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Central-Verein-Zeitung · 1929-03-01 · Heft 3 (März 1929) · page 3

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
1929
Issue
Heft 3 (März 1929)
Date
1929-03-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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19 Schächten, d. h. das Schlachten der Tiere, sei in diesem ZusnmmcnlMng erinnert. Dabei bringt es die anWhrliche Einzelkasuistik dcS Talimid mit sich, das; niaii auch für das weite Gebiet der Naturwissenschaft aus diesem Buche viel entnehmen kann. Daher gibt cs, wie z, B, ein Blick in Stracks ,,Einleitung in den Talmud" zeigt, Werke über die Zoo l o g je des Tatiiind und die B v t a u i k des Talimid, Ich gehe weiter zur Bedeutung dos Talmud für die philosophische Fakultät, 4, Der Talmud »mV die philosophische Fakultät. Es ist bekannt, das; die heutige P h i l o s v p h i o wieder ein großes Verständnis für die Nt y st i k und ihre Geschichte besitzt. Ein großer Teil der jüdischen Mystik hat sich in der segenminten „Kabbala" niedergeschlagen, und daher klopft die heutige Philosophie und Plsito- ,sophiegeschichte gern an die Pforten des „Zo ha r", des Hauptwerkes der mittetatterlichen jüdischen Mystik, an. Leider besitzen wir noch immer keine umfassende Uobersetznng dieses Hauptwerkes der jüdischen Mystik, Das aber ist für jeden klar, der den „Zohar" und den Talmud kennt, das; es unmöglich ist, den „Zohar" wissenschaftlich vollgültig zn übersetzen, ohne seine talmndischcn Onellen und Anknüpfungspunkte genau zu keimen. Sobald sich ferner die Geschichte der Philosophie auf dem Gebiete der m i t tc l a l t e r l i eh e n Phil o s o p h i c bewegt, kann sie nicht an dem Anteil der Inden an der mittelalterlichen Philosophie vorüvcrgehcn, namentlich müßte sie da das philosophische Hanptiverk des Maimonides borücksichtigen und würdigen, Alles das führt wiedernin tief in die talumdische Gedankenwelt hinein. — Zur philosophischen Fakultät gehört ferner das weite Gebiet der Philologie, Da ist es denn sicher, daß der Talmud eine große Bedautung für die o r i o n t a l i st i s ch e Philologie hat. Er ist ja doch teils hebräisch, teils aramäisch geschrieben. Sowohl ans dem Gebiet der Lexikographie dieser Sprachen als ans dem Gebiet ihrer grmnmatischci! Bearbeitung ist schon viel geleistet worden und auch noch viel zn tun. Man denke ai Dal mans Arbeiten, ferner an die Nenausgabc des Wörterbuches von Le vH, an die Grannnalik von 9J! n tzgo l i s und an 3)1. Schlesing e r, „Satzlehre der araiiiäischoi! Sprache des babylonischen Talmud", Beziehungen bestehen natürlich auch zwischen der rabbinischm Literatur im weiteren Sinne uub der romani sch c n und gc rii! a n ist! scheu Philologie: dcini in Frankreich und Spanien bestanden ja blühende rnbbinische «chuten, außerdem ist das sogenannte „Jiddisch", das Indo»de»!sch, eine mich innerhalb der germanistischen Wissenschaft interessaute Erjchcimmg. Inden haben in den verschiedensten Zeiten auch als dentsche Literaten sich hervorgetan, Plair denke ferner an Lessings Freundschaft mit Ät o ses '})! endeissohn und an Lessings „3t a t h a n den We i s e n". Tie sogenannte „klassische" Philologie und Archäologie findet in den rabbinischen Schrillen der römischen Zeit und des Hellenismus eine Fülle von in das Hebräische und Aramäische übergegangcnen lateinischen und griechischen Fremdwörtern, ferner — man denke ,z, B. an den talinudischen Traktat über den griehsisch-rvinischei: Gottesdienst — auch a r chäologt s ch e s liiaterial über die außcrjiivischeii Kulte. — Das; der Talmud dem Historiker des Römischen Gleiches, Aleranders des Großen stAlernndcrsagen im Talmud), des Perser¬ Gelbst am Vottslrauertag ... Das Hakenkreuz im Reichstag. Bei der vom Bvlksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorgc voranstattcten Kriegsgefallcnm-Feier im 3teichstage, an der die Reichs- und SiantSrcgicrnngen, an der Spitze der Reichspräsident, ieilnahinen, wollten auch die freiheitlichen Studenten, zu denen auch die jüdischen Korporationen gehören, chargieren. Sie waren von dem Botlsbnndc dazu offiziell ausgesvrdert worden. Als jedoch die völkischen Kvrporativnsvcrbände drohten, der Feier fernzubleiben, wenn auch die iiichtvölkischeu Korporationen chargieren würden, rief der Leiter der Aernnslaltnng, Oberregiernngsrat Weiß (nicht zu verwechseln mit dem Polizeivizepräsidenten Weiß) den Vertreter der freiheitlichen Korporationsverbünde telephonisch an und teilte ihm mit, daß das Chargiere» dieser Verbände inorpportnn sei. Tie Banner und Farben der staatsbejnhenden deutschen akademischen Jugend — mit ihnen die jüdischen Stndenten — durften sich im Reichstage nicht zeigen: — dafür wurde die H a k c n k r c „ z f a h n e von einer nationalsozialistischen Abordnung in Hitleruniform am Schluß des Studentenzcigcs in den Plenarsitzungssaal des Neichsrags getragen und der Loge des Reichspräsidenten gegenüber nnfgcstcllt. 9Jüt Recht stellt der „Schi l d", das Organ des!K e ich 3 - bundes jüdischer Frontsoldaten, bei der Besprcchimg dieses von allen auf dem Boden der Volksgemeinschaft stehenden i Deutschen als schimpflich empfundenen Vorfalls die Frage: reiches, Babyloniens, Palästinas und seiner Nachbarländer eine reiche Fundgrube ist, ergibt sich aus der'Zelt seines Ursprungs , und . dem Ort s«ner Entstehung (Palästina und Babylonien). Hierzu kommt die Bedeutung des Talmud für die jüdische Geschichte desjenigen Zeitraumesb den er umfaßt, ferner z. B. für eine.wichtige Hilsswisfen» schiyt der Geschichte, für die Numismatik. Auch die Aölkerki, nde. die Folklore die historische (8 c o g r a p h i c finden im Talmud einen reichen Stoff. , ) (S3 nud) Tnlmndstcllcn m c. thematische ir Inhalts, wie auch die Psychologie und Aesthetik eine Fülle von Material im Talmud zur Auswertung finden. 3Nan denke m ästhetische. Problcme, an Fragen der Nusdruckskunst, wie ste in Verbindung mit dem „E r z ä h! n n g s st i l der Evangelien" in meiner gleichnamigen ^clirist (Verlag Hinrichs in Leipzig) skizziert werden, und zwar im Zusammenhang mit der sogenannten „gormgeschichte der Evangelien", die ohne die eingehendste Kenntnis der Formgeschichte des Talmud gar nicht vollgültig und sachgemäß erörtert werden kann. Für die Erforschung orientalischer und insbesondere hebräischer Erzäh. l u I! g 8 k i! II st bietet der Talimid eine reiche Fundgrube. — Endlich sei noch ans die Bedeutung des Talmud für die Pädngvgik hingewiesen, Ter ganze Talmud stellt einen großzügigen Versuch dar, das gesamte Volksleben mit der Thora, d, h. mit der Erfnllnng des göttlichen Willens, mit der peinlich genauen Durchführung des mosaischen Gesetzes z>i dnrchdringen. Diese umfassende v o I k s p ä d a g o g i s ch c Aufgabe >vitt der Talmud lösen, Ans das Lehren und Lernen legt er daher das größte Gewicht und gibt genaue Lorschristcn über die religiös-sittliche Erziehung der Kinder von frühester Jugend an. In Stracks „Einleitung in de» Talmud" findet man datier mich eine Reihe von Schriften aiifzezählt, die sich mit der talinudischen Pädagogik beschäftigen. Die Seliristgelehrten ivaren nicht nur jnrislische Gelehrte, sondern auch Boltserziehcr. Sic ivußte» genau, daß sie dem Volk die „Thora" in v o l ts! ü in l i che r Weise zu bieten hatten. Daher die sogenannte „Haggada", d, h, volkstümliche Lehcweise. die »eben der svgenanirten „Halakha", d, h, der streng juristische» Gesetzeskasnistik, steht. Zur „Haggada" gehört das „Gleichnis", wie tvir das ja auch bei Jesus finden, und zivar in engstem Zusammenhang mit der entsprechenden Lehrwoise seiner ravbinischcn Zeitgenossen, So erhcllkt auch von hier aus die große Bedeutung des Talmud für die Pädagogik, Wie man sicht, hat der Talimid zu allen vier Fakultäten sehr wichtige und ans der Natur der Sache folgende Beziehungen, Man möchte daher den oben erwähnten wissenschaftlichen Instituten innerhalb der Universität eine gedeihliche Weitereiitiviälung wünschen. Auch das sei noch gesagt, daß die „Volksausgabe" des babylonischen Talmud, die jetzt erscheint, sicherlich dazu beitragen ivird, auch der iv i s s c n s ch a f t l i ch c n Bedeutung dieses großen Sammelwerkes zu gesteigerter Beachtung zu verhelfen, Freilich ist eine Uebersetzimg des Talmud ins Deutsche keine sehr leichte und bequeme Lektüre, Man muß sich dabei aus viele Einzelherten und anschelnendc Kleinigkeiten eiiistckleii. 3)lan muß bedenken, daß es sich liier um eine sehr mannigfaltige Traditionsliteratur handelt und znm großen Teil um eine juristische Literatur, Stellt man sich aber aus alles das ein, so ivird jeder, mag er von noch so verschiedenen Gesichtspunkten ansgehen, in jedem Talinndtrakta! vieles finden, ivas ihm lehrreich und wichtig sein kann. „Können die Veranstalter überhaupt nur ermessen, was es heißt, wenn in einer solchen Stunde einer Mutter, die um ein blühendes Svhncsleben, das sie im Kriege dahingcben mußte, ihr Leben lang trauert, dieses Zeichen der Beschimpsung jüdischer Menschen, jüdischer Lehren und des Judentums überhaupt als Dankbarkeit des Vaterlandes vvr Augen gehalten wird? Wieder einmal ist cs den Nationalsozialisten Vorbehalten geblieben, heiligste und letzte Gefühle mit ihren Heranssorderiingen zu treffen. Sie mögen sich änßertich in ihrem „Erfolg" sonnen. Tic Geschlossenheit des deutschen Volles am Vvlkstranertag. die bisher bestand, haben sie anss schwerste erschüttert. Wer hat den 3)!nt, eine solche Handlmig als vaterländisch oder national zu bezeichnen? Der Volksbnnd Dentsche Kriegsgräberfürsorgc, dessen hoch anzuschlagendes Verdienst es ist, die Kriegergräber überall in Deutschland und ans der Welt unterschiedslos zu betreuen und im deutschen Volk eine» Tag cingesnhrt zn haben, an dem sich alle deutschen Staatsbürger in Trauer um die gefallenen Helden einhellig vereinigen, ist mit ernstem Nachdruck zu fragen, >vie er zu dieser schivcre» Störung bei der Reichstagsfeier Stellung nimmt. Werden nicht ansrcichendc Sicherheiten dafür geboten, daß ein solch beschämender Vorfall in Znkunst »nterbleibt. so werden in Achtung vor allen Gefallenen »nd in Achtung vvr uns selbst wir jüdischen Frontsoldaten die Folgcrnngen ans dem Vorfall ziehen, die unsere Ehre gebietet." 'Auch »ns scheint cs nvttvendig, daß dieser Vorgang gründltchst geklärt wird. Der Volkstrancrtag hat nur dann einen ein», wenn er ein dräuettoq des ganzen Volkes ist, . * .-Je .

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