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Central-Verein-Zeitung · 1929-12-01 · Heft 12 (Dezember 1929) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1929
Issue
Heft 12 (Dezember 1929)
Date
1929-12-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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MonaLsausgabe Dezember vlötter sür^riUsckdun «n-lluvrnwm. ivr-arr drs tenlrolVerems öslltsckert StaatsvüryeriüEcden ölmivL ' LLikuri^ dss Oudenrums Das Rheinlanö ist frei! Die zweite Besatzungszvne ist frei. Noch ist ein Teil des Nheinlnndes, die Pfalz und das Eaargebiet. besetzt. Wns aber doch der Abmarsch der Entcntctruppeu für die frei gegebenen Teile bedeutet, dos beweisen die beide» so grundverschiedenen und dvch der gleichen seelischen Stinnnnng entsprungenen Kundgebungen des denkwürdigen 80. November; die eindrnclsvvllc Kundgebung des Schweigens der anwcscudcn Atenge. nls die Entcntctruppen ihre Fnhnc von ihrem Hariptgnnrticr herunter» hollen, nud die spontnne Begeisterung der gcsnmten Bevöllerung, nls in mitternächtlicher EInndc bei slnnuncndcm Fackellicht das Anbrechcn des ersten Tones der Freiheit gestiert Noch fünf schweren Kricgsjnhren hnt die rheinische Bevölkerung in weiteren elf Jahren schwerster innterieller und seelischer Not dem deutschen Volke die Treue gehalten. Die Erinnerung an die Separntistenzeit mit ihren heftigen Kämpfen war daher in dieser Stund« der Befreiung besonders lebendig. Für uns jüdische Deutsche ist es eine Sclbstverstäudlich. leih doch dürfen wir cs in einer Zeit, wo gehässige Verleumdung unser deutsches Fühlen in Zweifel zieht, stolz erklären, daß die rheinischen Juden stets den unlöslichen Zusnnuncnhang mit der übrigen deutschen Heimat betont und im Kampfe gegen das landcsvcrrätcrischc Treiben Schulter an Schulter mit der gesamten Bevölkerung in einheitlicher Front gestanden haben. Der Abmarsch der feindlichen Truppen bedeutet aber noch mehr als nur die Freigabe besetzten Gebietes. Er leitet die Liquidierung des Krieges ein, er macht die Geister frei und aufnahmefähig für den Gedanken der Völkerverständigung und des Friedens. Ikaclitsaorvalt Kart ftörveustsin (Aachen). Literarischer Kulturkampf! von Julius Sab. Lügen werden nicht wahrer, aber leider Wirksamer durch beständige Wiederholung. Ein geivisscr Glauben an ihren Inhalt läßt sich sogar bei dein Sprechenden selber durch beständige Wiederholung erzielen, lind so teilt uns die völkische Agitation denn immer wieder gedruckt und mündlich mit, das; alles, ivas sich seit fünfzig Jahren in Deutschland „moderne" Literatur nenne, nichts als eine Judenmache sei. Die Formel ist hier die gleiche wie ans jedem anderen Gebiet. Man benutzt das Wort Jude, um alles, was dein eigenen Verstand unzugänglich, dem eigenen traditionell gebundenen Gesiihl unfaßbar ist, bequem zu benennen und aus dem Kreis der Selbstkritik zu schieben. Wenn also Arbeiterbewegung und Demokratie, Sozialismus und Franeueinnnzipation, Revolution und Republik reines Jndcnmachwcrk sind, warum dann nicht auch die Literatur, die diese Dinge verursacht oder begleitet hat, oder die jedenfalls nichts ist als ein anderer Ausdruck für die gleichen Vorgänge im Grunde des Vvlkcrlebens. Man entlastet auf diese Weise sein Gehirn so wundervoll von jedem Zwang zur Erkenntnis. Die Verlockung zu solchem Verfahren ist allzu groß und die Widerstandsfähigkeit der Menschen gegen die bündigste Widerlegung ihrer Theorie, ja gegen die Anfzeigung der völlig von ihren Behauptungen abweichenden Tatsachen ist viel zu stark, nls das; sie nicht gewillt und befähigt sein sollten, jeden einmal eingcübten Spruch endlos zu wiederholen. Co haben wir unlängst in der völkischen Zcitschrist „Deutschlands Erneuerung" den langen Aussatz eines Dr. H u b c r ans Graz erlebt, der unter der Ueberschrist „Der Kultnrkamps in der .modernen' Literatur" wieder einmal dnrslcllt, wie alles, wns int letzten halben Jahrhundert in Deutschland literarisch geschehen ist, ganz ausschließlich als Produkt der bösen Inden zu gelten habe. Nun ist das Niveau dieser Abhandlung gewiß nicht so, daß man mit Dr. Huber irgendein Gespräch geistiger Art führen lönntc. Er zitiert die „Protokolle der Weisen von Zion" feierlich als Gcschichtsquclle, und er baut seine ganze Kenntnis der modernen Literatur, von der er doch so schwcriviegeude Hinge behauptet, zugegebenermaßen anSschließkich auf Sorgels Litcratnrgeschichic .,Dichtung und Dichter der Zeit" aus, ohne ans eigener Anschauung irgend etwas von den Dingen zu wissen, die er da im Lichte seiner völkischen Agitation erscheinen lässt. Man kann in einer Zcitschrist keinen geistigen Elementarunterricht erteilen, inan kann also auch nicht hassen, Herrn Dr. Huber zu belehren. Man kann ihm nicht einmal klarmnchen, wie lächerlich sich jcinnnd unter Menschen von geistigem Ernst und wissenschaftlicher Verantwortung innchen miifi, der über ein großes Gebiet nach einem Kompendium urteilt, ohne die Tatsncl)cn selber zu keimen. Aber ich habe einen einigermaßen persönlichen Grund, diese Betrachtimgen an deii, imtauglichen Versuch Dr. Hubers anzuschließen. Er zitiert m i ch nämlich, und zwar setzt er eine Aensteriiug von mir aus dem Jahre 1912 iiiiiiitttelbar iiud als ivetlereii Beleg für die gleiche Vchnnptimg hinter Stellen acis den „Protokollen der Meisen von Zion". An» ist meine in der völkischen Agitation schon öfter nusgetaiichle Aeußeriing nicht in dem gleichen Maße sagenhaft wie jene Protokolle. Die Rede, die da zitiert ivird, ist wirklich gehalten worden. Es lamc» in ihr sogar Worte vor, die einige A c h n l i ch keil' mit dem Satz gehabt haben mögen, der dniin nach einem Zeitimgsbcricht immer wieder zitiert ivird. Niir hnt mau diese Worte ganz schlicht um ihre Achse gedreht, so daß sie im Endeffekt ungefähr das Gegenteil vcm dem besagen, was id) damals missUhren wollte >iiid auch ansgeführt Es wird näiiilich zitiert: ,,Ji» Litemturbetrieb nls llebersetzor, Thenterdirektoreu. Kritiker, Verleger spleleii die Juden eine Rolle, die unendlich viel größer ist, nls ihrem prozentnalen Aiitcil am deutschen Volksleben entspricht." Ganz so habe ich das nun bestimmt nicht gesagt, denn bei den Verlegern und Theaterdirektoren liegt e8 z. B. so, daß nur eine ziemlich kleine Anzahl von Prominenten, aber dlirchans nicht ei» bedeutender Prozentsatz der in diesen Bernsen Tätigen jüdischer Herkunft ist. Aber soweit sich nach 17 Jahren der Wortlaut einer niemals nicdcrgeschriebcnen Rede noch feststellcn lässt — ich kann sehr wohl gesagt haben, daß in einigen literarischen Gebieten, die der Vermittlung dichterischer Werte dienen, der Anteil der Inden bedeuten- und sicherlich größer ist nls ihr prozentualer Anteil au der deutschen Bevölkerung. Das kann ich gesagt habe», denn es entsprach der Wahrheit und entspricht auch noch den heutige» Tatsachen. Aber das ist mm ein recht typisches Stückchen für die Pracks demagogischer Agitation! Diese Worte waren, bildlich gesprochen, der Vordersatz zu einem Nachsatz, ans den alles nnfant imb der von völkischer Seite natürlich stets verschwiegen wurde! Wert oder Unwert einer VermittlnngStätigkeit, ja ihr ganzer Ehnraktcr kann ja mir durch die Natur dessen bcstinnnt werden, w a s vermittelt Ivird. Wenn der völlische Einspruch gegen die indische Nolle in den vcrmiiteluben Litcrntnrgruppcn irgend-!II!!I!I!!llllM!lli!l!l!!I!I!!l!»!!Il!!!!!!!!!l!I!ll!!!!!!!!!!l!l!!!!!l!!l!!!!!!!I!l!!ll!!!!!!!l!!!!!!I!!!! Aus dein Inhalt: 8. 84. Dr. Josef IV « li 1 g e in n f li : Das Taliiiml- I i teil von Nürnberg. - 8. 85. Professor Dr. Mieliael C.uttm n » ii (Breslau): Die Legende von der Menschensehüelituiig. — 8. 87. Unsere Leser sehreihen. - 8. 88. Jako b Blum (Nürnberg): Juden im Volksabcrglaubcn.

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