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Central-Verein-Zeitung · 1929-03-01 · Heft 3 (März 1929) · page 7

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1929
Issue
Heft 3 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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23 ihre Nitnalmordbehauptung schöpfen werden. „Im Auslegen sind r<! ja frisch nnd munter, legen sie nichts aus, so legen sie 'was unter", müssen wir in Abwandlung des bekannten Wortes aus unseren Prozeßersahrungen mit völkischen Angeklagten fcststcllen. Md so wird denn vielleicht der niedrigste Ritualmordhctzcr srei auögehcn, wcU er nicht etwa „in gemeiner Absicht" die jüdische Religion beschimpft hat, sondern lediglich einen neuen Beweis für das „historische Faktum deS jüdische» BL-'tmordcS" hatte liefern wollen. Wir fragen: „Haben sich die Antragsteller der Linksparteien solche Folgen überdacht?" „Wünschen Sic, das; in Znknnst Leute vom Schlage der „Stürmcr"-Ncdattc»re ungehemmt hchcn sollen?" Jedem Politiker ist es klar, das; bei dieser.zügellosen Propaganda zwar die Inden und das Judentum als Ziel des Kampfes geil a n n t werden, dag aber dieser .stampf im letzte» Ende die gegenwärtige Staatsform zu treffe« sucht. Cs ist auch kein Zufall, daß jene Kreise nicht nur das Judentum beschimpfen, sondern das; sie sich, wenn auch nicht in der gleichen Zügellosigkeit, gegen das Christentum und seine Grundlagen wenden. An die Tätigkeit des Herrn Tr. Tinter, der eben erst von evangelischen Geistlichen wegen Retigivnsbrschimpsnng angezeigt wurde, sei nur erinnert. Sott das religiöse Empfinde» der überwiegenden Mehrheit des deutsche» Volkes schutzlos Zielscheibe sttr jede» Gassenpolitikcr werden? Tie Politiker, die für eine Streichung des Z lüki ciutreteu, weiseir darauf hi», das; mich der 'Staat sich gegen Beschimpfungen nicht besonders habe schützen lassen: der Tchntz der Religionsgesetlfdjiiftcii stelle daher ein Sonderrecht dieser Korporationen dar. Die Parnlletc ist unrichtig; denn gerade die deutsche Rcpnblil hat sich genötigt gesehen, sich mit dem Gesetz zum Schutz der Republik gegen die Beschimpfungen der versassungsmäbig festgeitelltcu Staatsform, ihrer Träger und Symbole zu wenden. Tas republikanische Cmpsinden ist mit Recht gegen die frechen Angrisie gerade jener antirepnblikanischen Kreise geschützt worden, ans^ denen die Rcligivnsbeschimpser und Ritnalmordstrciter ihre lauteste:, 'Agitatoren holten. In der Tebatte des Reichstagsaussehuncs hörte mau von der heiligen Sphäre des religiösen CmpsindeiiS, die jedem Tagcskampf cnirückt bleiben müsse: sie ivnrzcle so stark im Innenleben des einzelnen, das; auch der frechste Angriff sie nicht berühren könne. Aber auch das Bekenntnis ziir Republik fließt aus der Welt : aiisekannng des Staatsbürgers, und diese Weltanschauung ivird s nicht erschüttert, wenn noch so matzlvse Borwürse gegen die l Republik erhoben werden, lind doch hak man das Gesetz zuin Schutz i der Republik geschaffen, und gerade die Anhänger der verfassungstreuen Parteien wachen mit Recht, das; es gegen alle Verächter der; Staatsform angewandt wird. Die Republik stürzt gewiß nicht, wenn die Berfassnngsscinde das Lied von der Judcnrepnblik durch die Straßen brülle». Die Staatsraison aber verlangt, daß die Au-! Hänger der Verfassung sich nicht ungesirast durch solche rohe Kund- - gcbuug der Mißachtung beschimpfen lasse», daß ihr repnblitanisches! Cmpsinden geschützt wird. NcliftionSgcscllschaftcn, die die Anerkennung des Staates genieste», können vom Staat fordern, das; dem religiöse» Enipsindcn ihrer 'Anhänger staatlicher Strafschutz gegen rohe Beschimpfungen gewährt wird. Dieser staatliche Strafschntz wird aber nur gewährleistet, wenn das Delikt der R c l i g i o n s b e s ch i m p s u n g auch w e i t e r - hin vom Strafgesetzbuch anerk a n n t >v i r d; mag dies nun in der Fassung des Regiernngsentwrirses oder in der Form der Anträge, die das Zentrum und die Tentschnationale Volks- Partei gestellt haben, geschehe"; keinesfalls genügt nach den obigen Erörterungen die Fassung, di^ nur die Beschimpsung „in gemeiner Absicht" unter Strafe stellt, Getviß wünschen auch wir nicht die Bestrafung eines kritischen Freigeistes; gewiß tvcrdeu gerade wir tolerant sein gegen ernste Menschen, die mit der Feder oder dem Griffel die Kluft ansznzcigen suchen, die zwischen den Grundsätzen der Religion und der Haltung : mancher ihrer Träger steht. Die Rechtsprechung hat genügend ' Möglichkeiten, solche Kritiker durch enge Auslegung des Begriffs „beschimpfen" gegen den Vorwurf des Rciigivnsvcrgehcns zu Solange aber Jugcnderzicher ihrer Verachtung vor der „jüdi-! schen Rasse" (lies Rcligionsgescllschaft) ungestraft dadurch Ansdruck : geben können, daß sic ihre Schüler vor einem jüdischen Friedk Hof ansspcien lassen, solange die Ritualmordlügc ausgesprochen und geglaubt wird, solange die sclbstverständ- I liche Sichtung vor jeder religiösen Neberzeugung nicht Gemeingut aller Schichten des Volkes ist, solange wird cs notwendig sei«, das; Rohlinge, wie cs die vom Ccntralvcrein angeregte Fassung dcö RcligionSvcrgchcnS vorgcschlagen hat, gewarnt werde«: „öffentlich eine im Reich bestehende RcligionSgcsellschaft, ihre Einrichtungen, ihren Glauben oder die religiösen Lehren ihrer Geschichte zu beschimpfen und verächtlich;n machen." ^lakob Loewenberg. Zum Tode des Hamburger Dichters am 7,Bebruar 1929. Von Dr. Alfred Wiener. rvA Z>"oi gütige Angen sind geschlossen, und ein Herz voll Liebe und Wärme schlägt nicht inehr. Jakob Loeivenberg ruht in kühler Erde. Ter Ccntralvercm hat mit ibni einen der Edelsten inS Grab gelegt. In seinem Leben bemüh w sich die Wahrheit, daß die Wcltmischannng des 6. B. nichts anderes ist als das ausgezeichnete'Leben des jüditzhen v.e»tichcn. Wir haben es weder vor uns noch--'vor den anderen nötig, künstlich ein Lehrgebäude über Sein'und Werden zil errichten. Wir stud in unnuslvslichcr Vermischung deutsch und jüdisch zugleich, nicht nur, weil wir so sein wollen, sondern weil nur gar nicht crndcrs sein können. Wie unser Jakob Loewenberg mit deutschem Feld iind deuscheni Wald, mit deutschem Meer niid deiitschcil Berge», mit deutschem Fühlen und Denken verwoben war, das kündet jede Zeile seiner Gedichlc: und seine Schmerzenserfahrnng als Jude trieb sein Dichlcrherz, nuszusagcn, wie wehe ihn! n,n des Teutschtnms willen Beschiwpsung des Juden und des Judentums tat, nnd wie schon der Vater den Junge» lehren müsse, sich zu wehren. Jetzt, wo der allzu Bescheidene von »ns gegangen ist, dürscn wir ans einem Briese an uns die folgenden Zeilen veröffentlichen, die besser als mancher schwungvolle Aussntz, als manche osfentliche Ehrung die Wirkung des jüdischen Deutschen Jakob Loeivenberg, des Dichters von Herzens Gnaden, ofsenbaren: , , . „Koiiiincn da in den Weihnachtsferien ein Dutzend Briefe von Torskindern ans der Rheinpfalz: ,Au den Tichter Jakob Loeivenberg in Hamburg', so sieht draußen, und drinnen: ,'^elir geehrter Herr Dichter.' lind nun beginnen sie in sehliehker Weise von sich und ihren: Tors zu erzählen, und von ihrem Lehrer, der ihnen Gedichie von mir Vorgelegen, nnd von dein Tank, deii sie dem .große» Tichter' schulde,,. Und dann kommen allerhand Frage» nach Hamburg, und ivie ich dichte und uninn, und ob ich Kinder habe, die mein Werk fvrlsetzen, und ei» paar schließen mit dem Wunsch, daß irf) noch lange leben und sür das deutsche Vaterland noch viele schöne Gedichte machen möchte. Ich gestehe cs oi'fen, die Briefe haben mich herzlich erfreut, mehr als manche lobende Besprechung, Und im stillen tauchte die Frage in mir auf, ob diese dir gang, „nbeka,mtei! Kinder ivohl vermuten, ivohl wissen, daß du Jude bist. Ich untivortcte ihnen, schicke ihnen ein Hamburger Album nnd bitte den Lehrer, den Kindern, ivenn sic es nocli nicht wisse», z» sagen, daß der Tichter ein Indo sei, »nd mir zu schreiben, wie das Wort gcivirlt link. Tarans kommen nach vierzehn Tagen zwei Tatzend Briefe von Knaben nnd Mädchen, Postkartenbildcr des Lcrtchens nnd ei» Klassenbitd, „das wir eigens zu diesem Zweck Herstellen ließen". Und der junge Lehrer schreibt ». ».: ,AIs ich den Kinder» die Sätze ihres Brieses vorlas, sah ich zunächst nichts als crstnimtc Gesichter. Tann die veriminderten Fragen: Taß das sein kan»! Taß er da»,, dichten kann? Taß er dann so schön schreiben kan»! Taß er das überhaupt sagt.' Nnd dann folgt ein Geständnis deS Lehrers: ,Chrlichleit gegen Ehrlichkeit. Ich bin völkisch bis ins Herz hinein „nd hätte mich besonnen, Ihne» zu schreiben, wenn ich über Ihre Abstammung mehr als bloße Vermutungen gehabt hätte. Ihr Brief hat mich eben noch besinnlicher gemacht über das Problem, als ich es so schon war.' Und zum Schlns;: .Wer ehrlich zu seinem Voll sei» ivill, kommt hin — — — und wer seine Heimat liebt, Gottes Ratnr, sein Werk am Kind der Intimst, seine Familie, was soll noch denitzh Warum ich Ihnen das alles schreibet Weil cs mit dem znsninmenhängt, ivas mir seit langem aus dein Herzen liegt, M a » kennt uns nicht. Tie wilde» Regerstämme in Afrika sind unseren Landsleuten, wenigstens de» „leiste», besser bekannt als Jakob Loewenberg war einer der geeignetste,,, die nichtjüdische llmivelt den Juden kennen zu lehren. Wie viele seiner Gedichte und seiner Erzählungen stehen, gewiß nicht geflissentlich, im Dienste dieser Mission, dieser echten C. V.-Arbeit! — Jenseits der Dichtung ergriff er zornbeschwingt die Feder, ivenn sein, wenn unser Tentscht»m verkannt und verketzert ivurde. So schrieb er an Wilhelm Stapel einen offenen Brief'), als dieser das Teutschtiim den Inden abstritt, . , „Sie verwechseln Germanentnm und Deutschtum. Wir sind keine Germanen und können es nicht sein; aber >vir sind Deutsche, oder, wenn Sie .wollen, jüdische Deutsche, ivie es wendische, lettische, französische Deutsche gibt. Oder waren Chaniisso und Fontane keine deutschen Dichter! Lagnrde kein deutscher Schriftsteller? v. Francois kein deutscher Feldherr? Seit mehr als einem Jahrtausend sprechen wir deutsch, »nd seit den Tagen der Freiheitskriege haben nnserc Söhne ans allen Schlachtfeldern für deutsches Vaterland und deiitsches Volkstum gestritten und geblutet. Soll ich die Gefallenen des letzten Krieges niisrufen, die Verstümmelten und Siechen, die trauernden Mütter und Väter, die Witwen und Waisen, daß sic Zeugnis ablegeii, sie seien Demscbe >1 „Deutsches Volkstum", 1910, Heft M.

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