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Central-Verein-Zeitung · 1929-04-01 · Heft 4 (April 1929) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1929
Issue
Heft 4 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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28 Auch Lesern »nd Redakteuren der „Nntivnnlen Bvlls-Zcituiig" dürste sehr schwer fallen, ihren Stammbaum aber 321 n. Ehr. zurückzuversolgen. Noch ein Zweites: Steinerne Urkunden vom Heinmtsrecht der deutschen Inden gibt c8 ans deutsche,n Buden selbst. Als man die uralten Stadtmauern Vvn Pt a i n z bei einer Erweiterung der Stadt abriß »nd die Fundamente tief ans der Erde Holle, da fand man in die Fundaiueute eingelassen G r a b st e > » e mit jttdij cl, er In s ch v i f t. Bvr der Zeit alsv, als die uralte Stadt Mainz ihre Fundamente legte, waren bereits Inden in deutscher Erde begraben. Zu 2. Auch wein, man den Ton der Antwort der „Nationalen Volks-Zeitung" außer acht läßt, ist die F o r in »- lierung reichlich kühn. Wen meint die Redaktion, wenn sic von „uns Ger inanen" spricht. Wodurch beweist sie die Behauptung, dast sic selbst und die Leser der „Nationalen Volks-Zeitung" ,G e r m a n c n' seien? G e r in a n e ist kein Begriff, den die moderne Staatsivissenschast vcrivendet, sondern ein s p r a ch g e sch ich t li che r »nd vor allem historischer. Heute ist nicht in ehr voii Gcrinane» die Rede, sondern vvn Deutsch e n. Und Deutsche sind wir deutschen Inden, krnst unserer geschichtliche» und kulturellen Verbundenheit mit unserem deutschen Baterlnnde, traft unserer dentschen M nttcrsprache und unseres Willens zum deutschen Aatcrlande wie jeder.bayerische, badische oder sonstige Deutsche. Das Wort ,Gcrinane' ist übrigens nicht deutschen, sonder» keltischen Ursprungs. Was die „ethische und moralische Ebenbürtigkeit anbctrisft, so liegt in dieser Behauptung so viel Ueberhcblichkeit und Anmaßung, das; >vir die Antwort daraus dem objektiven Leser überlassen. Zu 3. Die deutsche Sprache hat — wie jede andere Sprache auch — im Lause der Jahrhunderte ihren Bcdentnngs-, Klmigu»d Lantcharalter weitgehend geändert. Das Nibelungenlied in seiner Originalfassung hat der Redakteur der „Nationalen Volks-Zeitung" wohl noch nie in Händen gehabt, aber vielleicht nimmt er sich jetzt einmal eine solche Textansgabe vor und möglicherweise auch die Lieder Walthers von der Vvgclweide. Beim Vergleiche der Wortbildungen in diesen inittelhochdentschen Dichtungen und den Worten, >v!c sie das viel verspottete jiddisch answcist, würde er sehr überraschende Entdeclnngen mache», nämlich sehr oft eine völlige Ucbcreinstimmnng in Wort und Bildung, und zivar gerade bei solchen Worten, die die moderne deutsche Sprache kanin noch kennt und die das Ohr des moderne» deutschen Menschen als eine Verunstaltung der deutschen Sprache empsindct. Die mittelalterlichen Inden haben also — trotzdem sie a ns Deutschland vertrieben wurden — die Sprache ihrer alten Heimat über die Jnhrhundcrle hinaus bewahrt. „N i i b a i t f ch" haben nicht die Inden in Osteuropa, sondern die Polen und Nüssen gesagt. Das wußte beispielsweise auch General L u d c n d v r f s, der sehr geschickt die noch vorhandenen Kenntnisse der deutschen Sprache bei den Ostjudcn verwendete. Seinen Anfrnf „z u d i e I i d e n i n P o u l e »" könnten sogar die Leser der „Nationalen Bolks-Zeitnng" ohne Wörterbuch i» seinen Hauptpunkten verstehen. Unsere vierte Frage hieß: „Wie viele Juden gibt es In Deutschland und wie viele haben am Kriege teilgenommen?t’ Wir antworteten: „Es gibt 550 000 deutsche Jude,,; 96 000, d. h. jeder sechste, hat am Kriege teilgeuommen. 12 000 von ihnen sind gefallen." Die „Nationale V o l k s-Z e i t u » g" sägt hinzu: „DaS ist gar kein Prozentsatz im Vergleich zu den KriegStrilnehntern «nd den Gcsattrnenzissern des deutschen Volkes. Wo haben dem» die nicht am Kriege tcttgcnommencn *«54 000 Jade» gesteckt? Sie haben herumgcschobcn, spekuliert und unsere Frauen geschändet. Und wieviele von den Juden, die man gepackt hat ,„,d in die Armee gesteckt, haben im Kriege tu Schreibstuben «nd BureanS gesessen?" Wie sagen dazu: Die wenigen Sätze sind in jedem Punkte unrichtig. Die „Nationale Volks-Zeitnng" hätte an Stelle ihrer Beschiinpsnngen Zahlen bringen sollen. Diese Zahlen ergeben, auch wenn man die schärfste statistische Iliitcrsiichmig anstellt, daß die deutschen Juden ihre s e l b st v e r st ä n d l i ch e Pflicht gegen >"> b e r ihrem deutschen V a t c r l n n b c i in K ricge g c t a >i haben. Wenn von den 68160313 jüdischen und nichtjüdischen Deutschen, die die letzte Volkszählung vvr dem Kriege (1910) feftstellte, 1885 291 gefallen sind, so steht dieses Verhältnis vollkommen der Tatsache gleich, daß von 6 38 90 9 Jude» 12 0 00 den Heldentod gestorben sind. Die Frage, >vo die nicht im Felde stehenden Inden während des Weltkrieges waren, könnte »in» so beantworten: Wo waren die nicht im Felde stehenden Nichtjuden? Sie lvaren in ihren Berufen, sic haben im Hilssdienst gestanden, sie haben die w i r t s ch a s t li ch c K r i e g s ü h r u n g organisiert. Ebenso die deutschen Inden. 6ic haben, wie beispielsweise Walther R a t h e n a n, ü b c r h a n p t c r st d i e V o r n n §'• setzungcn dafür geschasst», daß Dklitsthtand bei seinem Mangel an Nvhstossen den Krieg länger als ein halbes Jahr führen konnte. Man lese nur, ivns der damalige preußische Kricgsiniiiisler, also ei» gewiß voreingenommener Zeuge, von Nathcnan schrieb: „Als ehrenamtlich tätiges Vorstnndsmilglicd der Abteilung habe» Sie in unermüdlicher, tatkräftiger Arbeit sich hohe Verdienste itm die Sicherstellung der für die Kriegführung erforderlichen Rohstoffe — insbesondere für die Munition und die Bekleidung — erworben. Mit Stolz und Befriedigung können Sic auf Ihre der Armee «nd damit dem Vatcrlande in großer nnd ernster Zeit geleistete» Dienste znrttckbliekcn .. Oder sie haben, wie beispielsweise Professor Haber, durch die Erfindung der Stickstossgewinnnng aus der Luft für die Erzeugung von Kriegsmaterial (Sprengmittel) die Möglichkeiten geschasst». Die „N nt i o n n t e Volks-Zeitnng" scheint übrigens auch zu vergessen, daß unter den 161000 Inden in der Heimat samtliche Inden, also Greise, Frauen, Kinder und Säuglinge mit inbegriffen sind. D n ß F r a n e n, K i » d e r n n d S n u g l i n gs Frauen geschändet hätten und schänden könne n. ist eine in der K r i m i » a l i st i k bisher noch nicht vermerkte T n t s a ch e. Drückeberger nnd Schieber hat cs in allen VoUskreiscn gegeben, und so mancher, der sich jetzt in die Heldcnbrust ivirst, hat im Schützengraben gefehlt. Jedenfalls steht fest: Die 12 000 gefallenen Juden hat nicht in den Schreibstuben der Tod ereilt. Unsere f ii »ft« Frage mar: „Warum wird das Schächten behämplt?,f Wir antworteten: „DaS Schächten wird unter den« Vorwand bekämpft, dies« Tötnngöart sei Tierquälerei. Durch eine Reihe wissenschaftlicher Autoritäten ist festgestellt, das, da8 Schächten den Tieren kein« Qualen bereitet." Die „N a t i o n a l e B o l k s - Z e i t n n g" bemerkt dazu: „Wer einmal zngcsehen hat, wie so ei» armeS Tier grausam verblutet, wie «ö leidet n»»d gemartert wird, denkt darüber anders. Die „6. V.-Zeitung" tut ja, alS ob eS fiir einen Ochsen «ine direkte Wonne ist, wen» er lebend verbluten nnist." Wir sagen dazu: Dafür, daß durch die Schachtinethodc, wie sie snr die Gcwimumg koscheren Fleisches angewandt wird, das geschlachtete Tier nicht überflnssigcrwcise gequält wird, liegen wissenschaftliche Gutachten von Autoritäten von Weltruf vor. Daß das Tier sich windet und zuckt, sind sogenannte Reflexbewegungen, genau so wie das Fliegen einer Taube, die man lvsläszt, nachdem man ihr den Kops a b g e h a ii c n h a t. Wenn man entschiedener Gegner der Tötung von Tieren zu Gennßzwccken überhaupt ist, dann »inß man gegen jede Art von Tötung von L c b e w e s e n als Nahrungsmittel sein. — Ob sic nun durch S ch ä ch t s ch n i t t erfolgt, oder durch Hi n ei nwerfen von lebendigen Krebsen in siedendes Wasser, oder das A b z i e h e n v o n l e b e n d e n A n l e n, oder durch zu Tode Hetzen von Wild bei Treibjagden, oder durch Abstcchen bei ländlichen Schlachtfesten. So lange man diesen Stand- Punkt nicht eimünunt, Krebsgenuß, Aalessen und Treibjagden, also Luxusbedürfnisse oder sportliche Betätigung gntheißt, hat man nicht das moralische Recht, durch einseitige Forderung Menschen in Gewissensnot z» bringen. Die „Nationale Volks-Zeitung" schreibt: Wir setzen dieses Frage- und Anlwortspiel fort. Wir sagen dazu: R e ch t gern nnd vvr eine in Publikum. Wir warten das möglich ft großen Urteil der Leser Hg.

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