Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 9 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ö0 müfjtcn; Sie ncimt'it sie die Hebraisten. Tie von, solchen misgehendcii Gutachten schieben Tie init der Behauptung beiseite. daß sie Philosemiten, alsv Partei seien. Es ist zwar nicht richtig, das; alte Hebraisten Philvseniiten mären, aber, -gesetzt, es wäre sv! Müßte es dann nicht zum Nachdenken anregen, daß gerade die Männer, die das wahre Wesen der Juden kennen, sic schätzen und achten, und nur die von Vorurteilen geleiteten tlinvisseniden sie Hassent Tie Hebraisten lehnen- 'Tie ab. Tie sonderbarer Jndenfremid, die sind in Ihren Angen parteiisch, aber die nntiseniitischen Führer haben sie ins Herz geschlossen, die müsse» Tie gegen ungerechte Angriffe von unserer Teile in Schutz nehmen. Tie sichre» zwar keine Belege dasnr an, daß sie durch die Bank von den Inden als minderwertige Mensche» hingestctlt werden; aber ivcnu nur es täten, ist es unsere Tchntb, daß Ahlivardt und Pückler, Hammerstctu »nd Stöcker traurig entgleisten? Hei» verständiger Jude wird einen heftigen aber ehrlichen Gegner wie Treitschke oder Lagnrde oder Eugen Dnhring einen Lumpen oder Hetzer nennen, aber die Herausgeber Vv» Slnndalblättern, die deir Judcichaß in bares Geld ausmünzr», können wir wirklich beim besten Witten nicht als Edclmcnschcn achten. Tie erweisen den Antisemiten einen richtigen Bärendienst durch Ihren Vergleich mit der Feldwcbclsrcsse. (Zur Vermeidung von Mißverständnissen bctöncn wir, daß das geschmackvolle Wort von Ihnen stammt und nicht von uns.) Aber, verehrter Anonymus, den Pazisistcn, der cs nur ans Erbitterung über vermeintliche oder wirkliche schlechte Behandlung durch einen Untcrossizier geworden ist. de» müßten wir sehr niedrig einschätze». Ter P n z i f i S m it s ist uns eine große, eine göttlichc, wenn auch vielleicht erst in ferner Zukunft unter unsüglichen Schwierigkeiten zu verwirklichende Idee. Und die völkischen Führer behaupten doch auch, eine Idee zu verbreiten, und nicht nur Judenhaß. Sie aber lassen dem völkischen Agitator die Massen nur deshalb Zuströmen, weil die ihnen von Juden wirtlich oder vermeintlich zu gefügte Unbill sie ins völkische Lager treibt. Sie sind ein sonderbarer Verteidiger der völkischen Führer! Sie wollen »nt denc C. V. über seine Methoden zur Bekämpsnn-g des Antiseinitisnnis rechte»; da dürste mail wohl erwarten, daß sie seine Abwehrschrifien, die Darlegungen in der „C. B.-Zeiiung" gelesen haben. Wäre dem so, dann könnten Cie ntcht von 9000 j ü km s eh e n Gefallenen reden, dann ivüßtcn Lie, daß 12 000 deutsche Inden im Weltkrieg ihr Leben gelassen haben. Tas Verzeichnis dieser Gefallenen, nach dem Sie sv höhnisch fragen, braucht der C. B. nicht erst ansznstetlen, ivcil ihm diese Aufgabe eine befreundete Organisation, der Rcichsbund jüdischer Frontsoldaten, nbgcllmnmen hat. Er hat ein genancs Namensverzeichnis mit de» von Ihnen gewünschten Angaben in seiner Monatsschrift „Ter Schildschön für den größten Teil des Reiches veröffentlicht und wird es in nächster Zeit als Buchausgabe heransbringcn. Wie Sie nun die vermeintliche Zahl von 9000 Gcsatlcnen mit der Gesamt,zahl der deutschen Kriegsopfer i» Vergleich stellen, das zeigt, daß Sie mir der oberflächlichsten »nd irrefiihren-den Beiveissnhnmg judenseindlicher Blätter folge», von der Statistik »nd ihren Grundlagenaber leine Ahnung haben. Sonst lvüßte» Sie, daß unter den 600000 in Tcntschtand lebenden Inden eine große Zahl Ausländer ivaren, die man natürlich unter den Mitkämpfern im denischen Heer nicht finden kann, daß der Altcrsanfban der Jude» sich von dem der übrigen Bevölkerung stark unterscheidet, daß auch zwischen Katholiken und Protestanten, zwischen Angehörigen verschiedener Berufe, zlvische» Stadt- und Landvolk starke Unterschiede in der Kriegsbeteiligung bestanden, ohne daß diese Unterschiede irgendeinem Menschen Anlaß oder Befugnis gaben, der einen Bernssschicht, der einen Glmibensgemeinschast ihre geringeren Kriegsleistnngcn vvrznwerse». Z. B. hat der Ttannnsitz der völkische» Bemegmig, die Stadt München, die bei Kriegsausbruch eine der Zahl der deutschen Inden annähernd gleiche Einwohnerzahl hatte, „nur" IN 00» Gefallene aufznweisrn, während sie nach Ihrer Bercchnnng ein „Soli" von etwa 16 600 treffen würde. Nur Bosheit oder Wahnsinn lönnte daraus gegen die Münchener den Vorwurf mangelhafter Patcrlandsliebc oder planinäßiger Drückebergerei adlettcn, weil eine gleich große Zahl aus der bäuerlichen Bevölkerung größere Verluste nnfzmveiscn hat als die Großstädter. Aber den Inden gegenüber halten Sie solche mathcniatische Vrlvcrbnng der vaterländiscl^n Pstichterfütlling für gerecht. Sic brauchen leine Frcnn-dschnft für die Inden, Sic müßten nur die elementarsten Grundsätze der Gerechtigkeit kenncii, da»» wüßten Sie, daß, lote vor Gericht auch vor dem Forum der öffentlichen Meinung den Kläger die Bewcislast für seine Anschnldignngen trifft und nicht den Angegriffenen für seine Unschuld, Wenn Sie also ans der Zahl der Kriegsopfer Vorwürfe gegen die Ucberlebeirdcn nbleitcn wollen, müßten Sic beweisen, daß sie mir durch Feigheit der Kriegsgefahr entrönne» sind. Aber lasse» wir alte juristischen Erörterungen beiseite, wenden wir uns nur an das moralische Gefühl; nehmen wir einmal an-, daß die Juden im Durchschnitt wirklich geringere Blutvpfer gebracht hätten als andere Kreise, daß ei» Teil von ihnen sich wirklich vorder Gefahr gedrückt hätte, in stärkere», Maße, als das auch in anderen Schichten des deutschen Volkes vorkam: haben- Sie dann kein Empsinde,, für den empörenden und erniedrigenden Iliidank, den Sie denen erweisen, die tapfer ihre», Mai», gestellt, die mit ihre», Blut ähre Pflichttreue besiegelt haben, lvcm, Sie mit dein Rechcnstift das Maß ihrer Pslichterfüllniig abzirkeli, und nbschätzen wollen! Mindert cs ihr Verdienst, wenn wirklich einzelne Genossen ihres Glaubens und ihrer Art gefehlt haben? Mit Ihrer, ach so nachsichtigen, Entschnldignm-, der F r i c d h o f s s ch ä n d >, „ g c n rennen Sie offene Türen ein. Wo hat die „C. V.- Zeitnng" behauptet, daß sic a»s Befehl verübt worden seien? Wo hat ein Jude etiva Adolf Hitler persönlich dafür verantwortlich gemacht? Ob er wirklich strenge Woisungeii gegeben hat, die Täter zu ermitteln, wissen mir nicht. (Gestatte,, Sie übrigens die neugierige Zwischenfragc, woher Ihre verblüffend genaue Kenntnis der inneren Dicnstbetriebe der N. S. D.A.P. stammt?) Wir haben bisher im „Völkischen Beobachter" nur die verlegene Ausrede gelesen, daß die Juden, nur inn den braven Nativ»,ilsozinlistcn eins anzichängen, selber die Gräber ihrer Toten schänden. Tas spricht nicht gerade für sehr ernstlichen Willen, die Täter zu crmitteln. Jedenfalls haben bisher diese Er- „littlnngen feinen Erfolg gehabt. Aber das dürfen nur den nationalsozialistischen Redner,! ,,»d Zeitungsschreibern Vorhalten: die seelische Einstcllimg, aus der heraus verhetzte, verrohte, haltlose Buben ans -den Gedaulen verfalle» können, jüdische Friedhöfe z» zerstöre», wurde mir dadurch gcschassen, daß man jahrelang hemimnigslvse» Hast gegen die „Mniderrasse" der Inden gepredigt »nd- Tag für Tag den Ruf ins Volk geschlendert hat: „Die Inden sind unser Unglück!" Sie sehen eine Entschuldigung der antisemitischen Friedhofsschmidmigeii darin, daß auch deutsche Kriegergräber in Frankreich, evangelische Friedhöfe in Polen vcrnnehrt worden seien. Wir haben keine zuverlässigen Rach-, richten darüber, in welchem Muß das geschehe» ist. Jeder einzelne Fall ist selbstverständlich tief zu beklagen und zu verdanniien. Aber entlastet es Deutsche, wenn Franzosen oder Polen auch Schmähliches tu»? Ferner, kan» das, ivns »och unter der Einwirkung der Kriegspsychose von Einwohnern dem ins Land eingedrn»- gcne» Feind angetan wnrde, eine Nechtfcrt-ignng dafür sein, was mitten in, Friede,,, im eigenen Lande Deutsche ihren deutschen Volksgenosse» zufügen? Denn Volksgenossen sind wir Juden nach dem Wort deS bayerischen Kultusministers, zu dem cr trvtz des Wutgeheuls eines Streicher und Bnttttiann inaniihnst stand. Sie halten „ns die f r a „ z v s i s ch c n E m i - grauten als Muster vor. Ja. wen» man de» Inden nach tausendjährigem Aufenthalt aus deutschem Boden nur halb sv bereitwillig Offiziers- und Bcaintenstellen eröffnet, politische „lud gesellschaftliche Gleichberechtigung cingcränmt hätte wie den I'okugiög sogleich nach ihrer Eiinvandermig, dam, hätten sie sich vielleicht auch solch besondere Verdienste um den Staat erwerben können, dann- -Hütten sich vielleicht nicht so viele begabte Juden in die Nethen der Opposition drängen lassen. Aber wem, deutsche, dentschsprechende Inden in dem Maß die Führerstellen Heer „nd Verwaltung unter sieh niifgetoilt hätten wie die französisch spreche,,- den Eniigrmiten, mic würden Sie und Ihresgleichen sich über jüdische Herrschaftsgel-üstc entrüsten, die Leute, die eine,, Nathenan nicht anders als mit der Mordwaffe zu bekämpfen wnstten. Wenn wirklich der Antiscniitismns unter Geistlichen selten ist, wie Sie meinen, so kann das di« Mitglieder dieses Standes mir ohren; dem, mein stünde Rassenhaß schlcchkcr nn als einem Priester der Religion der Nächstenliebe, Aber wcim Sie den Grund für die ge*, v-iiiße Zahl der Judenfeinde unter den Geistliche» in mangelndem Bekeimermut suchen so beschimpfen Sie als Christ Ihre eigenen Geistliche,, in iiiiveraiilwortlicher Weise, Ein Luther hat Kaiser und Papst getrotzt, wo es ihn, seine lleberzengnng gebot, und im Kulturkampf haben Hunderte von katholischen Geistlichen Gchaltssperce „nd Gefäiignishast nicht gescheut. Glauben reic ivirklich, daß solche Männer aus feiger Scheu ihre wahre Gesinmmg gegenüber den Inden verbergen? Jedes Volk, jede Glanbensgescllschaft. ja jede Gruppe und jedes GriiPPchcir rühmt sich mit Recht ihrer Vorzüge, chne daß sic deshalb ihre Schwächen „nd Fehler zu verkennen braucht. Haben wir Inden kein Recht, unsere weltgeschichtlichen Lcistnngci, mit Stolz zu nennen? Das können Sie nicht mit der billigen Redensart abtnii, daß wir Lvbeshyiimen ans die eigene Vortrefflichkeit zu singen Pflegen Wem, Sie die Abneigung der Mehrzahl unserer midcrsg-länbtgen Mitbürger gegen »ns Inden darauf znrncksüh-reii, daß wir überwiegend Anhänger der Demokratie und des Parlnincntarismus seien, politische Anffassniigen, die Sie als „„„deutsch" ablehnen, so urteilen Sie wohl zu unbefangen von Ihrem eigenen Parteistnndpnnlt aus und verkennen, daß weite Kreise des deutschen Volkes, und sicherlich politisch geschulte und regsame, es umgekehrt den Inden sehr übel nehmen würden, wenn sic sich ausnahmslos als Schleppenträger des früher herrschenden Systems hcrgeben würden. Vor allem aber sind Sie in den, vorzugsweise durch die Schwindclberichte der „Weisen von Zion" so vielen sonst verständigen und gebildeten Deutschen cingetränseltcn Irrtum verstrickt, als ob die deutschen Juden oder gar die Inden der ganzen Welt eine geschlossene, in ihrem politischen Denken einheitliche Masse wären; dies könnten sie mir sein, wenn es wirklich so etwas wie eine geheime jüdische Oberleitung gäbe, von der die gläubigen Anhänger der „Protokolle der Weisen