Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 2 (Februar 1929)
- Date
- 1929-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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sMPfc ife ✓ osmsche ^ampsesweise Der Woribruch von Meve. fc In Cleve fand vor einiger Zeit eine Versammlung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei statt, zu der ursprünglich ein städtischer Laal zur Verfügung gestellt worden war. Nachdem der Würgermeister jedoch erfahren hatte, das; man den Juden den Ei>iftritt verwehren wollte, war den N a t i o n a l s o z i a l i st e n der »Saal entzogen worden. Diese erklärten daraushin schriftlich, ' daß sie aus ihren Plakaten die Worte: „Juden haben keinen Zutritt" Ostreichen tvürden und daß zu der Versammlung tatsächlich jedermann z willkommen sei. Nachdem die Nationalsozialisten ans diese Bes dingungcn cingegangen waren, wurde ihnen der Saal wieder zur . Verfügung gestellt. Einige unserer Freunde besuchten die Berjsammlunq. Nach kurzer Zeit wurden sie jedoch von .dem Versammlungsleiter a u s ge s o r d e r t, den Saal :zu verlassen, da Juden der Antritt verboten scr. flau batte heldenhastcrweise n a ch Beginn der Versammlung an die -Tür des Versammlungslokals ein kleines «child gehängt: „Juden eist der Zutritt verboten", und entfernte die jüdischen Zuhörer mmemchr aus dein Saal mit dem Hinweis daraus,' daß ihr Verbleiben : Hausfriedensbruch dnrstclle. Ans Grund dieser Vorkommnisse gab - der B ü r g e r m e i st e r der Stadt C l e v e in der Ltadtvcrordnctcn- : Versammlung vsseutlich folgende Erklärung ab: „Die vorkonnnniffc in der Versammlung der Nationalsoztalisiischen Deutschen Arbeiterpartei am 12, d. M. sprechen r Odi gegevenen Zusicherungen, die zur Hcrgabc de» Lchwanens saalcs fiir die Versammlung gesührt haben, geradezu Hohn. ' Blau lieh die Mitbürger jüdische:, Glaubens zuerst anstandslos in den Laut, um sie daun nach einer halben Stunde wieder daraus zu entfernen. Vtustcrhalb des Saalcs sollen auch Roheiten vorgckoinmen fein. . . . , Derartige Vorkommnisse, Sic mir geeignet sind, die heute i mehr denn je notwendige Eintracht unseres deutsche» Volkes s z» stören, sin^ tief zu bedauern. Tie Folgerung, die Stadtvcrivaltnng unb «trtbtöcrtu'tnna aus diese» Vorkommnissen ziehen, ist > selbstverstaudlich die, daß der Nationalsozialistischelt Deutschen » Arbeiterpartei der Lchwanensaal in Zukunft nicht mehr überlaffc» n,erden wird. . . . > Tie Trtsgruvpenleituug versuchte inzlvischen dar,»tun, das; die! indischen Älitbürger hätten enisernt ioerden »liisse», Iveil sie die Absicht qebabt batten, zu provozieren. Tie bisher angcstellten Ermittlungen haben aber hierfür keinerlei Anhaltspuiiltc gegeben." Llm ihre Säle zu füllen. : In dem „W i t t c n e r Tageblatt" vom!B Dezember l‘J28 erschien ein Inserat der iintiviialsoziatisiischen deutschen Arbeiterparlet iHitler- Bewequual, Ortsgruppe Witten, das zun. Besuch einer Masson- -kundgebuiig am gleiche» Tage einlud. Daneben erschien ein ebenso großes Juierat mit der Eiuladuuq zu derselben Maiseiikuudgebuiig, uinterzeichnet „Ntitglieder vom Jmlungsnilsschuß und Verein Gewerbetreibender muiilmite" «siehe Nr. Ii. Zm „Witleuer Tageblatt" vom 13. Dezember wurde daram'hi» das hier als Nr. 2 iviedergegebeue Inserat vervsfeutlicht. I» der gleiche» Nuuimer erschien auch nachstehendes „Eingesandt". Der Inhalt der Inserate, die wir stark verkleinerter hier wiedergebe», spricht für sich selbst. nqsausschus; und Pen Ausgabe des „Witte ‘'ifdjc deutsche r aeiioffonfc()a,tcu gesp.ochen machung r Anzeige ij werden soitt Dieses Theiiia ^ist zcitgeinajh ^und die der'so, daß es aussicht, als ob der Ininlnzsausschnsi betrcibciidcii aausleutc als Organisation hinlcr dem Ausruf der Partei ständen. Di- Wort- „Mitglieder vom" sind sehr klein grdruckt, wahrend die Worte „Innungsansschuß und Verein der gewerdeireibendon •Stauffeute" ausfällig dick gedruckt sind, so dag der Leser der Anzeige zu dein Glauben kommt, als ob die Organisationen dahinter ständen. Gegen diese» Mißbrauch der Namen der Organisationen, erheben v. spruch. Die Anzeige P"!1 '' Qeffentliche Irreführung MiMleule. «AM * heute abend Sh-Mr im slädl. Saalba« wo gesprochen wird über: „Die Vernichtung desMittel. standes durch Warenhäuser n. Konsumgenossenschaften.^ S« geht um eure Existenz, ZnnungSausschuß und Verein gewerbekreibender Sausleute. gröblichen Namensmissbrauch betreibt die Nationalsozialistische Arbeite, varlei, die »nbeingterlveisc dieNameii unserer wiaichnftuchen, polnisch-nemrale» Lrgonisationeu ni einem ötsenllichen Äiurus zur Teilnabme an einer Parleikundgcbung »nstbrancht. So sehr die bniwr uns stehenden Kreise mit dem Voriragsihrma: .Tie Vernichtung de? Mittelstandes durch Warenliäuicr n»d Konsum, nenossenschastknauch sympathisieren werden, so können Ivir ooch Icrer Weise linieren Namen z» , brauchen Wir werden hicrge initaller Eulschiedenh, i! vorg, Verein der ieweriefrelbemlen Kanileuts. miVh? eäs^'Bbiau4 •i"'b Irreführung der beleiliäten «reise Klage ' , " Bride Organisationen erklären ausdrücklich, daß sie Partei- -?>t,A $?r*Uttbn* bch, entschieden «erbitte«, «em»-»«st ügimd. b„S?1“fo)‘$cn .^rganlsationen in den parteipolitischen Kamps yt-remge-ogen werden. Nochmals erklären wir, dast die fraaliche Änre^p vslne Wissen m.d 3»t«n unserer Organisation in die Zeitung gekommen Jnnung-ausschutz Witten, gez. Husf. ‘,V. Siero.zrMMMbm,. Berlviistnngen auf dem israelitischen Friedhof in Gladbeck. — Zugehörigkeit der Täter z« den Nationalsozialisten festgestellt. Den krautigen Ruhm, die Liste der Fricdhossschündungenwieder um eine vermehrt zu haben, hat die Stadt Gladbeck errungen. In der Nacht vom 19. zum 29. Fannar wurden auf dem Kommnnalsriedhof an der Feldhauser Ttraste in Gladbeck, von dem ein Teil als jüdischer Friedhof abgegrenzt ist, eben in dieser jüdischen 'Abteilung nlehrere Gräber verwüstet und süns Grabsteine umgestttrzt. Es gelang den Tätern, selbst einen schweren Stein nmznwerfcn, obwohl er durch Eisenstäbe in dem Sockel eingelassen war. Au dem mittelsten der drei Gräber ist der Stein von dem Sockel gewaltsam abgebrochen. Aus den nächsten beiden Gräbern, dem vierten lind fünften, habeil die Bnbeiihände sich in besonderer Weise, noch dadurch betätigt, Vast sie die dort cjngesetztett frischen Blumen abgeschnitte» bzw. glatt vom Stengel abgerissen und aus den Gräbern verstreut haben. Ter Frevel hat, wie der rechtsstehende „Gladbecker Anzeiger" und das amtliche ftreisblatt, die „Gladbecker Zeitiliig" übereinstimmend schreiben, nicht nur in der israelitischen Gemeinde Gladbecks berechtigte Empörung hervvrgcrnsen, „auch die übrige Einwohnerschaft verurteilt ihn aufs schärfste und bedauert außerordentlich, daß es hier Elemente gibt, denen die Pietät vor der Ruhe der Toten abgeht". Ter Gladbecker Kriminalpolizei gelang es erfreulich schnell, die Täter zu ermitteln. Sie >var auf der richtigen Fährte, als sie von Anfang ait die Uebeltüter in rechtsradikalen O r g a n i s a t i o n e n stichle. Vergeblich hat der Führer der nationalsozialistischen Ortsgruppe Wilde in einem Zeitungs-Eingesandt „in aller Lesfentlichkeit im Namen der Gladbecker Nationalsozialisten jeden Verdacht zurückgewieseu"; im Augenblick, da seine Verwahrung im „Gladbecker Anzeiger" erschien, war bereits fcstgestellt, daß der Hanpttüter, Marzinak, eingeschriebenes Mitglied der dortigen nationalsozialistischen Ortsgruppe gewesen war, aus der er seinen Austritt ivenige Tage vor der Tat brieflich an den Vorsitzenden gemeldet hat, weil ihm die Organisation „nicht aktiv genug" wäre. Der Vorsitzende wußte aber diese besondere Attivität Marzinaks so gut zu schätzen, daß er ihn in einem der Polizei jetzt vorliegenden Briefe aufforderte, doch w e i t c r die ge mc i u s a in c n Ve r sa m m l u u g c n zu best, ch e n. Während Marzinak für seilten fanatischen Judenhaß Unterstützung bei seiner Mutter fand, deren Wohnung zahlreichen Hakcnkrcu.zschmuck attfwies, durfte der zweite Täter, Mnsebrink, der nationalsozialistischen Ortsgruppe nnr deshalb nicht beitretcn, weil seine verständigere Mntler ihn davon znriickznhalten wustte. Da beide Täter voraussichtlich vor dem Jugendrichter zur Aburteilung kommen werden — der eine ist eben 17 Jahre alt, der andere wenige Monate jünger —, ist zu hoffen, daß sie für ihr ferneres Leben sich dent Einfluß verantwortungsloser Hetzer, die wie in ähnlichen Fällen trotz ihrer moralischen Verschuldung straflos bleiben, zn entziehen wissen werden. Die gesamte Bürgerschaft von Gladbeck, die seit dem 2l. Januar, als die Freveltat bekannt getvorden war, sichtlich unter einem schweren Druck gestanden hatte, ist wie von einem Alp befreit, seitdem die Täter gefaßt sind. Den rechtsradikalem Kreisen und besonders den Nationalsozialisten, die mit Entrüstung jede Schnld an solchen Taten abznlehnen pflegen, ja, sich nicht scheuen, die Inden selbst der schimpflichen Taten zn bezichtigen, ist hier wieder einmal der klare Beweis zumindest ihrer geistigen Urheberschaft erbracht. Es wäre dringend zu wünschen, daß der Richter sich nicht mit der Verurteilung der beiden.-. Täter begnügt, sondern die wahren Zu sammeln7 s h ä n g e a u f d e ck t. ■ ■ •.. H 9742^67871