Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 11 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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77 Nichijuden bctvcjjcit, lucibou (Uijfspüiivf. weit Divergenzen zwischen der damaligen und der heutige» Moralaussassnng bestünden, erklären sie sich ans dem Alter dcS Talmud, ans seiner Entstehn,igSzeit, Solche Borschristen seien heute nicht mehr wirlsam. In scharfer Diskussion suchen die Angettagten ans Goetisberger Bestätigungen für ihre Bcschitnpsungen heransznholcn, lieber die angebliche» Ritnalmordsällc sich zu äiisier», lehnt Goetisberger als Nichthistvriler ab, Das von ihm erbetene Botmn über die Wijseuschastlichkeit Theodor Friksrhs lautet vernichtend. Also nach dieser Sachverständige eine Euttäuschnng snr die Angellagten, Sic verzichten ans Goettsbcrgcrs weitere B c r n e h in » n g, Die Plaiöopers beginnen. In sormal-jnristisch wie gedanltich ausgezeichneter Nede zieht der Staatsamvalt das Fazit der Verhandlung: Nichts sei bewiesen als eine unbegründete, unsachliche, der Gesellschaft und besonders der Jugend verderbliche Kampseswcise der Angeklagten, In scharfer Form geißelt er diese Kampsmethoden, die ans jeden Unbeteiligten widerlich tvirken müssen, „Einer, der nicht bo» Nürnberg ist und die hiefisten Verhältnisse nicht kennt, erschrickt» wenn er den .Stürmer' steht. Diese Zeitung nnd ihre Zcichnimgen, deren brutale Geschmacklosigkeit nicht zn iibertresfcn ist, ist bestimmt für Nationalsozialisten, für junge Leute, zum größte« Teil noch arg jnnge Menschen." Eine Strafe sei deswegen am Platze, die eine dentliche Verurteilung der Angeklagten darstcllc. So beantrage er gegen S t r e i ch e r 8 Dt» „ a i e und g e g e n Holz 10 Monate Gefängnis und die übliche Ncbenstrnsr. Der Verteidiger der Angellagten verlangt deren Freisprechung, Holz und Streicher seien reine Idealisten, deren Bedentnng erst die Nachwelt richtig zu würdigen vermögen werde. Für den Fall, "daß man sic zu verurteilen gedenke, stelle er eine Reihe von Eventiialantrngc», Sachverständige ans aller Welt, darunter b c r ü ch - t i g t e u n g a r i s ch e » n d r n s s i s ch c A g i - tato reu, solle,, anssagc», daß cS jüdische Blntmorde gäbe, H n ß m a » n »ad Glndbe ck sollen geladen werden, die st v n i h e r Akten seien hcranzuziehcn. Einen ganzen Tag dauern die Berieidigungsrcdcn der Angeklagte». . Vas Urteil. Am jünstcn Bcrhandln»g?tage ergeht das Der Angeklagte in der Nebenrolle, der Buchdrucker H i l z, wird frcigcsprochcn. Ihm glaubte das Gericht, daß er vom strafbaren Inhalt der Druckschrist nichts gewußt hatte. Julius Streicher wird wegen eines Vergehens wider die Religion z« einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten, Karl H o l z wegen eines fortgesetzten Vergehens gegen die Religion zn einer Gefängnisstrafe von drei «nd einem Monat, znfamniengcfaßt zn einer Grsaintstrafe von drei Monaten 15 Tagen verurteilt. Alle Exemplare des „Stiirmerö" Nr. 89, 42 und 46 vom Jahrgang 192» nnd die Nr. 19 «nd 20 vom Jahrgang 1829 sowie die Broschiire „Der biblische Joseph" werden eingezogen. Die zur Herstellung bestimmten Platten nnd Formen find gemLs; 8 41 Absatz 2 nnd 8 NTRGB. nnbranchbar zn machen. Das Gericht begründet sein Urteil sehr anssührlich. Tie Verkündung dauert säst VA Sinnden und geht auf alle inkrinnmerten Artikel und Zitate sorgfältig ein. Es umfaßt in der stenographischen Niederschrift etwa 12 Folioseiten. Es gliedert seine Ansführimgcn nach drei Gruppen: Blntmord, Meineid und Eigentumsdelikte (Diebstahl, Betrug, Wucher) nnd folgt dabei den Feststellungen GocttZbergerS, nach denen z» den schweren Beschimpfungc» Sdns heutige Judentum überhaupt kein ß vorlicge. Nitunlinordc gebe es nicht. Ter gute Glaube der Angeklagten sci zu Für das Strasmah unirde als jtraf- >n i l de r u d die sanatische Einstellung der Angellagle», als straf e r s ch w e r e » d ihre Vorstrafe» und ihre höhere Intelligenz nnd Urteilssähiakcit, die die Angeklagie» selbst attestiert zu haben wünschten, angesehen. Vor allein müsse berücksichtigt werden, daß Artikel, >vie die Angeklagten sie verfaßten, geeignet seien, die 'Massen ansznhetzcn »nd insbesondere einen nnheilvollen Einfluß ans die Jugend ansznüben. l)i-, Alfred Hirsplihpi". Professor Goeiisberger wehrt sich gegen die nationalsozialistische Presse. Tie nativu.nsvnatisiisclie Preise hat in aroßen 'Artikeln dem SHirnberger Urteil Stcllnng aerrvrmnen: es entbrannte ein hcsügcr stanivs »in die Person rnid das Gutachten Pwseisvr Gaettsbcraers, Teils belämpsto inan ihn, teils versuchte mau, sein Gutachten für jubcm icindliche .pvccke auswschlachlen, Tie '»taßlvsiakeit »nd Umoahrhasliakeit der Bcrösscntlichnnae» verai,tauten Gelieimrat ly o e t t S b e r g e r, in, „Bäuerischen Kurier", den, suchenden Lraan der Bäuerlichen Boltspartei, von, 12, November aussührlich zn den Angrijfcn auf seine Perlon »nd aeaeu die miwalnhaüiae bluswertuua seines Gntacliten? Stellung zu mljim'n. Aus diesem Brief geben wir nachsleliendcn 'Ausnig N'ieder. Professor Goelisbcrgcr schreibt: „Es wird Ihne» sowrt der Zweifel gelomwen sein, ob die Darstellung des „Volk, Bevb." den Tatsachen entsprechen tan». Nein, cs ist kein Wahrer Prozeßvcricht. Fast bei jedem Tatze mutz ich Widerspruch erheben, nnd der mnsangrcichcrc nnd wichtigere Teil des Gutachtens ist ganz übergangen. ilnwahr ist, daß ich alle ans Erkers „Indciispicgel" enlnonnnenen Gesetze bestätigen mußte, 'M i n d e st e n s d i e H ä l j t e habe ich als u i! r i ch t i g übertragen oder gedeutet a b - getehnl. Ich habe nicht gesagt, daß die Jude» in bezug ans die Berbindlichlcit hier so handeln „lvie eben immer im Leben"; sondern: lvenn der Jude sich nach zlvei Gesehen richten kann, dem eigenen oder den, freindc», so lvählt er, lvie es ja auch außerhalb des Judentums geschieht, das snr ihn günstigere. Ich habe keineswegs ertlärt, daß mehrere Stellen im Talmud vorhanden seien, daß der beste unter de» Nichtjuden tot,zuschlagen sei; ich habe richtiagestellt gegenüber der Meiim»g> der Angeklagten, daß in einem anßerkanonis ch e „ T r a (tat des Talmud, also n i ch t i m eigentlichen Talmud, eine ähnliche Sielte alS Aenßernng eines Rabbi siche, aber mit der wesenilicheii Einschräntnng: in der Zeit des Krieges; eine von den Beklagten allgemein angedcnicie Stelle stand nicht im Talmud, Bei der Stelle, die der Prozcßbericht ans dccn kabbalistischen Merke „Sohar" anführl, mußte ich ausdrücklich seststellcn, lvie leichtfertig in der antisemitischen Literatur zitiert werde, Ter „Sohar" ist nicht ein „Gchcimgeseh" der jüdischen Religionsgeweinschast; es ist nicht die Rede davon, daß der Mörder eines Niehijndcn einen sehr hohen Plnh im Paradiese verdiene; cs handelt sich in» „die übrigen götzcndiencrischen Voller", die Jerusalem nnd Sion zerstört haben. Und mm zur sensationell betonten, bisher nicht bi'laimten Stelle ans dein Buche „Tikhnne Svliar" (f, K2I>), die klipp und klar „dem Sinne nach laute, daß ein Gebot des rituellen Schlichtens dein Nichtjuden gegenüber bestünde". Nucc will ich ganz getreu meiner Kenntnis nach den Vorgang, der „lvie eine Bombe eingcschlagen" und „den Sachverständigen tiefernst gestimmi" haben soll, dnrstelle» mit dem, lvns hinter den Kulissen als Vorspiel voranSgcgangc» ist. Ein sachverständiger Berater — ich bedauere cs nngenlem, daß ich keine andere Möglichkeit sehe, als aiizniiehmcn, cs habe sich ein abgelehnlcr Sachverständiger zn diesem mi iiisrichtigen Trick bergegeben (in diesem Falle lämc nur Dr. Bischofs in Frage, Red, d. „E, B.-Ztg.") — übersetzte die Stalle wvrtwörtlich ans dem rnbbinischei, Buch, schrieb sie mit hebräischer Schrift ans dem Buche ab, versah sie auch noch zur Erleichterung der Nebersctznng für den Sachverständigen mit den Vokalen — diese Vorsorge wäre rührend gewesen, lvenn sie nicht im Dienste einer nicht ebenso gutgemeinten Absicht getroffen worden wäre — »nd nun verlas Herr Holz die Stelle nnd verlangte vom Sachverständigen, er solle die Nichtigkeit der Uebersetznng prüfen. Ich lehnte dem G e r i ch t e g e g e n n b e r ein lk r t c i l darüber ab; denn die kabbalistische Literatur bereitet der Deutung solche Schlvierigkeitcn, daß ich, w i e a u ch a „ d c r c g e w i s s c „haste S n ch v c r st ä n d i g e, n n r » a ch ringeh cn d e m Stndi n m d n r ü b er ei n Ü r - teil abt]eben f ö n » te; es sci leine Zumutung, daß ich während der kurzen Mittagspause ohne alle literarischen Hilfsmittel eine »enanftanchende Stelle ans dem Handgelenk erledige; lvenn das Gericht die Steile für gclvichtig halte, bäte ich, einen andere» Sachverständigen beiznziehcii. Ans lviederholtcs Drängen der Bcklagtenpartci, cs müßte mir doch ein Leichtes sein, 'wenigstens Richtigkeit oder Unrichtigkeit der Uebersetznng sestznstctlen, ich möchte sagen, welchen Eindruck die Stelle gemacht habe, mußte ich — außer h a l b meiner Sachvcrstündigcnveraniwortlichkcit — feststellen, die Stelle klinge so abenteuerlich, daß ich an deren Nichtigkeit n i ch t glan bcu filmte, «nt» sic ist tatsächlich nicht richtig. Wie der von der Beklagtcnpartci reklamierte 'sachverständige in feinem eben erschienenen Buche „Das Blut in jüdischem Schrifttum nnd Brauch", Leipzig 1929, S. 29, Amn. 2 scststellt, handelt.die Sielle gar nicht von Richlinden, sondern von gcsetzcntfremdetcn Juden. Mit Bedauern muß ich als meine Meinung anssprechcn, die Beklagten oder ihr sachverständiger Berater wußte« dies oder beide wußten es, und haben trotzdem sich zu einem solchen „Trick" hergegcbcn. Zur Vervollständigung des Prvzeßberichtcs iicüßte ich nun icvch alle diejcttigctt Stetten, welche z il n n g u » st c n der Beklagte,ipartci zn deuten waren, anführen. Doch das sind für jeden Eiicgctveihten lauter längst scstgcstctlte Dinge. Wenn ich ans Grund Gewissenzivanges bestätigen uucßte, das; manche Bestiinmnngen des altem talmndischcn Gesetzes mit unseren gclätttcrten Anschanniigen über Eigentmnsrecht, Eid und Schutz des Lebens nicht mehr zusammen bestehen könnten, so hätte der Prozeßbericht auch nicht verschweiget, dürfen, daß auch a tt - dcre Fremdengesetze der allen Zeit ähnliche Bestimnuntgett haben. Namentlich forderte die sitilichc Psticht der Wahrhastigleit auch vont Berichterstatter, nicht „»erwähnt zn lassen, daß der Sachverständige in Nebcreinstim- », n n g mit den, von der Beklagten- Partei für s ich in A,t spr nch gcnomm eiten S n ch v c r st n n d i g e tt D r. Bischoss sein Urteil dahin nbgcbcii mußte, daß die heutige Jndenschasl in 'Deutschland mit Grund cs nblehiien kann, als Anhänger eines veralteten jüdischen Gesetzes in feine» sittlich verwerflichen Bestimmungen behandelt zn tvcr- Mag man den Inden in freundlicher Sittunniitg oder mit Abueigiiug gcgcnübcrstehcn, o b c r ft e r Grundsatz nach des lcidenschastlichsicn Kämpfers für eine Idee ist das Sittengcsctz der Wahrhaftigkeit und Gere ch - tigkeit, Bor dem Prozeß konnte man den Angreifern vielleicht den guten Glauben znbilligen. Die Art und Weise, wie der Prozeßbericht mindestens unter Nlitverantwortlichkeit der Beklagtcnpartci anfgezäumt worden ist, laßt w e n i g R n n »,, ein Handeln i n g n t e in G l n » b e n d n r i n z n e r blick e n,"