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Central-Verein-Zeitung · 1930-01-01 · Heft 1 (Januar 1930) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1930
Issue
Heft 1 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Eltern, Lehrer, Schulbehörden Kämpft gegen -ie Hakenkreuzpr-pagan-a in -en Schülerkreisen. In einer der letzten Ausgaben der „C. V.- Zeitung" ist mit Recht die Frage der Nationalsozialistischen Schülerbünde angeschnitten worden. Augenblicklich schlägt zugleich mit dein Erstarken der Nationalsozialistischen Partei eine hakenkreuzlerische Welle in unser e höheren Schulen hinein, die wir namentlich in Berlin sehr stark zu spüren bekommen. Das Provinzialschulkolleginm für Berlin und die Provinz Brandenburg hat infolgedessen ein Rundschreiben an die die ihm unterstellten Anstalten versandt, in dem es Bericht über die Erfahrungen, die mit nationalsozialistischen Schülerbünden, zugleich aber auch mit dem S. S. B. (Sozialistischer Schülerbund), der aber seiner ganzen Richtung nach völlig ins kommunistische Fahrwasser geraten ist, ernfordert. Nach dem Ausfall dieser Berichte wird die Behörde sich zu entscheiden haben, ob sie nach dem Ministerialerlaß von 1922 beide Bünde verbietet oder sie weiterbestehen läßt, aber sorgfältig beobachtet. Unseres Wissens ist übrigens in der letzten Zeit der Nationalsozialistische Schülerbund in Köln verboten worden. Die Neigung der Jugend zu Extremen steht ja nach der jugendpsychologischen Forschung durchaus fest. Aber die nationalsozialistische Bewegung wirkt auf diese jungen Leute fanatisierend —fast noch stärker als die kommunistische — durch den Aufruf zur sogenannten „Tatfreudigkeit" oder zum „Aktivismus". Diese jungen Leute geben sich gar keine Mühe, ja sie sind nicht einmal imstande, ein Problem zu erörtern; sie sind dogmatisch an ihre Partei gebunden und treten in den Versammlungen, die sie besuchen, mit einer unerhörten Brutalität auf. Diese Parteiborniertheit zeigt, daß die nationalsozialistische Jugend mit irgendeiner „Jugendbewegung" nicht das geringste zu tun hat. Sie hat von vornherein darauf verzichtet, eine eigene Meinung aus sich heraus zu entwickeln, vielmehr wird sie, wie ein Aufsatz in der „Jungen Front" recht anschaulich berichtet, in die politischen Begriffe „eingeweiht und organisch geschult und vertieft", d. h. sie wird in das Programm der Nationalsozialistischen Partei eingedrillt, um dann als ihre „Stoßtruppe" vorzugehen. Selbstverständlich kann diese Partei kritische Köpfe nicht brauchen, d. h. also die eigentlich wertvollen Jugendlichen, die von sich aus zu den politischen Problemen Stellung nehmen wollen. Was kann denn nnn geschehen, mit diese verderbliche Entwicklung zn hindern? Zunächst eins: gewisse Elemente der Schülerschaft, nämlich die, deren Intelligenz unter dem Durchschnitt steht, wird man nicht verhindern können, nach der einen oder anderen Seite mindestens für eine Zeitlang abzurutschen. Sie werden immer Schlagwörtern zum Opfer fallen. Sie werden immer an die Durchführbarkeit von radikalen Forderungen glauben, die beim ersten Zusammenprall mit der Wirklichkeit kläglich Schiffbruch leiden. Für die Teile der Jugend aber, die es versuchen, selbständig zu denken, sollte der Unterricht, namentlich der Geschichtsunterricht, doch notwendige Hemmungen einschalten. Freilich kann das nicht in dem Sinne geschehen, daß der Lehrer seine Meinung und n u r.seine Meinung den Jungen vordoziert. Vielmehr müssen zum mindesten die Einwände, die von der Schülerschaft kommen, ernst genom» men werden, am besten aber bei der Untersuchung der Weltanschauungen, die hinter den Parteiprogrammen stehen, und bei diesen selbst die Mitarbeit der Schüler verlangt und durchgeführt werden. Am wichtigsten aber will es mir erscheinen, daß in den sogenannten Vertiefungsstunden, also Arbeitsgemeinschaften, bestimmte politische Probleme entwickelt, beispielsweise die Parteiprogramme im einzelnen ourchgesprochen werden, daß also Schüler selber über diese referieren und dann in gemeinschaftlicher Allssprache Nutzen und Schäden, Vorteile und Nachteile ganz unvoreingenommen besprochen werden. Man kann das Endurteil getrost den Schülern überlassen. Das Wichtigste ist, daß sie die Bedingtheit jedes solchen Programms erkennen; sie werden dadurch so weit geschult, daß sie ihnen im späteren Leben mit Vorsicht entgegentreten. Hauptbedingung ist allerdings dabei, daß solche Dinge mit absolutester Offenheit behandelt werden. Die Opposition der Schüler, sie mag so heftig sein, wie sie wolle, darf niemals dem Lehrer Grund zu kleinlicher Bekrittelung ihrer Ansichten oder gar Anreiz zum Spott sein — von der Möglichkeit des Nachtragens ganz zu schweigen. Die Schüler müssen das unbedingte Gefühl haben, daß bei der ganzen Untersuchung das B e st r e b e n obwaltet, miteinander zur schärf st en Klarheit ohne Ansehen der Person des Mitarbeitenden z u k o m m e n. Ich glaube, daß bei einer solchen Behandlung sowohl das Programm der Kommunisten, die unter der falschen Flagge des „Sozialistischen" Schülerbundes heute noch auf Seelensang ausgehen, wie auch das der Nationalsozialisten schwerlich Proselyten machen wird; wahrscheinlich wird allerdings der Nationalsozialismus noch erheblich schlechter abschneiden, weil bei dem der gesunden Jugend angeborenen Gerechtigkeitsgefühl die Verfemung der deutschen Juden, also doch auch eines Teils ihrer Mitschüler, außerordentlich unangenehm wirken wird. Endlich empfiehlt es sich, daß die Schule bzw. die Behörde an den gesunden Sinn des Elternhauses appelliert. Ihm ist ja durch den Erlaß von 1922 die volle Verantwortung für die Zugehörigkeit der Jugend zu politischen Vereinen zugeschvben worden. Es dürfte doch wohl nicht ganz ohne Eindruck bleiben, wenn immer wieder, durch amtliche Verlautbarungen auf die Folgen der Verhetzung der Jugend hingewiesen wird. Wenn ein Oberprimaner, wie „Der Aufmarsch" meldet, bei einem „Kommunistenüberfall auf ein nationalsozialistisches Lokal" schwer verletzt wurde und dann starb, auf gut Deutsch also, wenn bei einer Schlägerei Zwischen schwer verhetzten Jugendlichen verschiedener Vereine ein junges Leben vernichtet worden i st, so nützt es dem Elternhause nichts, wenn die Gesinnungsgenossen in der Todesanzeige den Toten als „leuchtendes Vorbild" preisen, noch viel weniger, wenn sie dazusetzen: „Nicht mit Worten, nein, mit Taten werden wir seiner gedenken!" Solche traurigen Gelegenheiten müssen immer wieder dazu benutzt werden, daß die Schulbehörde auf das Verderbliche politischer Verhetzung hinweist. Ebenso sehr ist es allerdings notwendig, auch den Lehrern immer wieder einzuschärfen, daß sie selber mit Wort und Tat der Politisierung der Sck)üler entgegentreten. Ob die Behörde schließlich die Ministerialverfügung zur Unterdrückung des Nationalsozialistischen und Sozialistischen Schülerbundes benutzt oder nicht, ist eine Frage der Zweckmäßigkeit. Märtyrer zu schaffen, ist natürlich falsch. Anderseits ist aber auch die Behörde verpflichtet, Störungen, die das Gemeinschaftsleben der Schule schädigen, hintanzuhalten. Vom rein pädagogischen Standpunkt aus hätte sie ganz sicher ein Recht, ja eine Pflicht, der Verrohung und Fanatisierung der Jugend energisch entgegenzutreten. krok6880r vr. Paul Hildebrandt. „Geistige Nahrung" für Schüler! Nicht nur in Versammlungen, sondern auch in Zeitschriften und Zeitungen wird die nationalsozialistische Verhetzung unter die Schüler getragen. Wie wert die Dinge bereits gediehen sind, beweist die soeben erschienene zweite Nummer der Zeitschrift „Der Aufmarsch. Blätter der deutschen Jugend", das Organ des Nationalsozialistischen Schülerbundes. Wir geben daraus einige Proben wieder. Im Aussatz von Erich Berger (Dresden) über „Politik und Jugend" heißt es folgendermaßen: „Wer allerdings die ausgesprochen unehrliche, innerlich faule und unnatürliche Politik parlamentarischer Parteien treibt, bei dem wird e8 schwer halten, unter ihrer Betätigung einen offenen, ehrlichen und gesunden Charakter zu behalten! Wir sind sogar der Meinung, daß, wenn ein charaktervoller Mensch sich mit jenen politischen Komposthaufen beschäftigt, er früher oder später — und das ist durch die Natur der Sache bedingt — stinken muß!" Und weiter heißt es: „Unter der Erkenntnis hört jede Pietät und jede Rücksicht auf. Denn jeder Volksgenosse, der in Zukunft nicht geboren, und jeder Volksgenosse, der unter der Einwirkung unserer verzweiselten Wirtschastslage zusammenbricht und den Gashahu öffnet, ist uns lieber und wertvoller als ein volksparteis licher Minister, der in einer grenzenlosen Verkennung politifctrer Notwendigkeiten und Gegebenheiten fein eigenes Volk auf den Weg nach Kalvaria zwang! Dem Leben unseres Volkes sind wir es schuldig, daß wir eine entschiedene Frontstellung einnehmen gegen alles, was dieses Leben beeinträchtigt oder gar vernichtet!" Ueber die Abgeordneten, die aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgetreten sind, heißt es folgendermaßen: „Man schaue sich einmal jene Front genauer an: Da sieht man neben dein ,Jungkonserva°> tiven' von Keudell den vorsintflutlichen Sittlichkeitsfanatiker Mumm, neben dem angeblichen Anti-Kapitalisten Lambach den in großkapitalistischer Weltanschauung schwelgenden Generaldirektor Klönne und Univerfitätsprosessor Hoetzsch, neben dem angeblich die junge Generation vertretenden Heinz Tähnhardt den Großkapitalisten und Erzjuden Abraham Frohwein! Welch erhebender Anblick! Diese lose Masse konnte sich in der Tat nur unter der einen Parole zusammensinden: Lieber dreimal Sklav als tot! Wahrlich, wir leben in der Zeit der tiefsten Erniedrigung unserer Nation. Wir verstehen den Jubel des .Berliner Tageblattes' und Frankreichs. Und werden danach handeln! Kampf bis aufs Messer dieser revoltierenden Meute! Nie Friede oder Versöhnung mit ihnen! Einer von uns kann auf die Dauer nur leben. Tie Geschichte mag erweisen, wer der Stärkere ist!" Unter „Schülerbundsnachrichten" wird über eine Berliner Versammlung berichtet. Dabei erhält auch der Centralverein seine Seitenhiebe. „Gleichzeitig erläßt der .Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens' einen geharnischten Aufruf zur energischen Bekämpfung der Hakenkreuzler, deren Vormarsch nicht ernst genug genommen werden könne. Eine etwas schritte Dissonanz im sonst so harmonischen Duett der .vox palas*inensia'. Aber der Central verein scheint der Wahrheit schon näher gy»

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