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Central-Verein-Zeitung · 1929-05-01 · Heft 5 (Mai 1929) · page 2

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1929
Issue
Heft 5 (Mai 1929)
Date
1929-05-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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34 Auch der Fall H i l s n e r spielte heute nbeud ^ine Rolle. Es ist richtig, daß dieser Hilsner Jude ist, ein arbeitsscheuer, verkommener Mensch, und daß dieser im September 1899 von den österreichischen Geschtvorenen des Kreisgerichts K u t t e n b e r g wegen der Tötung einer neunzehnjährigen Näherin zum Tode verurteilt worden ist. Ob Hilsner am Morde schuldig ist oder nicht, ist eine Frage, die hier nicht entschieden werden soll. Fest steht, daß namhafte nichtjndifche Autoritäten für die Unschuld Hilsners eingetreten sind, aber entscheidend für uns ist dieses: Keinerlei begründeter B e w e i 8 ist e r b r a ch t w o r d e n, d a ß e 8 sich i m F a l l e H i l s n e r n m einen sogenannten R i t u a l in o r d handelt. Der oberste österreichische Gerichtshof hob das Urteil auf und verlvies die Angelegenheit zu erneuter Verhandlung. In der Begründung des Obersten Gerichtshofes heißt cs wörtlich: „Neberzengenv weist das Gutachten der medizinischen Fakultät der Prager Universität nach, daß die dem Körper der Ermordeten entsprechende Blntmenge in deren blntdnrchlränkten Gewändern «sw. gesunden Wurde. Das Motiv der Tat aber Veriveist es in die sexuelle Sphäre." Wer will die Möglichkeit bestreiten, daß es auch verruchte Elemente unter den Jiiden geben kann, die Morde begehend Aber Ivo ist in diesem Falle aiich nur der Schimmer des Beweises für einen Ritualmord erbracht? Herr Dr. Hellmuth ist dann nach mir auch ans den Fall des Knaben Simon von Trient eingegangen und hat auf die katholische Heiligenlegende verwiesen, in der von dem Gebrauch des Blutes des Knaben durch Juden die Rede sein soll. Was soll das beweisen? Ist Legende Geschichte? Haben wir nicht die heutige Protestkundgebung überschrieben: „Gegen die Ritualrnordl egend e?" Die Legende und das Märchen machen niemals den Anspruch darauf, und kein Gelehrter wird das bestätigen wollen, daß sie Wahrheit sind, daß sie Geschichte darstelleu. Es sind die Ausschmückungen Gläubiger, und wer sich auf diese Legende als geschichtlichen Beweis beruft, der muß auch sonst all die zahllosen Wunder der Heiligenlegendcn restlos glauben. Ich glaube nicht, daß Dr. Hellmuth diese Wunder für Wirklichkeit hinnehmen wird. Besonders abfällig ist hier über einen der hervorragendsten und in der gesamten wissenschaftlichen Welt geachtetstcn Kenner des nachbiblischen Schrifttums, den verstorbenen Professor Dr. Hermann Strack, den evangelischen Vertreter des Faches der alttestamentlichen Theologie der Berliner Universität, geurteilt worden. Es ist zutreffend, daß ein Jude Lazarus G v l d s ch m i d t Professor Strack größte Unkenntnis im Hebräischen vorwarf. Als ihn Strack darauf — das aber ist hier nicht gesagt worden — als Verleumder bezeichnete, und Lazarus Goldschmidt deswegen klagte, wurde Strack f r e i g e s p r o ch c n. Damit ist also Professor Strack glänzend gerechtfertigt, und welcher Gelehrte wäre davor sicher, daß ihn irgendein anderer der Unfähigkeit zeiht? Nun bedürfen wir aber gar nicht Professor Stracks als Kronzeugen für das Märchen des Nitnalmordes. Heute abend tvurde hier das Zeugnis des a n e r k a n n t e n Orientalisten Professor Hehns von der W ü r z b n r g e r Universität gegen den Ritualmvrd vorgelesen. Professor L o e h r, der evangelische Vertreter des Faches der alttestamentlichen Theologie in Königsberg, hat sich in dem gleichen Sinne ausgesprochen, und es ist ein leichtes, Dutzende anerkannter deutscher nichtjüdischcr Professoren hier anzuführen, die als erprobte Kenner des jüdischen Schrifttums, gleichgültig, wie sie selbst zu den Juden stehen, ans Grund ihrer wissenschaftlichen Ucberzeugnng und ihrer wissenschaftlichen Kenntnisse gegen den Ritualmordglauben Zeugnis ablegen. Die nationalsozialistischen Führer mögen einmal anerkannte nichtjüdische Orientalisten oder bekannte Kenner des jüdischen Schrifttums und der jüdischen Religion beibringen, die einen Ritualmvrd im jüdischen Schrifttum Nachweisen oder ihn als jüdisch-rituelle Forderung ansprechen. Es wird ihnen nie und nimmer gelingen. So steht fest, tvas ich heute abend bereits aus dem Ausspruche des Nervenarztes Professor Bleuler (Zürich) zitierte: „Gespenster sehen nur die, die daran glauben." Die Herren Dr. Hellmuth und Holz haben dann eine Reihe von Zitaten vorgebracht, die die Schlechtigkeit, die angeblichen Weltbeherrschungspläne und die Ehristenfeindschast der Inden dartnn sollen. Dr. Hell m u t h hat besonders Martin Luther sprechen lassen. Es ist richtig, daß Martin Luther im Alter harte Worte gegen die Juden gebraucht hat. In der ersten Zeit seines Auftretens tvar er den Juden frenndlich gesinnt. Wenn es mir als Jnde überhaupt verstattet ist, über Luthers Aussprüche etwas zu sagen, so sei mit allein Takte dies bemerkt: Auch Luther war als Mensch stark an die Zeit gebunden. Wer wollte bchanpten, daß alle seine Aeußerungen auch noch für die Gegenwart unbedingte Gültigkeit haben? Seine Stellungnahme gegen die aufrührerischen Bauern ist bekannt. Würde Herr Dr. Hellmuth etwa diese Aeußerungen, die in der kräftigen Lutherschen Sprache die Vertilgung der aufrührerischen Bauern ohne Erbarmen fordern, in einer Bauernversammlnng als Beleg für Luthers Einstellung zu den Bauern vorlesen? Was die Zitate von Juden gegen Juden anlangen, so muß ich von vornherein diese Art der Zitierung als irreführend ablehnen. Was würden die nationalsozialistischen, hier anwesenden Führer wohl sagen, wenn ich Aeußerungen von Völkischen gegen Völkische ausspielen wollte? Wie krnjtig hat doch erst in allerletzter Zeit Dr. Arthur D i n t e r, der bis vor kurzem einer der maßgebendsten Führer in der Nationalsozialistischen Partei war, seinem Aerger gegen Adolf Hitler, der ihn aus der Partei ausfchloß, Lust gemacht? Wie verdächtigte er diesen eines geheimen Bündnisses mit der katholischen Kirche? Welche scharfen Worte gebraucht Dinier gegen den Führer der Nürnberger Nationalsozialisten, Julius Streicher! Sie werden in jeder Gemeinschaft Leute finden, die irgendwelche andereii Persönlichkeiten dieser Gemeinschaft befehden oder gar beschimpfen. Diese,Beweise sind also billig und sind keine Beweise. Mit Zitaten läßt sich alles und nichts beweisen. Der Philosoph Eugen D ü h r i n g , ein grimmiger Judenfeind, war der ebenso grimmige Gegner Bismarcks, und Goethe wlirde von ihm in Grund und Boden verlästert. Soll das beweisen, daß die Völkischen oder gcrr die Nationalsozialisten die gleiche Meinung hegen? Im übrigen zum Schluffe dieses: Weder Kloetzel noch Hitler, weder R a t h e n a u noch der heute zitierte Frank vermögen im geringsten über meine, über unsere Stellung, über die Stellung des Jndentuins im deutschen Volke hier ein maßgebendes Urteil abzugeben. In dieser letzten und höchsten Frage entscheiden wir selbst. Und wir deutschen Inden, die wir im Glücke nnd Unglücke des Vaterlandes mit ganzem Herzen uns znm deutschen Volke zählen, lassen nns von niemanden die Zugehörigkeit znm deutschen Volke absprechen. Wir find nicht besser und nicht schlechter als unsere nichtjiidische Umgebung, aber wir verlangen, daß den gleichen Pflichten, die wir erfiillen, gleiche Rechte gegentiberstehen. Gegen Verkennung und Verleumdung, wie sie die Ritualmordverdächtigung darstellt, werden wir uns mit der Kraft unserer sittlichen Ueberzengung wenden, schon weil wir glauben, daß in diesen schweren Zeiten nicht Haß und gegenseitige Beschimpfung das deutsche Volk weiterbringen, sondern trotz notwendigen Bestehens der verschiedenen politischen und religiösen Weltanschauungen nur der Mut 3ur Wahrheit und der Wille zur Einigkeit. die „jüdischen" Auslandsbanken. J„, Zusammenhang mit dem gegenwärtig im Brennpunkt des Interesses stehenden Dawes-Plan wird auch immer wieder a»f die Ausbeutung Deutschlands durch die ausländischen Banken hingewlcsen, von denen behauptet wird, sie ständen ausschließlich unter „jüdischem Einfluß". Insbesondere wird dabei auf Amerika verwiesen. Dort spielen zwar die jüdischen Privatbanken (wie Speyer & (Jo., Laden bürg, Goldmann , S nch s, K »h n nsw.), vor allem ans dem Anleihemarkt, noch eine Rolle, und sic haben nicht zuletzt dazu bcigetragcn, den verlorengegangenea deutschen Kredit im Ausland wieder anfzubauen. Aber sic sind nicht a u s s ch l n g g e b e n d : ihnen gegenüber sind die n m e r i k a n i s ch c n Großbanken beinahe ausschließlich unter n i ch t j ü d i s ch e m E i n f l u ß. Man kann sagen, daß die national City Bank, Equitable Trust, Guaranty Trust, Chase National Bank, First National of Boston usw. mit ihrem Aktienkapital von vielen Milliarden Dollars den Geld- und Kapitalmarkt beherrschen. Auch im übrigen Ausland liegen die Verhältniffe ähnlich. So sind in England ausschlaggebend die Joint Stock Banks (die Großbanken), in denen die Juden einflußlos sind. Auch das Bankhaus Morgan ist kein jüdisches Haus. Viel- -mehr sind sämtliche Inhaber Nichtjuden.

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