Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 4 (April 1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Neues aus Ser sogenannten wissenschaftlichen Rassenlehre. Von Stiidienrat Dr. Kurt Lewin (Berlin). Es kommt fetten vor, dich wir in Nnssenfragen mit dom „H n m - mor", dem bekannten Blatt der Antisemiten, einer Meinung sind. Wenn er aber schreibt (Nc. (>35, 1928): „Die Anthropologie steht vor den, Bankrott — sie hat sich in ein chaotisches Stimmengewirr verwandelt!", so können ivir dein nur zustimmen. Zumal nicht die Anthropologie als Gesmntsorschung genieint ist, sondern nur soweit sie eine Stühe der „Rassentlzeorien" war. Wie die bekannten Lohgerber müssen die unentwegten Anhänger der Rassenlehre jetzt betrübt mitansehen, wie ihnen ihre Felle eines nach dem anderen davonschwimnien. Engen Fischer halt nicht mehr die Reinrassigkeit snr die Borapssetznng des kulturellen Ausstiegs eines Volkes, sondern führt ihn aus das Zusannnentressen fid) glücklich ergänzender, verschiedener Rasse» zurück. (Vortrag auf der „Eugenischen Tagung" vom Herbst 1928 in Berlin) F. L. Claus;, in dessen Buch „Rasse und Seele" sie die Unterlagen snr ihre „Rnssenpsychologie" gesunden zu haben glaubten, wehrt sich in seinem neuen Buck) „Von Seele und Antlitz der Rassen und Völker" gegen den Vorwurf, Antisemit zu sein und ivill mit der zünftigen Rassenkunde überhaupt nichts zu tun haben! K. F. Wolfs, der uns Juden wirklich nicht sehr getvogen ist, sagt Günther blutigste Fehde an, weil seine Schrifien die rassische Einheitlichkeit des deutschen Volkes antasteten, lim diese zu reiten, sucht er nachzuwciscn, das) der Schädelmdex, das alte Panier der Nassen» fanaiiler, gar lein Nassenmcrlinal sei. (K. F. Wolfs: „Rassenlehre" und „Der heutige Stand der Nassensorschnng".) Für seine eigenen Methoden gilt aber der Satz des Hamburger Anthropologen W. Scheidt: .,<>>? mir brauchen, sind gediegene, frei deutbare Befunde, nicht etiva .Bestätigungen' der Neiine.rnsseiiknndlicher Dichter'!" Wo lss sieht mit außerordentlich kritischem Scharsblick die Widersprüche in der Rasscniheorie der anderen und folgert: „Solange die Anthropologie diese vssenlnndigen Widersprüche nicht ansznklären und innerhalb eines großen, harmonischen Systems zwanglos in Einklang zu bringen vermag, ist jeder Versuch, eine ,Rassenkunde des deutschen Volkes' (Günther, d. Vers.) zu schreiben oder den .Stammbaum der Deutschen' (F. Kern, d. Vers.) zu bestimmen, verfrüht und zwecklos. Geradezu unverantwortlich aber ist es, über die Widersprüche stillsehiveigend hinmcggleiten zu wollen. Das mögen sich die Herren nur ganz eindringlich gesagt sein lassen!" Herr Wolss aber auch! Denn seine Kritik reicht mir für die anderen. Ans der E r k e n n t n i 8 der Unmöglichkeit, d a 8 8t a s s e n p r o b l e m 3 n lösen, zieht er nicht etwa die einzig mögliche Folgerung, nun auch selber die Hände davonznlassen. Nein, unter Verzicht aus die Anthropologie baut er eine eigene kulturhistorischsoziologisch-sprnchliche Rassenlehre zusammen, die an limnöglichkeit alle anderen in den Schatten stellt. — Für ihn sind „Arier, Semiien und Mongolen drei Urformen der Menschheit, von denen die erste in Europa, die zweite in Vorderasten, die dritte in Ostasien bodenständig und so angepaßt ist, das; sie niemals von einer anderen au? der Heimat ivird verdrängt werden können." Seine „Semiten" oder „Südlente" sind die gesamte Mittclmeerbevölkenmg (Spanier, Italiener, Inden, Berber usw.), alle Neger, Australier usw. iistv. Natürlich sympathisiert er mit dem Zionismus und hält ihn Mr die einzige Rettung der »ntergchenden Juden, die er wohlwollend als die „ansgeglichensten Semiten" den Dcuischen als den „nusgeglichcusten Ariern" gegenüberstellt. Seiner Weisheit letzter Eehlust ist: „Der Mensch, der sich ans der Ciadt zurnclsehnt zur freien Mutter Erde, der siedeln will in frommer Einfalt, das ist der Arier und ihm gehört die Zukunft." Besser als durch seine eigene Rassenlehre konnte Wolss den Bankrott der Rnssontheorie gar nicht beweise». Mit den Rassen in ihrer heutige» Zlisninnieiisetzung und Durchmischnng ist nichts mehr anz»sangen. Also: Zurück zu Methusalem! Mnn interessiert sich wieder für den Ursprung des Menschengeschlechtes. Einstäinmigleit oder Mehrstämmigkeit? Ist der Mensch mit einer Wurzel oder mit in ehre reu in, Tierreich verankert? „Stanunbaum" oder „Stammrascii"? Haben sich die einzelnen Typen allmählich ans der Stammform bzw. anZeinnnder entwickelt oder hat die gemeinsame Wurzel ans einmal, gleichzeitig, >vie ein Grasbüschel, zahlreich Parallele Zweige hervorgebrncht? Es ist ganz klar, daß die völkischen Nassenthcoretiler sich fast cmheitlich zur Mchrstäininigleit bekennen. Je tiefer im Tierreich die Trennung nngesetzt wird, desto besser. Sie schwören auf die Jugendsündc des grosten .Hermann K l n a t s ch . der einmal die drei Hauptrassen der Menschheit mit den drei Großnssen Schimpanse, Gorilla und Orang-Utan in Verbindung brachte. Das; eine schon im Tierstadinnr vollzogene Trennung der Menschheit in „Arien" biologisch ganz unhaltbar ist, da sie die unbeschränkte Fruchtbarkeit der Rassenlrenzungen unbedingt ausschließt, daß nach den, Zeugnis O. H a n - s e r 8 auch Klantsch selbst diese Anschauung später aufgegeben hat, ist ihnen gleichgültig. Und mag ein Buch auch so schlecht und so »n- Ivisscnschaftlich sein ivie b. 0. Orciolcsinrnlcs „Der Mongole in unserer Mitte", es ivird — auch von Herrn Wolfs — beifällig begrüßt, mir weil es deir alten Kohl wieder answärmt. So ganz traut man aber der mehrstümmigen Ticrabkunst des Menschen doch nicht mehr, und da ist der „Stamm r a s c n" immer noch besser als der „Stammbaum"'). Denn erstens ist er etwas Neues (z. B. kürzlich entwickelt von Hans F r i e d e n th a t! der „Hammer" schreibt Freudenlhal!) und zweitens so unklar, dah, man ihn nach Belieben ausdeuten kann. Die Freude am „Stannnrasen" wird aber dein Nasseliteraten bei eingehender Beschäftigung mit ihm bald vergehen. Den» die aus der modernen Erbjorschnng hervorgegangene Hypothese vom „Stammrascii" hat biologisch nur dann einen Sinn, iuenn in der angenommenen Ausgangssvrm oder den zwei Formen, deren Kreuzung das vielfältige Ausspaltcn zur Folge gehabt haben soll, der Charakter der „Art", also in diesem Falle das Mensch-Sein, schon hcrauSgebildet war. Sie enthält aber auch als weitere Folgerung eine ganz, ganz enge Berivandtschast aller Meiisch-mrnssen. Alle solclie Menschiverdnngsphantasien verlassen nvtivendig den Boden der Wissenschaft. Die Tatsache ihres Wicderaustcmchens und ihrer Beachtung ist ein weiterer Beweis der schweren Krisis, die die Niassenkunde gegenwärtig durchmacht. Diese Krisis kann zur Gesundung führen, wenn die Rassenkunde jetzt endlich die Wege einschlägt, die ihr W. Scheidt in seiner „'Rassenjorschuug" iveist: triiische, unvoreingenommene Bearbeitung wijsensehastlich zuverlässigen und eimvandsrei gesammelten — oder besser: erst zu sammelnden — Materials. — Ans die Ergebnisie iverde» wir aber noch recht lange warten müssen. >1 Die Begriffe „Stammbaum" und „Slmnnnascn" sind neuartig. Sie v,. wenden das Bild der mit Aasen bezcichnclcn Grasslacho und des Bauine». Stamm raten ist also bicjcnißc Erscheinung, von der aus verschiedene» oder einer einzige» Wurzel beliebig t' ' dukte entspringen. Stamm b :rscl)iedcnc» .1 ihrem drgel... ... _, dagegen ist die Bezeichnen,, .. ... B».,ö, „„„__ -.r einheitlichen Wurzel gcwachicnen Stamme durch Verzweigungen und Verästelungen verschiedenartig gcsormte Endergebnisse entstehen. Die Gedenktafel Weltkriege gefallene Schüler der neidischen Realschule in Fürth, Sonntag, den 17, März d. J. enthüllt Wurde. InW^nirraaTarrnDa^Mm s'snKjn n ± Ä l-evl Hermann £i*§ tegr H «| Mn^er Sirjion :,<l 4> Meier Max ><><l Meinstein.SieufKm Nussbaum^L^eogok ar Offenburher Emü 'x>nlt ffxtrtti. Jnfanfonft Lt^t> Ononbarher Sjeprt;(in Peisor Max zuitzr. Kosrfimtn. UnforoffizMir inrirh Run AlfFed rs-Stn. ZTurfH.. Infontorift Ä' * m Smnuel Hermani tfortft h'iJtiKU'fi.JZiwfnanf q Max Singer Fritz -t/> fsaröi. oseC SdiaelerMax tollt’ -r .Turin .rvrn’.rirectiur «d Stern Wilhelm >mx,or M-usMIta Sruj/o. Unten