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Central-Verein-Zeitung · 1929-05-01 · Heft 5 (Mai 1929) · page 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1929
Issue
Heft 5 (Mai 1929)
Date
1929-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Monatsausgabe Mai Allgemeine Zeitung des Judentums Nrrhlnderles Schlußwort / Vor kurzem veranstaltete die Ortsgruppe Würzburg des Centralvereins deutsck)er Staatsbürger jüdischen Glaubens eine öffentliche Protestkundgebung gegen das Ritualm o r d m ä r ch e n. Die Veranlassung ergab sich aus der Tatsache, daß die Nationalsozialisten den Mord an einem sechsjährigen Knaben bei Manau in Franken dazu benutzten, um durch ganz Franken in Wort und Schrift das Nitualmordmärchen in die Bevölkerung zu tragen. In der Versammlung wandte sich als evangelischen Christ Pfarrer Rudolf Wintermann (Frankfurt a. M.) mit aller Schärfe gegen den Ritualmordwahn. v. Johannes Hehn, Professor au der Universität Würzburg, der bekannte katholische Gelehrte, bezeugte in einem Schreiben, das; für Gelehrte ein sogenannter Ritualmord nicht bestehe. Der Oberbürgermeister von Würzburg, Dr. li. c. Löffler, bat in ergreifenden Worten gerade die jugendlichen Nationalsozialisten, mit anständigen Waffen für ihre Ueberzcugnng cinzutreten, sich aber nie und nimmer des Nitualmordvorwurses, dieser schweren Beschimpfung der jüdischen Religion, in ihrem Kampf zu bedienen. Von jüdischer Seite wandte sich dev Syndikus des Centralvcreins, Dr. Alfred Wiener, mit aussührlickp;» Belegen aus der Geschichte, Zeugnissen hervorragender christlicher Gelehrter sowie der Päpste und Kaiser gegen das Nitualmordmärchen. In der Aussprache versuchten der nationalsozialistische Landtagsabgcordnete Dr. Hellmuth (Marktbreit) und der Nürnberger Stadtrat Karl Holz (Redakteur des „Stürmer") die Ausführungen der Gegner zu widerlegen. Als Pfarrer Rudolf W i n t e r m a n n das Schlußwort nehmen wollte, setzten von nationalsozialistischer Seite derartige Störungsversnchc ein, daß er und Dr. Wiener ihr Schlußwort nicht mehr halten konnten. Dr. Wiener hat infolgedessen seine Erwiderungen auf die nationalsozialistischen Ausführungen in folgendem nicdergelegt: Meine sehr geehrten Damen- und Herren! Die nationalsozialistischem Führer Dr. Hellmuth und Karl Holz haben sich in ihren Ausführungen eingehend mit der Frage des Ritualinvrdes besaßt. Nur eines haben sie verabsäumt, uns zu beweisen, warum der unglückselige Mord au dem kleinen Keßler in Manau nun ein „Ritualmord" sein soll. Diese Behauptung steht doch unzweifelhaft im Mittelpunkt der gcgenlvärtigen Agitation der Nationalsozialisten in ganz Franken. Warmn also keinerlei Beweisgründe für diese nationalsozialistische Behauptung? Ich wiederhole daher, eine Erklärung der Staatsanwaltschaft des Oberlandesgericlits Bamberg stellt eindeutig fest, daß kein sogenannter R i t n a l'm ord Vorlage, und daß die Behauptung, der Leiche sei das Blut entzogen worden — was doch im nationalsozialistischen Munde nur heißen kann: für jüdisch-rituelle Zwecke —, dein Gutachten des Gerichtsarztes in keiner Weise entspricht. Für den, der sehen tvill, sei nochmals aus die „Auslobung" der Bamberger Staatsanwaltschaft hingewiesen, die heute am Würzburger Bahnhof angeschlagen ist, und die klar ausspricht, daß von einem sogenannten Ritualmord nicht die Rede sein könne. Wenn die Nationalsozialisten die Mitteilung der Bamberger Staatsanwaltschaft anzweifeln, so ergibt sich als Folge: Entweder haben sie Gründe dafür, den Justizbehörden gerade Bainbergs zu mißtrauen — davon aber haben sie bishew" Wort verlauteni lassen —, oder aber sie halten die bayerischen und die deutschen Justizbehörden überhaupt nicht für ein» tvandsrei — dann aber ist es unverständlich, warum sich der Führer der Nationalsozialisten Adolf Hitler an die Justizbehörde in München wendet, um sich gegen die, welche ihn als im italienischen Solde )u stehen verdächtigten, zur Wehr zu setzen. Es kann doch nicht so sein, daß Adolf Hitler der Justizbehörde in München vertraut, und daß Dr. Hellmuth und Holz gerade der in Bamberg mißtrauen. Jeder Gerechte sieht hier deutlich den Bruch im nationalsozialistischen Vorgehen. Stadtrat Holz hat dann aus der Geschichte vermeintliche Beispiele für Nitualmorde angeführt. Er hat auf den Mord an dem Pater Thomas in Damaskus im Jahre 1840 und ans das freiwillige Geständnis von vier Inden hingewiesen. W>er sich aber mit dem Mord inDamaskns befaßt hat, der weiß leider nur zu genau, daß nach einem einwandfreicn englischen Zeugen Pieritz die schrecklichsten Folterungen gegen die angeklagten Inden verübt wurden mit dem Erfolge, daß zwei der angeklagten Juden an den erlittenen Mißhandlungen im Kerker verschieden sind. Der genannte Zeuge führte neun verfchiedene Formen der Folterung an, so unter drei: „Mittels einer Maschine preßte man die Augen aus den Höhlen." Welchen Wert haben wohl für einen Urteilsfähigen durch so grausame Folterung erpreßte Schuldbekenntnisse? Ebensowenig wie die von angeblichen Hexen, die unter Folterqualen bekannten, sie seien in der Walpurgisnacht auf einem Besenstiel znm Blocksberg aufgefahren. Auch der angebliche Ritualmord von Korfu im Jahre 1891 ist hier erwähnt worden. In der Tat wurde auf Korfu ein junges Mädchen in der Nacht vom 12. zum 13. April des genannten Jahres ermordet ausgefunden. Aber man könnte bei dem Fall Korsil fast mit einem bitteren Lächeln sagen: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Die Gerichtsbehörden Korfus haben ineinem Prozesse, der sich gegen die Rädelsführer der an-tijüdischen Exzesse richtete, und in denen diese zu schweren Kerkerstrafen verurteilt wurden, festgestellt, daß das ermordete Mädchen überhaupt keine C h r i st i n, sondern e i n e I ü d i n war! Niemand, selbst auf nationalsozialistischer Seite, wird aber behaupten wollen, daß die Juden ihre eigenen Kinder zum Zwecke der Blutentnahme töten. 0m Smv%iAdM: || Dr. Hildegard Wegadteider: Nalionalsoziatisfi- W sehe Versammlung für Schüler. — Dr. Arthur W Czelfitzer: Das jüdische Antlitz. — Professor W H. S<einlhali Ueber die lügliehen Gebete der Hl Jaden. — Dr. Selma Stern i Die Zeitschrift für die Geschichte der Jaden in Deutschland.

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