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Central-Verein-Zeitung · 1929-09-01 · Heft 9 (September 1929) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1929
Issue
Heft 9 (September 1929)
Date
1929-09-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Wer ist Herr im -eutfthen Hause! Offener 6rief an einen flnonpmus. von Nechtsanwalt Levinger München). „'Sciier ist mir ber mcmib, Doch nitrtj bei» peinb lann ich inifjcn: ,’ieiot mir brr lUennb. »uns ul) I u n n , 3ci(it mir ber Feind, ums ich full!" Sie spielt'» sich nls Freund aus, »her du Sic uns Juden in Ihrem — anonymen - SBriej nmtjl Können znlrcme», dasnr nbcr mehr anmasjend als »vvhlwvllend, mehr vberslächlich M kenntnisreich nnfzähie», wns »vir alles tun sollen, in» uns die Achtung und Liebe unserer Mitmenschen zu cnverbe», sv »viirde Schiller Sie »vohl eher unter unsere Feinde gerechnet haben. Aber gleichviel, ob Freund oder Feind, »vir müssen Sie doch zuerst einmal nnscrcu Lesern Vvrstclleu: Sie sind der Mann, den Dr, Holländers Aussatz: „Veraltete Methoden" in Nr, 16 der „E, B,-Jcitnng" vcranloht hat, an ihn nachstehenden Brief z» schreibe»! Ctzarlollenbura, den IS, Mai 11*20. Sehr gcchrter Herr Holländer! Einer Ihrer persönlichen nichtjüdischc»» Jrenndc hat «cstern mit mir eine lliitertzaltmia gesührt, die Ihren Aussatz vom IS, April 1S2S in der „E. B. ° Zeitung" zum Gegenstand hatte. Das; Eie sich über die Judengegner sehr erciscru, ist Ihr gutes Recht: nicht richtig ist aber die Art, >vie Sie cs tun. Lassen Sic cs sich von einem N i ch t j u d e n sagen, dem cs daran liegt, die Grundsätze für eine „Stzmbiosc" sestznstcNm! Die gcsiihrte llntcrhaltnng hat crftaniiticherweise eine solche Ilcbercinstimmnng der beiderseitigei, Meinungen offenbart, das; »vir sic Ihnen nicht vorenlhaltcn »vollen. Der erwähnte Herr will aber weder mündlich »och schriftlich mit Ihnen über die Frage der „Shmbiose" diskutieren, da er bei Ihnen in den Verdacht d e S „A n t i s e in i - t i s m u 8" käme, lvas er des sonst guten Einvernehmens »vcgcn vermelden »vill. Ich habe daher alS Fremder es libernommen, den Extrakt unserer Aussprache darzulcgcn. Sie sehen: schon der Nmstaud, das; ein Freund es nicht »vag t, Ihnen zu sagen, das; Sie den Anlisemitisiinis in einem falsche»» Lichte sehen, bc- »vcist, dost das Judentum in seiner Führerschaft st u in m c ll n t c r w ° r s u n g v e r l a n g t. Er dars kein Wort sagen, »vas der Jude als „Kritik" an seiner Eigenschaft als „Juden" aussassen könnte, viel »veniger ein Wort zum Lobe Ihrer antisemitischen Gegner, Ist das nicht eine moralische Sklaverei? Wer ist Herr im deutschen Hause? Der Jude oder der Nichtjude? Nun einige Stichwörter der üblichen Disknssivncn in nugcivnhlter Reihcnsvlgc. Ritual morde: Die Methode, jeden als Idioten oder Verleumder anzuprangern, der an Nitualuwrdc glaubt, geht doch nicht an, Wtssenschastliche Gutachten sind meistens sehr srag- »vürdig, Hebraisten sind meistens Plsttvsemiten, also Partei. Tatsache ist, das; mehrere Morde (W i n t e r - Ko n i tz) bis heute keine A u s k l ä r u n g gesunden haben, bei denen das Rilual„märchcn" kkincswcgs criviesen worden ist. Das Material, »vclches damals zusannncngctragen »vvrden ist, gab durchaus einein unvoreingenommenen Menschen (d, h, keinem Philoseinitcn) genügend begründeten Anlas; zu dem ausgesprochenen Verdacht, 6ausa non jiwieata. Antisemitische Führerschast, Jeder antisemitische Führer »vird als minderivcrtigcr Mensch dargcstellt. Niemals seine menschlich lobenswerten Eigenschaften hervorgehvbcn, Lumpen, nichts als Lumpen, Hetzer von grösster Ge- »vissenlosigleit: »vcr soll das wirklich glauben? Nein, Herr Holländer, so setzt man sich nicht mit seinem Gegner auseinander. Das ivissen Sie ebensogut »vie »vir: lein antisemitischer Propngandaredncr hat auch nur einen Wähler überredet, ihm seine Stimme zu geben, Tie Zuhörer kommen zu den Versammlungen, »veil sie Aergernis am Judentum genommen haben, und jubeln dem »liedncr zu, weil er ihre Empfindungen in Worte kleidet. Die „Feldivebelsresse" macht den Anlimilitaristen, nicht die Idee des Pazifismus: hier haben Sie ein Analogon, Die jüdischen Gefallenen im Weltkriege. Sie nennen die Zahl von LVÜ0 Tvten: diese Angabe »vird stark angezweisclt. Vielleicht gibt der E, V, ein Verzeichnis dieser Tvten heraus mit svlgendeu Angaben: Itanif, Vorname, Truppenteil, Ort der tödlichen Verwundung bziv. Lazarett, »uv der Tod erfolgt ist. Aber auch die Zahl der SHKIO mus; sich gewisse Emwände gcsnllen lassen: 2 Nlillivuen Tote bei 60 Millionen Einwohnern imichcn bei 000 060 Juden 201)60 Tote, Wo ist das gleich gwhe Blutopjer? Wieviel Juden Ivaren Einjährige? Wieviel Nichtjudcn mit dem Einjährigen sind gesallcn? Wie sehen die Vergleichszahlen ans? F r i c d h v s s s ch ä ii d u n g c n sind keine aniisemitische Cvuderhcit, Haben die Franzosen deutsche Kriegergräber nicht verunehrt, die Polen in Posen aus den evangelischen Kirchhösen nicht die Grabsteine zerschlagen? Wer schreit da Zctermordio? Entrüstet sich die „(£. B, - Zeitung dann spaltenlang? Oder Blosse, oder lllltcin? Plein, Herr Holländer, solche Entgleisungen ind Ihnen ein erlvünschtes Akaterial. Hitler hat strengste Weisungen herausgegeben, die Täter zu ermitteln, also von dort aus kvnuncn solche llntalen nicht: entivcder sind cs Provokateurs oder Leute, die ihrer sonst machtlosen Empörung über die „Judenherrschast" Ausdruck geben »vollen, Zedcnsalls keine Handlungen auf „Ae sc hl", die Wiederholungen an verschiedenen Orlen sind aus den „Nnchahiiningstrieb" zu Das gröftere Acrgcrnis ist Ihnen der „höfliche" Anlisciiut, der mit der grössten Freundlichkeit keine Annäherung zulähi. Olnvvhl Sie genau Ivissen, das; Sie damit den Aniiscniitismns nicht bekmnpscn können, versoigcn Sie strasrechilich — und »vie paragrnphenmässtg kvnslrnirri! — jede angeblich beleidigende Aeuhernng, »nid »nag sic noch sv provoziert sein. Fallt das llrteil nicht nach Ihrem Wunsch ans, dann ist cs ei», Fehlurteil: im umgekehrten Falle ha! das Gericht besonders »veise geurteilt. Aber stets im Extrem fällt der Kommentar aus. Minderheiten »verdcn immer bedroht bleiben, sagen Sic; ein Zionist spricht von dem Antisemitismus als Gruppcnerscheimlng: das deutsche Volk hat die sranzösischm Emigranten ausgenommen, und welche deutschen Patrioten sind sie gcivordcnl Niemand Hai ihre Grabstätten arrs der Liesonstraste zerstört, niemand hindert sie, „Oberschicht" zu sein. Diese Minderheit hat cs nie nötig gehabt, den Namen zu »vcchseln. Auch ohne Nanicns„inimikry" >v»rde» sic Minister und Generäle, Aber auch der Eiulvand, dast religiöse G e g e » s ü tz c den Autisemitismus begründen, geht völlig feilt. Die Zahl der Geistliche», mit nulisemiiischcr Ecsimmug ist nur klein: sicher ist, das; nur »venige von ihnen sich als Aniiscmiten zu bekcuuei; »vagen. Die Kirchen haben immer den Schuhschild über die Juden gehalten in den letzten 100, nein 200 Jahre». An dieser Tatsache ist nicht zu rütteln. Wie bald wurde Stöcker kaltgcsteNtl Dieser Brief »vird auch zu denen gehören, die ihn nicht erreichen. In der ,,C. B, - Z c i t n n g" wird man ihn vcrmnilich nicht ab drucken; vielleicht finden Sic an anderer Stelle ihn »nieder, Ken» hülle ich Ihnen noch über das Rnssenprvblen» einige Worte geschrieben, auch über die Parallele Blirmnt-Naisseiscn, sächsische Wahlen (10 060 Inden machen 133 000 unveisölmlichc Judengegner), tvtgcschlvicgene Bücher „Goethe und die Inden"» Aber Ibre Zeit ist gclvis; kostbar, und ist Ihnen das Problem der Shmbivse wirklich sv »vichiig? Nein, Herr Holländer, der AntisemstisnniS ist nur dadurch zu überivindcu, das; das Judentum durch „rücksichtslosen" Altruismus sich das Vertrauen des nichtjüdischen Vcvölkerungsieilcs erlvirbt. lind das; nicht eine Stnnt 8 forui von der jüdischen Preste gepriesen »vird, die ein Grvster als ,,m>. nhi'DW'lv gezeichnet, Für die Dcmokraiie ist bas deutsche Volk zu schade. Nur »ver das dcuische Doll hasst, empsichlt ihm den Parlamentarismus einer Dcuivlratie, »vie »vir ihn haben. Vielleicht stimmen diese Zeile» Sie etivas iiachdcuklich und bestimmen Sie, Ihre Taktik »u andern, N!it L v b e s h h n»»» c n auf die eigene A o r t r c s f l i ch k c i t ist es nicht getan, Die „bewährten" Methoden sind der Nährboden sür den Aniisemiftsmiis, den man doch nicht mir bekämpfen soll, sonder» dem man den „begründeten" Boden in ehrlicher Selbstkritik entziehen soll, UebrigenS noch eins: Der C. B, kritisiert jede nichtjüdischc Gcmcinschast, anch wenn sic keinen antisemitischen Charakter nach allsten zeigt, nur die a l!p r e u s; i s ch c n Logen nicht, U. A, w, g. In Verehrung Ihr ergebenster Unserer Antlvort mochten »vir, ganz nebenbei, die Bemerkung vorauSschickcn, das; Sic den Aufsatz gründlich misivcrstanden haben. Sie ,haben nicht einmal geinerkt, das; er sich nicht gegen Angriffe von ansien, sondern gegen i »in cr jü d i sche Kritik an der Arbeit des „C, 23." richtete, Ihren Brief haben »vir, entgegen Ihrer spitzigen Unterstellung, doch in der „E, 23.» Zeitung" al>gcü ruckt; aber »vir lp»l>cn uns damit Zeit gelassen, einmal »veil wir Wichtigeres nnÄ Dringenderes z» tun hakten, als eine Antwort daraus zu verfassen, und dann, um Ihnen zu zeigen, das; wir uns durch Ihre halbvcrhnllt« Drohung, dc» Brief an anderer Stelle zu vcröffentlichen, in unseren Enkschlüssc»; gar nicht bccinflnsse», lassen. Was lvnnte »ms das schon schaden? Steht doch Tag für Tag über die Inden im allgeincinen und manchmal mich über den E. B, im besonderen so viel Oberflächliches und Ungereimtes, so viel Unwahres oder Halbwahrcs, so viel Unfreundliches und Gehässiges zu lesen, das; Ihre — verzeihen Sie — recht wenig originellen Einlvcndungcn kaum besv»;der8 misgcfallen »vären. Wenn »vir »ins trotzdem die Ätsche nehmen, ans Ihre Ansfnhrnngeii »venigstens sv »vcit zn cnvidern, als cs unser knapp bemessene Raum gestattet, so tun »vir es gerade deshalb, »veil Ihre Ein- »vendniigcn gegen unsere Vcreinsarbeit so trivial und, wie wir aimehmen müssen, eben deshalb so gern gehört in der breiten, denkfaulen Schläft sind, die Friedrich Nietzsche als Bildnngsphilistcr kennzeichnete. Sie machen es uns wirklich nicht schwer, verehrter namenloser Kritiker, Sie zn widerlegen, Weit Ihr Bekannter, der angebliche Freund Dr, Holländers, nicht den Mut hat, sich mit ihm osfen »ber die Frage der Shmbiose anszusprechen, aus Besorgnis, in den Bordacht des Äntiseiiiitismns zu kommen, so ist Ihnen das ein Beivcis, daß die j»disck)e Fnhrerschicht sich znm Herrn im deutschen Haus auf» wirft und von den Nichtjudcn stmmne Unter- »verfung verlangt. Ja, hak denn Ihr iimtiger Bclnnntcr schon einmal die Probe gemacht und seinem „Freund" Holländer sachliche Einivünde sachlich vvrgctragen und hat sich dabei seine Besorgnis nl§ begründet erwiesen? Offcnsiclit« lich nein. Also ist schon die Einleitung Ihres tapferen Brieses nichts anderes als eine petitio principii, der gröbste Verstoß gegen die Regeln der Logik. Ebenso logisch »vie in dieser Einleitung verfahren Sic auch »veiterhin. Ein Rest von Scham zivar halt Sie ab, selbst die Ritualn» o rd - A n k la g c gegen die Juden zn erheben, 911*« den von anderen Anklägern a»»s gesprochenen Verdacht erklären Sie für genügend begründet. Begründet, Ivarmn? Weil nrchrcre Mordsällc, von denen Sie aber mir den einen in Könitz nennen, bis heute nicht nnfgeklärt »vnrden. Wissen Sie, »vie viele Morde alljährlich in Deutschland nnansgeMrt bleiben, bei denen auch der »vütendste 9lntisem>it keinen Anhaltspunkt für einen Ritnalmvrd finden kann? Gibt ein nnanfgcklärtcr Fall, gibt ein bloßer Verdacht Ihnen ein Recht, mich nur einem einzelnen Menschen einen Mord vorznwerfc», gcschivcigc die Mitschuld ans eine ganze Gcineinscl-ast von Hunderttausendcn, von Millionen zu »välzen? Sie haben »voilft so eine dunkle Ahnung, das; dam;, »vcnn an der Nitnnlinorbbcschuldiginsg irgend etivas wahr »väre, die Kenner des jüdischen Schristtnms davon etivas wissen

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