Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Z Sitter-Lugend. Ihre „Arbeit" an den höheren Schulen. — Oer Michsausschuß der deutschen Lugendverbände lehnt ihre Aufnahme ab. A.IL Der „Völkische 93 c o l> n et; t c r" (Nr. 204 von Ende November) brachte mif seiner dritten Seite, wo die parteiamtlichen Belanntmachuiigen zm» Abdruck gelangen, eine» Ausruf des Führers der Hitler-Jugend, Kurt Gr Uber in Planen, in den; es heisst; „Nationalsozialistische SchNlcrl.ttnde. Hitlcr-Jngendsiihrcr, Achtung! Alle Führer von nationalsozialistische» Schttlcrbündcn oder solcher Schttlcrl'iindc, die sich hinter Hitler stellen, ans taktischen Gründen aber andere Namen führen, wolle» sofort ihre Anschrift an die Ncichölcitnng der Hitler-Jugend, A»nt für Schülcrbünde, Planen, Karolastrasze .iS, melden... Aiizngcbcn ist weiter noch, unter welchen Namen die Bünde an der Schnle bestehe» nnd ob von der Schnllcitung anerkannt oder nicht..." Dieser Erlas; zeigt an, das; die NSDAP, ihre Agitation, die sie durch ihre weitverzweigten Organisationen in alle Volkskreise hineinz». tragen vermag, nnmnehr auch ans die wahlnnmündige Schuljugend planmäßig nnszudehnen beginnt. Wir haben an dieser Stelle zu Beginn dieses Jahres Berichte über nationalsozialistische Schülervcrsainmlimgc» in Berlin gebracht nnd Warnungen maßgebender Persönlichkeiten vor der Vergiftung der Jugend veröffentlicht. Eine Zeitlang schien cs auch, als ob d;escr Zweig der nationalsozialistische» Arbeit mir schivache Bluten tragen sollte. Vielleicht ist daran auch ein Erlas; des p reu ß i sehen Ministers für Unterricht, Kunst und Volks, bildung vom 4. August 1922 nicht unschuldig, der es Schülern untersagt, Vereinen anzugchvrcu oder an Veranstaltungen von Vereine» teilzunehmcn. die nach ihren Satzungen oder nach ihrer Betätigung die verfassungsmäßigen Grundrechte der Deutschen mißachten, Glieder Nationalsozialisten abgebcn muhten. Wahlerfolge sind jedoch nur Stationen, nicht Höhepunkte des »aliounlsozialistischen Anstiegs. Diese heißen Wien, Prag und Berlin. Die planmäßige Durchführung, gründliche Vorbereitung und Gleichzeitigkeit der Skandale sind Bciveise , ihrer spstcmalischen Organisierung, die nur von den Nationalsozialisten im Verein mit ihren E österreichischen Gesinnungsgenossen ansgcgangen sein kann, Ter „Völkische Beobachter" triinns phiert; „Unsere Idee zieht immer starker die deutsche Hochschnljugend in ihren Bann" und au > der Kölner Universität verteile;; National»! sozialisten folgende Flugzcttcl: „Die nalivnalsnzinlifllschen Studenten an den Wiener Hochschulen, die inzwischen geschlossen worden sind, kämpfen seit Monaten einen schweren, - aber ersolgreichci, Kampf gegen das Ueberhand-! nclnucu der jüdisch - inarrislischen, sogenannten ' Studierenden, die sich besonders an den Wiener Hochschulen ein Stelldichein aus aller Welt geben, . Tie fipmmiliiorim, die cs eben eiurichtcn können, wollen deshalb in, Svmincrscmesier N>30 sich in Wien iunnatrikulicren und dadurch eine wescntliche Stärkung der dciilschbewuhlen Krüsle an den Wiener Hochschulen hcrbcisülirc», damit auch liier endlich in dem Maße Ördnuiig »nd Sauberkeit geschassen wird, wie cs durch das tatkrästige Auslrctcn unseres Bundes nun schon an sehr vielen Hochschulen des deutschen Sprachgebietes geschehen ist." Die Entwicklung der letzten Wochen hat jedoch auch ein Gnies gehabt, sie hat vielen, die bisher uninteressiert beiseite standen, die Augen der deutschen Volksgemeinschaft ihrer Abkunft, ihres Glaubens und ihres Bekenntnisses ivegen beläinpscn. Sicherlich ist auch die Aussvrdcrung des lliciehssührers der Hitler-Jugend, ans gewissen „t a k t i s ch c n Gr n n d cn" »nversängliehe Namen zu wählen, durch diesen Erlaß und durch eine gleichartige Anordnung des badischen Kultusministers veranlaßt worden. Jetzt regen sich allcuthalbeu von neuem nationalsozialistische Cchülerbüude, So forderte zum Beispiel der Kölner „Westdeutsche Beobachter" (Nr, 32) alle untionalsozialistischcu Schüler der O b e r k l a s s e n sämtlicher Kölner höheren L c l, ra u st a l t e u auf. sich an einen; gewissen Tage z» einer Besprechung auf b« Geschäftsstelle der NSDAP, in Köln cinzu- Es ist zu hoffen, das; die Kölner Gymnasinldircltoren den Erlaß des preußischen Knltnsluinistcrs mit derselben Energie durchführen werden, wie cs ihr Kollege in einer kleinen ostpreusjischc» Stadt tat. Dieser richtete an die Eltern aller Schüler, die der Hitler-Jugend angehörten. die Aufforderung, ihren Kindern gegenüber Sorge zu tragen, das; der »nnistcrielle Erlaß berücksichtigt werde. Zu außerordentlich bedenklichen Ausschreitungen führte in Plauen, am Sitze der Reichszeutrale der Hitler-Jugend, deren Agitation, Hier mar der Verein für d a s D c u t s ch - tum i m Auslände (B, D, A.) Gegenstand der Polemik. Man weiß, daß sich in den Echülergruppen des B. D. A. die nationalgesinnte Schülerschaft der deutschen höheren Lehranstalten zusammenzufindcn Pflegt, um dessen von jedem Chauvinismus freien Zielen zu dienen. Und inan wird sich mit Genugtuung die Entwicklung des A. D. A, vergegenwärtigen die. nach kurzen Schwankungen, zum Gedankenkreis der deutschen Volksgemeinschaft ohne Einschränkung hinführte. Das war der Plaucner Hitler-Jugend ein Dorn im Auge, Sie verbreitete ein Flugblatt, In dem es heißt; über das wahre Wesen nnd die Gefahren des Nationalsozialismus geöffnet. Die Abwehrfront schließt ihre Reihen stärker zusammen, und Kräfte und Richtungen gliedern sich ein, die bisher abseits fanden. Nach den Berliner Ercig» nissen waren studentische Gruppen des Jungdeutschen Ordens, der Dcntsctwn Bolksparlei nnd des Zentrums mit den Gruppen der Linken in der schärfsten Ablehnung dieser Borgänge einig. Sogar die in der Allgemeinen Studentenschaft znsainniengeschlosscnen völkischen Gruppen haben ihre Mißbilligung ausgesprochen. Die „Hochschnlgruppcn der Deutschen Vollspartei" wenden sich immer entschiedener gegen die völkische Studentenschaft nnd lehnen eine weitere Mitarbeit in der Allgemeinen Studentenschaft ab. Bei den Erlanger Wahlen bildete zum ersten Male die Gruppe der Deutschen Bolksparlei mit den republikanischen Organisationen eine gemeinsame Lifte, die einen AchlungSersolg erzielte. Auch Blätter der Rechten, deren gehätscheltes Schoßkind sonst die völkische Studentenschaft war. rückten von den „akademischen" Methoden der Nationalsozialisten ab, mcd die bürgerliche Gencrnl-Anzeigcr-Prcsse, die den Vorgängen an den Hochschulen iinmer mir geringes Interesse entgcgenbrachte, wurde ausgeschreclt. Es wird eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Zeit sein, an der Festigung, Vertiefung und dem Ausbau dieser Front gegen die Nationalsozialisten zu arbeiten. W. R. „Deutsche B, D, A.cr, heraus ans dem V. D. A„ kommt zu uns! Wir nehmen den Kampf fürs Tentschtnm im In- und Auslände iinmer und stets uns! Oder glaubt Ihr, daß die Inden auch Förderer des deutschen Bolkstiuns sind! Glaubt nicht, daß der Schüler Goldberg, Sohn des Vorstehers des C. V, in Planen, des bekannten Dr. Gvldberg, als Mitglied des B. D. A. für deutsche Sitten »nd Volkstum un Ernste cinlretcn kann; zumal sein Vater ein Hauptfcind der deutschen Freiheit ist, indem er gegen das erwachende Deutschland, gegen uns Nationalsozialisten eine maßlose Hetze vor den Wahlen betrieb," 'JJiit aller Deutlichkeit wird damit erkennbar, daß auch innerhalb einer nationnlcn Sch ü t erorganisation die Nationalsozialisten ihre verhetzende »nd zersetzende Arbeit durchführen Der V, D. A. wird sich wehren, und der C, V. hat sich bereits gewehrt. Es genügt aber nicht zu warten, bis die Ocsfentlichkeit durch Exzesse aus die Arbeit dieser Schülcrbünde aufmerksam wird. Soweit Ministerialerlasse bestehen, muß ihnen Geltung verschafft, soweit sic noch nicht ergingen, müssen die Behörden unter Nachweis der verhängnisvollen Arbeit der Hitler-Jugend ans ihre Pflichten aufmerksam gemacht werden. Es ist schon genug, daß an den Hochschulen der Geist der llndiildsainkcit, der Zurücksetzung nnd des Hasses in so beschänw;;d weitem Blaß» sich eingcnistet hat. Bon den Schulkindern sollte er möglichst lange fcrngchalteii werden. In dieser Forderung werden' sich, mit Ausnahme der Nutznießer seelischer Bcrgiftimg, all» Gruppen im deutschen Bolle einig sein, * Ans der Tagesordnung der außerordentlichen Hauptversammlung des NeichsausschnsseS der beutfcljcn Jugendverbände, die am 11. Dezember in Berlin stattsand, stand auch ein Antrag der H i t l e r - I u g e » d aus Aufnahme in den R e i ch Sa u s s ch u ß. Die Leitung der Hitler-Jugend, die nach ihrer Angabe rund LJ 000 Mitglieder besitzt, bezeichnet als ihren Ziveck ». a.; „lieber alle in Ziveck- und Wchrverbänden oder auch überhaupt nicht organisierte Jugend erhebt sich die Hitler-Jugend durch Pflege »nd Vertiefung dcS deutschen Idealismus, deutscher Knlturwcrte und arischen Nasscnbewußtseins . . . durch den Nationalsozialismus Adolf Hitlers." Der Vorstand des Ncichsausschusscs schlug vor, das Ausnahmegesuch nbzulohncn. 8 4 Abs. 2 der Satzung des NeichsausschnsseS lautet nämlich: „Die Mitgliedschaft eines Verbandes hat zur Voraussetzung, daß er sich bereit erklärt, mit den anderen Verbanden geinc i n s a m zu arbeite n, mit ihnen das Rechte zum Besten der Gesamtheit zu finde;; und unbeschadet seiner grundsätzlichen Einstellung den bestehenden C t a a t u n d s e i n c O r g n n e z u a ch t c n." Die Hitler-Jugend halle eine Anfrage des Ncichsausschusscs, ob sie diesen Paragraphen anerkenne, n i ch t bejahen k v n »c n. Für sie ist deshalb im Reichsausschi;ß kein Platz, Die Haiiptvcrsainuilung gab diese;» Empfinden Ausdruck und schloß sich dem ablehnenden Volum des Vorstandes einstiinmig an. Die Hitler-Jugend gesteht also z», daß ihr ede Zusammenarbeit mit anderer Jugend e r » l i c g t, daß sic nicht gewillt ist. „das Rechte zum besten der Gesamtheit zu finden" und daß sic die Erziehung ihrer Mitglieder nicht darauf richtet, „den bestehenden Staat und seine Organe zu achten".