Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1929)
- Date
- 1929-10-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2571117-2571156-2571165--398-2571725- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
würden sie z»m Unglück des deutsche» Volkes Kurz zuvor war in der deutschnationalen Presse Koburgs antenw«öeit." stehendes Inserat erschienen, das die wahren Zustände klar enthüllt; Dem Aussatz „Die Katastrophe,ipolitik der Nationalsozialisten" entnehmen wir: „Den Nasoisten — so wollen wir i» korrekter Abkürzung die Nationalsozialisten fünf* tig nennen — ist die Kennzeichnung ihrer Politik gewaltig ans ihre reizbaren Nerven gefallen. Was die Nafvisten betreiben, ist zwar eine „schwungvolle" Politik, aber nicht mir das. sie ist vor allem eine Katastrophcnpvliiik, Alker Wahrscheinlichkeit nach sind sie sich dessen auch bewußt. Da ste den Karren nicht auS dem Dreck herausziehen können, stoßen sic ihn noch ganz hinein in den Schlamm. Kommt dann die Katastrophe, dann wollen sich die Nnsoisten als die Retter anfspkelen. lieber das „wie" können wir »ns fdjun heute Gedanken machen, indem wir uns in die Literatur der Nnsoisten vertiesen. Es empfiehl! sich dabei aber, kt'chl zu bleiben und den Verstand nicht mit dcni Gefühl durchgehen zu lassen ... Es kommt dir Tag de« Ernttchtcrmrg, da ste sich über sich selbst wnudern werden. Ein Zeichen von Berworsenheit «nd Bemeinhett ist es aber, wenn die Rassisten in der Kritik durch die Deutschnationalen eine Stärkung der Marxisten sehen und jenen die Schuld an einer solchen vorwerfen. Was können die Deuischnationalen dafür, wemr die Rasoiste» Katastrophen- «nd Wahnfinnspokitik betreiben. Wer das erkannt hat, der muh der Wahrheit die Ehre geben. Sie mögen ihre Ainnnßnugell ausgeben und sich nicht mit Fähigkeiten brüsten, die ste nicht haben . . Re “ ' .. betreiben eine Kataltrophenpolittk das hat die Bürgerschaft inzwischen durch die sattsam bekannten Vorgänge >m Giadtrcrt Coburg sestgestellt. wer Mehrausgaben bewilligt, ohne Vorschläge für anderweitige Deckung zu machen, handelt verantwortungslos. Mit Musik und Aeden ist es nicht gemacht. Die Nationalsozialtüen greife» durchsInierate und Flugblätter die Neulschnntionalr Nolkspartri, die dir« öffentlich arisspricht, in maßloser weise cm. Die Bürgerschaft ist der Hetze, dir die Nationalsozialisten hier in Coburg zwecks Propaganda treiben, in den weiteste« Rrrifen überdrüssig. Es ist «ine unglandltche Anmaßung,;u glauben, den Nrnlschnationnle« „Feigheit und „politische Unfähigkeit" Vorwerken zu dürfen und gleichzeitig die Männer." die durch das Vertrauen der Coburger Bürger gewählt, als deutfch-- naljonale Siadträte in Coburg ihre Pflicht tun, zu ihrer „Verteidigung" in da» Hof bräuhaus vorzuladcn. Die Vertreter der größten deutschen bürgerlichen Partei sind durch de» Vorstand der Venlschnntlonnl«,« UotKopartet (Drziritsaruppe Vaknrg) auf. gefordert, sich von der Versammlung der Nationalsozialisten fernzuhalten, solange die Nationalsozialisten die bei de» Asmmunisten gewohnten Mätzchen ln ihrem Wahlkampf anwendrn. Mt Mrrdnrr«, tonten» mit misten Müninrn wird die Mrgrrschaft ' lhr Scrtttnien schenke«. Ne«tscheeatto«a»e volksvartet lVerrvVssvuvvL Eobuvg) Der Bvrstmb: Hl. Loh. Für Reinheit im öffentlichen Leben. Im Anfang der 7Ver Jahre des vorige» Jahrhunderts schwamm Tcuischland im Milliarden ftgen, der sich von Frankreich über Deutschland ergoß. Gegenwärtig leidet Deutschland an Geldhunger. Aber beide Epochen gleichen flch in einem Punkte: Gründungen zweifelhafter Natur schießen wie Pilze auS der Erd«. Ein unsterbliches Verdienst des deutschen Inden Eduard Lasker, dessen hundertsten Geburtstag Deutschlands liberale Politiker am 14. Oktober feierten, war es, daß er in seiner berühmten Etatsrede vom 7. Februar 1873 im Landtag den Eiseiibahn-Tründungoschwindel aufdeckte. Gustav Schinoller schreibt über Lasker aus Grund dieser Rede, „daß er — und zwar er allein — das Gewissen der deutschen Nation, sowie das Ansehen und die Ehre der große» deutschen Körperschaften dadurch gerettet. daß er in einer Zeit unerhörter Mißbräuche, die in aller Munde waren, die Dinge bei ihren, wahren Nauren nannte, sich nicht zu jenem Totschweigen hergab, >vie cs i» die Karte» aller derjenigen paßte, die da»,als außerhalb und innerhalb des Parlaments sich mit unsauberen Geschäften abgnben." Des aktuellen Interesses wegen, das Laskers Rede auch heute noch hat, geben wir einige Stücke aus ihr nachstehend wieder. Lasker führte ans: ..... Ich habe — und das muß ich, voransschicken. wenn cs daraus ankommen wird, Glaubwürdigkeit gegen Glaubwürdigkeit z» fetze» — ich habe mein ganzes Leben daraus eingerichiet, daß jeder meiner Schritte die öffentliche Prüfung in Beziehung ans Geldangelegenheiten bestehen kann, daß ich Eine zeitgemäße Erinnerung. alles zurnckgewiesen habe, was nicht allein in direktem Widerspruch, sondern überhaupt in irgendeiner Konkurrenz mit meiner öffentlichen Tätigkeit treten könnte. Nicht nur dies, sondern überhaupt in Beziehung ans die Pflicht eines Abgeordneten in parlamentarischer Hinsicht. Gestatten Sie mir aus n,einem Leben einige Mitteilungen zu machen. Als ich im Wahlkreis Mcinige» zum erstenmal als Fremder vvrgeschlagen wurde zur Wahl für den Ncichskag, da bewegte den grüßten Teil meines Wahlkreises die Frage, ob eins Eisenbahn durch diesen Wahlkreis gelegt werden sollte, und die Erfüllung dieses Wunsches wurde von. der Neichsregiernug und von Preußen in Aussicht genommen. Mein Gegner in diesem Wahlkampfe ivar ei» Meininger, der im übrige» meine politische Tätigkeit anerkannte, aber vorgab, er. mit mir ans derselben Linie stehend, würde die Jniercssen Meiningens besser wahrnehmen können, und in einer Versammlung von Laiidumimcrii hob cr namentlich hervor, er würde in der Lage sein, die Eisenbahn den Meiningern zu verschlissen. Dnrarrs hat das für mich interessierte Komitee a» mich die Ansforderung gerichtet, ich möchte mich doch über die Bahn anslasscn, in welcher Weise ich tätig sein würde. Ich lehnte diesem gegenüber jede Anslajsung ab und als ei» Freund meiner Wahl dennoch die Frage an mich richtete, also eine Frage, die mir frcundlicki geneigt war, gab ich vor den Landmänncrn die Erklärung ab, es gäbe Personen, welche ihre Wähler oder sonstige Personen zu besteche» versuchten, indem sic ihnen Privatvorteile zuwendeten, es gäbe aber auch eine Art vo» Bestechung, indenr n,an im allgemeine» B e rsp rechun ge n n>achte. und ich enthielte mich deshalb, irgendeine Acnßernng über niein Verhalten zu einem solchen Eisendahnprojekt abzugeben, und hieraus find Sandkeute an mich herangrtrcten und haben zu mir gesagt, Eie sind unser Kandidat. So viel Sinn war noch unter de» Wählern vorhanden, daß ein Abgeordneter vo» all diesen Dingen sich fernhalten soll." In, weiteren Verlaus äußerte sich Lasker: . . So habe ich Zuschrlfton mit der Drohung erhalten, man werde n,ik Name» hervortreten, die zu meinen politische» Freunden gehören; nicrn werde den Skandal so groß wie möglich zu machen suchen, denn falle einer, so sollen viele mitfallen. Meine Herren, ich habe dieser Drohung gespottet. Wer ein gutes Gewissen hat, braucht «ich „m solche Dinge gar nicht zu kümmern, und wenn, was Gott verhüten möge, in die Reihen der anständigen Männer sich solche eingeschlichen haben sollten, die nicht in die sein Kreise sich zu bewegen verdienen, dann hinaus mit ihnen. Tie guke Gesellschaft scheidet sie aus von sich, und sie sind vergessen und die Mornk des Volkes geht ui,verletzt welker. Aber solange sie als heimliches Gift noch in der anständige» Gesellschaft sitzen, wirken sie schädlich, dar»,i, nnsscheidcn . . ." .ich will innerhalb dieses Hanfes, innerhalb der Volksversammlung jeden Dienst leisten, will helfen, das Wahre vo» den. Falschen aussvudern, will unparteiisch untersuchen, und ich werde gewiß von der größten Freude erfüllt sein, wenn die Tatsachen so aufgeklärt werden, daß das llebel aus ein Minimum herabgedrückt wird. Mer, meine Herren, die Last möchte ich länger nicht allein tragen, sondern ich wünsche, „rüge das Abgeordnetenhaus, möge die Skmisregiernug an meine Stelle treten. Ich wmigpens werde den Antrag ans Einsetzung einer "Kommission zur Unterstützung der Tatsachen stellen." 4727401548 6752