsgrenzen hinweg eine aus Zeiten schlversten Unglücks erwachsene Tatsache ist. Er bekennt feierlich, daß dieselbe unzerreißbare Solidarität auch gegenüber den von nationaler Vernichtung bedrohten deutschen Südtirolern vorhanden ist und daß insbesondere alle übrigen Volksgruppen sich mit ihnen eins erklären. Daran ändern Aensternngen nnd Handlungen angeblicher Realpolitiker nichts, durch die einzelne Personen oder Gruppen zeitweilig oder dauernd das Deutschtum in Sttdtirol preisgeben wollen. Es droht aber die Gefahr, daß durch Reden, Aufsätze, Bttchex, Shmpathiereifen zu fremden Völkern, insbesondere aber durch Aeußerungen gegenüber der ausländischen Presse vor der Weltöffentlichkeit der falsche Eindruck entsteht, als sei das deutsche Volk tatsächlich bereit, den unverzichtbaren Anspruch ans die Lebensrechte einer seiner Volksgruppen anfzugeben. Schon der scheinbare Verzicht lähmt die Widerstandskraft der unmittelbar dadurch betroffenen Volksgruppen in ihrem Existenzkampf und stärkt den Vernichtnngswillen der Unterdrücker. Er erschüttert aber auch die Stellung der übrigen deutschen Volksgruppen, indem er das Vertrauen auf die dentsll^e Solidarität untergräbt nnd den Rechtsanspruch des deutschen Volkes vor der Welt in Frage stellt." Hitler wird in diesem Beschluß zwar nicht ausdrücklich mit Rainen genannt, es kann aber keinem Zweifel unterliegen, das; diese scharfe Znrückweisnng sich in der Hauptsache gegen den Nationalsozialismus richtet; denn außer den Nationalsozialisten und einigen Heimwehrstrategen denkt kein Mensch in Deutschland an einen Verzicht auf Südtirol, und nienials hat irgendeine andere deutsche Partei oder Gruppe derartige Tendenzen vertreten. Es ist bezeichnend genug, daß erst im edelsten Sinne Völkische, nämlich die Führer jener deutschen Gruppen, die fast täglich um die Erhaltung ihres deutschen Volkstums aufs schwerste kämpfen, die um jede deutsche Schulklasse ringen, jeden deutschen Vortrag erst ertrotzen müssen, Hitler und den Seinen ein Privatissimum über wahrhaft nationale deutsche Politik zu lesen gezwungen sind. Wemei* Rosenberg. Der verwüstete Friedhof in Gunzenhausen,

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