Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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82 einen Sinn habe» (eil, so kann er nur daraus gehen, das; hier eben imdenlsche iWrde, Cchöpsmigen rein jüdischen Geistes dem deutschen Volk m,(gedrängt werden, Mein Nachsatz erwies mm mit einer Schärfe, die auch für jüdische Eitelkeit vielleicht überraschend nnb erfreulich war, das; unter den eigentlich dichterischeu Kräften, für deren Sieg die zu einem belangvollen Teile jüdische Vermittlung eingesetzt wurde, beinahe gar keine Juden waren! Ter protestantische Schlesier Gerhart Hauptmn n 11, der katholisct;e freunnnn S t c I) v , der norddeutsche Freiherr Detlev v o » L i l i e n - cron, der märlische Försterssohn Richard Teh mel, der Sohn einer rheinischen Winzcrfamilie Stefan George, die hnnsealischeu Patrigiersöhne Heinrich und Thomas M a n » , »nd später ein so unjndischer Typus wie der Schweizer Frank Wedelind, das sind die wesentlicher!, die dauernd wirlsamen dichterischen Kräfte geivesen, die die literarische Vermittlung in Verlag, Kritik, Redekunst, Bühne um die Jahrhundertrnende herum im deutschen Bewusstsein durchsetzte. Es ist kein Jude darunter. Und ebensorvenig ist einer unter den ganz populären Autoren, die den Masscucrfolq für sich hatten, und deren künstlerische Skala von Clara Viebig, Ompteda, Walter von Molo, über Ernst Zahn, Bloem, Bonsels zu Rudolf Herzog. Stilgebauer, Hanns Heinz E w e r s und der Iran C o n r t h s-M a h l e r abwärts führt. Die Paar deutschen Cchriststeller jüdischer Herkunst, die mit produktive» Werken dieser Epoche überhaupt genannt werden können (Jacob W a s s e r m a n n , Georg Her m nun, Arthur Schnitzler) kommen gegen den Massciiessclt all dieser ganz »»jüdischen Autoren so gut rvie gar nicht in Betracht, Eine vermittelnde Literatur also, die dichterischen Ausdrucksfvrmen zum Siege verhilst, die von ganz nnjüdischen, rein deutschen Menschen stammen, kam, nicht gut als „derjudet" gelten, Tenn mag ihrer Ausdrucks- und Arbeitsweise hie und dort der jüdische Ursprung anzusehen sein, sie ist ossenbar beseelt und geleitet von einer vollkommenen Einsühlung in das „d e n t s ch e" Wesen, Uebrigens ist es ja auch eine maßlose llebertreibung, daß die geistigen Führer im Bereich literarischer Vermittlung, zeitkritischer Zeichendentung, ästhetischer Theorienbildung, während der naturalistischen Epoche ausschließlich oder doch ganz überwiegend Juden gewesen seien, Tie erste» Ausrührer im geistig schlafenden Teulsehlaud waren im Norden die westsülischen Brüder Hart aus Münster, im Süden der Urbayer Michael Georg Conrad, Die im speziellen Sinne iialnralistische Theorie und Praxis ist in Berlin von Arno Holz aus Ostpreußen und Johannes Schlas ans dem Harz ausgearbeitet worden. Und in der Berliner Tageslritik stand damals im Kampf für Ibsen und Hauptmann mindestens gleichbedeutend „eben dem jüdischen Otto Br ahm der wuchtig breite Ostpreuße Paul Schtenther. Die schlichten Tatsachen also beweisen das, was jede vernünftige Theorie vornussetzen müßte, daß eine», großen Volk keine Literatur, kein Lebensgesühl, leine Weltansehammg von „fremdartigen" Agitatoren ausgeredet werden kann, daß sieh in jeder Zeit, bei jedem Volk, in jeder Generation immer mir die Literatur durchsetzt, die den Bediirsnisse» und den Stimmungen des Volkes in dieser Schicksalsstunde wahrhaft entspricht. Daß die Inden sich häufig in den Dienst solcher Strömungen zu stellen vermögen, liegt wohl daran, daß sie für die wirklichen Bediirsnisse der Zeit hellhöriger sind als völkische Agitatoren, Dies Bild erfährt .natürlich auch in der jüngeren Epoche unserer Literatur keine wesent- > Nationalsozialisten überfallen harmlose jüdische Bürger in -tttenburg. In Altciilmrg (Thüringen) hat kürzlich ein Trupp Hakenkrenzler eine jüdische Familie, die sich ans de», Wege zum Vahnhos befand, um Angehörigen das Geleit zu geben, in »„Hefter Weise übersatten. Der einzige Grund zu dem Uebcifall ans diese harmlosen Spaziergänger ist in ihrem etwas „jüdischen" Anssehen zu erkenne», Ais die Familie, eine Fra» von 80 Jahren, drei Herren nnd zwei Kinder, in ihre Wohnung flüchte» wallte, folgten die Hakenkrenzler ihr auch dorthin. Sic erhielten zm» Teil ernste Oiielsclimigen, Kvpsverletzungeii und dergleichen. Zwei Reichsbanncrleiile wurde» gleichfalls von einem Trupp Hakenkrenzler übersatten, zu Boden gewvrse» und getreten. Wie die „Ostthüringer Polkszeitmig" schreibt, handelt es sich bei diesen Hakenkreiizlern »m Trupps, die von außerhalb nach Alteuburg gelomme» waren, »in an einer Werbeverüiistaltuiig der N. S, T. A,P. teilzmiehiiie». Große Kreise der Altenburger Bevölkerung sind mit Recht in größter Erregung über diese Vorgänge, Mögen sie alle» denen zur Warmmg diene», die »och immer glauben, mitülig den politischen Ereignissen zusehe» zu köimeii. liehe Veräiideriiiig. N>,r ist z» berzeiehnen, daß in jener Epoche, die man die „expressionistische" nannte »nd die sich jetzt schon wieder zu der „neuen Sachlichkeit" wendet, der Anteil der Jude» auch an der eigentlichen Produklivn nicht so iinbedeiiteiid war, ivie im nntnralistischen Zeitabschnitt, TaS wird natürlich psychologische Gründe haben. Eine Literatur, die nicht mehr von der Verseiilung in die Materie, von der sühleiideii Nnehbildmig der sichtbare» Welt a»sgeht, die vor allen Dingen Ges>m»liigsniisdr»ck, phantastisch freie Formel für ein inneres Gefühl von der Welt sein will, eine solche Kunst findet wahrscheinlich im jüdischen Wesen einen besser vorbereiteten Boden als der Natnralismns. In der älteren Generation war ja schon der große deutsche Lyriker Alfred Mombert ein Expressionist in höchstem Sinne des Wortes, und zugleich ein Mann von deutlich erkennbarer jüdischer Herlmist, Franz Werfet, eines der bedeniendsten Talente in der jüngere» Generativw (vbschvn durchaus nicht so reiner Ausdruckskünstler wie Mombert), ist ähnlicher Art. Anch Arnold Z w e i g. T o l l e r. K o r n s e l d. W o l s e n ft e i n, Dublin, Max Brod und mancher andere sind Juden, Man kann über den Wert und die voraussichtliche Lebensdauer ihrer dichterischen Produkte sehr berschiedeuer Meinung sein, man kann aber mit keiner Spur von Wahrheit behaupten, daß die Bewegung, die sich im Werk dieser Dichter ansdrückt, eine s p e z i f i f eh jüdische sei. Der Exprelsionismus war eine Weltbewegung, die aus allen geistigen Gebiete», bei atlcn Völker» gleichmäßig austmt, die hie und dort auf die besondere Empsäuglichkeit jüdischer Literaten stieß, die aber überall auch ganz entscheidende Förderer und Gestalter hervorgeriiseu hat, die nicht das inindeste mit dem Judentuin zu tun haben. Um innerhalb der deutschen Literatur zu bleibe», sind viele der wichtigsten Expressionisten durchmis keine Juden; lucbet Georg Kaiser, noch Hermann Essig, weder Nols L a u k n e r noch Klabund, noch Becher, weder Paul Zech noch Alfred B r n st, weder Brecht noch der völkisch angehauchte Arnold Bronnen und am wenigsten der große iiiederdentsche Bildner Ernst B a r l v ch. Auch unter den kritischen Stinmisührerii der jüngsten deutschen Literaturbewegimg ]teijen eumje .'mmuccn an oj Stelle. Man muß schon die schöne Sorglosigkeit des Herrn Dr. H über haben, der im Lause seines Artikels stillschweigend dazu übergeht, jeden ihm m,sympathische» Literatcn als Juden zu behandeln, »in die Identität der modernen Literaturbewegimg mit dem jüdischen Geist ansrecht erhalten zu wollen. Man sieht wohl, daß es mir ganz fern liegt, au dieser Stelle eine Debatte zu ervssucu über de» Wert oder Unwert dessen, was die letzte» zwei Geuernliviieii literarisch in Deutschland geleistet haben, Das sind Betrachtungen, die gar nicht hierher gehören. Aber die Frage, die »ns hier angeht, ist die: Kami diese literarische Aeiißerimg, mag sie nun gut oder böse sei», als eine spezifisch jüdische allgesprochen werden? Und da braucht man nicht erst den prinzipiellen Beweis zu erbringen, daß alles, was hier zum Ausdruck gelangte, von den allgemeinen Z»- stäiiden der Zeii erfordert war, die für Inden und Niehtjuden in ganz gleicher Weise zwingend sind. Es genügt der rein sachliche Hinweis daraus, daß für das Wesen einer Literatur ja nicht die Vermiltter und Ausdenter des Geschaffenen, sondern die Schassende» selbst entseheideiid sind. Selbst wenn (im Gegensatz zur Wirklichkeit) die ganze Vermittlung diehteriseher Werte für Deutschland in jüdischen Händen läge, so käme es immer noch daraus an, ob die Schöpfungen, die sie übermitteln und durchsetzen, jüdischen Geist atmen. Das brauchte nicht der Fall zu sein (zum mindesten nicht in einem dein deutschen Wese» nachteiligen Sinne), selbst wenn alle wichtigen Dichter der Epoche in Deutschland Inden gewesen wären; es kann aber u n ui ö g l i ch der Fall sein, wenn diese Dichter zum entscheidenden Teil gar keine Inden sind! Und so liegen die Dinge tatsächlich. Es besteht kaum Hojsnimg, daß die von völkischen Sehlagworten immebelien Gehirne dieser schlichten Wahrheit je Na»m geben werden. Aber es bleibt dennoch unsere Pflicht, diese Wahrheit immer wieder und wieder anszi,sprechen,. Akademische „Freiheit" Wühlarbeit der Nationalsozialisten — Festigt die Einheitsfront. Die Nationalsozialisten erringen unzweiselhast aus den deutschen Hochschulen Erfolge. 1820 Studenten stimmten bei den Asta-Wahlen dev beiden M ü n ch euer Hochschulen für ihre Liste, an der Technischen Hochschule ist sie Die zweitstnrkste Fraktion, An der Universität steht sie an dritter Stelle und überflügelt mit mehr als 200 Etimmen — im katholischen München — die katholische Liste. In Erlangen erzielte der Nationalsozialistische Studeiiteubmid allein! 685 Stimmen und erreichte, mit seinen 14 Sitzen die absolute Majorität in dem 25 Sitze umsassendm Stiidenlci,Parlament. Den gleichen Erfolg erzielten die Nationalsozialisten in Rostock, wo sie mit 6 von 11 Sitzen die Studentcnkammer beherrschen, Heidelberg halle sich im vorigen Semester in einer Entschließung gegen alle völkischen Bestrebungen in der Studenteusehast gewandt. Zu Beginn des Wintersemesters wurde auf nationalsozialistisches Betreiben ein Antrag aus Widerruf dieser Entschließung eingebracht, Ans formale» Gründen konnte in der ersten Sitzung über diesen Antrag noch isich! abgestimmt werden, Zivei Drittel aller Mitglieder der Sludentenlainmer erklärte» sich jedoch für den Widerruf, den wohl die nächste Sitzung beschließen dürste. Bei diesen studentischen Wahlen wiederholen sich die gleichen Erscheiiiuiigen wie bei den allgemeinen Wahlen, Die Nationalsozialisten gewinlien vornehmlich auf Kosten der dentscl)- nationalen Kvrporationsvcrbünde, die allein an der Universität München drei Sitze an die