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Central-Verein-Zeitung · 1929-03-01 · Heft 3 (März 1929) · page 4

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1929
Issue
Heft 3 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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20 Luden-orff spricht... L » d c n d v r s f und seine Gattin reisen durch Mittelstädte »nd Eroßstädtc lind l,alten überall ihre Reden über die „überstaatlichen Mächte", als die sie Juden, Jesuiten und Frciinaurer bezeichne-: 'Auch in Cörlitz sprachen beide kürzlich, und wir vervssentlichen nachstehend mit Erlaubnis des Versagers den Bericht, den der der Vvllsparlei nahestehende „Neue Gvrlitzer Anzeiger" vom ü. Februar über die Versammlung vcrvsscntlicht, da er die Empsindungen Hnnderttausender wicdergibt. Tie Srchristleitnng. „In einem knappen halben Jahr haben llns nacheinnrider die beiden deutschen Männer besucht, die in schicksalsschwerer Zeih an der Spitze der deutschen Heere standen. Hindenbnrg Inm im «epteiiiber, begeistert begrüßt von aber Tnnsenden und herzlich willkommen geheißen, weil er für uns die Verkörperung der Treue und der Pflichtcrfüllung ist. Lndcndorss kam im Februar, und jeder, der ihn sehen und hören wollte, mußte bis 3 Reichsmark dafür bezahlen. In dieser Gegenüberstellung liegt zugleich die 'Wertung der beiden Männer. Während der eine in, Herzen des Volkes lebt, weil er selbst ein Herz für das Volk hat und die höchste Würde im Reiche bekleidet, hat sich sein Kampfgenosse ans großer Zeit zum politischen Waiidcrrcdner herilnterentwickelt, der seine politische Uebcrzeugnng in klingende Münz« nlnivertct, obwohl er vom Reiche jährlich 22 000 Reichsmark Pension bezieht. Von einer „Feierlichkeit der Stunde", von der der Leiter der gestrigen Versammlung in der Slndthalle sprach, kann unter solchen Umständen wohl. nicht gut die Rede sein, sie wurde o3 auch nicht für den, der die Geschichte der letzten 1ö Jahre mio suhlend erlebte. Eine maßlose Selbstuberschäßung ist cs doch, wenn Frau Ludendorsf am Schluß ihrer Ansprache mit Pathos in die Versmninlnng rief: „Rur cm Rame ist es, vor dem die Giitenle zittert, mir einen Mann gibt es, der das Volk retten kann: Ludendorii!" Es ift leider gaiiz nndersi es zittert Home niemand vor dem R'amen Ludendorsf mehr; er lpit seinen Kredit verspielt und gilt in der Welt nur als politischer Außenseiter, über dessen merkwürdigen Kamps die Verständigen mir lächeln. Auch fnne pingsle Asfärv. die ihn um einem Goldmacher verband, der viele sidenlisten um ihr Geld brachte, ist nicht gerade geeignet, bei emcm einsichtigen Menschen das Lachen zu »itterdrückcn. Ter Vortrag selber war zunächst eine Klage über die Zersplitterung des deutschen Volker in Parteien und Verbünde. Ans diesem Grunde ries er wahrscheinlich einen neuen Bund, den Tnimenbergbuiid, ms Leben. Alle anderen Parteien und Verbände stchci, unter den Einflüssen überstaatlicher Mächte: Inden, Frciiiiniircr und Katholiken. Diesen Gedanken spann er dann slniidculang ans. Dazwischen ft reute er dickes Selbstlvb: „Ich habe an der Spitze des Heeres verhindert, daß die feindlichen Heere den dentschen Grund betraten" — lein Wort für Hindenbnrg, fout Wort für die anderen Feldherren, teilt Wort für das Heer der Feldgrauen. „Ich habe dein demichen Volk gewaltige Aufgaben gestellt. Meine Stimme drang nicht znm Volk." Tie französischen Freimanrer haben den Krieg gentacht, die Juden sind verantwortlich sür Versailles, die Katholiken wollten» Tentschland zerschlagen. Tns ist die Weisheit, für die er sich I bis st Reichsmark Platzgcbähr bezahlen läßt. Alles, ivas Böses gegen Deutschland hcrvorgernfcn bat, geht nuf Die drei Rn,neu zurück. Als 'Beweis verlas er obffurc Schrislen unbekannter Fanatiker, die die Inden selbst in der katholischen und protestantischen Kirche sihen sehen und den Freimaurer als den Weltvcrbrecher bezeichnen. Schon ,89» hat ein solcher „Hellseher" eine Karte gezeichnet, die die heutigen Grenzen Deutschlandsansiveist und die Flucht des Kaisers beschreibt. „Ich kenne de» Mißbrauch der Macht, der im Eigcntuin liegt", rust er. Lb er daurit fei ne Goldmacherpläue meint, sagte er nicht. „Aus dem Gcneralstab mußte ich I9!2 ans Betreiben der überstaatlichen Mächte ansscheidcn." „Ich forderte die Ausbildung von fünf Millionen dentschen Männern, die mir 1014 fehlten." Kindlich ist cs, ivcnn er erklärt, daß ein falsches Extrablatt des „Bcrliitcr Lokalanzeigcrs" am 31. Juli 1914 die russische Mobilinachuiig im Gefolge hatte! „Weil ich tveiierkämpsen wollte, hat inich der Kaiser am 26. Oktober verabschiedet." Kein Wort darüber, daß er mn 21. Oktober ein Telegramm an den Prinzen Mar sandte, daß der Waffenstillstand innerhalb 24 Stunden abgeschlossen sein müsse, dt es sonst zu einer Katastrophe komme. Kein Wort über seine Fliicht mit blauer Brille iind falschem Paß nach Schweden, kein Wort über seine Beteiligung am Kappniid Hitler-Putsch, »nd kein Wort über seine eigene Berantwortnng am unglücklichen Kriegsende. Er hätte cs so leicht gehabt, dabei zu erklären, daß auch er unter dein Einfluß der überstaatlichen Mächte stand. Die Geschichte hat heilte schon den, rcdelnstigeu General die ihm gebührende Verantwortung auferlegt. Seiner Weisheit letzter Schlutz ist: „Stellt euch abseits vom Staat." Er darf Ker sein, daß 98,9 Prozent des dclitschcn Volkes nicht ihm, dern Hindenbnrg folgen, der durch die Tat dent deutschen Volke hilft und der allen — aiich Ludendorsf — vorlebt, was wirkliche Vaterlandsliebe ist. Volksgenossen nach Ludcndorsfscher Ansicht sind nur die, die ihm ans seinen krausen Geisteswegen folgen und die sich erst dann am Ziele ihrer Weisheit sehen, wenn die Ordming durch das Chaos ersetzt worden ist. Als zweite Rednerin sprach' dann Frali Ludendorsf. Natürlich auch nicht über die Gründe, d,e den General zur Scheidung seiner ersten Ehe veranlaßten, auch nicht darüber, warum sie und ihr Man, aus der Kirche ausgetreten sind, sondern darüber, wie ihr Mann - . „aus dessen Munde kein umvahrcs Wort kommt", verächtlich gemacht 1 wird, und wie die „Verbrecher in den Gcheiinorden" fälschte Lehren 1 verkünden. Mit Phrasen reich verbrämt empfahl sie für die chrift. * liche Lehre ihren Wotansglnuden. Die Edda-Sage ist ihre Rengronz. 7 grnndlage, das Alte Tcstantent eine falsche Lehre. Dagegen Ist der Schivindel von den Weisen von Zion, die Ford, als der Verbreiter "" der Massenauflagen, selber als Schwindel crkar.üc und >viderr»s«n hat, ihr Evangelium. „Inden, Frcimalirer und Jesuiten trennen diesen ' Mann (eine leichte Verbeugung vor dem General) von feinem - Volke." O nein, Madame, die Trennung hat der Herr Gemahl selber so gründlich vollzogen, daß er heute iii „glanzender Vereinsamung" steht. Darüber kann auch der Beifall in einer Versammlung nicht! hinwcgtänschen, in der böseste Geschichtsklittcrung getrieben wird. 8z ' gibt kein Beispiel in der dentschen Geschichte, daß ein Mann, der nahe daran tvar, ein Vvlkshcld zu iverden, so verlassen ist ivie Ludendorsf, und der sich dam, wie eine Primadonna sür I Reichsmark hören laßt >md im Vorraum des Versammlungslokals einen Buchladen auf- - baut und feine Schrislen in der Rede für Geld entbietet, obwohl seine hohe Pension cs ihm gestatten wurde, für sich und seine Idee > gratis zu werben. Diese Geschästemacherei ist eines preußischen i Generals nicht würdig, Herr General Ludendorsf!" ph. Rumpelstilzchen über Ludendorss! Um das oben gegebene Bild Lndendvrjss noch zu vervollständigen, möchten wir unseren Lesern nicht vorrntbalten, was der bekannte dentschnationale Publizist „Riimpelstilzchen" vom „Berliner Lokalanzeiger" in der „Niederdenlschen Zeitung" vom 3. März d. I. schreibt: „Alle Jahre wieder, >vie die Ivette Gnilbert, kommt auch Maibilde Ludendvrss zu uns nach Berlin . . . Neuerdings spricht da auch immer saß. .Schweig' still, mein Herze!' 'Man muß es wirtlich in beide Hände neinncn, um cs znm Schweigen m bringen, ivcnn der große Feldherr, deiien Name uns mit sei,euer 'Achtung . . . erfüllte, sich so als Vortragsreisender verzettelt. . . Nach Ansicht des Ehepaares Ludendorsf ist die ganze 'Weltgeschichte mir eine einzige Verschwörung von Inden, Jesuiten, 'Freimanrer gegen das Teulsche, seit Jabrlmnderten ziveck- ■ Iwi, und einheitlich geiülnt. Ten Hörern geht ein Schauer über den Leib. Es ist das Schicksal alter, die die Besonnenheit vertieren und nicht Blaß zu I,alten verstehen, da» sie von noch Maßloseren abgelöst werden." „HchWgkeit unö Leichtfertigkeit." Ein Pr-ozesz gegen den „Stürmer". Ter „Stürmer" brachte in Nr. 41/1028 die Behauptung, daß Professor Dr. K v hier von der Dborrealschnle in Sonneberg (Thüringen) sich vor seinen Schüler» in einem geschmacklosen Witz über Christus geäußert habe. In seiner bekannten Art bezeichnet der „Stürmer" dieses Verhallen als Gotteslästerung, führt angebliche Talmudstellen an, die solches Vorgehen den Juden zur Pflicht machen sollen, und ruft ttUitcr groben Beleidigungen des Professors Tr. Köhler das Einschreiten der Schnlbehvrdc an. Tiefe ist auch erfreulicherweise eingeschrittcii, allerdings nicht in dem Sinne, Ivie der „Stürmer" das erwartet hatte: Professor Köhler hatte weder seinen Schüler» den Will erzählt, noch tvar die sragliche Talmudstelle echt. Es handelt sich, wie beim „Sturmer" üblich, um eine g rvbe, s i n n c n t st e l l c n d e F n l s ch >> » g. Wegen der Beleidigung Professor Köhlers stellte seine Vorgesetzte Behörde Slrasantrag. Tie Verhandlung gegen den „Stürnicr" fand am ß. Februar vor dem Schwurgericht in 4t iünbctg statt. Professor K ö h l e r wurde von Rechtsanwalt Levinger ('UUinri)en) vertreten. Tie Beweisausnahmc ergab einwandfrei, daß Professor Köhler den Witz nicht erzählt hatte. Ter Staatsanwalt beantragte eine Gesängnisstrasc von zwei Monaten, Professor Köhler bat aber das Gericht, nicht ans Freiheitsstrafe zu erkennen, weil er cs nicht ertragen tonne, daß seinetwegen ein Mensch ins Gefängnis gehen müsse. Trotz dieser großmütigen Erklärung machte der Verteidiger des augctlagtcn „Stürmer"-!)!edattenrs Holz i» seinem Plaidoher, abgesehen von den üblichen antisemitischen Tiradcn, den Versuch, das Vorgehen Professor Köhlers in dieser Angelegenheit zu tadeln und seine llnterrichtsweise zu bemängeln. Nachdem ein nach der Beweisaufnahme von der Partei des Angeklagten angeregter Vergleich zu einer Einigung nicht geführt hatte, wurde jetzt ein von Rechtsanwalt Levinger vorgcschkagencr, unter Vorbehalt der Genehmigung durch das Thüringische Vollsbildungsministcrium, angenommen: „Der „Stürmer"-Rcdaktcur erklärt, daß Professor Köhler die ihm vom „Stürmer" vorgcworfenc Acutzerung nicht gebraucht habe. Cr ttimmt seine Bclcidigungeu mit dem 'Ausdruck des Bedauerns zurück und verpflichtet sich j« einer Butze von 100 Wart sür arme Schüler der Obcrrcalschnlk ttt Sonneberg und zur Tragung der gesamten Kosten dcS Vcrfahrcus." Anßerdcnt hat er den Vergleich im „Stürmer" uudj drei thüringischen Zeitungen zu veröffentlichen. Das Ministerium^ hat sich nm 12. Februar bereit erklärt, nach Erfüllung der Bedingun-j gen des Vergleichs den Strafantrag zurückzunehmen, hat aber hiuZUZ gefügt, das, cs „bei der autzerordentliche» Gehässigkeit U«S Leichtfertigkeit der Beleidigungen" die Sühne für sich» milde halte.

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