Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Der zweite Mücke-Srief. Die Wirkung des Schreiben?, das Hellmull, Vvn Mücke als nationalsozialistischer Sächsischer LmidtagsabgeordneKr an die S. P. D. und die K. P. D. richtete, ist nach in lebendigster Erinnerung. Die politischen Folgen diese? Brieses Iverdeir sich in ihren, ganzen Umfange erst dann und immer dann erweise», wen» »ntiviialsozinlistischc Fraktionen notwendiger,»eise, in» ihre Wälsierschast zu beruhigen, an die crnsthaste parlnnicntarischc Arbeit heran müssen. Ter Krach, den der Atiickc-Brics auch in, eigenen Leger verborgensten hat, lies, die Presse Vvn hüben und 'drüben in alten und neuen Geschehnisse» nachspüren, und aus eininal ,uar ein neues Schreiben des Herrn von Mücke da, das nur im Wortlaut der „Fränkischen Tagespost" vom 3- August hier in seinen wichtigsten Teilen zitieren wollen: Mücke sdireibt: „Die Aufforderung, für den Landtag zu kandidieren, kam von der Neichspartcileitnng ohne jedes Zutun von niir. Es ist unrichtig, daß irgendwelche engeren Parteifreunde meine Mandatsmederlegung gefordert hätten. Wahr ist dagegen, daß eine bestimmte Kamarilla dies tat, daß damals aber Herr Hitler noch die Macht hatte, die Machenschaften dieser Kamarilla zu ersticke n. Wahr ist, daß ich eine ganze Anzahl Schriftstücke in der Hand habe, ans denen hcrlwrgcht, daß die Rcichsparteilcitnng der NSDAP, meinen politischen Standpunkt im Parlament in jeder Beziehung deckte. Wahr ist aber auch, das; ich aus dem Parlament gegen den Wunsch der Reichslcituiig austrat, weil Herr Hitler nicht imstande war, mir gegebene Znsichcrnngcn organisatorischer Art gegen den Willen der erwähnten sächsischen Kamarilla durchzuführen, die sich über unmittelbare Befehle der Reichsleitung der NSDAP, einfach hinwegsetzte. Richtig ist, daß ich nicht als Mitglied in Sachsen geführt wurde, sondern von der Neichspnrteileining verlangt habe, i n M ü nchen geführt zu werden, um unabhängig zu sein von den Machenschaften der erwähnten Kamarilla. Die Reichsparteileitung der NSDAP, wollte auf meine Forderung zunächst aus formalen Gründen nicht eingehen und tat dies erst, als ich die Erfüllung meiner Forderung zur Bedingung für mein weiteres Verbleiben bei der Partei machte. Von Versuchen der Abgeordneten Strafser und Goebbels, mich aus der Reichs- Parteileitung hinariszndrängen, ist mir nichts bekannt. Richtig ist allerdings, daß ich schon lauste wußte von den Versuchen der päpstlich-römischen Richtung innerhalb der Partei, mich l a h m z n l e g e n. Es ist unrichtig, daß mir eingeredet worden wäre, den bekannten Brief an die Linksfrnktioncri des Sächsischen Landtags zu schreiben. Richtig ist vielmehr, daß ich Herrn Hitler, der mich in meiner Wohnung in Dresden aufsuchtc, und aus dessen Aeußerniigen zu entnehmen war, daß weder Reichsparteilcitung noch sächsische Landtagsfraktiou sich im klaren darüber tvaren, um1 sie sich min eigentlich verhalten müssten, von mir a»8 eine bestimmte Anzahl von Vorschlägen gemacht habe, darunter auch den Vorschlag, als Ministerpräsidenten Herrn Bänger zu benennen und ebenso den Vorschlag der Fühlungnahme nnt den Linksparteien sür den Fall eines Sturzes der bürgerlichen Negierung Bänger. Alle meine Schritte geil» Einverständnis mit Herrn Hitler ... . . . Tie G r ü »de me i » cS A ustritt?, waren vielnrehr unter anderem folgende: l. Herr Hitler ist im Laufe der letzten Jahre mehrmals nicht imstande gewesen, mir gegebene bindende Versprechen gegen den Willen des sächsischen Gauleiters, des Spitzenfabrikantcn Herrn M » t s ch m a » » in Plauen, dnrchzndriicken. Ich verspreche in i r nichts von der Zukunft e i ne r. P a r te i. deren Führer sich n i ch t e i n in a l innerhalb d e r P a r - tei durchsetzen kan n, wobei es ein offenes Geheimnis ist, daß der Einfluß des Herrn Mntschmann darauf beruht, er als reicher Fabrikant Herr» Hitler sich finanziell verpflichtet 2. Insbesondere war mein Austritt bedingt durch -die kürzlich erfolgte Ausnahme des jetzigen Vorsitzenden der Landtngssraktion der NSDAP, iin Sächsischen Landtag, des K a p i t ü » l e u t n a n t s a. D. Manfred v. K i l l i » g e r. Dieser war seinerzeit Mitglied der Brigade Ehrhardt. Gleichzeitig war er Mitglied eines Gcheimbundes, der sich „Kampsvcrband Sachsen" nannte und dessen Führer ein Major a. D. Schaffe r, Dresden. Weißer Hirsch. Barchener Straße 84, war. Letzterer ist gleichzeitig Mitglied detz Deutschen Offizierbundes der Ortsgruppe Dresden. Sein Name ist bekannt in Verbindung mit den Prozessen, welche sich anknttpsten an die Unterschlagungen, welche vorgckonniicn waren beim sächsischen V o l k s n o t v p f c r. Der Major a. D. Schaffer hat damals lange Zeit wegen dringenden Verdachts des Meineides in ttntersiichungshast gesehen. . . . Nach Auflösung der Ehrhardt-Brigade versuchte der Kapitänleutnant n. D. v. Killinger bei allen möglichen Verbänden untcrzukommcn, iiisbesondere auch beim Stahlhelm in Sachsen. Da ihm dies bei keinem der Verbände glückte, wandte er sich an die NSDAP. Trotzdem Herrn Hitler die üblen Handlnngcn des Kapiinnlciitnniits a. D. v. Killinger bekannt waren, und trotzdem er selbst, die Persönliche Eignung und die Eharaktereigcnschaste» des Herrn betreffend, bisher ein vernichtendes Urteil gefällt hatte, nahm er jetzt nicht nur Herrn v. Killinger in die Partei ans, sondern machte ihn auch zum Vertreter der Weltanschaming der NSDAP, im sächsischen Parlament. Er kapitulierte damit nochmals vor dem Drink der Gruppe Mntschmann. Mein persönliches Reinlichkeit s g e s ü h l verbietet es mir. in einer Partei zu bleiben, welche M e n - scheu aiifniiiiint, die solche Handlungsweisen begangen haben, ivic der jetzige Vorsitzende der sächsischen Lnndtagsfraktion der NSDAP., Herr v. K i l l i n g e r. Da im übrigen gelegentlich der Maßiiahinc» bei Bildung der sächsischen Regierung Herr Hitler sich wiederum nicht an die getroffenen Vereinbarungen hielt, nirgends zu erreichen war, es ruhig z u l i e ß, daß eine von irgendeiner Stelle der ReichSleitnng aus verbreitete wissentlich u n - wahre Darstellung in der Presse gegeben wurde, außerdem die sächsische Landtagssraktion es unterließ, eine von mir geforderte Klarstellung im Pnrlament zu geben, wobei ich davon absehe, sestznslellcn, ob Herr Hitler einen entsprechenden Befehl gegeben hat oder nicht, ergab sich für mich das Bild einer voNkommcn inneren Ftthrerlostgkeit und Zersetzung der NSDAP., die sich durch ihr Verhalten zu einem willenlosen Anhängsel der bürge r l i ch - k a p i t a l l st i s ch e n Richtung gemacht hat. Das Gesamtbild vcranlaßte mich, meinen A n 8 t ri t t zu erklären mit einem Schreiben des Inhalts, das; ich mir für die Partei zu gut vorkäme." Eilie„harm!sse"Gperatiori. Wahrheit und Dichtung. „Ein unerhörter Skandal" betitelte der ^.Völkische Beobachter" voni l». April d. I. einen in großer Ausiiinchuiig erschienenen Aufsatz, der den Niitcrtitei führt: „Die teuflische Methode eines jüdischen Arztes gegen deutsche Knaben". In diesem Artikel wird aus Grund eines Aussatzes in der Wiener judenseindlichen „D e u t s ch österreichischen Tageszeitung" folgendes gesagt: ,Mor einiger Zeit bcrichteic die „£> C i in ätsch ii t; r c i t u n g" über einen Falk, der ft> unglaublich klingt, dcch nur der Name des in dem betreffenden Aufsatz genannten Gewährsmannes, deS Medizinalrats Dr. Kraemer in Leoben, dafür bürgt, dag wir es hier mit Tatsachen zu tun haben. Ein jüdischer Arzt n n in c ii S Proscssvr D r. Lust... hat in den steirischen Jndisttricbezirken Fl»gschrifte» verteilen lassen, in denen er die männliche Jugend anssvrdcrt, sich einer .harmlosen Operativ»' nach seiner Methode zu unterziehen, bei der durch Durchtrcniiung des Samenleiters Vollkvnnnene Zeugimgsunsähigkeit snr immer erzielt wird." An diese „Tatsachen" knüpst der „Völkische Beobachter" furchtbare Betrachtungen und schließt mit dem Kassandraruf: „Keine Farbe ist grell genug, da? entsetstiche Aukinsttsbild zu schildern, wenn dem Inden L ii st nicht rechtzeitig das Handwerk gelegt wird." Ter „Völkische Beobachter" hat recht, ist tatsächlich ein nnerhvrterSkandal, was er da berichtet, .aber aus anderen Gründen. Denn den blutrünstige Artikel ist von A bis Z erlogen. Zunächst heißt der Professor, der die sraglicheu Operationen vornahm, nicht Dr. Lust, wie er ans leichtverständlichen Motiven umgetnnst wurde, sondern Dr. Schmerz, und ist antzerordentlicher Prosesior an der Grazer Universität. Er ist auch nicht Jude, sondert» Ehrist, ehemals sogar nationaler Bnrschcnschafilcr. Die Operationen, über deren Berechtigung mir Mediziner zu entscheiden haben und die uns hier gar nicht interessieren, wurden an Männern und nicht n n K n a b e n a n s g e s ü h r t. Und damit das Maß der Lügen voll ist: der als „Bürge" geführte Medizinalrat Dr. Kraemer in Leoben verwahrt sich mit Entschiedenheit, diesen Hctzartikcln nahezustehen, und beabsichtigt, gegen die mißbräuchliche Berwendung seines Namens und die unwahren Angaben bei den betreffenden Zeitungen vorzngehcn. Wieder einmal ein geradezu klassischer Fall der Arbeitsmethoden unserer Gegner.