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Central-Verein-Zeitung · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · page 6

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1929
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Date
1929-07-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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54 Von Dr. Richard Lewinsohn. Rudolf Martin, der vor dein Kriege die interessanten „Jahrbücher der Millionäre" hccausgegeben hat. stellt in „Wcstcrinainis Monatshcsten" (Mai 1920) eine Untersuchung darüber an, wie-sich die großen Vermögen in Deutschland gegenüber der Borkriegszeit verändert habe». Martin, der zweiseilos einer der besten Kenner ans diesem Gebiet ist, imisr sich freilich jetzt auch mit ziemlich vagen Unterlagen begnügen. Er stellt die Vcrinögcnssteiicrstatistik von 1913 der vom 31. Dezember 1923 gegenüber. Inzwischen ist das Statistische Reichsamt trotz des langsaine» Tempos der Steuerstatistik bereits bis znm Jahre 1925 vorgedrnnge». Allerdings wird die Statistik der großen Vermögen immer mysteriöser. Während cs am Ende der Jnslation doch »och ans Grund des Versteuerten Aerinögens 3917 AUllioiiärc gab (gegenüber 15 547 unmittelbar vor dem Kriege), werden im Jahre 1925 von der Steuerbehörde nur 2335 Millionäre gezählt. Wenn auch in der Zivischenzeit dieser und jener, der nur Ende der Inflation Millionär war, der Dcslationskrise Zinn Opfer gefallen ist, so müßte inan doch annchmcii, daß allein schon durch die Wertstcigcrnng des städtischen Grundbesitzes die großen Vermögen eher zu» als abgenvnuncn haben. Besonders auffallend ist das „Millionärsterben" in den Industriegebieten, In Essen, wo früher allein Krupp mit einem Bermögcn von 187 Millionen Mark anfwarte» konnte, wurden 1925 nur noch 16 Millionäre mit einem Gesnmtvcrmögen von 92 Millionen gezählt, Mülheim, die Stammburg der Thyssen und Stinnes, birgt zur selben Zeit noch 7 Millionäre mit nicht mehr als 47 Millionen Mark Vermögen, und Düsseldorf, die neue Berwaltuugszentrale der Schwerindustrie, soll sogar nur 35 Millionäre mit nur 78 Millionen Mark bc- Herbergen. Dieses Zusammenschrnmpscn der großen Vermögen darf man doch wohl in erster Linie ans die Verfeinerung der Steuerdeklaration zurllckführen. Im übrigen sind diese Ziffer», die das Statistische Neichsamt mit mehr als dreijähriger Verspätung jetzt verösscntlicht, allein schon durch die Kurssteigerungen der Jndustrieakticn seit 1925 weit überholt, Rudolf Martin hat also recht, tvenn er nicht. Wie er cs vor dem Krieg getan hat, sich auf genaue stenerstatistische Analysen einläßt. Es wäre vergebene Liebesmüh, wenn man damit versuchen wollte, der Wahrheit auch nur nahezulvmmc». Statt dessen nennt er, ohne in dm meisten Fälle» nnzngcbe», worauf sich seine Schätzungen stützen, eine Reihe von Millioneavermögeii, die wir, mit allem Vorbehalt, hier wicdergcben. Die reichsten Millionäre sind, nach Martin, hentc wieder die Grohgrnndbcsthcr. Rächst den» Ex-Kaiscr, der als .König voir Preußen USO Millionen Mark Abfindung bekommen hat, rangiere» an erster Stelle der Fürst von Thnrn n»d Tariö mit vielleicht 2»« Millionen Mark, Fürst zu Hohcnlohe-Ochringcn, Fürst z» Fttrstcnbcrg. Fürst Hcnckcl von Donners- »narck „nd Fiirst von Pleß mit je 10« Millionen Mark. Tann kommt der frühere Grotzherzog von Sachse,l-L8cin,av mit 00 Millionen, während dem .Herzog Albrecht von Württemberg» den» Fürste»» von Hohcnzollern Sigmaringen «nd den» frühere» König von Sachse» nur je 30 Millionen Mark zugeschricbcn »„erden. Unter den nicht-fürstlichen Multimillionären stellt Martin den Berliner Bankier Jacob Michael an die Spitze, dessen Bermögcn er, nwhl etwas reichlich, auf vielleicht 100 Millionen Mark beziffert. Bermögcn über 40 Millionen Mark schreibt er den Bankiers Franz von Mcndelsoh» und Jacob Goldschmidt, dein Geschäftsinhaber der Dnrinstüdtcr und Nationalbank, zu. Der alte Karl Fürstcuberg soll mehr als 20 Millionen Mark besitzen, und ein besonders großes, nicht näher beziffertes Vermögen tvird den Hamburger Bankiers Max Nt, Marburg und Fritz Nt, Marburg zugechrieben. Mehr als 10 Millionen Mark sollen erner die Bankiers Louis Hagen in Köln, Eduard Beit von Speher in Frankfurt a, M„ Paul von Schwabnch (Bleichrödcr), die Kölner Freiherren Alfred und Emil von Oppenheim »nd bic Berliner Freiherren Albert und Erich von Goldschmidt-Nothschild besitzen. Während die besonders reichen Bankiers, die Ntnrti» aufzählt, durchweg Juden oder jüdischer Herkunft sind — der »icht-jndifche Brenner Bankier Schröder und manche andere fehlen mcrlwürdigerweisc in der Liste —, so nehmen unter de» Mullimillionärcn der Industrie die Inden heute, ebenso wie vor dem Kriege, einen »weit geringeren Platz ein. Als der reichste Mann der Schwerindustrie »vird, »vohl mit Recht, Fritz Thyssen bezeichnet. Nähere Angaben über Krupp fehlen. Das 3er» mögen des Eisemndnstriellen und Großhändlers Otto Mvlss, der übrigens mit dem Judentum nicht das geringste zu tun hat, nrrd ebenso das von Wolsss jüdischem Sozius Ottmar Strauß bewertet Martin auf über 50 Millionen Mark. Einen anderen (nichtjüdischen) Großindustriellen, der heute Zweifellos Zn den reichsten Männer» der Cchiverindnstrie gehört, Friedrich Flick, hat Martin ganz übergangen. Die Brannkohlenindnstrielle» Petschcck, die große Teile der mittel- und ostdeutschen Brnnnkvhlcnfelder besitzen, werden ans mehr als 50 Atitlivnen Mark gescliatzt, Carl Bosch, der Generaldirektor der I, G, Fnrbenindustrie, auf über 20 Millionen Mark, An erster Stelle unter de» Chemie-Industriellen aber stehen noch die Franksnrtcr Brüder Carl und Arthur von Weinberg, Auch die Kunstseidrnindnstriellen Fritz Blüthgcn (Bereinigte Glanzstvsf-Fnbriken) und Wilhelm Springorum gehöre» heute wohl zu der vorbersten Reihe der Jiidiistricnlillionäre. In der Elektroindustrie steht, auch dem Vermögen nach, Carl Friedrich von Siemens lvcitans an erster Stelle, Sticht zu vergessen sind schließlich die Inhaber der große» Warenhäuser, wenig- . stcns soweit sic noch, wie die Berliner Tictz und Wcrtheim, Familieimntcrnchnumgen sind, Gerade die Warcnhansbesitzer gehören, nebenbei bemerkt, zu den größten städtischen' Grundbcsitzern »nd schon dadurch zu den reichsten Männern in Deutschland, Will man znsnmmcnfassend die grossen Bcrmögen in Deutschland cingrnppieren, so ergibt sich, daß die Veränderungen gegenüber der Vorkriegszeit nicht so groß sind, wie eS mittelbar den Anschein hatte. Der (fast vollkommen nichtjüdische) ländliche Grundbesitz stellt noch immer unter den Multimillionären ein beträchtliches Kontingent, mid) wenn hier die Verinögensbildung stagniert. Die Industrievermöge,» sind im Wachsen begriffen, doch sammeln sich bei dein verstreuten Kapital der Aktiengesellschaften nicht mehr so große Familienvermögen an wie in den Jahrzehnten vor dem Kriege, Aber die neuen Industrien bringen doch auch schon wieder neuen, großen Reichtnnr herauf. Das Bankenkapitnl, das wahrend der Inflation gegenüber dem Indnstriekapital stark ins Hintertreffen gekommen Um-, hat in den letzten Jahren eine kräftige Regenerationspcriode dnrchgemacht, wobei mehr neue Männer als in der Industrie sichtbar getvorden sind. Das Handelskapital weist in ein paar Einzelfällen ebenfalls erhebliche Steigernngen aus, obwohl cs in» ganzen an Bedeutung verloren hat, lieber diese Feststellung, daß es bei einzclnen Inden wie Nichtjuden wieder große Acrinvgen gibt, darf die Tatsache nicht vergessen werden, daß der Mittelstand — und zwar gleichermaßen der jüdische >vie der nichtindische — nach den schweren Folgen des Krieges und der Inflation seine Verluste noch nicht wieder ausgeglichen hat. flus öen Sprüchen öer Väter. Liebe Deinen Nächsten wie Sich selbst. Haben wir nicht alle Einen Vater? Hat nicht Ein Gott uns geschasscn? Maleaelii 2,1. Es wurde nur c i n Mensch geschaffen um des Friedens und der menschlichen Gcsellschast nullen, damit nicht ein Mensch zun» andern sagen könne, inein Vater war größer als der deinige. Misetnnr Sauhedrin IV, 5. Heilighaltung öer Ehre öes Nächsten. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, III. IZ. Mos. 19,18. Wie der Eingeborene unter euch sei euch der Fremde, der bei euch weilet) und "du sollst ihn liebe», wie dich selbst, III. IS. Mos. 19,34. Werktätige Menschenliebe ist der Heiligen Schrist Anfang und Ende. Sota 14 a. 11 nt» ihr sollt den Fremdling liebe»; denn Fremdlinge wart ihr iin Land Aegypten, V. B. Mos. 10,19. Wahrhaftiges Gericht richtet, und Liebe und Barmherzigkeit übet gegeneinander — Witwen und Waisen, Fremdlinge und Dürftige bedrücket nicht »nd Böses sinnet nicht einer wider den andern. 8eebaria 7,9,10. Wer sich durch Wucher bereichert, ist schlimmer als ein Gottesleugner. . Jeras. Baba mezia 5,8. Achtung vor öer religiösen UeberZeugung öes anöeren. Laß dich lieber in eine» feurigen Ofen werfen, als daß du deinen Ncbenmenschen öffentlich beschämst. Beraehoth 43 b. Wenn andere über dich reden, so halte ein kränkendes Wort, sei es auch sehr hart, für gering. Wenn du aber über andere sprichst, so halte auch die geringste Kränkung für sehr bedeutsam u»,d beeile dich, den Gekränkten zu versöhnen. Derech Erez sutta I. Himmel und Erde rufe ich zu Zeugen, daß jeder Mensch, sei er Jude oder Nichtjnde, Mann oder Weib, Sklave oder Sklavin, des göttlichen Geistes teilhastig wird, so nur seine Tate» diesem Geiste nicht widerstreben. Jalkut Richter 5, 4. Unverbrüchliche Wahrhaftigkeit. Nährst du dich von deiner Hände Arbeit, wohl dir, es geht dir gut, ‘ Psalm 128,21 Alles was du mit der Kraft deiner Hand vollbringen kannst, das schasse. Kohelet 9,10. Schäme dich nicht, vor den Leriten tote Tiere abzuhäute», um deinen Unterhalt damit zu erwerben, und sprich nichts ich bin ein Mann, für den sich so niedrige Arbeit nicht schickt, Pesaelnm 113».

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