Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 9 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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5$ sassuiigsmäßige Wog für sie licjilivciKmr. Xv. Goebbels erklärt im Rainen seiner Partei, daß sämtliche Berhasteien nicht Mitglieder der ')}. S. D, A. P, seien, vielmehr der Lnndvolkbcivegmig angchvren, mit der die N, S, D. A, P, nichts zu tun habe, die sie sogar bekämpfe, Der nntionalsozkatistische Abgeordnete Lvhse veraustciltet Bersammluiigen, in denen erklärt wird, daß mit Dynamit und Bomben die Nationalsvzinlifte» ihre Politik nicht stützen wollen. Bedauerlicherweise gibt es aber Menschen, deren politisches Gedächtnis besser ist, als es den Rationnlsozinlisten angenehm sein kann. Seitdem in München der liativiiaksozialistische Putsch blutig znsamenbriich, sind sechs Jahre vergangen: kauni sechs Wochen sind es her, daß Hitler in einem Ausruf jegliche Verbindung zwischen N, S, T, A, P. und Landvolk untersagte, mit der Begründung, daß sich Nationalsozialisten, die sich au sremdcu politischen Organisationen beteiligen, von selbst aus seiner Pariei ausschlicßen, „Ausdrnellich betone ich, daß auch das sogenannte Landvolk unter die für Partcjgenosscn verboicncn Organisationen fällt", heißt es am Schlüsse seines Erlasses vom 30. Juni, Es ist inmierhiii ausfallend, daß Hiller dieses Abrücle» vom Landvolk zn einem verhältnisinäßig so späten Zeitpunkte für nötig hielt, Ter Gedanke liegt nahe, daß ihm Vorgänge bekannt geworden sind, die einen Trennungsstrich ratsam erscheinen ließen. Charakteristisch ist auch eine Erklärung, die durch die Pressekorrespondenz der Neichstagssrnktivnen der N, S, D, N. P. verbreitet lvird, tvvnach die Partei mit den Attentätern nicht das geringste gemein habe, auch wen» der eine oder andere sich im Besitz eines Mitgliedsausweises befinden solle. (!) Sie rücken vergeblich ab. Genau so zu bewerten ist Hitlers Auslobung im „Völkischen Beobachter", der 2000 Mark Prämie für denjenigen Parteigenosse» bestiiinut, der zur Ergreifung der Bombciiattentäter beitrage, »nd 10000 Mark für de» Nachweis verspricht, „daß diese Attentate von ncuprcußischcu Behörden selbst inszeniert iverden"! Auch wenn Adolf Hitler in seinem „Illustrierten Beobachter" vom 14. September mit Scherze» die Attentate lächerlich machen zu können glaubt, und als Unterschrift eines Bildes vom beschädigte» Reichstag geistvoll ein Couplet pnraphrasicrt: „Wer hat denn die Bombe znm Reichstag gerollt!", so ist damit genau so wenig gegen den Nachweis der beispiellosen Hctzarbeit der Rniwimlsozialislen gesagt, wie init den Sätze» seines Aussatzes „Attentate in der Republik" im der gleichen Siede: „E s gibi kein Anrecht zu einem Politische n 3)1 v rd, n n s;e r e s h a n d e l t s i eh » in die Beseitig» n g eines recht?- und gesetzwidrigen T Y r a n n c n", »nd ferner: „Was heute bei »ns 'beseitigt iverden muß, ist nicht ein Pops — denn der ist bei diese» Leute» gar nicht da, sondern ein kor r n p t e s » » dv e r f n n l - tcs System," Auch ivonn Hitler hiuznfügt: „Dagegen aber kämpft man nicht mit Attentaten »nd Bombemversen an", so stehen gegen diese Berllansuliernngen die oben ans Straf fers Zeitschrift zitierten Lätze aus: „Nichts soll anerkannt iverden von d e iii, m a s heute z » s a m m c n g c - s ch a ch c r t w i r d", mid seine eigene stenographisch scstgchaltene Neusieriiiig ii» Hitler- Prozeß: ,,Jch habe nie anerkannt, das; dieser Zustand (die Revolution Niid ihre Folgen) legal geworden ist." Jeder der Atteiitäicr kann sich also, selbst unter Bcrnfmig aus Hitlers großen EiitschiildigniigSansfatz, als Bvllstrecler seiner Gedanken sithlrii. Der „B n y r i s el, e K » r i c r" schrieb ain Schlüsse eines Aussatzes „Die Realpolitik des Radikalismus" sI3, August) vorausahuend: „Mau kam, sich eine Zeitlang damit behelfen, daß maii die Erregung der eigenen Parteigenossen bis zur Weißglut erhitzt und jeden, der sich gegenüber dem Meinungsterror der Nationalsvzialisteii ein eigenes Urteil wahrt, mit leidcuschastlicheii Beschiinpfungeu überhäuft. Aber die Stunde kommt, wo all diese Mittel und Mittelchen versagen, ivo der Fanatismus diirch weitere ÄnfpeitschungSversnche nicht mehr gesteigert, sondern abgcstniiipft wird," Wir wollen sortfahren: so abgestiiiupst wird, daß er die Phrase für W n h r h e i t n n d Be r b reche» s » r vaterländisch hält, Bismarcks Wort, nach dem Mordversuch Kiillmaniis, am!3, Juli 1874 im Reichstag gesprochen, iniiß Herr» Hitler »nd seinen Freunden ins Ohr klinge»: „Ja, meine Her reu. verstoßen Sie d e ii W nnn, wieSic wollen, c v h ä n g t sich doch an Ihre Nvckschoße," Die Nationalsozialisten tragen nicht allein die politischestiiverantworlnng für die Verbrechen, die von Angehörigen einer extremen Gruppe verübt wurden, Tie Aiisdeckuiig der Zusaiiuue»- häuge der Attentate hat schv» jetzt gezeigt, >vie auch vo» seiten ernst zu nehmender politischer Kreise einzelne der Attentäter minoorben und für eine Tätigkeit in ihren Reihe» geworben wurden. Die Bergistnng des iunerpolitisrhe» .Kauipses in Deutschland siudct darin ihr Symbol, sticht der sachkundigere, der eriislhnstere, der durch seine Persönlichkeit beispielgebende Mann ist für diele politische Kreise heute der geeignete Werber, Der rücksichtslosere, demagogischere. anfreizeiidere Agitator ist gesucht, »n,- schmeichelt, vorbildlich, Limgsam beginnt jetzt eine Reihe von Parteien die Erfahrungen zu machen, die für uns schon Besitz geivorden sind, und langsaiu regen sich im deutschen Volk Kräsie, die eine Ansrcchtcrhaltuiig des politischen Lebens mir von einer Entgiftnng des politischen Kampfes erwarten. Ein All der Notniehr ist der Erlaß der Reichs- und der preußischen Stantsrcgierung gegen die Vergiftung der vsseiitlichcn Mciiiuiig, nin der gegen sie gerade in den Spalten der von ihr durch amtliche Aelniiiiimachungcn subvciitionicrten Prvvinzprcsse in unerhörtem Ausuiaßo betriebenen Hetze ein Ende zn bereiten. Es ist an dieser Stelle schon oft eine Acndcrnng des Preßgesetzes gefordert wurden, um die II»»vaudlnng der Preßfreiheit i» Pres;srechheit iiuiiiöglich z» mache». Vielleicht findet unsere Anssorderrwg jetzt, wo rinslutzretü)ere Kreise gleichfalls betroffen sind, ein stärkeres Echo, Zeitungen, die Attentate verteidigen. Tie Entlastungsversuche einer gewissen Presse sind nnsschlußreikh für die Syiupnthien, die Attentate „nd Täter finden. Auf die direkt Bcirossene», das Landvolk und sein gleichnamiges Organ, iverden ivir noch zurückkommeii, Aber auch die „Deuischc Zeitung", das Organ des Justizrats El aß, seht sich mit Wärme für die Berdüchtigen und Beschuldigten ein. Dieses Blatt, daS sich in Forderungen auf Entrechtung, Kiiechtinig, Zurücksetzniig aller imbegneinen Mitbürger, insbesondere der deutschen Inden, gar nicht genug in» kan», ist von einer mimosenhasten EmPsindlichkeit gegenüber allen gesetzlichen Maßnahmen gegen die Festgenomiiicnen, bei denen der Buchstabe etiva nicht genau beachtet wird. Sie laßt einen Leiinrtikel crscheiueii: „Schutz der Persönlichen Freiheit vor Polizeiwillkür", Sie überschreibt groß: „Fehlschläge der Bonibenmitersuchung" zu einer Zeit, als die ersten Ge» stniidiiifse erfolgten. Sie protestiert: „Sonder» geeicht i» Berlin" gegen die Bereinigung aller Bcrfahre» vor einem Berliner Gericht, eine Maßnahme, die von der Strafprozeßordinnig in jeder Weise gutgeheißen und in Fälle», ivie ben vorliegenden, sogar gefordert wird, W e! ch e s Interesse, muß man fragen, hat die „Deutsehe Zeitung" a» einer möglichst schonenden Behandlung der Beschuldigten? Oer „untadelige" Führer. Das „Landvolk" schrieb am 13, Ccpteinbcr unter der Ucberschrist „Eine Riesenblainagc der Polizei" zur Verhaftung von W i l h c l in H a m k e n s, den sie „,v o h l die hervorragendste Persönlichkeit der L nn d vo l kb cw e gun g" nennt: „Landvolk, der Kamps geht weiter. Der Schlag eines vor Angst zitier,Iden Berwaltniigsapparnles »ins; nbgeivehrt werden durch die Treue n»d den Glauben des deutschen Landvolks, , , , Wenige Tage nur . , , und dann ivird das wahr sein, ivns wir schon nusgesprocheii, daß auch dieser hinterhältige Versuch nur eine ungeheure Blamage und ein Beiveis der skriipellvsen Machenschasten des Lcrwnltungsappnrates gewesen ist." Tags darauf heißt es: „Die völlige Schuldlosigkeit der meisten Verhafteten bereits sestgestellt. Ein Hamkens, ei» Kühl, sie sichen so untadelig, sie sind so fest in unserem Herzen verankert, daß der Schmutz bezahlter Pressebiiben ... sie nicht ans iinjerem Herzen reißen kann, Landvolk, falle nicht auf den jüdischen Schwindel herein . . . Ter große Schlag ... ist ein Bluff. Man glaubt den Moment gekommen, um die Zeit «nd die Bewegung zu erdrosieln. Rach echt jüdischer Schächtmcthode sollen wir uns verbluten." Bier Tage später hatte Hamkens, diese hervorragendste. luundelige Persviiliehkeil, geständen, Wir sind überzeugt, die Tonart des „Landvolks" ivird sich aiich n a ch dem Geständnis, ja sogar nach der Berurteilimg ihres Führers nicht ändern, Tie Bewegung lebt von der umintcrbrocheiicii Zuführung stets vergrößerter Menge» von Rauschgiften, Die Anhängerschaft braucht ständig gröbere Kost. Ob mau freilich Sätze noch ttberbietcn kann, wie die folgenden: „Jeder Deutsche muß seinen Feind fi’iinni. Der Feind ist das jüdische Großkapital mit dem Endziel der Bölkerversklnvung. Die Helfer des Juden find alle Nutznießer des Systems, also: Minister, Präsidenten, Negierimgsrnte, Landrätc, , ,"? Der Zirkel schließt sich: Bon der Bekämpfung des jüdischen Bevvlkeriingsteils als des schivächstcn Elementes geht jede rechtsradikale Bewegung ans. Stark und machtvoll gcworden, wagt sie sich an die entscheidenden Gegner, Wird sic gefaßt, gcschivächt, niedergeworsen, daiui reicht die Kraft wieder nur noch zum Haß und znm Kampf gegen das Judentum aus, — bis es wieder von vorn an- Als einmal in der französischen Kammer ein Bombenatlentnt erfolgte, dämpfte der Präsident die Erregung durch die Worte, die geslügelte wurden: „Die Sitzung dauert an," Wir sagen zn de» Dvmbcnattentatcn: sie mögen die Lauheit, die Stiimpsheit, die llnciitschiedenheit unterbrechen. Sie mögen wecken. Die Bomben sind gefallen. Unsere A r- Dr. Altred Hirschberg.