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Central-Verein-Zeitung · 1929-09-01 · Heft 9 (September 1929) · page 5

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1929
Issue
Heft 9 (September 1929)
Date
1929-09-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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öl von Zion" faseln. I» Wirtlichkeit ist die Jndcnhcit in sehr verschiedene vclifliüfc, politische, (vcltnnschauliche Richtnngen gespalten, ganz begreiflich, da sie auch sprachlich, wirtschaftlich, gesellschaftlich, kulturell trotz gcwisscr gcmeinsnuier Züge tiefgehende llnterschiedc anfwcist. Tcn;gcn>nß finden sich, »ud zwar nicht nur in Deutschland, Inden in allen Politischen Lagern, je nachdem Fnmilientradition oder gesellschastliche Stellung, berufliche und wirtschaftliche Interessen, ideale oder Nnhlichkeitsern'ngungen, vst auch — ebenso wie bei manchen nichtjndischen Wählern -- schließlich auch Rücksichten aus ihre llingebnng oder gar Gedankenlosigkeit und Behnrrnngsbcrmvgcn sic einer bestimmten Partei in die Arme führen oder bei ihr festhallcn. Dabei soll gar nicht in Abrede gestellt >verdcn, daß sich verhältnismäßig mehr Inden zu den Parteien der Linken hingezogcn fühle», Haben doch die Rechtsparteien, die zumeist programmatisch oder wenigstens praktisch die staatsbürgerliche Zurücksetzung, wenn nicht gar die bockige Entrechtnng der Inden vertreten haben, wenig dazu getan, sich die Shmpathien jüdischer Wähler zu gewinne». Und wenn bei vielen Inden sich mit der Borstellnng von Liberalismus und Deniokratic die Erinnerung an die Alisklärnngszeit und ihre Ideen verknüpfte, auf die jene Politischen Grundsätze ebenso zurttckgehcn wie die Jndcuemanzipation, so ist die Borliebe vieler Inden für die westlichen Ideen des Parlnmcntnrisinns und der Demokratie zn,n mindesten historisch verständlich und jedenfalls nicht mit dem Vorwurf der Vergeßlichkeit und der Undankbarkeit zu belasten. Natürlich gibt cs unter den Inden, sogar unter jüdischen Ivnrnnlistcn, auch engstirnige Parteibnsfcl, die für jeden Monarchisten und Reaktionär nur Spott und Verachtung haben; die politisch reisen und geschulten unter uns, die sich bemühen, die Pnrteischcnllappcn nbznlcgcn, werden die ehrliche Ueberzcugung auch beim Monarchisten und Konservative» stets achten. Aber darf nicht ebenso der Jude, der ans redlicher Ueberzcugung zur geltenden Staatsfvrm steht, Achtung für seine Ueberzcugung beanspruchen, zumal sie mit der von der deutschen Nationalversammlung in Weimar mit starker Mehrheit beschlossenen Verfassung in Einklang steht? Welches die beste und richtige Staatsform für Deutschland sei, werden Sie so wenig entscheiden können, wie irgendein Zeitgenosse; wir stecken alle noch zu tief in den Wirren der Zeit. Das; die Monarchie in der früheren Form mit 2g Fürsten kaum inehr iviederkehrcn wird, und daß sie, unbeschadet ihrer historischen Verdienste, gegenwärtig Deutschlands Rettung nicht bringen könnte, geben auch ihre grundsätzlichen Anhänger z». So würde Deutschland, tvcnn cs die deinvlrntisch-parlaincntnrische Regiernngssorm beseitigt, im Augenblick nur die Wahl zwischen Bolschewismus und Faschismus haben, Glauben Sie wirklich, daß diese Negicrnngsformen den; deutschen Wesen mehr gemäß sind? Genug, verehrter Anonhmns, Sie sehen, wir sind ans keine,; Ihrer Angriffe mit eine Antwort verlegen. Legten uns nicht Raun; und Zeit Beschränkung auf, so könnten wir Ihnen noch mancherlei sagen. Bekämpfen Eie weiterhin den Judenhaß aus Ihre Weise und lassen Sic uns die politische Arbeit, die uns gewiß nicht Vergnügen bereitet, sondern die wir als eri;ste Pflicht und harte Notwendigkeit ausfasscn, nach unseren jnhrzchntelnngen Erfahrungen, nach unseren; besten Können und unserer redlichen lleberzcngnng weitcrftthren. Warten wir ab, wer von »ns beiden die besseren Erfolge erzielt. Die..Neue Aroul" und Walther Nathenau. Eine " . , ton Hugo Seilner (Berlin). Der langjährige Privatsckrctär Walthcr Rathenans schreibt »ms: Tie iiaiivnaksvzinlistische Zeitung die „Neue Front" in Gera veröffentlicht in der Nr. 24 vom 23, Juni d, I, eine» Anssah „Erinucrnngei; an einen Großjndcn". Rachden; sie in der Einleitung dei; Menchclmord an Rathenan durch Fischer und Kern als die Tat „fanatischer deutscher Soldaten" bezeichnet hat, stellt sie nnsdrücklich foft: dt sind vir ih s'i „ k!! i, .. u ch, wir wollen uns an dci» Todestage des clie»m!ic;cu Reichsaaßenministers in Tcnlstbland, Ir. Walther Nntbennu, einige seiner Worte ins Gcdächlnis znrttclrnsen," Es wäre eine verdienstvolle Tat, wenn Organe aller Parteirichtnngen zur jklarstcllnng über Sei» und Schein beitragen wollten, möge das nun Pcrsonei; oder Einrichtungen betreffen. Dabei ist unerläßliche Vorbedingung: NUckhaltlosc Wahrheit! Das Gegenteil tut aber die „Nene Front", Sie behauptet z, B,, daß am 31, Januar 1922 Dr, Wirth zu Vertretern der D, V, P, gesagt habe: „Die Ernennung Dr, Rathenans zu»; Anßcninnuster must gteick, erfolge», da einmal(llatheuau sich (vcigcrt, als .(lonunissar sür die deutsche 3iegicruug tätig zu sein. Er wünscht vielmehr bis »unni'it lv Uhr seine Ernennung z»n; Außen- Als ein oder zivei Jahre nach Ralhenaus Tode in einen; Gedachtnisarlikel einer Berliner Abendzeitung die Bcl),inptnng erschien, „Rathenan habe die politische Macht (Anßcnmiiiisterim») durch ein 24stnndiges Illtinratn», erzivnngen", richtete ich eine Anfrage an Tr, Wirth. Ich besitze die schriftliche Erklärung Dr, Wirths, daß diese Behauptung nicht dei; Tatsachci; entspricht. -Dr. Rathenan hat sich erst, wie ans eine»; Briese an seine Mutter hervorgeht, nach stundenlanger, nicht von ihm gewünschter oder herbeigcführtcr Beratung zur Ucbernnhme des Amtes bcrciterllart, „weil kein anderer da war". Dust er nach diesen; Posten gestrebt oder ihn gar „.erzwungen" habe, ist eine g e s ch i ch t l i ch c II n w nhrhcit, die auch durch Wiederholung nicht an Beweiskraft Seit Jahren erscheint in der Tagesprcssc bcstiunnler Richinng inuncr ivieder das Ammenmärchen von den „dreihundert Männer,;", auch nnige fälscht i>; „dreihundert Juden", Tr. Rathenan scl>ricb am 3, November 1921 ai; Ntittclschnllchrer Stern in Kattowiß (vgl, Rathenan: Briese, Band ll. Nr. 7-16, Karl Neißner Verlag, Dresden) „Ter Ausspruch, „ach dem Sie sragcn, fiubet sich in einem Aussatz .Unser NacliNacchs' in der Nr. 10 288 der „Nene» Freien Presse" i„ Wien von, 25. Dezember 4900. Er lautet wörtlich: .Dreihundert Männer, tarn denen jeder jeden kennt, leiten die wirlschnsttichen Geschicke dcs Kvntinenis und suchen sich Nackisolger ans ihrer Umacbmig.' Der daranssvlgeiide Satz: .Die scilsaincn Ursachen dieser seltsame» Erscheiunng, die in das Tunket der künslige» sozialen Entwicklung einen Schimmer wirst, stehen hier nicht zur Erwägung' b e >v eist, das; ich der E r s ch e i - Kiinn der Wirischastsplatokraiie mit der größten S o r g e c n t g c a c;> s a h, „ n d e S i st w vl, l in dcr Geschichtc dcr Fälsch» »gen so ziemlich das unerhörteste, wen,; jemand, der vor einer E r s ch e i n u n g g c w a r n t l, a t, s i, r d i e^s e ^E rieh Einung verantwortlich Daß cs jich bei den „T r c i h u n d e r t" nicht „ ui I ii d e n h a n d c l t c, sondern um Führer des internationalen Wirtschaftslebens, brauche ich nicht mehr besviideis zu erwähnen." Die Acnßerung Ralhenaus gegenüber den; englischen Korrespondenten in; Dezember 191» bezog sich ausdrücklich ans daS, was den; dcnt» scl>e>; Volke vor den; Kriege „gesagt" bzw, nicht gesagt wurde! Die „Nene Front" zitiert den ihr Passenden Teil eines Zukunftsbildes, das Rathenan in der Presse des neutralen Auslandes in; Dezember 1918 unter der Ueberschrist „An atle, die der Haß nicht bindet" gezeichnet hat. Das Zitat (vird in einem Zusammenhang gebracht, der urteilslosen Lesern die „Meinung" bcibringen soll, als sei dieses Zukunftsbild des „Inden und Schwcrkapitalistcn mit prophetische»; Geist, des Wissenden" Ralhenaus Wunsch oder Absicht gewesen. Wer nnssen ivill, welcher Sorge für Land und Volk dieses Zukunftsbild entsprang, der lese die kleine Broschüre „Nach der Flut" (Verlag S. Fischer, Berti»), in der der Anssah nbgedrnckt ist, hier findet sich auch der von der deutschen Rechtspresse so oft sür die Richtigkeit ihres Standpunkts herangczogeno Aufsatz: „Ein dunkler Tag" ans der „Vossischen Zeitung" von; 7. 'November 1918. Der Abschnitt V des zitierten Aussatzes lautet wörtlich: „Nie kann ans Unrecht Recht und Glück entstehen. Das Unrecht seiner Abhängigkeit und Unselbständigkeit, das Deutschland schuldlos ans sich lud, büßen wir, wie nie ein Unrecht gebüßt (vorder; ist. Wenn aber die westlichen Nationen in ruhiger, kalter Ilebcrlegnng aus Vorsicht, Interesse oder Nachcgcsühl Deutschland langsa»; töten und diese Tat Gerechtigkeit nennen, indem sie ein neues Leben der Völker, einen ewigen Frieden der Versöhnung und einen Völkerbund verbinden, so (vird Gerechtigkeit nie wieder sein, was sie ist, und niemals wieder (vird die Menschheit srvh (vcrdcn, trotz aller Triumphe. Ein Bleigewicht (vird aus dem Planeten liegen, und die kommenden Geschlechter werden mit einem Gc- Ivisjcn geboren werden, das nicht (»ehr frei ist, Tie Kette der Schuld, die jetzt noch zerschnitten (verden kann, (vird unzerreißbar und unendlich den Leib der Erde nmschnüren. Der Zwist und Streit der li'iustigcn Epoche wird bitterer und viclspältigcr sein als je zuvor, weil er mit dem Gcsühl gemeinsameu Unrechts getränkt ist, 9!ie hat gleiche Macht und gleiche Verantwortung ans den Stirnen eines Triumvirats gelastet. Wenn die Geschichte der Menschheit, die sinnvoll ist, cs gewollt hat, daß eine einzige Stunde durch den Entschluß dreier Männer über Jahrhunderte der Erde und eine Menschheit von Auktionen entscheidet, so hat sie dies eine gelvvllt: Eine einzige große Frage des Bekenntnisses sollte dei; siegreichen zivilisierten und religiösen Nationen gestellt (verden. Diese Frage lautet: M e n s ch - li chkcit oder Gewalt? Versöhnung oder Rache? Freiheit oder Unterdrückung? Menschen aller Völker, bedenkt cs! Diese Stunde entscheidet nicht mm über uns Denische, sie entscheidet über uns und euch, über uns und alle, Entscheidet sie gegen uns, so (vcrdcn (vir unser Schicksal trage» und in die irdische Beruichtuug gehen. Unsere Klage (vcrdct ihr nicht hören. Dennoch (vird sic da gehört (verden, wo noch nie eine Klage ans Menschenbrust ungehört verhallte." Wer hiernach das erste Zitat ohne das Vorstehende wiederholen (vill, mag es tun; er wird sich dann mit de»; gegen ihn zu erhebenden Vorwurf bewußter Irreführung des deutschen Volkes abzufindcn haben. Wer sich bis heute ans den „Briefen" und Werken Rathenans über de>; Mann, seil; Denken und Handeln noch keine Klarheit verschafft hat, der wird sie vielleicht bald durch die „P o l i ■ tischen Briefe" Rathenans erhalten. Wer freilich nicht sehen und hören will, dem (vird cs hier, wie überall, leicht gelingen, durch geschickt ausgewählte, sorgsam ans den: Zusammenhang gerissene „Zitate" sein P.a rteisüppchen zu kochen. Und er wird — wie biete vor »nd viele nach ihm — glauben, damit zur höheren Ehre Deutschlands (lies: sciucr Partei) eine Heldentat verrichtet zu haben. ^48984

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