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Central-Verein-Zeitung · 1929-11-01 · Heft 11 (November 1929) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1929
Issue
Heft 11 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Sur Volksgemeinschaft - eine Kundgebung des K. <L Sympathie-Erklärung des Retters. - Ein Brief Geheimrat Är. Küsters. Ein farbenfreudiges Bild: Die Wände mit schwarzrotgoldenen Fahnentüchern geschmückt, bunt hängen die Banner der Korporationen herab, in langer Reihe sitzen in studentischem Wichs die Chargierten, vor ihnen ain Ehrentisch die Vertreter der Universität, der Behörden, Parlamentarier, besonders bemerkt wurden auch eine Neihe von Vertretern des Neichshccrs und der Neichsmnrine, der großen jüdischen, dem K. C. befreundeten Organisationen, an langen Oncrtischen Hunderte von jungen und alten Akademikern, K.C.ern und Gästen — in solchem Rahmen spielte sich die Kundgebung ab: Für die deutsche Vvttsgemeinschaft! Gegen jndcnfeindliche, staalsfcindtichc und kulturfeindliche Strvnmiigcn an deutschen Hochschulen, init der die Verbindung im K. C. „Sprevia" und der A. H. B. „Sprevia" im Kaisersnal des „Rhcingold" zu Berlin am 4. November d. I. den Festkonnners ans Anlaß ihres 35. Stiftungsfestes cinlcitcten. ‘ „Die Verbindungen in, K. C. . . . haben zum Zweck ... die Erziehung ihrer Mitglieder z» selbstbewußten Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Inden einen durch Geschichte, Kultur und Nechtsgemeinschast mit dem deutschen Vaterland untöstich verbundenen Voltstcil bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für die Politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutretcn." Ans den lnmpf bezeichnen könnte. Man darf nicht übersehen, daß L u t h e r z» n ä ch st s i ch n m die Inden bemühte, Schriften zu ihren E >, n st c n schrieb, sich der Hoffnung hingab, sic auf seine Seite ziehen zu können. Als er aber einsehcn mußte, das; dieser Versuch fehlgeschlagen lvar, wurde er analog der Entwicklung, die man auch bei Mohammed beobachten kann, schärfster Judengegner. Seine aggressivsten Schriften stammen ans de» letzten Jahren seines Lebens, in denen er gleichzeitig auch einen erbitterten Kampf gegen das Papsttum, gegen die Kapitalsherrschast und gegen die Türken führte. Stcinlein neigt, gestützt auf die »enestc» medizinischen Befunde, der Meinung zu, daß die oft allzu heftigen Ausfälle dieser Lebensperiode Folgeerscheinungen des immer weiter fortschreitenden Herzleidens Luthers waren. Zum Schluß präzisiert der Verfasser seine eigene Stellungnahme zu den Lutherschcn Thesen in der Judenfrage. Zunächst stellt er fest, daß für einen evangelische» Christen nicht die Bernsnng aus eine noch so anerkannte Autorität tote Luther, sonder» in einer so ivichtigen Frage nnr die eigene Gcwissensbefragung ausschlaggebend sein dürfe. Dann aber iveist er mit Recht darauf hin. daß im Gegensatz zu den Argumente» völkischer Judengegner Luther die Judenfrage von der rein religiösen Seile sieht und behandelt tvissen null. Das macht den großen Abstand zwischen dem großen Nesvrmntvr und Frau Tr. Ludendvrss aus. Dem klar geschriebenen Abwehrbüchlein, das eine willkommene Ergänzung der bereits von jüdischer Seite vcrösfenilichten Forschungen über dieses interessante Gebiet bildet, ist weiteste Verbreitung. besonders auch im nichtjüdi scheu Lager, zu wünschen. vr. Hugo Hahn. Grnndlon echt vaterländischen Euipsindens, der durch diesen Tendcnzparngraphen hindurch- Ilingi, waren die Kundgebung und der nuschließeiidc Festkvmmers gestimmt. Jh» unterstrich Rechtsanwalt Georg Cohn, der Vorsitzende des A. H. B. „Sprevia", in seiner Vcgrüsmngsnnsprache, ihn ließ der Feslpräside, Referendar Dr, Werner N v s c n b c r g , stets von neuem anltingeip dieser Grnndicm schwang sich durch die Ansprachen, die Eanitätsrat Dr. G v l d s ch m i d t. Syndikus Dr. B c r l a k und Reichstagsabgevrdneter Dr. Ludwig Haas, oft von stürmischem Beifall unterbrochen, an die Feslversninmliing richteten. Jeder der drei Redner behandelte eine» Ausschnitt ans dem schmerztichen Problcmkreis des Judenhasses. Dr. Golds ch m i d t zeichnete die psychologische Situation der jüdischen und iiichtjndischen Kindcssecle. Dr. Bcrlak umris; in großen Zügen die hochschukpolitischc Lage, und Abgeordneter H ans gab, ans reichem persönlichen Erleben schöpfend, mit zahlreichen bemerkenswertcu Durchblicken die Antithese von Vorwärts und Rückwärts, von Jugend und Alter im politischen Kampf. Die Baterlnndsrede von Dr. Noscnberg wiederholte das Treiigclvbuis des K. C. 311111 deutschen Vntcrlandc und znm Vaterglanben. Tic Nationalhymne kvurde, von rhythmischem Schlägcrgektirr begleitet, von der Festversanniilnng stehend gesungen. In langer Reihe betraten dann die Vertreter der befreundeten Parteien und Organisationen nacheinander die Rednertribüne, um dem K. C. ihre Glückwünsche zu überbringen und zinn Ausdruck zn bringen, ivnS ihnen und dem K. E. gemeinsam sei. Unter de» ersten nahm der Vorsitzende des Centrnlvcrcins, Jnstizrat Dr. B r v d n i h, das Mort, um unter begeisterter Zustimmung die Frage nach dem Itcbcrwicgrn des Deutschen oder des Jüdischen in uns für gegenstandslos zu erkläre», weil unser Dasein in jedem Äiigenbliclc die Geschlossenheit unserer Persönlichkeit als Deutsche n » d Inden erweise. Üllle Redner wandten sich gegen die Zersplitterung der deutsche» Studentenschast und forderten den Aufbau einer von engen, gehässigen Ertvägungcn freien neuen deutschen Studentenschast. Auch zahlreiche schriftliche Syinpathiekundgcbnngcn betonten den gleiche» Gesichtspunkt. So sprach der N c k t v r der F r i c d r i ch - Wilhclnl-Nnibcrsität zn Berlin. Erhardt Schmidt, der Verbiiidiing „Sprevia" seine besten Wünsche für Erfolg und Gelingen des Stistnngssestes ans und beauftragte den Präsidenten, zn erklären, daß er gewillt sei, während seiner Amtszeit gegen jede rassen- und parteipolitische Verhetzung der S t n d c n t c n s cha f t m! t a l l c 11 M i t t c l n z » w irke 11 11 11 b s ii r A 11 s glei ch 11 n d Versöhnung innerhalb der Stndentenschnft tätig zn sein. Bon den UH'itcv ciiigegangcnm Schreiben sei besonders cnvahnt das Schreiben des Seniors des deutschen Korporntions-Stndentenlinns und Gründers der Nesormburscheiischaften des A. D. B., Gcheimrnt Dr. Kvnrad K ü st c r. Er schrieb an die „Sprevia": „Hochverehrte Kmiimilitmien der ,Sprev!a'I Ich begrüße auf das wärmste Ihre beabsichtigte Kundgebung gegen das Bestreben, den jüdischen Bestandteil ans dem Dasein des deutschen Dvlkstums ausiumcrzen. Die verderblichen Folgen solcher Bcstrebiingen liegen ans der Hand. Eine wahre Bolksgemcinsihast, die .Hindcnlmrg im,»er wieder bei seinen Knndgevnngen fordert, kann auf diese Weise niemals Zustandekommen. lind eine solche ist beim Wicderansba» unseres deutschen Vaterlandes eine 1111bedingle Voraussehung. In dieser Erkenntnis habe ich von Ansang an gegen solche Bcstrebiingen schristlich und mündlich Stellung genommen und werde dies auch weiter tun. Ihrer Kundgebung aber wünsche ich lauten Widcrlinll. damit das Volk die Gefahren und Schädigungen erkennt, i» die das Vaterland durch diese Bcslrebunge» gebracht wird." Es lvar lange nach Mitternacht, als die Teilnehmer des Foslkommersts die Vcraiistnltnng verließen. Alle» lvcrdrn die Stunden im Kaisersanl als ein lebendiges Beispiel für den starken iiiiverrüclbar-nntivnalen Gedanken im deutsch-jüdischen Akadcinikertinn und im deutschen Jndentnni überhaupt in Erinncrnng Auch eine „Ludenstatistik". Bus badischen v)ahlergebnisten. Wir haben stets den Grundsatz ausgestellt, daß keine Anfklärnng durch Schrift und Bild so wirlsam ist wie die menschliche Beziehung, wie das nachbarliche Mitcincmderlebm zwischen Inden und Nichtjnden. Eine klare Bestätigung dieses Grundsatzes geben uns die badischen Landtagswahlen!m Amtsbezirk L ah r- E t tc nhc im. Tie nnchstehcnde kleine Statistik zeigt, daß in den Ortschaften, in denen Juden wohnen, der Anteil der nationalsozialistischen Stimmen, mit Ansnnhmc des Ortes Lahr selbst, nicht über 2,5 vom Hundert gestiegen ist, während in den Orten, lvv keine Inden leben, die Nationalsozialisten bis 30Prozent der Stimmen erringen konnten. Orte 111 i t jüdischer Bevölkerung. Alldvrs . . . etwa 0.5 v. H. (6,1) Ettenheim . . etwa 1,5 v, H. (1,4) Friescicheim . . etwa 2,5 v. H. (1,7) Kippenheiin . etwa 1,0 v, H. (8,4) Rn st .... ctlva 1,0 v. H. (2,1) Schmiehciin . . etwa 0,5 v, •§. (17,8) Die einpeklammcrlcn Zahlen bezeichnen </i Die Mvral: Lernt Inden lind Judentum kenne», alle schlechten Gerüchte über sie. . . Orte ohne jüdische Bevölkerung. Allmannsweiler . . . etwa 14 v. H. Dnndcnhcii» .... etwa 25 v. H. Meißenhcim .... etwa 20 v. H. Schutterzell .... etwa 30 v. H. Ottenheim .... etwa 15 v. H. der jüdischen der Gesamlbevölke- Inden 11 i ch t kennt, glaubt

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