Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 1 (Januar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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H Anteil -er Iuöen an öer öeutschen riultur. Aus der grosse» Zahl der Juden, die sich bleibende Verdienste nm die deutsche Knltnr erwarben, seien mir solgende Namen erwähnt (als Beispiele!): 1. Technik: Hertz (Vorarbeiten zur drahtlose,: Telegr.); Marens (Scisinograph, Erf. des Bcnzinautos); Jaeobi (Galvanoplastik); ArnStzeim (Konstrnttcur deö Amerika-Zeppelins); Berliner (Grs. des Mikrophons u. Grammophons); Marx (Ers. der Zellnlose). : 2. Medizin: Henoch (Begründer der Kinderheilkunde); StiUing (Grs. d. Gcfäst.intcrbindung); Reister (Gntd. I d. Gonokottns); Ghrlich (Shphiliöbekiimpsnug);! Frünkel (Entd. des Lungettcützündmlgöerregrrö);! v. Wassermann (Typhuösernm, Lhphiliörcakkion); Traube (begründet die cxpcrim. Pathologie). i 8. Ratnrwissenschast: Lieberilinnn (Entd. v. Farbslosfei»: - Hnbermnim, Eaev ». Frank (Crntb. d. Stickstvss-Erzeng. a. d. üiift); Einstein (Physiker), 4. Knnst: n) Maler: Bendelirn»», Lieveeman», Spiro, Hvt,; 1>) Dichter: Heine,?l»erback>, Arnold Zweig, Stesou Zlveig, Schnitzler, Linderer (Stolz locht die Flagge), Werfel, Wassermann: c) Musiker: Meyerdecr, Osfeiilnich, Mendelssvhn-Barthvldh, Mahler, Jonchiiil, Bruno Walter, Attisch: ,t) Tchanspiel: Sonneiithnl, Barneh, Reicher, Pohl, Irene Triesch, Elisabeth Bcrgner, Frist Kortner, Ernst Deutsch, Mn; Pallenbcrg, Fritzi Massarh, Iestner, Yteinhnrdt, 5. Jnristen, Volkötvirtschastler «sw.: Laband. Lüning. Fricdberg, Iastrow, Glaser, Staub, Dernbnrg, Gvtdschusidt (Handelsrechtler), Aieander, Jcltineck. V. Wirtschastsleben: Ballin (Organisator der Hamburg- Ainerikn-Linie): Frank (Kaliindiistrie); Becker (Bernsteinindnstrie: Eniil Rathenan (Schöpfer der eleltrocheinische» Industrie): Walther Nalhenau, Fortsuhrcr des Werkes seines Vaters, 7. Philosophen: Spinoza, Steinthnl, Otto Lirb»,a,:n. Hern,. Eohen, Simmel, Enssirer. Indischer Abstailimullg: Edm, Hnsserl. 8. Nobcl-Preistrügcr: Haber, Einstein, Ehrlich, Meherhof, Willstätcr, Franck. 9. Forscher: Dr. Kaiser, erster Gouverneur deS Schnstgebietes: Nordpolsorschcr Bcsscls: Afrikasorschcr Emin Pascha - Dr, Schnitzler (neben Stanley Heros der Asrikasvrschnng), Wenn man das völkische Rezept befolgte: ,,alle wisscnschastlichen, technischen und überhaupt kulturellen Leistungen der Inden werden nicht mehr angcwnnd!!" — Wer hätte den Schaden davon? — Das deutsche Volk'. Oder können etwa die Völkischen mit Ersatzleistungen aufwarten? Mo ist der grosre völkische, ärztliche, technische Wisse», schastler, wo der Schauspieler usw.? ftuf 6cm Zrieöhof. Eine Toienfonntagsecfahrung. I» Ar, 2 76 der Zeitung „Der Rheinpsälzcr" von, 26, November v, I. lese» wir nachstehendes Eingesandt, das jede» Kommentar überflüssig inachi: „Altjälulicb, tvnlnen? der herbstliche» Tolcnaedcnktanc. besucht eine ehemalige UeicMarareUplleanin den Äriegcrcl,rc»srledl,vs. um die Gräber ihrer Psle,zeb.suhleneu. N'ctckie sic in hicsinen Lazarette» eines bittere» TedcS batte sterben sehen mütien. mit Blimien zu betreuen. Während sie vor einigen Tagen in wehmntsvoltei» Gedenke» an den Rnheslällcn teuer Jünglinge und Atüuner vcrwcillc, die i!,r dankbar die Hand gedrückt, elic sie die Anne» zmn cnügen Cchtnmiuer sclilictzcii muhten, sültt ihr Alirk aus einen da? Erüberscld an beherrschender Stelle angebrachten Kranz, den, mit zmct Halcnlreiizcu versehe», die Aatiounlsozialistische Arbeiterpartei, Ortsgruppe Landau, den Toten geUvidmet hat, Ter junge» Frau, sie ist Jüdin, krampst lieb das Herz sä,merzt,ast zusammen. Eie hat sich, wie zalilreicbe andere Flaue» und Mädchen, von Anbeginn bis Ende des mörderische» Eescheheus in den Tienst der Kricgspslcge gestellt und hat die ihrer Sorge anvcrlrantcn Kranken, Verwundeten, Vcrstünuucltcn ohne Ansehen van Stand und Glauben bei Tag und Nacht unermüdlich gcpstcgt, und nun fragt sic mit tiefer Trauer im Herzen: Ist cs wünschenswert, ist cs nvüucudig, das, selbst au der Stätte des Todes, au der Ställe etrügen Friedens, an geheiligter Stätte, da? Abzeichen der Nndutdwmtett. der Feindschaft zwischen Mcusch und Mensch seine dräuende. berleheudc Form enthüllt? Wärmciidc Ravembersamic inuschmcichctt alle Gräber, giesst über die Totcnstadl gvldcncn Frieden: Blumen. Zeichen der Liebe, schmücke» alle Gräber, zengc» Vvu »varinem Gedenken trauernder Menschen! Fried,! Liebe! Ntcirselu-uhcrz, warn»» bcrstvckst du dich in Biltcrlcii und Hast, lnannn begibst du dich der bcgtiickeudstcu und edelsten aller Gefühle, deren cs sühig ist: der Duldsamkeit und der Menschenliebe. Wahrlich, arm ist der Mensch zu nennen, dcsie» Hass nicht halt zu iiiacben vermag an der Stätte, da aste Menschen gleich sind vor eine m Gatt. da Erde sviederkchrt zur Erde, da Staut' wird zu Staub, jetzt und immerdar! Eine chc'nnlsgk Lazarettpslegerin. Air i'ofltn ms ntimtit m» ms feftMta! von De. Muller-Clauöius. „Auf dem mir eigenen Gebiet, dem militärischen," — so schreibt der Generaloberst von Seeckt in seinen sehr gegenwartsoffenen und sehr vcrantwortimgsbewusttcn „Gedanken eines Soldaten" — „verfolge ich das Schlagtvori au? einem ganz bestimmten Grsind, weil es hier im eigentlichen Sin» tödlich wirken kann und mufj, weil dem militärischen Schlaglvort Tausende von Menschenleben geopfert sind . . ." Nun, lvir wissen, das; auch Politische Schlagwörter töten können. Zuweilen löschen sie Menschenleben ans, immer den Geist. Ein solches Schlagwort heisit: die Lage. ES ist ein Sammelplatz der Deserteure vor dem aktiven Gewissen. Wir insormicren uns im Klubsessel über die Lage unserer Partei und die Lage der „anderen" und legen dann die Zeitung niifatmend mit dem befriedigten Bewusstsein pfiichtgemäsier Kenntnisnahme beiseite, und diese Kenntnisnahme verpflichtet zu weiter gar nichts als zum Erwarten der Fortsetzung des politischen Lageberichte? in der nächsten Morgenausgabe des LeibblatteS. Und ähnlich ergeht es, wie ich anS eigener Anschauung berichten kann, sehr viel gedruckter Aufklärungsarbeit des (5. B. Man ist lein Antisemit, gewiss nicht, man liest in der ,.E. V.-Zcitung", informiert sich Uber die Lage hüben und drüben, stellt mit Geimgtnnng fest, daß man doch nicht so engstirnig ist, daS Schreien blinden Hasses mit?,»machen, lind ist gespannt, lote sich „die Lage weiterentwickeln" wird — mtb so ist man dem Wesentlichen entronnen (da? immer das Aktive ist): der Entscheidung darüber im Gctvissen, lvaS denn die Lage von uns fordert. DaS Wissen nm die Lage ist weder Macht noch Kiiltnr, wenn cs nicht da? persönliche DerantlvortungSbetvnsttsein entzündet und znr Aktivität anfruft. Was fordert die Lage von uns, die wir nicht Inden sind und den Antisemitismus als ein Krankheitssymptvm, als eine Verkrüppelung deS deutschen Denkens wisse»? Seien wir ganz ehrlich. Es ist doch so: Wenn ich heute in einen Kreis eintrete, der detiische Gesinilung mit völkischer Gesinnung gleichsetst, und ich sage: Mein Name ist Eohn, so rückt man von mir ab. Man hat leine Diskussion darüber notig: ich bin der Feind, man lvird mir erklären, man könne mit mir nichts zu tun haben, ich sei kein Deutscher, sondern ein Ausländer, und zwar ein unerwünschter — ich bin in den Gedanken des Kreises gleichsam füsiliert, ausgemcrzt, abgetvehrt. Man verfährt mit mir eindeutig, wie inan eben glaubt, mit dem Angehörigen einer grossen sind uuhciinlichcn, an alten Bahnen des Weltgeschehens höchst intensiv beteiligten, nun aber in ihrer ganzen Taktik dlirchschantcn Macht Verfahren zu müssen. Was aber auch in der brüskicrendsten Ablehnung dnrchbtickt und gerade an der Leidenschaftlichkeit der Gegnerschaft erst recht deutlich wird, ist doch dies, das; man das Judentum als eine höchst vitale, unerhört geschärfte und erprobte Macht weist und anerkennt. Eine mit Hast beworfene, mit allen Mitteln anzngrcifende Macht — aber eben doch eine M a ch l, wie denn die völkischen Kreise sich selbst alS ein volksnvtwendigcs und ans sehr breiten Schichten des Volkstums immer wieder gespeistes Mnchtmifgcbvt betrachten. Wen» ich hingegen in denselben Kreis trete und sage: Mein Name ist Mütler-Elandins, und ich halte den Antisemitismus für eine Massensnggcstivn, deren Quellen ich Ihnen zeigen möchte, damit Sie frei von ihr werden und zum kritischniünnlicheit Gebrauch ihres wieder autonom gewordenen Urteils znrückgeführt ivcrden — dann wird man mir, und zwar v v r aller sachlichen Erörterung, damit jeder sachlichen Erörterung ausweichend, die Frage eiitgcgcnhaltcn: Wer bist du? Welche lebendige Kraft hat dein Gedanke denn im Volkstum zu entfalten vermocht? Siehst du nicht, das; nicht dein, sondern unser Denken getragen und spontan ergriffen wird von denen, die ganz und gar deutsch denken, sichst du nicht, daß unser Denken so sehr eine artgemüsie, nrsprüngliche, instinktsichere Kraft ist, das; sie Massen mit der Macht der Leidenschaft zu erfüllen veriuag — und anderseits bis zur reinen Nniversitätswissenschaft hin